Der Satz des Jahres:

„in der realität, also außerhalb linker zusammenhänge…“(Blogger Kotzboy)

Danke für diesen herrlichen Satz, der all jenes Elend, das manch ein linkes Zusammenhangsmitglied für sein Leben hält, so wunderbar auf den Punkt bringt, indem er unbewusst ausplaudert: Realität (auch gerne genommen: „Das Bestehende“), das ist böse, schlimm, unrein, daran macht man sich als Wahrer Linker® nicht schmutzig. Realität, das ist sowieso nicht die Wirklichkeit, die Wirklichkeit ist das abstrakte Dagegensein in heruntergekommenen besetzten Drecksbuden, Studentenwohnheimen und ohnmächtigen Podiumsdiskussionszirkeln mit immer denselben paar dutzend lächerlichen Elendsgestalten.

Realität, die muss man schlicht Scheisse finden, weswegen es mit der „Phase 2 – Zeitschrift gegen die Realität“ sogar ein Zirkular für die Sekte der Realitätsgegner gibt, die sich bisweilen dreisterweise immer noch „Kommunisten“ nennen und wo die einzelnen als Theorien verkleideten Phantasmagorien in wunderhübsche Artikelchen verpackt miteinander in Austausch kommen dürfen (ganz fernab jeglicher Realität natürlich). Massenpsychose als Erkenntnisbasis: soweit ist Gesellschaftsanalyse bis heute herunter gekommen. „Die“ Realität muss „abgeschafft“ werden, drunter tun sies nicht.

In hundert Jahren, wenn wir alle tot sind und im commünistischen Himmel ewiger, vollkommen gleichberechtigter, postheteronormativer, emanzipierter Glückseligkeit 17 mal täglich Adorno, Bakunin, Bernstein, Biermann, Butler, Derrida, Foucault und Trotzki huldigen, wird man seinen Kindern von „damals“ beginnend mit der Floskel „Früher, als wir noch in dieser schrecklichen Realität leben mussten…“ Geschichten zu erzählen beginnen. In Gedanken natürlich nur. Im Traum. Im Tod. Denn der ist das tatsächliche, im Leben logischerweise niemals erreichte große Ideal jener Realitätsphobiker von heute, die damit den alten romantischen Mythos wieder restaurieren, welcher da „Sehnsucht nach dem Tode“ geheissen hat. Diesmal aber nicht offen als konterrevolutionäre Fronde, wie noch bei Novalis, sondern getarnt als aufklärerische Bestrebung zur Schaffung einer „besseren Welt“ und ähnlichem Irrsinn. In der Realität, da haben sich ohnehin immer nur die ganz bösen Buben versucht, die Lebendigen mithin, das ist sicher nichts für die linksdeutschen Zombies ohne Sinn, Verstand, Talent oder Interesse. Diese brutalen bürgerlichen Tugenden einer schier unerträglichen „Leistungsgesellschaft“ (wenn der Stumpfsinn, das Nichtsgetue und die Langeweile heute Leistung sein sollen, will ich nicht wissen, was diese unbehirnten Spinner als nicht-leistungsorientiert betrachten) finden ausserhalb der linken Traumwelt statt, in der Realität eben.

Was bin ich froh, in dieser zu leben.

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14 Antworten auf “Der Satz des Jahres:”


  1. 1 Oompa Loompa 03. Januar 2009 um 20:48 Uhr

    Statt hier ’ne billige Polemik zu schwingen, bring doch einfach mal an, wieso man nicht gegen die Realität sein sollte? ^^

  2. 2 Väterchen Administrator 04. Januar 2009 um 13:22 Uhr

    Du verblödeter Depp hältst mal lieber schön die Klappe und machst dir weiter über deine palästinensischen Volksgenossen Gedanken, statt hier so ahnungslos rumzurotzen.

  3. 3 Oompa Loompa 04. Januar 2009 um 15:20 Uhr

    langweilig.

    dann sag mir halt, wieso ich nicht gegen die hiesige realität sein sollte, damit du mich aus dem tal der ahnungslosen heraus und auf den berg der erleuchteten holst.

  4. 4 Väterchen Administrator 04. Januar 2009 um 15:51 Uhr

    Warum sollte ich?

  5. 5 Oompa Loompa 04. Januar 2009 um 16:17 Uhr

    na wenn du schon eine solche polemik schreibst, willst du doch auch irgendwen davon überzeugen, dass es falsch ist gegen die hiesige realität zu sein. nur argumente hast du dafür halt nicht vorgebracht. wenn du das tust, kannst du ja vielleicht auch wen, das könnte z.b. ich sein, aus dem tal der ahnungslosen befreien.

  6. 6 Väterchen Administrator 04. Januar 2009 um 16:54 Uhr

    1. Argumente sind die Entäusserungsform der Kretins: http://lyziswelt.blogsport.de/2008/10/22/die-argumentpest-greift-weiter-um-sich/
    http://lyziswelt.blogsport.de/2008/10/22/das-argumente-elend-ii/

    2. Nur weil du etwas nicht kapierst, heisst das noch lange nicht, dass die anderen Leser dieses Blogs auch so drauf sind. Hör einfach mal auf, deine eigene Dummheit auf alle anderen zu projizieren. Wenns dir hier nicht passt, geh halt. „Überzeugen“ tun schon genügend andere Idioten zum Zwecke der Idiotenvermehrung, da werd ich mich sicher nicht auch noch einreihen.

  7. 7 Oompa Loompa 04. Januar 2009 um 21:08 Uhr

    das letzte mal, dass ich eine dermaßen schlechte, argumentlose polemik gelesen habe, war bei einem text einer trotzkistischen gruppe. ich dachte nur, dass du dich irgendwie gegen die trotzki-fans abgrenzen willst, aber anscheind bist du denen ja dann doch näher als du selbst immer angibst. :D

  8. 8 Väterchen Administrator 06. Januar 2009 um 19:16 Uhr

    1. Gegen Trotzkisten muss man sich nicht abgrenzen. Die tritt man als Kommunist nebenbei automatisch platt wie Ameisen aufm Gehweg.

    2. Ok, was solls.

    „Ich hatte keine Lust, den Fehler, die Erzählung vorgelesen zu haben, durch die weitere Peinlichkeit zu verschlimmern, sie zu erklären.“ (Truman Capote)

    Ich hab gerade ausnahmsweise mal dazu Lust:

    Es geht hier um die KATEGORIE* „Realität“, welche abzugrenzen ist von der Kategorie „Phantasma“ (meinetwegen auch: „Wunschtraum“, „Utopie“, „Irrsinn“ und dergleichen mehr).

    Man kann also, ganz problemlos sogar, einfach „gegen“ diese KATEGORIE sein. Dazu hast du jegliches Recht der Welt, lieber Oompa Loompa, und das möchte ich dir auch gar nicht streitig machen. Eine solche Haltung bleibt nur trotzdem Irrsinn, weil sie ihre jugendliche Verwirrung und Angekotztheit vom Leben in fortschreitender Verelendung total setzt und das Problem in einer abstrakten Kategorie zur Beschreibung von Wahrnhemungsebenen, nämlich der „Realität“ sieht, und nicht etwa in den unsäglichen gesellschaftlichen Zuständen, als welche jene wohl im Hinterkopf der Realitätsverweigerer noch irgendwo abstrakt rumschwirren mag. Die Realitäts-Verachtung, -Bekämpfung, -Verweigerung etc. ist also in ihrer Dummheit und Naivität genauso beknackt wie die Haltung der Anarchisten, gleich die gesamte Gesellschaft abschaffen zu wollen, statt ihren ZUSTAND.

    Und „hiesige“ Realität, ich bitte dich. Realität ist immer „hiesig“, das ist doch der Gag an ihr. Tautologischer Quatsch. (Und die Spinner von der Phase 2 wissen z.B. schon sehr genau, warum sie ihren Laden nicht „Zeitschrift gegen die HIESIGE Realität“ nennen, das muss man ihnen schon lassen, denn: wenn schon Wahnsinn, dann aber ordentlich.)

    So, das Problem ist, dass du das jetzt alles höchst wahrscheinlich auch wieder nicht zu begreifen im Stande bist, weswegen diese Erklärungen mal wieder für die Katz waren. Man müsste letztlich mindestens 17000 Seiten schreiben, die du eh nicht lesen würdest, um dir auch nur die essentials in die Rübe zu bläuen, die nötig wären, um das alles einigermaßen nachvollziehen zu können, womit wir wieder bei der kategorischen Unbildung wären und somit bei Ulbrichts Bemühungen, in diese endlich mal einen Keil reinzuschlagen, denn irgendwann muss man ja mal anfangen, diese ganze Scheisse runter zu spülen.

    Sehnsucht nach der Sowjetmacht.

    * http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie)#Immanuel_Kant

  9. 9 riot 16. Januar 2009 um 2:07 Uhr

    du bist doch nur neidisch weil es in bayern keine besetzten häuser gibt !!!

  10. 10 lahmacun 16. Januar 2009 um 14:13 Uhr

    bayern?

  11. 11 Väterchen Administrator 16. Januar 2009 um 23:02 Uhr
  12. 12 daidalos 11. Oktober 2009 um 21:54 Uhr

    Hach, was ein hässlicher, unnötiger Streit hier entbrannt ist.
    Liest denn keiner mehr Baudrillard?

  13. 13 Väterchen Administrator 13. November 2009 um 18:42 Uhr

    „Liest denn keiner mehr Baudrillard?“

    Zu hoffen wärs.

  14. 14 Opa Gehrke 29. Dezember 2012 um 0:57 Uhr

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