Das Elend des GegenStandpunkt I: Interessiertes Weglassen bei „Ofenschlot“

Das Weglassen als Zensur, eine alte und beliebte Methode vor allem derjenigen, die sich über kommunistische Zensur erbösen, während sie hingegen selber schon in nahezu randalierender Weise zensierend, beschneidend, selektierend und ignorierend durch die Welt stolpern, hat kürzlich auch der relativistische Zitate-Blogger Ofenschlot für sich entdeckt – natürlich vollkommen im Interesse des antikommunistischen Diskussionsvereins GegenStandPunkt.

In seinem Blogeintrag vom 30. Juni 2009 zu Peter Hacks‘ Urteil über die GegenStandPunkt-Vorläufer-Organisation MG und deren Zentralorgan MSZ (siehe auch: die von begriffsloser Verwirrung nur so strotzenden „Beiträge“ und „Kommentare“ (es ist eigentlich nur Grütze, daher die Anführungszeichen) der GSP-Gläubigen, z.B. bei mpunkt und neoprene) unterschlägt er deshalb natürlich gleich mal den wichtigsten Satz Hacksens gegen den GSP-Oberguru und Berufsidealisten Karl Held, welcher da lautet:

„Wieso nennt dieser antikommunistische Linke die Kommunisten antikommunistische Linke? Das finde ich frech.“

(Peter Hacks, Verehrter Kollege, Berlin 2006, S. 291)

Auf die Antwort zu dieser Frage wartet der Weltgeist, nicht zuletzt meine Wenigkeit, übrigens bis heute. Ich denke allerdings nicht, dass ausgerechnet einer der bloggenden GSP-Bots dazu eine adäquate Antwort zu liefern imstande ist, weswegen diese Frage wohl auch für dieses Jahrhundert offen bleibt.

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8 Antworten auf “Das Elend des GegenStandpunkt I: Interessiertes Weglassen bei „Ofenschlot“”


  1. 1 Kohleofen 06. Juli 2009 um 20:46 Uhr

    Klar, vollkommen im Interesse des antikommunistischen Diskussionsvereins GegenStandPunkt! Ich habe nämlich einen Honorarvertrag mit den Münchnern, dass ich ihnen nur die schmeichelhaftesten Zitate raussuche.

    Vier Anmerkungen:
    1. Zitieren heißt in der Regel, etwas aus einem größeren Zusammenhang rausnehmen, also etwas ausschneiden, dafür anderes weglassen etc.pp. Da ist also schon Zensur? Omnis determinatio est negatio (Spinoza).
    2. Ich habe die Quellenangabe korrekt zitiert. Jeder kann sich, wie Du es getan hast, von der Quelle überzeugen und ihren Umkreis begutachten.
    3. Ich habe nirgendwo behauptet, alle Aussagen Hacksens zur MG zu dokumentieren.
    4. Ich finde dieses Zitat vom Hacks im Gegensatz zu seinen anderen Ausführungen schlicht einfältig und unangemessen (Du weißt, wen er hier mit Kommunisten meint? Jene Leute, die den Untergang des Sozialismus auf 1953 resp. 1956 datieren.). Ich habe mir deshalb die Freiheit genommen, es nicht zu zitieren.

  2. 2 moi 09. Juli 2009 um 1:59 Uhr

    Es gibt noch eine weitere Stelle von Hacks zum Gegenstandpunkt. In einem Brief an Gossweiler vom 25.12.1998 äußert sich Hacks über das Buch „Stalin anders betrachtet“ von Ludo Martens, dessen Titel Hacks missfällt: „Der Titel stimmt ja nicht, das Buch enthält das alte vertraute Stalinbild. Und er ist rezeptionsstrategisch falsch. Man geht nicht vom Stalinbild des Feindes aus, wie wenn es die Norm wäre oder wie wenn es eine Art dazusein hätte. Man geht von der Wirklichkeit aus, ohne alles Interesse für den Rest. Ins deutsche übersetzt lautet der Titel: Wollen sie doch gütigst entschuldigen, meine Herren Beurteiler, daß ich ein mich erkühne, über Stalin eine Meinung vorzutragen, welche von der Meinung der Bourgeoisie abweicht.“ Im Zusammenhang mit dieser Haltung zieht Hacks eine Parallele zum Gegenstandpunkt: „Es ist so idiotisch wie, eine Zeitschrift „Gegenstandpunkt“ zu taufen, die nicht anders denn als „Standpunkt“ benamt sein dürfte. Welche Siegeschancen hat kommunistische Agitation mit einem Minderwertigkeitskomplex gleich in der Überschrift?“ (Peter Hacks: Am Ende verstehen sie es, Seite 136)

  3. 3 wrdwef 19. Juli 2009 um 13:18 Uhr

    Dusselige Kuh,

    geh BRAVO lesen. Warum reißt Du Dein Tussimaul immer soweit auf?

  4. 4 hans komm schon 29. Juli 2009 um 23:16 Uhr

    „geh BRAVO lesen“
    nö,ich lese besser scheitern.

  5. 5 II 04. August 2009 um 12:36 Uhr

    „rezeptionsstrategisch“

    Das ist ein großartiges Methodenwort: Mit dem kann man sich rücksichtslos gegen den Inhalt wichtig machen.

  6. 6 weltgeist 15. September 2009 um 5:35 Uhr

    in der tat, auf die antwort warte auch ich.

  7. 7 Stanislaw Hirschfeld 31. Juli 2010 um 12:30 Uhr

    In der Tat, Ludo Martens‘ Buch hätte der Titel „Stalin richtig betrachtet“ deutlich besser gestanden. Damit wäre die Zurücknahme des feinen Inhalts durch den ängstlich-anschmeichelnden Titel zu verhindern gewesen. Der GegenStandpunkt heißt jedoch ganz richtig so. Der wird gefüllt mit ganz viel Kritik, deren Wirkung darin liegt, dem Kritisierten seine Negation zur Seite zu stellen. Mehr kommt dabei unmöglich heraus, denn Kritik bleibt immer eng an seinem Gegenstand und führt nicht von ihm weg. Statt Kritik empfiehlt sich die Befassung mit der gesellschaftlichen Realität, statt sie negierend zu verdoppeln. Die Gesellschaft ist als Einzelkind arg genug, eines Zwillingspaares bedarf niemand. Niemand heißt: Kein Kommunist. Der liest lieber Hacks und Hegel, steigert damit seinen Genuß am Leben und speist möglichst schmackhafte Brötchen.

  1. 1 Blogger Ofenschlot – Dumm wie Brot « Lyzis‘ Welt Pingback am 22. Dezember 2010 um 14:53 Uhr

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