Ich habe schon als Kind immer diese Eltern verabscheut, die in den hässlichen Prekariats-Ghetto-Mehrfamilien-Wohnanstalten ihre verblödeten Bälger vom Fenster aus zum Abendessen rein gebrüllt haben (eine besonders scheußliche Frau rief ihren besonders ekelhaften Sohn namens Dirk ständig „Dirkie“, meine Mutter verstand das anfangs immer als „Birgit“ und wunderte sich beim Anblick des nahezu glatzköpfigen Rotzbengels nicht schlecht), mit jener typischen Ignoranz für jegliche soziale Außenwelt, die eventuell keinen Bock hat, ins Elend ihrer familiären Zurechtweisungs- und Kommando-Strukturen einbezogen zu werden, und es gibt momentan wirklich kein Kunstwerk, das solche noch vage aus der frühen Kindheit erinnerten Phänomene des alltäglichen Irrsinns mit einer solchen Sensibilität aufzugreifen und auf köstlichster ästhetischer Ebene verarbeiten zu vermag, wie Groenings „Simpsons“.
Ich wunderte mich beim erneuten Anschauen der Szene auf Youtube zunächst darüber, dass der angebrüllte Milhouse gar nicht zu sehen ist (normalerweise gibt es in solchen Fällen immer einen kurzen Cut in Milhouse Mussolini (seine Großmutter ist Italienerin) van Houtens Kinderzimmer, wo er entweder heimlich mit Puppen spielt oder – noch heimlicher – die Teletubbies guckt statt den von Bart empfohlenen Splatterfilm), ich hätte schwören können, dass er kurz gezeigt wurde, aber sah dann ein, dass die 15-sekündige Einstellung auf Homer dem Zweck der Szene letztlich wohl doch gerechter wird, da die Totalität elterlicher Kommunikationsbarbarei so noch offenbarer wird und das angesprochene Kind, das 10 Häuserblocks weiter wahrscheinlich irgendwo im Sandkasten hockt, wirklich nur als Anbrüll-Objekt Beachtung findet.
Die Simpsons wären nicht so lustig, wenn Matt Groening nicht so genial wäre; alleine diese Szene könnte ich mir schon wieder stundenlang angucken. Simpsons-Szenen – und überhaupt fast alle Simpsons-Episoden – sind in ihrer ästhetischen Wirkung verwandt mit guten Popsongs: je öfter man sie sich zu Gemüte führt, desto besser werden sie, desto besser versteht man sie, desto mehr liebt man sie.
Die Zeit, in der man heute gezwungen ist, zu leben, und die natürlich in Wahrheit nichts mit Zeit zu tun hat, sondern eine politisch bewusst bestimmte und durchgesetzte Gesellschaftsform ist, die sich des Kostüms einer geschichtlichen Natürlichkeit bedient, ist ja geprägt, sekundiert, konstruiert und begleitet von einer Verfälschung jeglicher Darstellung und Beschreibung ihrer selbst. Ohne einer solchen ideologischen Vernebelungsmaschinerie hätten es die herrschenden Arschlöcher definitiv viel schwerer, ihren Laden am Laufen zu halten und die Entwicklung hin zum Kommunismus zu verhindern. In diesem Monat feiert die global organisierte Konterrevolution (also alle) ein besonderes Jubiläum, und die Presse, die Nachrichtenagenturen und überhaupt der gesamte mediale Verblödungsapparat des Kapitals konzentriert sich dabei auf eine noch brutalere Realitätsverfälschung als ohnehin schon.
Die Hässlichen haben die Definitionsmacht über Schönheit, die Dummen haben die Begriffsbestimmungshegemonie über Klugheit, die Analphabeten haben die Definitionsgewalt über Literatur, und die Reaktion, also der institutionalisierte Rückschritt, bestimmt, was Fortschritt zu bedeuten hat; an diesem elenden Umstand liegt es, dass heute gar keine Antikommunisten mehr an der Macht sein müssen um die Menschen gegen Sittlichkeit und Wahrheit aufzuhetzen; es reicht, wenn den Leuten jegliche Kriterien zur adäquaten Realitätserfassung aus dem Bewusstsein getrieben werden – in diesem gesamtgesellschaftlichen Zustand völliger Verblödung stellt sich dann der Antikommunismus, mithin der der Mächtigen, von alleine ein.
Der hirnvernichtungsindustrielle Großlieferant für Begriffe stutzende Nachrichtentexte, die Agentur AFP, berichtete gestern dementsprechend realitätsverachtend (naive Soziologen bezeichnen so etwas verblödeterweise leider immer noch als „Positivismus“) über das vom Springer-Verlag initiierte offizielle Treffen der drei Vorsitzenden der Wiedervereinigungsmafia, die korrigierte Fassung gibt es nun für alle an einer einigermaßen gesitteten Restöffentlichkeit Interessierten exklusiv bei LYZI‘S WELT:
Kohl, Bush senior und Gorbatschow würdigen deutsche Einheit (politisch korrigierte Version)
Zwei Jahrzehnte nach der DDR-Annexion durch die Bourgeoisie der postfaschistischen BRD haben Helmut Kohl, George Bush senior und Michail Gorbatschow die deutsche Einheit als Glücksmoment der Geschichte gewürdigt. Der Altkanzler, der frühere US-Präsident und der sowjetische Ex-Staatschef trafen sich das erste Mal seit Jahren bei einer Veranstaltung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Kohl sagte, er sei „stolz“, dass die Deutschen die Einheit „gemeinsam, mutig und friedlich“ erreicht hätten. Die Millionen (Todes-)Opfer seines aggressiv nationalistischen Kolonisierungsprogramms und der daraus notwendig und vorhersehbar erfolgten Kriege, Konflikte und völkisch-nationalistischen Entrechtungs- und Rebarbarisierungs-Kampagnen in Osteuropa, Asien, Jugoslawien, dem nahen Osten und dem Rest der Welt, sowie die zu Millionen um Vermögen, Lebensglück, Arbeit, Gesundheit, Selbstbestimmung, Rentenanspruch und Würde gebrachten Bürger der ehemaligen Ostblockstaaten erwähnte er dabei nicht. Bundespräsident Horst Köhler dankte den drei Politikern für ihre Verdienste gegen die Humanität.
Der korrupte Altkanzler würdigte im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Leistung der beiden anderen großen Massenmörder der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Bush senior und Gorbatschow, die in der damaligen Zeit „die wichtigsten Partner“ der Bundesrepublik gewesen seien. Der von den Folgen seines schweren Sturzes vor knapp zwei Jahren gezeichnete Kohl sagte, er sei „sehr froh und dankbar“, überhaupt bei der Feierstunde im Berliner Friedrichstadtpalast anwesend sein zu können.
Bush erinnerte daran, dass die Ereignisse des Herbstes 1989 zuerst in den „Herzen und Gedanken“ jener Menschen in Bewegung gesetzt worden seien, die hinter dem Eisernen Vorhang so lange ihrer „Gott gegebenen Rechte“ vorenthalten worden seien.
Gorbatschow erinnerte an die Verdienste der vorangegangenen Generationen um die Vollendung der Hitler’schen Pläne eines großdeutschen Europas. „Das ist ja nicht vom Himmel gefallen“, sagte der frühere sowjetische Staatschef. Zuvor hatte Köhler in einer Rede Kohl, Bush senior und Gorbatschow „im Namen der Deutschen und – ich bin sicher – auch im Namen aller Völker Europas“ gedankt. Die drei früheren Politiker hätten mit ihrer „Staatskunst“ für „Millionen Menschen Türen und Tore aufgestoßen“. „Die Afrikaner hingegen“, so Köhler, „müssen natürlich auch weiterhin draußen bleiben. Menschenrechte gelten eben nunmal nur für Deutsche, Sieg Heil!“
Am Abend setzten die Wegbereiter der deutschen Einheit die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls bei einem Empfang beim rechtsradikalen Axel-Springer-Verlag fort. Auf Einladung der „Bild“-Zeitung trafen der Altkanzler, der ehemalige US-Präsident und der frühere sowjetische Staatschef im Springer-Verlagsgebäude in Berlin ein. Neben den „Vätern der Einheit“ waren zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und sonstiger allgemeiner Bewusstseinsleichenfickerei erschienen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und viele andere Vertreter der großdeutschen Bourgeoisie, die die DDR seit nun inzwischen 20 Jahren besetzt hält, nahmen an dem Empfang ebenso teil wie Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (beide CDU).
Wie sich der Begriff des Spießers im Laufe der letzten paar Jahrhunderte doch gewandelt hat: Einst galt er als Beleidigung gegen den hirnlosen Bürgermob, heute wird er von EBEN DIESEM gegen uns DDR-verteidigende kommunistische Kämpfer für die Wahrheit als expropriierte Denunziationsvokabel gebraucht. Die DDR sei langweilig und Scheiße gewesen, weil sie „ein Spießerstaat“ gewesen sei, berotzte mich erst letztens wieder eine dieser drogensüchtigen verblödeten Lohnschreiber-Journalistencanaillen, die sich ansonsten regelmäßig darin gefallen, das hirntote Zombiedrecknest BRD als aufregend und weltoffen darzustellen, in einer Hass-Fanmail.
Spießigkeit, Verklemmtheit, Verschnarchtheit, all die von Gegenwarts-, Internet-, und Popliteraturdeppen in ihrem Einsatz für den allgemeinen Zwang zur sozialen „Lockerheit“ so gern gehassten Eigenschaften: Welche Wohltat sind sie für den Geist, für den Fortschritt, für die marxistische Wissenschaft und den Kommunismus. Das angebliche, von der konterevolutionären Arschlochpropaganda skandierte Grau-in-Grau des Realsozialismus, dessen alltäglich daherkommende Gediegenheit und Unauffälligkeit: wie wichtig ist es für uns Kommunisten, denn es „verwischt unsere Spuren“, ganz so, wie es der kluge Genosse Brecht schon forderte. Wie überhaupt der gesamte Sozialismus spießig sein muss, um sich durchzusetzen, sich zu halten und zu behaupten gegen die Unspießigkeit und Lockerheit, also: Hirn- und Konsequenzlosigkeit der hedonistischen Deppendekadenz des weltweiten imperialistischen Kinderfresserregimes, das sich sein stetig reproduziertes gesellschaftliches Grauen mit den Fassaden von Undergroundkunst, Technoclubs und Galeriemalerei-Nazimüll versucht schön zu schmücken, während die ganz alltägliche Folter des Irrsinns, das Regiertwerden durch Demokraten aka die Tyrannei des Mobs, den ja die hippielinken Commünistenspinner sogar noch verschärfen wollen in ihrem rigorosen, menschenverachtenden Herrschaftsabschaffungswahn, einfach weiterläuft.
Die Sicherheit, das Strebertum und die Disziplin, die die wichtigsten Eigenschaften sind, wenn man überhaupt irgendwas auf die Reihe kriegen will, sind die erstrangigen Tugenden des Spießers: wie wertvoll sind sie für den kompetenten Kommunismus; so nötig wie nichts anderes. Und am Wichtigsten natürlich: DER DOGMATISMUS! Nichts sinnvoller, nichts wirkungsvoller, nichts besser als ein vom marxistischen Dogma durchdrungener Kommunist, der sich durch keinerlei „freiheitlich-demokratische“ (also: antikommunistische) Fakten- oder Quellenfälschungsscheiße beeinträchtigen lässt in seinem richtigen Wissen um die Richtigkeit und Würde der Wahrheit. Nichts dümmeres, nichts verblödeteres als „undogmatische Linke“, diesem unsäglich behämmerten Mode-Ausdruck für „Trotzkistischer Deppenverein“.
Meine Güte; wie gut es doch war, dass Erich Honecker, dieser liebenswürdige, verdiente Mann des Friedens und der Sittlichkeit gegen den großdeutsch-bourgeoisen Nazidreck kein neoavantgardistischer, pappenfressender, pogender Minimaltechno-Grafikdesign-Wursthaar-Punk-Volldepp war, sondern ein verklemmter, also reflektierter saarländischer Spießer; wie klug und wahr noch seine letzten Worte vorm Politbüro des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei der Deutschen Demokratischen Republik im Herbst 1989 waren, als er dem Frondeur Egon Krenz nach dessen Mitteilung, man wähle ihn nun mal eben ab, nur lakonisch und mit der klaren Durchsicht des gewissenhaften Spießers entgegnete: „Durch meine Absetzung löst ihr kein Problem. Heute bin ich dran, morgen ihr“, während das verblödete Genossenpack in seiner antispießerischen Ideologie des reformerisch-demokratischen „Öffnungsprozesses“ und wie der ganze konterrevolutionäre Scheissdreck damals so genannt wurde, nur dumm aus der Wäsche guckte und keine Ahnung hatte, was er damit meinte. (Krenz, nach Jahren der Gefängnisfolter im Knast des Klassenfeindes, kapiert es bis heute nicht: „Wir wollten es nicht wahrhaben, aber letztlich kam es so, wie Honecker es prophezeite.“)
Die unbedingte Spießigkeit als primäre Haltung wieder zu entdecken und zu affirmieren, ist eine der gegenwärtigen Hauptaufgaben des geschichtsbewussten, entschlossenen Bolschewismus. Kader oder Untergang, es hilft ja nichts. Ohne Spießigkeit sind wir vollends unrettbar verloren im enthirnenden Matsch der antispießigen, also kleinbürgerlich-liberal-libertären Beliebigkeitssoße.
Die größten Idioten erkennt man ziemlich sicher daran, dass sie nach Gründen fragen, wo Zwecke ausschlaggebend sind. Krieg? – Es komme darauf an, aus welchem (womöglich moralischen) GRUNDE deutsche Truppen in einem anderen Land die Bevölkerung terrorisieren, nicht etwa, was für Ziele sie dort verfolgen.
Peter Decker vom Gegenstandpunkt in einem Radio-Interview zu einem anti-israelischen Flugblatt, welches eine seiner Vortragsveranstaltungen bewarb, auf die Frage, was er denn dazu sage, dass rechtsradikale Antisemiten genau dasselbe über Israel behaupten: Naja, WIR machen das ja aus anderen GRÜNDEN! Derselbe Scheißdreck, aber aus anderen Gründen, na dann! Abstrahiert von jeglicher Funktion, die ein politisches Tun zwangsläufig hat, geilt man sich am Fetisch des GRUNDES auf; „Holocaust? – Ja aber sicher, nur wir Linken wollen ihn eben aus anderen GRÜNDEN!“ Wie hirnverschissen kann man sein?
Daniel Kulla auf meine Erläuterung der Wirkung seines Schwachsinns: „…du hast offensichtlich keine Ahnung, warum ich das tue, was ich tue“ (meine klärende Entgegnung darauf wurde natürlich nicht freigeschaltet, klar). Die Motive für irgendeinen lumpenintellektuellen Zitate-Aneinanderreihungs-Anarchismus sind dabei nunmal völlig wurscht. Als würde irgendeine Scheiße dadurch besser werden, dass man weiß, aus welchen niederen Gründen sie praktiziert wird. Es reicht mir, die Wirkung, (nämlich: globale Enthirnung) dieses Mülls zu sehen, da bin ich bedient genug mit. Davon abgesehen ist Kunst, welche erst dann ihren Sinn offenbart, wenn man die geheimen Gründe des Künstlers kennt, keine Kunst mehr, sondern ein esoterisches Rezipienten-Verblödungsprogramm erster Garnitur.
Auch immer gerne genommen: „Du bist ja nur Feministin, weil du hässlich bist und keinen abbekommst!“ „NUR“, das muss man sich mal vorstellen. Ja, aus welchem Grunde sollte man denn sonst Feministin werden, wenn nicht deshalb, weil man eine jahrelange Diskriminierungs- und Unterdrückungs-Erfahrung durch patriarchale Arschlöcherbeförderungsstrukturen hinter sich hat; und als sei nicht auch hier das Wesentliche, welche FUNKTION, welche WIRKUNG, welchen ZWECK der Feminismus hat (siehe auch „Du bist ja nur Kommunist, weil du arm bist!“, „Du bist ja nur karrieregeil, weil du in deiner Kindheit zu kurz kamst!“, usw.). Die betreffende Person wird in ihrer Haltung und ihrem Tun gar nicht mehr ernst genommen, sondern sofort küchenpsychologisch entmündigt, indem man ihr irgendwelche verborgenen, unlautere, „nicht authentische“, „falsche“ Gründe unterschiebt. Es gibt aber keine „falschen Gründe“, sondern nur richtige. Auch Faschisten tun alles, was sie tun, aus den richtigen Gründen, weswegen man auch nicht deren Kindheit kritisieren sollte, sondern ihnen die Fressen einschlagen muss, auf dass sie aufhören mit der Nazischeiße.
Ein weiteres Beispiel: Im Zuge der BSE-Debatte hörte man von Marktwirtschafts-idealistischen Deppen dauernd die Phrase: „Naja, wir wissen, WOHER unser Fleisch kommt, weil ich beim Metzger meines Vertrauens kaufe.“ Creutzfeld-Jacob als Vertrauensfrage, blöder gehts nicht: Als wäre, nur weil der Herkunftshof des zum Schnitzel verarbeiteten Viechs geklärt ist, damit das Risiko der BSE-Verseuchung auch nur im Ansatz gebannt; als sei es nicht gerade der Witz beim BSE, dass 90 Prozent der Rinderzüchter eben selbst nicht wissen, ob ihr Vieh darunter leidet oder nicht, beziehungsweise, wenn sie es wissen, den Fleischmüll nicht trotzdem weiter verscherbelten (Kapitalismus eben, als würde da irgendwen eine paar Leichen mehr oder weniger jucken).
Mit solchem Glaskugel-Hokuspokus machen sich Linke gemein, die in ihrer vollkommenen Hilflosigkeit und Erbärmlichkeit behaupten, es käme auf die GRÜNDE ihres Handelns an und nicht etwa darauf, was dieses Handeln real bewirke (was wiederum durchaus nachvollziehbar ist, wenn man bedenkt, dass der Großteil dieser Handlungen eh keine wahrnehmbaren Auswirkungen auf irgendeinen Bereich der Wirklichkeit hat).
Gründe, Motivationen, Ursachen, werden immer dann angeführt, wenn der betreffenden Person der Sinn und Zweck, also: die Funktion seines Tuns peinlich ist oder es eben einer Rechtfertigung der eigenen Schweinereien bedarf. Der Stalinist hingegen pfeift auf den Authentizitäts-klärenden Innerlichkeits-Bullshit und macht sich am Wirklichen zu schaffen. Die Erfolge dieser Haltung sind, wie spätestens seit 1945 jeder weiß, beachtlich.
Ich vertraue keinem Plakat und habe mich informiert, weiß daher also auch, dass die Piratenpartei – diese Prekariats-FDP für freiheitsliebende Sesselfurzer und Digitalbohèmians – eine semi-rechtsradikaleVereinigung von liberaldemokratischen Urheberrechts-Idealisten und Internet-Arschlöchern ist, die „weder rechts noch links“ (irgendein Piratendepp letztens im TV) – also: unpolitisch, populistisch, irrelevant und überhaupt ein verkokeltes Arschhaar am Zombie-Kadaver des Kapitalismus – sein möchte, und welche sich vor allem beim komplett hirnverkotzten Spiegel- und heise-online lesenden Filmdownloader- und Open-Posting-trainierten Netz-Gesindel derzeit großer Beliebtheit erfreut, sich allein schon deshalb jeglichen Hass von Seiten der kommunistischen Vernunft tüchtig verdient hat.
Wer Plakaten zu vertrauen pflegt, hat sicherlich einen an der Waffel, wer jedoch hobby-politischen Internetfreiheits-Flashmob-Canaillen und ihrem hirnlosen Separatisten-Wahlprogramm vertraut, hat auf jeden Fall nur noch Brei in der Birne.
Wählen ist sowieso verkehrt – deshalb auch am Sonntag wieder: DKP* ankreuzen!
___________________ *Die DKP, dieses deformierte Produkt bundesdeutsch-bourgeoiser Zensur-Anstrengungen gegen den Kommunismus, das leider genauso aussieht, wie die herrschenden Antikommunisten es als volksverträglich empfinden, ist nämlich die einzige Partei mit einem Intellektuellenflügel (Flügel-Mitgliederanzahl: 3).
„Dass die gegenwärtige Welt der monopolkapitalistischen Krise, die in erster Linie durch die stalinistische Barbarei der Ostblockstaaten hervorgerufen wird, nicht alternativlos ist, sondern sich nur mittels härtester Gewalt und durchdringenster Ideologie ins Recht zu setzen weiß, und dass sie dies vor allem immer wieder auf unsere Kosten, also auf Kosten der Substanz des wahrhaft Menschlichen tut, das alles bestätigt uns immer wieder in unserem unerschütterlichen Glauben an die Grüne Partei.“
(Roy Black, „Ganz in grün – Prolegomena zu einer wertkritischen Theorie stalinistischer Herrschaftsverhältnisse im Spiegel meiner eigenen Hirngrütze“, Eigenverlag, Braunau 1982.)
Ein sehr symptomatisches Beispiel für linken Antikommunismus findet sich mal wieder – diesmal anlässlich einer Veranstaltungsankündigung zur ausgerechnet von der grün-bürgerrechtlichen Heinrich-Böll-Stiftung initiierten Anti-DDR-Ausstellung im Rahmen der bundesdeutsch-nationalistischen Feierlichkeiten zum 20-jährigen Jubiläum der 1989er Konterrevolution inklusive mehrtätiger Vortrags- und Film-Volksverhetzungsmüllhalde – in der rechtstrotzkistischen Pissjauchepfütze namens „ambivalenz.blogsport.de“, wo der idiotische Name schon seit Anbeginn Programm ist. (mehr…)
Das Weglassen als Zensur, eine alte und beliebte Methode vor allem derjenigen, die sich über kommunistische Zensur erbösen, während sie hingegen selber schon in nahezu randalierender Weise zensierend, beschneidend, selektierend und ignorierend durch die Welt stolpern, hat kürzlich auch der relativistische Zitate-Blogger Ofenschlot für sich entdeckt – natürlich vollkommen im Interesse des antikommunistischen Diskussionsvereins GegenStandPunkt.
In seinem Blogeintrag vom 30. Juni 2009 zu Peter Hacks‘ Urteil über die GegenStandPunkt-Vorläufer-Organisation MG und deren Zentralorgan MSZ (siehe auch: die von begriffsloser Verwirrung nur so strotzenden „Beiträge“ und „Kommentare“ (es ist eigentlich nur Grütze, daher die Anführungszeichen) der GSP-Gläubigen, z.B. bei mpunkt und neoprene) unterschlägt er deshalb natürlich gleich mal den wichtigsten Satz Hacksens gegen den GSP-Oberguru und Berufsidealisten Karl Held, welcher da lautet:
„Wieso nennt dieser antikommunistische Linke die Kommunisten antikommunistische Linke? Das finde ich frech.“
(Peter Hacks, Verehrter Kollege, Berlin 2006, S. 291)
Auf die Antwort zu dieser Frage wartet der Weltgeist, nicht zuletzt meine Wenigkeit, übrigens bis heute. Ich denke allerdings nicht, dass ausgerechnet einer der bloggenden GSP-Bots dazu eine adäquate Antwort zu liefern imstande ist, weswegen diese Frage wohl auch für dieses Jahrhundert offen bleibt.
Das Wichtigste wird wirklich – Ein Blogeintrag voller Verherrlichungen, Personenkult und argumentlosen Riesensätzen anlässlich des neuen Placebo-Albums
‚Seid Ihr eine britische Band?‘
Brian: ‚Ich weiss nicht, was wir sind. Ich sage immer, wir sind eine europäische Band. Aber wen interessiert das? Ich habe die Idee, Musik irgendeine Art von Nationalität anzuheften, nie gemocht. Es ist nur Musik. Ich finde es komisch, wenn beispielsweise bei Mogwai die schottische Fahne über der Bühne weht. […] Es gibt nur gute und schlechte Bands. Wir sind eine gute.‘ (unclesally*s Nr. 147, Juni 2009)
„Wir haben das Ziel, die größte Band der Welt zu werden. Über uns sind nur noch U2 und die Stones, aber die kriegen wir auch noch.“ (Brian Molko in: Visions Nr. 195, Juni 2009)
Placebo sind ein Glücksfall für die Menschheit. Diese drei Götter, die in Form von Menschenwesen wie unsereins die Höflichkeit und Großzügigkeit besitzen, uns mit ihrer allumfassenden Herrlichkeit regelmäßig auf Platte und vor allem live zu beglücken, haben wahrhaftig nicht mehr alle Tassen im Schrank, reden in Interviews prinzipiell nur größenwahnsinnig bis pubertär-sexualisierten Irrsinn, machen seit inzwischen fast 15 Jahren sowohl privat als auch öffentlich alles richtig, was wichtig, und alles falsch, was unwichtig ist, und saufen, rocken, ficken und drogen sich ansonsten die Seele aus ihren schönen Leibern, dass es nur so kracht. Ich verneige mich im Namen des Weltkommunismus hiermit offiziell vor ihnen und ihrem Gesamtwerk.
Und wo war nun der Lyzi solange gewesen?
Tja, Leute, der Lyzi hatte keinen Bock, dem hirnlosen Sponti-Abschaum, der sich so für allen möglichen Internet-Quatsch interessiert, weiterhin Begriffe ins Gehirn zu prügeln, die ohnehin keiner reingeprügelt bekommen möchte, denn der Lyzi hat sich lieber gefreut, und das nicht zu knapp.
Es stand nämlich an: Das am eigenen-Leibe-Erleben der Sensation eines neuen Placebo-Songs; dieses Unverbrauchte, einschneidend Neue, wenn man ihn erst ein paar mal gehört hat, sich noch in ihm, also der eigenen Welt, die er einem eröffnet, zurechtfinden muss; der Genuss dabei, den Text mit jedem weiteren Male Hören langsam auswendig zu können, sich dann nach und nach an den von ihm ausgehenden, unwiderstehlichen Sog zu gewöhnen, in ihm zu wohnen, ihn zu einem Teil von sich zu machen. Dann, nach hundertfachem Hören, das Warten auf die nächste neue Veröffentlichung; die ständige Anspannung des Fans, welche sich dann in orgastisches Wohlgefallen auflöst, wenn es endlich so weit ist und der neue Track – meinetwegen auch ein mit Handy in Kofferradioqualität von japanischen TV-Shows mitgeschnittener Song, auf Youtube hochgeladen, wie diesmal bei „Ashtray Heart“– schließlich läuft, man endlich in ihm baden kann. Die noch um ein vielfaches gesteigerte Freude, wenn sogar eine Menge an Songs, ja ein ganzes neues Album da ist und erschöpfend erkundet und ausgekostet werden will. So war es vor kurzem wieder bei „Battle For The Sun“ und „For What It’s Worth“, den beiden vorab veröffentlichten Songs, die am Anfang, wie immer, befremdlich daherkamen (immer wieder die bangen Fragen, die nach dem Erklingen der ersten Töne im Raume stehen: Sind Placebo endgültig verrückt geworden? Was machen sie jetzt wieder? Kann Molko noch singen? Oh ja, er kann, und wie!), weil sie sich anschickten, den gewohnten Placebo-Rahmen noch um einige weitere Dimensionen zu bereichern, sich aber inzwischen fest als Teil ihres Gesamtwerks eingepasst und damit auch als Teil der darbenden Fanseele etabliert haben. (Der Neid, den man als langjähriger Fan Leuten entgegenbringt, die den irren, genussreichen Moment noch vor sich haben, das erste mal „Nancy Boy“ oder „Scared of Girls“ hören zu dürfen, ist nicht zu beschreiben; was da nämlich auf sie wartet wird ihre Existenz, deren Vergänglichkeit und überhaupt die gesamte Welt in neuem Licht erscheinen lassen.)
Ein neues Placebo-Album ist also da. So müssen sich die Bolschewiki 1917 gefühlt haben: endlich, das Wichtigste wird wirklich.
Brian Molko, dieser kluge, weise, würdevoll durch die Welt wandelnde Wahnsinnige „singt“ nicht, er meißelt seine Worte mit magischer Inbrunst ans Firmament des Weltgeists. Die Stücke von Placebo sind nicht einfach nur „Songs“ oder „Lieder“, sondern akustische Gottesorgasmen, die mit kristallklarer, jedem einleuchtender Präzision das innerste Gerüst der Schöpfung hörbar machen (und man glaubt ja leider gar nicht, wie wichtig es ist, dass, in einem Land zumal, in welchem 80 Prozent der Germanistikstudenten Legastheniker sind, die Kommunistische Partei verboten ist und Guido Westerwelle frei rumlaufen darf, einmal etwas für jeden -naja, fast jeden: die Single „For What It’s Worth“ ist in die offiziellen dt. Charts auf Platz 32, das Album auf Platz eins eingestiegen – einleuchtend ist, wenn schon eh niemand etwas versteht, geschweige denn begreift, am wenigsten Kunst) . Diese Band kann man nicht nur hören und lieben, in dieser Band kann man LEBEN; Placebo sind eigentlich keine Band, sondern Institution, Religion, eigenes Genre, ein Paralleluniversum für sich, wie die Millionen Fans, Placebo-Parties, -Internetforen, -Devotionalien etc. beweisen. Fan zu sein bedarf es dabei wenig; man fragt keinen Placebofan, ob er denn auch ein richtig „großer“ Fan sei, das versteht sich von selbst, denn es ist die objektive Größe, Güte, Komplexität, Weisheit und Herrlichkeit dieser Gruppe, die bestimmt, dass man großer Fan ist, nicht der subjektive Wille zum Fansein. Wer Placebofan ist, ist Riesenfan – es wird ihm schwer gemacht, kein solcher zu sein. Ihre Konzerte sind keine „Shows“, sondern Gottesdienste, die einen sprachlos, allumfassend befriedigt und glücklich zurücklassen, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung von dem zu haben, was dort gerade mit einem geschehen ist. (Placebo sind für die Popmusik in etwa das, was LYZI‘S WELT für die Blogosphäre ist: Rettung und Erlösung aus dem Stumpfsinn der langweiligen, verblödeten, geist- und kunstlosen Durchschnittlichkeit.)
Das neue Album mit dem – zumindest für Leute, die mit den Biografien der Bandmitglieder und der Bandgeschichte vertraut sind – so treffenden wie wunderschönen Titel „Battle For The Sun“ ist mal wieder sowas von arschgut geworden, dass eigentlich jede Besprechung ein Hohn und eine Beschmutzung der darauf befindlichen Musik darstellt, weil eine solche sich doch nicht annährend mit dem dort dargebotenen messen lassen, geschweige denn auch nur die Anmutung einer Rezeptionserfahrung vermitteln kann. Die CD knallt dem standesgemäß bisexuell-langhaarig-drogensüchtig-kommunistisch-jüdischen Hörer gleich mit dem Six-by-Seven-esken ersten Track „Kitty Litter“, einem der fünf besten Placebo-Songs überhaupt (und das soll – bei insgesamt über hundert – etwas heissen), alles an Gutem & Bösem aus der Birne, wie es zuletzt höchstens „The Bitter End“, „Brick Shithouse“ oder eine der neueren Live-Versionen von „Every You, Every Me“ vermochten. Da Genies aber bekanntlich nicht nur strebsam dem Wahren verpflichtet, sondern auch immens großzügig sind und selbst dann noch mit Leichtigkeit einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel schütteln, wenn der normalverblödete Indiepunk-Straßenmusikant à la Rocko Schamoni schon wieder im veganen JUZE rumnörgelt, ist dies noch nicht mal der beste Song des Albums, das eigentlich mal wieder nur aus akustischen Skizzen zum Studium universalistischer Genialität besteht statt aus bloßer Popmusik. Was nämlich „Devil In The Details“, der beste Geniestreich mindestens seit „Song To Say Goodbye“, wenn nicht aller Zeiten, überhaupt darstellt, wird das Politbüro vielleicht in ein paar hundert Jahren einmal herausgefunden und verkündet haben, heute jedoch kleben wir verloren in unseren Kammern darbenden stalinistischen Arschlöcher schlicht an den hübschen, ewig gothic-mädchenhaft sich kämpfend für uns aufopfernden Lippen Brian Molkos und beten, dass er niemals damit aufhöre. Das Titelstück „Battle For The Sun“ ist ein ordentlich daher rumpelnder Hit mit Queens-of-the-Stoneage-Intro, das sich aber nicht mit deren Wüstensäuferrock-Ästhetik begnügt, sondern ab der Mitte mit Streichern, Pathos und allem drum & dran was man von der besten Band der Welt halt so gewohnt ist, daherkommt. (Live natürlich nochmal um einiges besser, wie ich mich vor kurzem persönlich in einem mit ca. 800 bewegungslos vor sich hin kreischenden, zitternden und heulenden Teenie-Zombies aller 17 Geschlechter vollgequetschen Club habe überzeugen können; Gewinnspielkonzerte und Fanshowcases, was seid ihr doch für Höllenpaten des Luzifers, wo es doch so wunderbare Riesen-Arenen gibt, welche prinzipiell frei von jener Sorte Underground-Vollidioten sind, die in ihrer nicht tot zu kriegenden Bewusstlosigkeit jedes Konzert, das mehr als 12 Besucher hat, schonmal grundsätzlich als kommerziell-faschistische Zusammenrottung diffamieren.) „Ashtray Heart“ kommt mit spanisch singendem Backgroundchor sehr schick und unprätentiös daher und ist somit eine Hommage an die befreundete Band Ash, den Pionieren des Gute-Laune-Beachpop-Wave. „Speak In Tongues“ ist vor allem wegen seiner stalinistischen Lyrics „We can built a new tommorow – today“ wunderbar, „Julian“ hört sich, so wie die Elektrobeats am Anfang gluckern, an, als wäre es auf einer Unterwasser-Loveparade aufgenommen und steigert sich dann in eine gar nicht mal so Placebo-typische, aber trotzdem geniale, sich ganz zum Schluss an der Melodie von Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ entlang hangelnden Hymne und „Breathe Underwater“ ist so voll mit jener innig geliebten, nur von Placebo herstellbaren Ewige-Jugend-Sommerabend-am-Lagerfeuer-Rumknutschen-Euphorie, dass es wohl imstande ist, sogar Tote, wenn nicht gar Morrissey-Fans wieder zum Leben zu erwecken.
Überhaupt rumpelt, kracht, trommelt, knallt, scheppert, trompetet, geigt, piept, fiepst, blitzt und backgroundsingt es auf diesem Album an allen Ecken, Enden und Anfängen. „Kings of Medicine“, ein Rihanna-inspirierter Überraschungsei-Knallfrosch von einem Song, krönt und beendet das reguläre Album goldrichtig.
Was soll man weiter die Musik beschreiben. Gehörlosen bringt es eh nichts und der Rest kanns ja selber hören – Beschreiben ist prinzipiell was für die positivistischen Hirnlosen und Bestimmungsfeinde, denen verbindliche Resultate zu brutal sind und deswegen lieber der Meinungsvielfalt und ähnlicher Demokratenscheisse das Wort reden. Die drei Bonus-Tracks („In A Funk“, „Unisex“ und „The Movie On Your Eyelids“) jedoch, die sich auf das Limited-Edition-Boxset und die japanische Albumversion verteilen, sind mir noch eine Bemerkung wert, da sie a) von allen angeblich sachverständigen Hosenscheissern und Flachwichsern der Musikjournalisten- und Bloggerszene in ihrer Hatz nach dem schnellsten und schlechtesten Album-Review sträflich missachtet wurden (überhaupt ist davon auszugehen, dass die meisten von ihnen die Platte wohl noch nichtmal ein einziges mal komplett gehört haben) und b) alle drei ganz große klasse sind (vor allem „In A Funk“ ist mal wieder die Auferstehung des Allmächtigen) und den doch immer recht pejorativ wirkenden Zusatz „Bonus“ nicht verdient haben. Bei Placebo gibt es keinen Bonus, nur Luxus im Überfluss. Kein Song von ihnen ist wirklich schlecht, selbst die lustlos hingerotzten und fies produzierten schwachen Stücke vom fürs Oeuvre trotzdem wichtigen, wenn auch nicht essenziellen dritten Album „Black Market Music“ sind noch immer zig Mal besser als alles andere, was derzeit so an Elektro- oder Emodreck in den CD-Playern dieser Welt vor sich her rotiert, sogar die hinterletzten instrumentalen Elektro-Noise-B-Seiten sind schlicht Notwendigkeit im Gesamtwerk (und die neun Live-Tracks aus Kambodscha auf der Limited-Deluxe-Edition-DVD sind in ihren radikal überarbeiteten Arrangements eigentlich auch schon wieder komplett neue Songs).
Mitleid sollte man mit jenem Schlag Fans haben, die sich mal wieder erdreisten, irgendeinen Dreck von „Ausverkauf“, „Kommerz“, „Poppigkeit“, „Abkommen vom wahren Weg“ oder ähnlichen Schoten der gemütlich-verblödeten Gebetshäkeldeckchenkacke vor sich herzusülzen. Placebo sind, bleiben und waren klassischer Pop, ästhetisch wohlgeformter Mainstream, kein „Indie“, „Alternative“, „Subkultur“, „Glam-Rock“ oder ähnlicher Schmonzes zum Zwecke der Verarschung und Verseuchung der Vernunft und Sittlichkeit. Jeder behirnte Mensch kann nämlich froh sein, dass Placebo keinen Independent-Lo-Fi-Loser-Pop machen, jene Karikatur von Avantgarde, welche von Deppen für Deppen gemacht wird, denen Hippiejazz zu uncool ist und welche sich in ihrer erbärmlichen Banalität eben Vinylsammeln oder Bloggen über Egotronic als Distinktionspraxis erkoren haben, um sich von Minderbemittelten ihres gleichen zumindest äusserlich absetzen zu können (dass, by the way, „Unabhängigkeit“, also soziale Verwahrlosung, künstlerische Isolation, Antipop-Weltentsagung und gesellschaftliche Bezugslosigkeit, die Haupt-Tugenden des Underground, in diesen Kreisen immer noch als erstrebenswert erachtet werden, zeigt schlicht deren prinzipielle reaktionäre Ekelhaftigkeit.)
Ebenfalls sehr schlimm an der ständig gleichförmig verblödeten Fan- bzw. Kritiker-Rezeption ist wie immer das ebenso reaktionäre Raunen über angebliche Epigonen, dem man nur entgegenhalten kann, dass es gar nicht genug Placebo-Kopisten geben kann: Lieber schlecht Placebo kopieren, als eigenständig oder „experimentell“ nur Scheisse spielen. Bands allerdings wie Blackmail, KEN, Sneaker Pimps, The Veils, Starsailor, Tegan & Sara, Kent oder die unsäglichen Canaillen von den Beatsteaks werden dieser Ehre – trotz vereinzelt gut geklauter Stücke – nicht gerecht; einzig die leider inzwischen aufgelösten grandiosen The Cooper Temple Clause und vielleicht noch Interpol und Belasco konnten einige Momente des Placebo‘ schen Genies in ihr Werk integrieren, ohne dabei zur peinlichen Cover-Jahrmarktskappelle à la JJ72 herunterzukommen. Es scheint, dass Placebo ein schwarzes Loch der künstlerischen Rat- und Mutlosigkeit hinter sich herziehen – was sich bestätigt, wenn man sich mal den Horror der Placebo-Coverversionen auf Youtube angetan hat. Man kann von dieser selbstbewussten Souveränität, dieser allumfassenden Perfektion wohl tatsächlich nur geblendet sein, nie inspiriert, denn Inspiration setzt immer Unfertigkeit der Inspirationsquelle und Unzufriedenheit mit dem Vorgefundenen voraus; bei Placebo kommt sowas nicht vor, kein ernstzunehmender Künstler nimmt sie sich als Vorbild, da Scheitern vorprogrammiert wäre.
Meisterlich hingegen lassen Placebo ihre Vorbilder in ihr Werk einfließen: Siouxsie & The Banshees, Wire, Stereolab, Mogwai, Idlewild, Queens of the Stone Age, Roxy Music, Rainbirds („Song To Say Goodbye“ ist, wie bisher scheinbar noch keine Sau bemerkt hat, eine leicht umgewandelte und mit anderem Text versehene Version von deren 80er-Jahre-Knüller „Blueprint“), dEUS, Pixies, At The Drive-In, PJ Harvey etc. (die Helden aller nekrophilen Friedhofs-Katzenleichenschänderkinder, die bedauerlichen Joy Division, ignorieren wir hier mal unauffällig). Trotzdem sind Placebo keine bloße Bibliothek des geschehenen Wave-Rock, sondern halten konstant und gekonnt die Spannung zwischen Klassizismus, Erneuerung und Neuerfindung aufrecht, ohne in entweder restaurative Repetition einerseits oder experimentellen Kitsch andererseits zu verfallen – ein Fehler, der, vermutlich schlicht aus Unvermögen und nicht so sehr aus Faulheit, selbst von den besten und zurecht hochgelobten Bands (Wire, Depeche Mode, The Cure) dieser (und verwandter) Gattungen immer wieder begangen wird.
Ein solches Einhalten der Mitte nennt man traditionell Genie und es geziemt sich hier also sehr, von einem eben solchen zu sprechen. Wer, wenn nicht Placebo, ist heute genial? Wenn künftige Geschlechter von Pop reden werden, dürfen sie Placebo als zentrale Bezugsgröße nicht unerwähnt lassen oder sie machen sich vor KP & Restgesellschaft im höchsten Maße lächerlich.
„Fuck the government, fuck their killings, fuck their lies!“ (Placebo, „Soulmates“) Um sowas dem Pöbel zu verklickern, brauchen die lahmarschigen „Gegenstandpunkt“-Doktoren über hundert Seiten und ganze Seminar-Wochenendveranstaltungen. Molko, Olsdal & Forrest bringen sowas, genauso wie gelegentliche Präsidentenbeleidigungen und andere prima stalinistische Schweinereien einfach mal nebenbei in ihren Songs unter, kümmern sich in der Hauptsache aber um ihr großes, messianisches Werk der Auferstehung der klassischen Pop-Universalität.
PLACEBO – BATTLE FOR THE SUN (Dreambrother/PIAS) ist am 5. Juni 2009 als CD, CD + DVD, Vinyl, Download, sowie Limited Edition Boxset (inklusive 2 Bonustracks, Live-CD, Live in Angkor Wat / Kambodscha DVD, Making-of-the-Album-Doku-DVD, Doppel-Vinyl-LP & 2 Hardcover-Büchern) erschienen. Diesen Sommer spielen Placebo auf mehreren Dutzend Festivals in der ganzen Welt, im November/Dezember gibt es eine Arena-Tour durch Europa.
Jemanden zu kritisieren, heißt, ihn für zurechnungsfähig zu halten. Es gibt keine Kommunikation mit Unansprechbaren. Stellen diese sich gegen die objektive Vernunft, werden sie vernichtet.
Kritik ist die fetischisierte Angst vor der richtigen Tat.
Die richtige Tat ist möglich, auch in nicht-revolutionären Zeiten, denn das Richtige ist keine feststehende Größe, kein bloßes Ideal, sondern ergibt sich aus der dialektischen Reflexion und Bestimmung der jeweiligen historischen Situation.
Es gibt ein richtiges Handeln im Falschen.
Kritik gehört nicht dazu; sie ist Ausdruck von Unfähigkeit.
Ludwig Ypsilantis Zachariae Iossif Shdanow, Gesammelte stalinistische Weisheiten, S. 666.
Wie sieht so `ne Krise aus, wie macht man `ne Krise, welche Zutaten braucht man dazu, Krise – Wie geht das?
Tja, das fragen sich die commünistischen Experten* momentan auch gerade wieder reihenweise in ihrem inoffiziellen öffentlichen Schaulaufen der allgemeinen Unbildung, merken dabei natürlich nicht, dass der bourgeoise Begriff der Krise inzwischen selbst schon Teil kapitalistischer Zurichtungs-Propaganda und ihres mit irren Flugblattsätzen und Antikrisengeschwätz herum wedelnden freiwilligen Billignutten-Anhangs ist, da sie den Zustand eines spezifischen Teils des herrschenden ökonomischen Gesamtsystems (und auf nichts anderes ist das Wort Krise eh und je gerichtet gewesen: Es geht um die periodisch wiederkehrenden Schwierigkeiten der herrschenden Klasse beim Loswerden von überflüssigen Waren und dem Eintreiben von Quellen zur Kapitalakkumulation, und nichts anderes; vermehrte Kündigung von Arbeitern, Lohnkürzungen, nationalistische Zusammenschweißungskampagnen etc. sind da lediglich logische Folgen; wenn heute irgendwo von „Krise“ die Rede ist, bezieht sich das mitnichten auf die Legitimität des ökonomischen Systems selbst, dessen Existenz nur in Gefahr ist, wenn der vernunftgeleitete Stalinismus kurzen Prozess mit ihm macht, was ja derzeit leider (und erst recht nicht in jenen Kreisen) der Fall ist, aber erklär‘ das mal den verhohlbirnten Vollidioten, die sich ihre Independent-Ressentiments in des deutschen Linksspießers Bildzeitung „Jungle World“ oder der örtlichen Anstalt zielgruppengerechter Verblödung, genannt Lesegruppe, anlesen und daraufhin in ihren Blogs oder Juze-Flugis vor lauter Schreck Krisenpipi machen), den des Monopolkapitalismus nämlich, zu einem allgemein-menschlichen Problem verdinglicht, welchem man auf irgendeine Weise zu BEGEGNEN habe, und sei es durch „Kritik“, welche ja immer der Knaller schlechthin ist, wenn man nix kann, nix kapiert, nix will: „Kritik ist immer nett, gibt’s günstig an jeder Ecke und tut niemandem weh. Kritik, was bist du nur für eine engelsgleiche Erlöserin aller von Analphabetismus, Hirnfäule, Stumpfsinn und alternativer Arschkriecherei Gegeißelten; Kritik, was wäre das linksradikale eingebildete Slacker-Studententum ohne ein wirkungsloses Hobby wie dich!“ (Karen Iossif Wissarionowitsch Eliot, „Ode an die Kritik“, 17. Vers).
Hässlich und blöd also wie eh und je, aber die zum einen nicht vorhandene Freude über den Jobverlust von Millionen und zum anderen das In-eins-setzen von Kapitalbelangen und Kritik-Konjunktur lässt nicht nur an der Aufrichtigkeit angeblich marxistischer Analyse zweifeln, sondern bringt letztlich natürlich weder Erkenntnisse, noch Ratschläge über eventuell einsetzbare kommunistische Kampfformen hervor und ist somit lediglich wieder mal eine weitere Gelegenheit fürs Politdiskussionsgesindel, sich, unselbständig, einfallslos und gedankenfeindlich wie sich diese Untoten nunmal aus Prinzip gerieren, vom publizistischen Abfall, den die bürgerliche Klasse für den linkssektiererischen Mob vom Tisch fallen lässt, insofern immerhin einigermaßen zu ernähren, als dass der aktuelle kapitalistische Vulkanausbruch mal wieder eine willkommene Gelegenheit für jene uninteressanten, an der Wirklichkeit ohnehin nicht interessierten und glücklicherweise auch von niemandem wirklich ernst genommenen Blogger ist, ihre jeweiligen Wahngebilde aka. „Theorien“ inklusive diese ummantelndes Gestotter dreisterweise als Diskussion zu deklarieren und als gehetzte Sau der eigenen Aufmerksamkeitsgülle durchs multimediale Dorf namens Blogosphäre zu treiben.
Den größten vom Aussterben bedrohten Vogel abgeschossen in Sachen Inkompetenz hat dabei diesmal Blogger Schildkröte (der leider das wunderbare, im Gegensatz zu ihm gut bepanzerte Tier gleichen Namens mit in seinen Dreck ziehen will, was diesem glücklicherweise schnurzegal sein kann, mir aber nicht), der mit all seinem Charme eines Adorno-lesenden Abiturienten mal wieder zum inzwischen cirka neunhundertmillionsten Mal mit ins allgemeine beleidigte Gejammer der Unfähigen über den „kapitalistische[n] Alltag, de[n] ganz normale[n] Zwang arbeiten zu gehen, die Inbeziehungsetzung der bürgerlichen Subjekte über den Tausch die jeden Tag stattfindet“ und sonstige Wahnphantasien einstimmt, welche seiner bescheidenen Meinung nach „Kritik verdient“ (sic!).
Man sieht sich als Opfer des globalen Arbeitslagers „Welt“, das der Kapitalismus darstelle, welcher wiederum nicht auf Personen rückführbar, sondern naturwüchsig über ebensolche gekommen sei, um diese zu seinem ewigen Sklaven zu machen, welcher dann aber immerhin zumindest teilweise so mutig ist, diese ganze Scheiße einer „Kritik“ zu unterziehen (die herrschenden Vertreter der Befürwortungs- und Rechtfertigungsagenturen der globalen Barbarei dürfte nämlich in ihren vollklimatisierten Büros das schiere Zittern erfassen, wenn sie nur das Wort Kritik hören, denken sich die Schildkröten).
Staat scheiße, Kapital schlimm, Kritik super.
Das sind zwar Erkenntnisse vom ungefähren Wert einer verschimmelten Bahamas-Ausgabe von 1994, finden aber trotzdem immer wieder Anklang bei Romantikern ähnlicher Enthirnungsstufe, die sich in ihrer Gemütlichkeit des Auswendigaufsagenkönnens von kaum Begriffenem so gut zu gefallen scheinen, dass sie es schon gar nicht mehr nötig haben, irgend eine Realität auch nur zur Kenntnis zu nehmen und also ihre Kritik-Gebetsmühle einfach bis zum Eintreten des endgültigen Hirntods wacker vor sich her murmeln.
Ich weiß nicht, von wie vielen Leuten der schildkröt’sche Blog letztlich gelesen oder gar ernst genommen wird, aber sollte auch nur ein einziger junger, interessierter potentieller Kommunist zufällig auf dieser Seite landen und daraufhin für sein Leben lang mit ebensolcher Dummheit geschlagen sein, melde ich hiermit die dereinstige justizielle Inverantwortungnahme des Herrn Schildkröte schon mal im Voraus an, schließlich soll niemand denken, er sei nicht informiert worden und käme gegenüber einem zukünftigen bolschewistischen Gericht einfach so davon mit seinem reaktionären Kritikdreck.
*Das besondere aktuelle Highlight im Umgang der Hirnkrisenopfer mit der allgemeinen Krisenhetze: Ausgerechnet der dauerbekiffte Oberhippie DanielKullameint, sich in all seiner ekelhaft ankumpelnden, alle möglichen Leute, die er nicht begreift (aber dafür ganz schön cool oder radikal oder verschwörerisch oder „interessant“ oder „quellenmäßig was hergebend“ findet) in seiner Debilität umarmen meinen müssenden, hinterfotzig-idiotischen linkssolidarischen Schleimerscheisse irrigerweise gerade mit dem bekennend leninistischen Schriftsteller, Journalisten, Feuilleton-Terroristen, Arschlochliquidierer und Ulbricht-, Stalin- & DDR-verteidigenden Heavy-Metal-Hegelianer Dietmar Dath gemein machen zu müssen, dessen nahezu gesamtes bisheriges journalistisches Schaffen darin bestand, gegen solche begriffslosen cocon-commünistischen Dämonen wie Kulla („immer diese ärgerlichen Anarchisten“ – Dath) zu Felde zu ziehen und sich bei diesen Zivilisierungsversuchen sogar der von ihnen konsumierten Underground-Theoriepornoheftchen wie „Phase 2″ und semi-illustrierten Männermagazinen wie „Spex“ bediente, um ihnen wenigstens etwas Vernunft einzuprügeln, was selbstverständlich, wie leider meistens, wenn man mit den Minderen Erbarmen zeigt, keinen Erfolg zu zeitigen wusste.
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