PLACEBO: Heute Battle, morgen Weltherrschaft

Das Wichtigste wird wirklich – Ein Blogeintrag voller Verherrlichungen, Personenkult und argumentlosen Riesensätzen anlässlich des neuen Placebo-Albums

‚Seid Ihr eine britische Band?‘

Brian: ‚Ich weiss nicht, was wir sind. Ich sage immer, wir sind eine europäische Band. Aber wen interessiert das? Ich habe die Idee, Musik irgendeine Art von Nationalität anzuheften, nie gemocht. Es ist nur Musik. Ich finde es komisch, wenn beispielsweise bei Mogwai die schottische Fahne über der Bühne weht. […] Es gibt nur gute und schlechte Bands. Wir sind eine gute.‘ (unclesally*s Nr. 147, Juni 2009)

„Wir haben das Ziel, die größte Band der Welt zu werden. Über uns sind nur noch U2 und die Stones, aber die kriegen wir auch noch.“ (Brian Molko in: Visions Nr. 195, Juni 2009)

Placebo sind ein Glücksfall für die Menschheit. Diese drei Götter, die in Form von Menschenwesen wie unsereins die Höflichkeit und Großzügigkeit besitzen, uns mit ihrer allumfassenden Herrlichkeit regelmäßig auf Platte und vor allem live zu beglücken, haben wahrhaftig nicht mehr alle Tassen im Schrank, reden in Interviews prinzipiell nur größenwahnsinnig bis pubertär-sexualisierten Irrsinn, machen seit inzwischen fast 15 Jahren sowohl privat als auch öffentlich alles richtig, was wichtig, und alles falsch, was unwichtig ist, und saufen, rocken, ficken und drogen sich ansonsten die Seele aus ihren schönen Leibern, dass es nur so kracht. Ich verneige mich im Namen des Weltkommunismus hiermit offiziell vor ihnen und ihrem Gesamtwerk.

Und wo war nun der Lyzi solange gewesen?
Tja, Leute, der Lyzi hatte keinen Bock, dem hirnlosen Sponti-Abschaum, der sich so für allen möglichen Internet-Quatsch interessiert, weiterhin Begriffe ins Gehirn zu prügeln, die ohnehin keiner reingeprügelt bekommen möchte, denn der Lyzi hat sich lieber gefreut, und das nicht zu knapp.

Es stand nämlich an: Das am eigenen-Leibe-Erleben der Sensation eines neuen Placebo-Songs; dieses Unverbrauchte, einschneidend Neue, wenn man ihn erst ein paar mal gehört hat, sich noch in ihm, also der eigenen Welt, die er einem eröffnet, zurechtfinden muss; der Genuss dabei, den Text mit jedem weiteren Male Hören langsam auswendig zu können, sich dann nach und nach an den von ihm ausgehenden, unwiderstehlichen Sog zu gewöhnen, in ihm zu wohnen, ihn zu einem Teil von sich zu machen. Dann, nach hundertfachem Hören, das Warten auf die nächste neue Veröffentlichung; die ständige Anspannung des Fans, welche sich dann in orgastisches Wohlgefallen auflöst, wenn es endlich so weit ist und der neue Track – meinetwegen auch ein mit Handy in Kofferradioqualität von japanischen TV-Shows mitgeschnittener Song, auf Youtube hochgeladen, wie diesmal bei „Ashtray Heart“– schließlich läuft, man endlich in ihm baden kann. Die noch um ein vielfaches gesteigerte Freude, wenn sogar eine Menge an Songs, ja ein ganzes neues Album da ist und erschöpfend erkundet und ausgekostet werden will. So war es vor kurzem wieder bei „Battle For The Sun“ und „For What It’s Worth“, den beiden vorab veröffentlichten Songs, die am Anfang, wie immer, befremdlich daherkamen (immer wieder die bangen Fragen, die nach dem Erklingen der ersten Töne im Raume stehen: Sind Placebo endgültig verrückt geworden? Was machen sie jetzt wieder? Kann Molko noch singen? Oh ja, er kann, und wie!), weil sie sich anschickten, den gewohnten Placebo-Rahmen noch um einige weitere Dimensionen zu bereichern, sich aber inzwischen fest als Teil ihres Gesamtwerks eingepasst und damit auch als Teil der darbenden Fanseele etabliert haben. (Der Neid, den man als langjähriger Fan Leuten entgegenbringt, die den irren, genussreichen Moment noch vor sich haben, das erste mal „Nancy Boy“ oder „Scared of Girls“ hören zu dürfen, ist nicht zu beschreiben; was da nämlich auf sie wartet wird ihre Existenz, deren Vergänglichkeit und überhaupt die gesamte Welt in neuem Licht erscheinen lassen.)

Ein neues Placebo-Album ist also da. So müssen sich die Bolschewiki 1917 gefühlt haben: endlich, das Wichtigste wird wirklich.

Brian Molko, dieser kluge, weise, würdevoll durch die Welt wandelnde Wahnsinnige „singt“ nicht, er meißelt seine Worte mit magischer Inbrunst ans Firmament des Weltgeists. Die Stücke von Placebo sind nicht einfach nur „Songs“ oder „Lieder“, sondern akustische Gottesorgasmen, die mit kristallklarer, jedem einleuchtender Präzision das innerste Gerüst der Schöpfung hörbar machen (und man glaubt ja leider gar nicht, wie wichtig es ist, dass, in einem Land zumal, in welchem 80 Prozent der Germanistikstudenten Legastheniker sind, die Kommunistische Partei verboten ist und Guido Westerwelle frei rumlaufen darf, einmal etwas für jeden -naja, fast jeden: die Single „For What It’s Worth“ ist in die offiziellen dt. Charts auf Platz 32, das Album auf Platz eins eingestiegen – einleuchtend ist, wenn schon eh niemand etwas versteht, geschweige denn begreift, am wenigsten Kunst) . Diese Band kann man nicht nur hören und lieben, in dieser Band kann man LEBEN; Placebo sind eigentlich keine Band, sondern Institution, Religion, eigenes Genre, ein Paralleluniversum für sich, wie die Millionen Fans, Placebo-Parties, -Internetforen, -Devotionalien etc. beweisen. Fan zu sein bedarf es dabei wenig; man fragt keinen Placebofan, ob er denn auch ein richtig „großer“ Fan sei, das versteht sich von selbst, denn es ist die objektive Größe, Güte, Komplexität, Weisheit und Herrlichkeit dieser Gruppe, die bestimmt, dass man großer Fan ist, nicht der subjektive Wille zum Fansein. Wer Placebofan ist, ist Riesenfan – es wird ihm schwer gemacht, kein solcher zu sein. Ihre Konzerte sind keine „Shows“, sondern Gottesdienste, die einen sprachlos, allumfassend befriedigt und glücklich zurücklassen, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung von dem zu haben, was dort gerade mit einem geschehen ist. (Placebo sind für die Popmusik in etwa das, was LYZI‘S WELT für die Blogosphäre ist: Rettung und Erlösung aus dem Stumpfsinn der langweiligen, verblödeten, geist- und kunstlosen Durchschnittlichkeit.)

Das neue Album mit dem – zumindest für Leute, die mit den Biografien der Bandmitglieder und der Bandgeschichte vertraut sind – so treffenden wie wunderschönen Titel „Battle For The Sun“ ist mal wieder sowas von arschgut geworden, dass eigentlich jede Besprechung ein Hohn und eine Beschmutzung der darauf befindlichen Musik darstellt, weil eine solche sich doch nicht annährend mit dem dort dargebotenen messen lassen, geschweige denn auch nur die Anmutung einer Rezeptionserfahrung vermitteln kann. Die CD knallt dem standesgemäß bisexuell-langhaarig-drogensüchtig-kommunistisch-jüdischen Hörer gleich mit dem Six-by-Seven-esken ersten Track „Kitty Litter“, einem der fünf besten Placebo-Songs überhaupt (und das soll – bei insgesamt über hundert – etwas heissen), alles an Gutem & Bösem aus der Birne, wie es zuletzt höchstens „The Bitter End“, „Brick Shithouse“ oder eine der neueren Live-Versionen von „Every You, Every Me“ vermochten. Da Genies aber bekanntlich nicht nur strebsam dem Wahren verpflichtet, sondern auch immens großzügig sind und selbst dann noch mit Leichtigkeit einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel schütteln, wenn der normalverblödete Indiepunk-Straßenmusikant à la Rocko Schamoni schon wieder im veganen JUZE rumnörgelt, ist dies noch nicht mal der beste Song des Albums, das eigentlich mal wieder nur aus akustischen Skizzen zum Studium universalistischer Genialität besteht statt aus bloßer Popmusik. Was nämlich „Devil In The Details“, der beste Geniestreich mindestens seit „Song To Say Goodbye“, wenn nicht aller Zeiten, überhaupt darstellt, wird das Politbüro vielleicht in ein paar hundert Jahren einmal herausgefunden und verkündet haben, heute jedoch kleben wir verloren in unseren Kammern darbenden stalinistischen Arschlöcher schlicht an den hübschen, ewig gothic-mädchenhaft sich kämpfend für uns aufopfernden Lippen Brian Molkos und beten, dass er niemals damit aufhöre. Das Titelstück „Battle For The Sun“ ist ein ordentlich daher rumpelnder Hit mit Queens-of-the-Stoneage-Intro, das sich aber nicht mit deren Wüstensäuferrock-Ästhetik begnügt, sondern ab der Mitte mit Streichern, Pathos und allem drum & dran was man von der besten Band der Welt halt so gewohnt ist, daherkommt. (Live natürlich nochmal um einiges besser, wie ich mich vor kurzem persönlich in einem mit ca. 800 bewegungslos vor sich hin kreischenden, zitternden und heulenden Teenie-Zombies aller 17 Geschlechter vollgequetschen Club habe überzeugen können; Gewinnspielkonzerte und Fanshowcases, was seid ihr doch für Höllenpaten des Luzifers, wo es doch so wunderbare Riesen-Arenen gibt, welche prinzipiell frei von jener Sorte Underground-Vollidioten sind, die in ihrer nicht tot zu kriegenden Bewusstlosigkeit jedes Konzert, das mehr als 12 Besucher hat, schonmal grundsätzlich als kommerziell-faschistische Zusammenrottung diffamieren.) „Ashtray Heart“ kommt mit spanisch singendem Backgroundchor sehr schick und unprätentiös daher und ist somit eine Hommage an die befreundete Band Ash, den Pionieren des Gute-Laune-Beachpop-Wave. „Speak In Tongues“ ist vor allem wegen seiner stalinistischen Lyrics „We can built a new tommorow – today“ wunderbar, „Julian“ hört sich, so wie die Elektrobeats am Anfang gluckern, an, als wäre es auf einer Unterwasser-Loveparade aufgenommen und steigert sich dann hinein in eine gar nicht mal so Placebo-typische, aber trotzdem geniale, sich ganz zum Schluss an der Melodie von Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ entlang hangelnde Hymne und „Breathe Underwater“ ist so voll mit jener innig geliebten, nur von Placebo herstellbaren Ewige-Jugend-Sommerabend-am-Lagerfeuer-Rumknutschen-Euphorie, dass es wohl imstande ist, sogar Tote, wenn nicht gar Morrissey-Fans wieder zum Leben zu erwecken.

Überhaupt rumpelt, kracht, trommelt, knallt, scheppert, trompetet, geigt, piept, fiepst, blitzt und backgroundsingt es auf diesem Album an allen Ecken, Enden und Anfängen. „Kings of Medicine“, ein Rihanna-inspirierter Überraschungsei-Knallfrosch von einem Song, krönt und beendet das reguläre Album goldrichtig.

Was soll man weiter die Musik beschreiben. Gehörlosen bringt es eh nichts und der Rest kanns ja selber hören – Beschreiben ist prinzipiell was für die positivistischen Hirnlosen und Bestimmungsfeinde, denen verbindliche Resultate zu brutal sind und deswegen lieber der Meinungsvielfalt und ähnlicher Demokratenscheisse das Wort reden. Die drei Bonus-Tracks („In A Funk“, „Unisex“ und „The Movie On Your Eyelids“) jedoch, die sich auf das Limited-Edition-Boxset und die japanische Albumversion verteilen, sind mir noch eine Bemerkung wert, da sie a) von allen angeblich sachverständigen Hosenscheissern und Flachwichsern der Musikjournalisten- und Bloggerszene in ihrer Hatz nach dem schnellsten und schlechtesten Album-Review sträflich missachtet wurden (überhaupt ist davon auszugehen, dass die meisten von ihnen die Platte wohl noch nichtmal ein einziges mal komplett gehört haben) und b) alle drei ganz große klasse sind (vor allem „In A Funk“ ist mal wieder die Auferstehung des Allmächtigen) und den doch immer recht pejorativ wirkenden Zusatz „Bonus“ nicht verdient haben. Bei Placebo gibt es keinen Bonus, nur Luxus im Überfluss. Kein Song von ihnen ist wirklich schlecht, selbst die lustlos hingerotzten und fies produzierten schwachen Stücke vom fürs Oeuvre trotzdem wichtigen, wenn auch nicht essenziellen dritten Album „Black Market Music“ sind noch immer zig Mal besser als alles andere, was derzeit so an Elektro- oder Emodreck in den CD-Playern dieser Welt vor sich her rotiert, sogar die hinterletzten instrumentalen Elektro-Noise-B-Seiten sind schlicht Notwendigkeit im Gesamtwerk (und die neun Live-Tracks aus Kambodscha auf der Limited-Deluxe-Edition-DVD sind in ihren radikal überarbeiteten Arrangements eigentlich auch schon wieder komplett neue Songs).

Mitleid sollte man mit jenem Schlag Fans haben, die sich mal wieder erdreisten, irgendeinen Dreck von „Ausverkauf“, „Kommerz“, „Poppigkeit“, „Abkommen vom wahren Weg“ oder ähnlichen Schoten der gemütlich-verblödeten Gebetshäkeldeckchenkacke vor sich herzusülzen. Placebo sind, bleiben und waren klassischer Pop, ästhetisch wohlgeformter Mainstream, kein „Indie“, „Alternative“, „Subkultur“, „Glam-Rock“ oder ähnlicher Schmonzes zum Zwecke der Verarschung und Verseuchung der Vernunft und Sittlichkeit. Jeder behirnte Mensch kann nämlich froh sein, dass Placebo keinen Independent-Lo-Fi-Loser-Pop machen, jene Karikatur von Avantgarde, welche von Deppen für Deppen gemacht wird, denen Hippiejazz zu uncool ist und welche sich in ihrer erbärmlichen Banalität eben Vinylsammeln oder Bloggen über Egotronic als Distinktionspraxis erkoren haben, um sich von Minderbemittelten ihres gleichen zumindest äusserlich absetzen zu können (dass, by the way, „Unabhängigkeit“, also soziale Verwahrlosung, künstlerische Isolation, Antipop-Weltentsagung und gesellschaftliche Bezugslosigkeit, die Haupt-Tugenden des Underground, in diesen Kreisen immer noch als erstrebenswert erachtet werden, zeigt schlicht deren prinzipielle reaktionäre Ekelhaftigkeit.)

Ebenfalls sehr schlimm an der ständig gleichförmig verblödeten Fan- bzw. Kritiker-Rezeption ist wie immer das ebenso reaktionäre Raunen über angebliche Epigonen, dem man nur entgegenhalten kann, dass es gar nicht genug Placebo-Kopisten geben kann: Lieber schlecht Placebo kopieren, als eigenständig oder „experimentell“ nur Scheisse spielen. Bands allerdings wie Blackmail, KEN, Sneaker Pimps, The Veils, Starsailor, Tegan & Sara, Kent oder die unsäglichen Canaillen von den Beatsteaks werden dieser Ehre – trotz vereinzelt gut geklauter Stücke – nicht gerecht; einzig die leider inzwischen aufgelösten grandiosen The Cooper Temple Clause und vielleicht noch Interpol und Belasco konnten einige Momente des Placebo‘ schen Genies in ihr Werk integrieren, ohne dabei zur peinlichen Cover-Jahrmarktskappelle à la JJ72 herunterzukommen. Es scheint, dass Placebo ein schwarzes Loch der künstlerischen Rat- und Mutlosigkeit hinter sich herziehen – was sich bestätigt, wenn man sich mal den Horror der Placebo-Coverversionen auf Youtube angetan hat. Man kann von dieser selbstbewussten Souveränität, dieser allumfassenden Perfektion wohl tatsächlich nur geblendet sein, nie inspiriert, denn Inspiration setzt immer Unfertigkeit der Inspirationsquelle und Unzufriedenheit mit dem Vorgefundenen voraus; bei Placebo kommt sowas nicht vor, kein ernstzunehmender Künstler nimmt sie sich als Vorbild, da Scheitern vorprogrammiert wäre.

Meisterlich hingegen lassen Placebo ihre Vorbilder in ihr Werk einfließen: Siouxsie & The Banshees, Wire, Stereolab, Mogwai, Idlewild, Queens of the Stone Age, Roxy Music, Rainbirds („Song To Say Goodbye“ ist, wie bisher scheinbar noch keine Sau bemerkt hat, eine leicht umgewandelte und mit anderem Text versehene Version von deren 80er-Jahre-Knüller „Blueprint“), dEUS, Pixies, At The Drive-In, PJ Harvey etc. (die Helden aller nekrophilen Friedhofs-Katzenleichenschänderkinder, die bedauerlichen Joy Division, ignorieren wir hier mal unauffällig). Trotzdem sind Placebo keine bloße Bibliothek des geschehenen Wave-Rock, sondern halten konstant und gekonnt die Spannung zwischen Klassizismus, Erneuerung und Neuerfindung aufrecht, ohne in entweder restaurative Repetition einerseits oder experimentellen Kitsch andererseits zu verfallen – ein Fehler, der, vermutlich schlicht aus Unvermögen und nicht so sehr aus Faulheit, selbst von den besten und zurecht hochgelobten Bands (Wire, Depeche Mode, The Cure) dieser (und verwandter) Gattungen immer wieder begangen wird.

Ein solches Einhalten der Mitte nennt man traditionell Genie und es geziemt sich hier also sehr, von einem eben solchen zu sprechen. Wer, wenn nicht Placebo, ist heute genial? Wenn künftige Geschlechter von Pop reden werden, dürfen sie Placebo als zentrale Bezugsgröße nicht unerwähnt lassen oder sie machen sich vor KP & Restgesellschaft im höchsten Maße lächerlich.

„Fuck the government, fuck their killings, fuck their lies!“ (Placebo, „Soulmates“) Um sowas dem Pöbel zu verklickern, brauchen die lahmarschigen „Gegenstandpunkt“-Doktoren über hundert Seiten und ganze Seminar-Wochenendveranstaltungen. Molko, Olsdal & Forrest bringen sowas, genauso wie gelegentliche Präsidentenbeleidigungen und andere prima stalinistische Schweinereien einfach mal nebenbei in ihren Songs unter, kümmern sich in der Hauptsache aber um ihr großes, messianisches Werk der Auferstehung der klassischen Pop-Universalität.

PLACEBO – BATTLE FOR THE SUN (Dreambrother/PIAS) ist am 5. Juni 2009 als CD, CD + DVD, Vinyl, Download, sowie Limited Edition Boxset (inklusive 2 Bonustracks, Live-CD, Live in Angkor Wat / Kambodscha DVD, Making-of-the-Album-Doku-DVD, Doppel-Vinyl-LP & 2 Hardcover-Büchern) erschienen. Diesen Sommer spielen Placebo auf mehreren Dutzend Festivals in der ganzen Welt, im November/Dezember gibt es eine Arena-Tour durch Europa.

www.placeboworld.co.uk

www.placebocity.com

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29 Antworten auf “PLACEBO: Heute Battle, morgen Weltherrschaft”


  1. 1 Green 17. Juni 2009 um 15:13 Uhr

    AMEN! AMEN! AMEN!
    Danke, danke, danke dass endlich mal so ein gut geschriebener, durchdachter Text zu meiner LieblingsFavoritenfüralleZeit-Band veröffentlicht wurde :) )!

    Wunderbar: „standesgemäß bisexuell-langhaarig-drogensüchtig-kommunistisch-jüdischen Hörer“

    Und das fernab aller Klischees von wegen „Weltschmerz“ „Ist-er-jetzt-ein-Mann-oder-eine-Frau“ „HOMOROCK“ und was sonst noch so über Placebo kursiert und woraus jede Plattenbesprechung zu 80% besteht.
    Du hast es toll auf den Punkt gebracht und das Phänomen Placebo schön beschrieben, ich mag auch deine Hints auf Hints von Placebo zur Politik, was unter dem Glam-Rock-blabla immer(!) vergessen wird zu erwähnen.
    Vielleicht fällt mir später noch mehr ein, aber erstmal belasse ich es bei einem erneuten DANKE :D
    Gute Sache.

  2. 2 mantisluxuria 18. Juni 2009 um 11:57 Uhr

    ES IST VOLLBRACHT!!!

    Endlich, endlich, endlich hat es jemand gewagt, das Phänomen PLACEBO dorthin zu rücken, wo es hingehört: In die hehren Hallen des musikalischen Olymps, von dem aus die drei gottgleichen Künstler Molko, Olsdal und ihr Auszubildender Forrest gnädig und weise, aber immer menschlich bis zum „Bitter End“ herablächeln auf uns Volk der dadurch beseelten Fans.

    Endlich mal jemand, der die Genialität ihrer Musik, ihrer Texte, ihrer atemberaubenden Live-Auftritte auf die Stufe stellt, wo sie hingehört, nämlich auf die höchste.

    Endlich jemand, der den ewig gestrigen „Wir-wollen-Nancy-Boy-zurück“-Fans zeigt, wo der Hammer hängt, indem er die radikale Notwendigkeit des Sich-Neuerfindens, -Weiterentwicklens und Reifens, soll heißen, das Agieren der Band „…ohne in entweder restaurative Repetition einerseits oder experimentellen Kitsch andererseits zu verfallen….“, beherzt benennt und kommentiert.

    Schön – nebenbei bemerkt – die Enttarnung dieser unserer bundesdeutschen Wirklichkeit (köstlich!), in der es tatsächlich fast an ein Wunder grenzt, wenn Kunst des PLACEBO’schen Ausmaßes überhaupt in irgendeiner Form noch gewürdigt wird – man sehe, staune und bewundere den Einstieg des neuen Albums auf Platz 1 der Charts. Es geschehen – auch in der so arg in den Wurzeln ihres kapitalistischen Systems gebeutelten Republik – offenbar doch noch Zeichen und Wunder.

    Danke, dass du die fortwährend sich selbst plagiierenden Musikjournalisten in ihre Schranken verweist und höchster Qualität, Genialität und Kunstfertigkeit den Stellenwert zumisst, den sie verdient…

    Ich könnte an dieser Stelle noch ausufernd weiterschreiben; ich denke jedoch, das Wichtigste ist gesagt, nicht zu vergessen: Mein ABSOLUTER Dank für diese durchweg treffenden Worte, die die ganze Causa „PLACEBO-Bandmitglieder-ihre Kunstfertigkeit-ihre Fans-das neue Album“ – in nahezu ganzheitlicher Art und Weise ins rechte Licht rückt.

    PERFEKT bzw. einfach GEIL!!!

  3. 3 meineLouise 18. Juni 2009 um 16:22 Uhr

    Da meine Liebe zu Placebo nach Anschauen meiner erwähnten Webseite mehr als offenbar sein dürfte (an dieser Stelle ein kurzes aber begeistertes Danke für dein – wohl eher zufälliges – Einbetten zweier Videos von meinem Youtube-Placebo-Altar), möchte ich in diesem Kommentar besonders deine unterhaltende und sehr gute Schreibe beglückwünschen und hervorheben!! Du hast sämtliche Klischees über Placebo, die mir bei der Lektüre fast aller Placebo-Reviews entgegenschießen und dann sauer aufstoßen, wundervoll humoristisch beschrieben und widerlegt! MERCI!

  4. 4 Dani 18. Juni 2009 um 22:32 Uhr

    Die Leute wollen doch nur darauf aufmerksam machen, dass sie cool und alt genug sind, um „Nancy Boy“ „noch zu kennen“.
    Ich find’s nicht nur bei Placebo immer wieder traurig, dass neue Alben von Fans zertreten werden, denn es ist doch gut, dass ein Album nicht wie ein vorheriges klingt. Wie langweilig wäre das denn?!
    Schöner Beitrag jedenfalls!

  5. 5 Ina Eff 21. Juni 2009 um 18:36 Uhr

    Naja,

    so dolle is det nu och nich, dass et den langen Salm verlohnt. Ick lese det so und denk mir, „Jenossin,“ denk ick mir, „die Bürger von Placebo haben, scheints, den Rock ‚n Roll neu erfunden.“ Denn zapp ick mir so durch die Clips und wat is? Süsslicher Emo-Pop. Klingt wie Frank Black, und der war schon immer jämmerlich und langweilich. Det schneidet aber sowat von jarnich in die Seele, berührt ma übahaupt nich. Det is Poser-Blech. Weder heiter is det, noch tragisch, weder Fisch, noch Fleesch, noch ürjentwat. Det rockt nich und det klingt nich, det is einfach nur oll. Wiederkehr det ewig Gleechen würd ick sahren, wenns mal wenigstens gleech wär. Et is aber sojar noch schlechter als det Orjinal.

    Leg ick mir Prokofjev uf. Haick Musik inne Ohrn. Rischtje Mucke.

  6. 6 Väterchen Administrator 28. Juni 2009 um 16:42 Uhr

    Is was?

  7. 7 neo 29. Juni 2009 um 6:15 Uhr

    Tja, so is das im Leben. Irgendwo muss sich selbst der anspruchsvollste Geist eine geschmackstechnische Auszeit/einen kleinen privaten Regress, einen Rückfall in die niedersten Tiefen der Kulturindustrie leisten!
    Die Vorzeige-Postmodernen in FFM abonnieren ernsthaft die Bravo und Lyzi hört Placebo. Es menschelt arg.

    Brauch ich kunsttechnisch inspirierten Sound auf die Ohren, halt ich mich lieber an: Trelldom, David Bowie, Sparks.
    Einen verträumten Ausblick auf reale Subversion gibts bei: Toco, Chaos Z, Schleimkeim und Hass.
    Placebo dagegen ist für mich die allerletzte Alternative-Leftsidefeelings-bürgerliche Dödelkram. Noch nicht grundeklig und erzübel wie Franz Ferdinand, White Stripes oder gedankenferne Fickpisse wie: wir sind Mia, trotzdem verlurcht und uninspieriert wie nur was. Wie konnte es auch anders passieren das sie unter den verkommensten Subjekten, in diesem wiederlichen Volk so eine grosse Anhängerschaft fanden, unter den Studis?

    Aber das nur am Rande. Is ja nur Kulturindustrie und deswegen sowieso irrelevant, nebensächlich und wumpe wie die Wurstsorte die ich mir morgens aufs Brot schmier.

  8. 8 neo 29. Juni 2009 um 6:31 Uhr

    Achso ja: Das dööfste überhaupt sind jawohl Fans von Bands oder sonstwie „Kulturschaffenden“. Das is jawohl emotionaler Regress pur. Guck dir den verzückten Mimikbrei von der schwitzenden Menschenmeute in der ersten Reihe doch mal an. Also bitte!

    Diesen Leuten ist es doch wurscht ob der Prinz aus der Kutsche winkt, der Schönling die Gitarre klampft oder der Regent zum Heldentod ruft, hauptsache sie können ab und zu mal den eigenen kärglichen Rest an Zurechnungsfähigkeit beim Türsteher abgeben, um ihr Leben als Arbeitsdrone vergessen zu können.

    Nö… ohne mich.

  9. 9 Väterchen Administrator 01. Juli 2009 um 5:52 Uhr

    Sag mal, neo: Immer noch kein Geld fürn Puff?
    Was delirierst du arme Sau hier denn wieder von „Geschmack“, „Regress“, „menscheln“, „Kulturindustrie“ und sonstigem Hirnkleister aus den Vorratskammern der linksverblödeten KT-80er-Jahre-Konkret-Barbarei?
    Mir kam die Kotze hoch, echt. Wie alt bist Du, 12?
    (Aber ok, blogspack.de halt, was soll man erwarten in dieser Drecksbude der komplett enthirnten Pop-, Lust- und Menschenfeinde, die ihr Hirnkoma, ihre Ressentiments und ihre universelle Ignoranz in „communistische Kritik“ umlügen und sich dabei auch noch toll vorkommen.)

    „Diesen Leuten ist es doch wurscht ob der Prinz aus der Kutsche winkt, der Schönling die Gitarre klampft oder der Regent zum Heldentod ruft,…“

    Das ist ja gerade das Gute, du Depp. Siehe Ulbricht, Stalin etc.

    „Nö… ohne mich.“

    Möcht ich auch hoffen. Hab echt kein Bock so Tocotronic-Spießer wie dich irgendwo rumlungern zu sehen, wo ich mich des Lebens erfreue, Horst!

  10. 10 uwe 02. Juli 2009 um 18:47 Uhr

    hab den artikel nur bis zum ersten bild gelesen, weil er zu lang ist. finde die mucke von placebo sau langweilig!

  11. 11 Väterchen Administrator 03. Juli 2009 um 7:31 Uhr

    „hab den artikel nur bis zum ersten bild gelesen,“

    Starke Leistung, Uwe!

    „finde die mucke von placebo sau langweilig!“

    Placebo finden dich bestimmt auch sau langweilig!

  12. 12 dieeinzigwahreweltbeherrscherin 03. Juli 2009 um 10:13 Uhr

    GROSSARTIG !!!! Weiter so ….

  13. 13 jeudepaume 11. Juli 2009 um 9:50 Uhr

    zustimmung mit hochgehaltnem kaertchen der arbeitslosenstatistik

  14. 14 Dserschinski 21. August 2009 um 17:39 Uhr

    Ich muss sagen: ich bin wirklich enttäuscht von dir, Lyzi. Erst greifst du in gekonnter Polemik den argumentistischen „Grand Hotel-Abgrund“-Mob aus GSP, Kiffern und Pomos an, dann muss ich hier so einen dekadenten, kleinbürgerlichen Mist von dir lesen. Placebo ist die Speerspitze der bürgerlichen Dekadenz, genauso wie diese gesamte Emo-Bewegung, von der mE die „neue Linke“ nur der theoretische Schlagarm ist, trotz aller oberflächlichen Differenzen.

    Was wir brauchen ist eine neue stalinistische Jugendbewegung nach dem Vorbild der Thälmann-Pioniere, nicht autoagressiven, individualistischen Mist. Du benötigst echt Nachhilfe, Genosse. So nicht!

  15. 15 Dserschinski 21. August 2009 um 17:41 Uhr

    Ich erwarte übrigens eine umfassende Selbstkritik von dir!

  16. 16 Väterchen Administrator 21. August 2009 um 18:59 Uhr

    „Ich muss sagen: ich bin wirklich enttäuscht von dir, Lyzi.“

    Dazu bin ich da. Um Leute wie Dich zu ent-täuschen.

    „Emo-Bewegung“

    Das ist keine „Bewegung“, sondern nur das letzte Aufbäumen der Reaktion mithilfe von sich immer weiter qua Schändung von Körper und Ästhetik separierender Jugendcliquen. Placebo haben mit diesem Dreck soviel zu tun, wie ich mit der FDP. Bevor Du hier rumnörgelst und die unterschiedlichsten Sachen in einen Topf wirfst, weil dir nichts besseres einfällt als im antik-linken 68er-Gestus des Sowi-Lehrers, der außer seiner behämmerten „Zweitausendeins“– Jazz – und Hippiescheiße nichts kennt und kapiert, zwanghaft deine Anti-Kultur-Rotzideologie, die deine Ressentiments so prima nährt, vor dir her zu speien, solltest Du lieber mal was für Deine ästhetische Bildung tun (auch Marx & Engels beschäftigten sich ja z.B. auch durchaus wohlwollend mit bürgerlicher Kunst, ohne deswegen gleich kleinbürgerliche Deppen zu sein).

    „Placebo ist die Speerspitze der bürgerlichen Dekadenz“

    Und selbst wenn sie bürgerlich, dekadent oder sonstwas sein oder irgendwann mal werden sollten (was sie, wie jeder problemlos mit ein wenig Recherche nachprüfen kann, zumindest momentan nicht sind): sie sind 1.) populär und 2.) Genies. Und populäre Genies (siehe auch z.B. Matt Groening) sollte man als Kommunist zumindest mit Wohlwollen betrachten.

    Außerdem bin ich kein Parteigrogramm-Schreiber oder sonst ein irgendeiner Sektendisziplin sich unterwerfender Flugblattverteilungsdepp; was ich gut zu finden habe, lass ich mir von niemandem vorschreiben (auch nicht von Thälmann-Pionieren wie dir). Was dann deines Erachtens von was auch immer irgendein theoretischer Schlagarm sein soll, geht mir sowas von am Arsch vorbei, du glaubst es nicht.

    Man mag Pop nicht mögen – ok, Euer Ding. Aber man sollte es zumindest gutheißen, wenn gesittete Menschen das Übel innerhalb der Pop-Sphäre bekämpfen, sonst hört ja bald jeder nur noch Egotronic, Tocotronic, Blumotronic oder Peter Maffay und verblödet vollends.

    In deinen Affekten gegen von dir nicht Begriffenes bist du übrigens dem von dir sogenannten „‚Grand Hotel-Abgrund‘-Mob aus GSP, Kiffern und Pomos“ näher als du meinst.

  17. 17 Väterchen Administrator 21. August 2009 um 19:00 Uhr

    „Ich erwarte übrigens eine umfassende Selbstkritik von dir!“

    Was ich als Stalinist von Kritik, gar Selbstkritik halte, dürftest Du vielleicht ahnen.

    Ansonsten hab ich auch weiterhin keinen Bock, Euch Suppenkasper über Eure Blödheiten aufzuklären. Macht das mal schön selbst.

  18. 18 Marina 14. September 2009 um 12:23 Uhr

    Guten Tag lieber „Lyzi“,

    ich vermute zwar, gemessen an Deinen vorherigen Antworten auf Kommentare, dass Dir die Meinung anderer Leute recht egal ist, aber dennoch melde ich mich kurz zu Wort. Direkt vorneweg: Placebo sind für mich persönlich ungeschlagen und laufen in einem Rennen um Anerkennung, Selbsterhaltung in der Musikbranche und Ideenreichtum zumindest in ihrem Genre außer Konkurrenz.

    Dennoch ist mir Dein Artikel, trotz Vorankündigung, ein Kilo voller Prisen zu pathetisch. Huldigen kann man auch in Maßen, auch bei gottgleichen Musikern wie Stefan, Steve und Brian.

    Ich versuche jetzt, einige „Meilensteine“ Deines Artikels abzuarbeiten und erwarte nicht, dass Du Dich gnädig zu einem Kommentar herablässt – lieber verzichte ich darauf. ;)

    Ich mag Deine Beschreibung des ersten Hörens eines Albums oder eines Titels – es trifft haargenau das Gefühl, das ich empfinde, wenn ich einen neuen Placebo-Song zum ersten Mal höre.

    „(Placebo sind für die Popmusik in etwa das, was LYZI‘S WELT für die Blogosphäre ist: Rettung und Erlösung aus dem Stumpfsinn der langweiligen, verblödeten, geist- und kunstlosen Durchschnittlichkeit.)“ – bis zu diesem Punkt des Artikels habe ich eigentlich zustimmend gelächelt oder schmunzelnd abgewägt. Ich weiß nicht, mit welchem Recht Du dich selbst huldigst bzw. würde ich gerne wissen, wen oder was Du als die „langweilige, verblödete, geist- und kunstlose Durchschnittlichkeit“ definierst.

    „[…] denn es ist die objektive Größe, Güte, Komplexität, Weisheit und Herrlichkeit dieser Gruppe, die bestimmt, dass man großer Fan ist, nicht der subjektive Wille zum Fansein.“

    Michael Jackson, war (bzw. ist) auch von objektiver Größe, Komplexität und Herrlichkeit, genau wie die Pixies, Falco die Beatles und ähnliche Kaliber es sein mögen – dennoch ist es nicht die objektive Größe, die meine musikalische Gewohnheit bestimmt, es ist tatsächlich noch der freie Wille, sich einer Musikgruppe (egal in welcher hierarchischen Größenordnung) hinzugeben.

    „[…]mit dem Six-by-Seven-esken ersten Track „Kitty Litter“, einem der fünf besten Placebo-Songs überhaupt“

    Ich hoffe, Du stellst dies nicht als einen Fakt dar. Kitty Litter kratzt (MEINER Meinung nach) nicht annähernd an der Top 10 der besten Placebo-Songs. Dennoch würde ich gerne auch dazu eine Begründung erfahren – und dazu reicht mir leider keine kunstvolle Beschreibung des Liedes.

    Nebenbei bemerkt: Ich bin, genau wie Du, gegen den gnadenlosen Zerriss von Stadien- oder Arenen-Konzerten, die Größenordnung betreffend, allerdings lehne ich auch ihre nicht objektive Verherrlichung ab. Ich hatte ebenfalls das Vergnügen, beide Arten von Konzerten zu genießen – und mich hat auch ein Placebo-Konzert mit knapp 800 Seelen vor nicht allzu langer Zeit begeistert (mit einem Abstrich: das gnadenlose Gekreische auf den später erhältlichen Radioaufnahmen war definitiv ein Minus) Und frei von „von jener Sorte Underground-Vollidioten sind, die in ihrer nicht tot zu kriegenden Bewusstlosigkeit jedes Konzert, das mehr als 12 Besucher hat, schonmal grundsätzlich als kommerziell-faschistische Zusammenrottung diffamieren“ sind diese Arenen mit Sicherheit nicht – ihre Schreie sind einfach nur schlechter zu hören.

    Generell finde ich Deine Umschreibungen der Songs recht gelungen, mit zwei Ausnahmen – „Julien“ stellt für mich das absolut schwächste Glied des Albums dar, abgesehen vom Text fern von jeglicher Genialität. Aber das ist vermutlich auch wieder nur eine subjektive Ansicht, die ich niemandem aufdrängen will – allerdings finde ich die Beschreibung von „Kings of Medicine“ als ein „Rihanna-inspirierter Überraschungsei-Knallfrosch“ recht beißend – ich kann mit dem Vergleich wenig anfangen.

    Tatsächlich lachen musste ich bei deiner Beschreibung der netten, sympathischen Musikjournalisten – es ist manchmal einfach nur traurig, Kritiken von Menschen zu lesen, die es nicht einmal fertig bringen, sich eine Platte mindestens ein- bis zweimal anzuhören, bevor sie Worte in ihren Laptop tippen, während sie bei Starbucks ihren Hot Grande Latte genießen.

    Allerdings empfinde ich gerade „In A Funk“ als den „Bonus“-Song mit dem geringsten Potential – textlich und musikalisch. „The Movie On Your Eyelids“ hat mir direkt ins Herz geschossen und weh getan, „Unisex“ steckt voller Überrachungen – an „In A Funk“ finde ich den Songtitel am kreativsten.

    Und es überrascht mich auch nicht, dass ich, im Gegensatz zu Dir, „Black Market Music“ als das wundervollste Werk Placebos erachte ;)

    Bei den Kambodscha-Aufnahmen scheinen wir uns jedoch einig zu sein – sie sind einfach wunderbar und meiner Meinung nach frei von jeglicher kritischer Anmerkung. Ich höre jedes dieser Lieder mit Liebe und grenzenloser Zuneigung.

    Wie Du „Blueprint“ allerdings mit „Song to say goodbye“ vergleichen möchtest, ist mir ein Rätsel – aber höchstwahrscheinlich ist mir diese Denkweise einfach nicht zugänglich, vermutlich gehöre ich Deiner Meinung nach auch zu der kunstlosen Durchschnittlichkeit, aber ich denke, damit kann ich leben. ;)

    Zu deiner Frage bezüglich aktueller Genialität neben Placebo: Es gibt durchaus einige Künstler, die ich als „genial“ bezeichnen würde – sowohl von „Urgesteinen“ aus „vergangenen“ Musikzeitaltern, die jedoch heute noch aktiv sind, als auch von ganz frischen, aufkeimenden „Jungspunden“. Placebo mögen ein Planet im Sonnensystem sein, aber sie sind nicht alleine.

    Trotz meiner Anmerkungen danke ich dir für deinen Beitrag – gewisse Dinge haben mir aus der Seele gesprochen.

  19. 19 Blue 30. November 2009 um 21:15 Uhr

    Super Artikel, werde nächste Woche auch in den Genuß eines Livekonzertes kommen :D

  20. 20 Placebofan 25. Juni 2010 um 15:47 Uhr

    Du hast so Recht. Kann dir nur zustimmen. Placebo ist die beste Band auf der Erde. Danke, das du so einen wunderbaren Artikel über die geilste Band der Welt geschrieben hast.

  21. 21 rongkong 01. August 2010 um 8:27 Uhr

    „Aber ok, blogspack.de halt, was soll man erwarten in dieser Drecksbude der komplett enthirnten Pop-, Lust- und Menschenfeinde, die ihr Hirnkoma, ihre Ressentiments und ihre universelle Ignoranz in „communistische Kritik“ umlügen und sich dabei auch noch toll vorkommen.“

    DITO. na vielleicht „stalino-gelaber“ in die anführungszeichen, dann passt’s.

  22. 22 Marina 08. November 2010 um 17:56 Uhr

    PS: Und deine Definition von „Stalinist“ würde ich auch gerne mal hören…

  23. 23 Väterchen Administrator 10. November 2010 um 22:05 Uhr

    @Marina:

    Stalinisten sind Kommunisten, die, wie schon bei Marx und Engels (z.B. im Manifest der Kommunistischen Partei) erklärt und gefordert, einen gewaltsamen Umsturz der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse, also den endgültigen Sturz des Kapitalismus anstreben, die proletarische Revolution als ausweglos und u.a. deshalb vernünftig ansehen, sowie diese nicht nur erörtern oder gutheissen, sondern auch theoretisch und praktisch erarbeiten. Im Gegensatz zu „linken Kritikern“ oder Commünisten haben sie sich von etwaigen pubertären Illusionen über Politik und Volk verabschiedet und ziehen daraus die Konsequenzen.

    Desweiteren gibt Wikipedia Auskunft (als Enzyklopädie, die im Bunde von niederem Volksmob und Bourgeoisie erstellt wird, weiss sie – wie es stets der Klassenfeind zu praktizieren pflegte – ihre Feinde meist am besten einzuschätzen und somit, wenn auch keinen Begriff, so doch zumindest eine konkretere Ahnung vom Stalinismus zu vermitteln):

    http://de.wikipedia.org/wiki/Stalinismus

  24. 24 pattzifist 12. November 2010 um 23:12 Uhr

    Wie erarbeitet man eigentlich zu dritt den „gewaltsamen Umsturz der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse“, theoretisch und praktisch? Ist das nicht eine Menge Arbeit?

  25. 25 Väterchen Administrator 13. November 2010 um 2:26 Uhr

    Theoretisch ja, praktisch nein. Es ist schwierig, aber es geht.
    Lenin hats ja sogar „allein“ geschafft, und im ZK der SED hatte ebenfalls ein einziger denkender Mensch ausgereicht; Minimalismus als Tugend der Elite.

  26. 26 SDAJ-Tschekist 15. November 2010 um 0:24 Uhr

    Ich würde mich neben Stanislaw, Jan Filip und Lyzis dann doch als 4. outen.
    Und wie mir ein Kommunist der CPUSA versichern konnte, dass er immer noch an den Spruch eines alten Parteigenossen, der dies vor 40 Jahren sagte, glaubte: „Capitalism won‘t last until next winter.“
    Oder wie Lenin das sagte:
    „Wir werden siegen.“
    So simpel.

  27. 27 Väterchen Administrator 15. November 2010 um 0:33 Uhr

    Wenn man dazu nimmt, dass in der Reihe der Stalinisten Vernunft und überhaupt Denkfähigkeit durchaus zuhause sind, dann sieht das im Endergebnis schon wieder ganz anders aus, denn die commünistische Lumpen-Assoziation mag zwar größer an Mitgliedern sein, aber sie ist trotzdem kleiner an Hirn. Und darauf kommt es an; ein denkendes Hirn überwiegt immer mindestens tausend Kritizisten, das ist seit je Naturgesetz (oder kennt noch irgendwer einen „Napoleon-Kritiker“?).

    Man muss sich also keine Sorgen machen – zumindest solange, bis wir die Macht haben.

  28. 28 Stanislaw Hirschfeld 15. November 2010 um 23:44 Uhr

    Liebes Väterchen,

    du hast das „allein“ ja richtigerweise in Anführungszeichen gesetzt, denn allein war Lenin nicht. Da mögen noch tausende Bucharinisten, Trotzkisten und andere Antikommunisten gewesen sein, da war doch ein heranreifender Stalin. Wer Lenins sogenannten letzten Willen lesen, also begreifen, kann, wird seine tiefe Zuneigung zum späteren „Sowjethitler“ erkennen können.

    Dem SDAJ-Kommentator sei liebevoll gesagt: Der Club ist exklusiver, als Du denkst. Ein Club ist er zudem auch nicht.

    Lang lebe Julian Plenti,
    S. Hirschf.

  1. 1 Placebo: Speak In Tongues « Generelle Pingback am 01. August 2010 um 2:50 Uhr

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