Stalins Imitationen

Für Tim

„Adorno heißt der Feind, Mitscherlich, Grass, Rowohlt, und Kiepenheuer und Witsch. Den „Spiegel“ gilt es abzuschaffen. Die „Zeit“. Nichts ist so schlimm wie das Deutsche Schauspielhaus. (…)

Ein Nazi ist Kanzler, der sagt, die Nazis sind keine Nationalsozialisten, weil er hofft, daß die Nazis nicht sagen, daß er ein Nazi ist. Die Sozialisten sagen nichts, weil sie hoffen, daß der Kanzler nicht sagt, wer von den Sozis Nazi ist. Die FDP sagt nichts, weil sie hofft, die Nazis der CDU oder der SPD sich eher noch mit ihr vereinigen als mit den Nazis einer Partei, der zur NSDAP nur SA fehlt. (…)

Der Architekt wählt FDP, weil er will, daß die SPD drankommt. Uli wählt CDU, weil Innensenator Schmidt ihn ins Gefängnis gebracht hat. Der Sohn aus gutem Hause glaubt, nun, da die SPD den Paragraphen 175 aufheben half, könne man wieder CDU wählen. Die Tunte aus Marrakech wählt mit all ihren Freunden NPD, um es den jungen Rüpeln zu zeigen. Loddl wählt SPD, weil er will, daß die SPD drankommt.
– Wenn ich SPD wähle, kommt die CDU dran. Vielleicht sollte ich CDU wählen, um die FDP zu stärken. Wenn man ein sozialistisches Deutschland will, ist es nur logisch, die Nazis zu wählen.“

Hubert Fichte, Detlevs Imitationen „Grünspan“, Frankfurt am Main 1978, S. 83ff.

Fichte wurde 1935 in Perleberg (Brandenburg) geboren und hat als einziger deutscher Schriftsteller des letzten Jahrhunderts nebenher auch noch was vernünftiges gemacht. Er war nämlich u.a. Kinderdarsteller, Schauspieler, Landwirtschaftslehrling und Schafhirte in der französischen Provence. Er konnte deshalb gut schreiben und war natürlich ein stalinistisches Genie, frei von Argumenten, also Ressentiments. Er starb 1986. Sein Werk ist im Fischer-Verlag erschienen.

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1 Antwort auf “Stalins Imitationen”


  1. 1 Ad Sarrazin et. al. « Generelle Pingback am 29. August 2010 um 19:11 Uhr

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