Archiv für November 2009

Die Korrekturen

Die Zeit, in der man heute gezwungen ist, zu leben, und die natürlich in Wahrheit nichts mit Zeit zu tun hat, sondern eine politisch bewusst bestimmte und durchgesetzte Gesellschaftsform ist, die sich des Kostüms einer geschichtlichen Natürlichkeit bedient, ist ja geprägt, sekundiert, konstruiert und begleitet von einer Verfälschung jeglicher Darstellung und Beschreibung ihrer selbst. Ohne einer solchen ideologischen Vernebelungsmaschinerie hätten es die herrschenden Arschlöcher definitiv viel schwerer, ihren Laden am Laufen zu halten und die Entwicklung hin zum Kommunismus zu verhindern. In diesem Monat feiert die global organisierte Konterrevolution (also alle) ein besonderes Jubiläum, und die Presse, die Nachrichtenagenturen und überhaupt der gesamte mediale Verblödungsapparat des Kapitals konzentriert sich dabei auf eine noch brutalere Realitätsverfälschung als ohnehin schon.

Die Hässlichen haben die Definitionsmacht über Schönheit, die Dummen haben die Begriffsbestimmungshegemonie über Klugheit, die Analphabeten haben die Definitionsgewalt über Literatur, und die Reaktion, also der institutionalisierte Rückschritt, bestimmt, was Fortschritt zu bedeuten hat; an diesem elenden Umstand liegt es, dass heute gar keine Antikommunisten mehr an der Macht sein müssen, um die Menschen gegen Sittlichkeit und Wahrheit aufzuhetzen; es reicht, wenn den Leuten jegliche Kriterien zur adäquaten Realitätserfassung aus dem Bewusstsein getrieben werden – in diesem gesamtgesellschaftlichen Zustand völliger Verblödung stellt sich dann der Antikommunismus, mithin der der Mächtigen, von alleine ein.

Der hirnvernichtungsindustrielle Großlieferant für Begriffe stutzende Nachrichtentexte, die Agentur AFP, berichtete gestern dementsprechend realitätsverachtend (naive Soziologen bezeichnen so etwas verblödeterweise leider immer noch als „Positivismus“) über das vom Springer-Verlag initiierte offizielle Treffen der drei Vorsitzenden der Wiedervereinigungsmafia, die korrigierte Fassung gibt es nun für alle an einer einigermaßen gesitteten Restöffentlichkeit Interessierten exklusiv bei LYZI‘S WELT:

Kohl, Bush senior und Gorbatschow würdigen deutsche Einheit (politisch korrigierte Version)

Zwei Jahrzehnte nach der DDR-Annexion durch die Bourgeoisie der postfaschistischen BRD haben Helmut Kohl, George Bush senior und Michail Gorbatschow die deutsche Einheit als Glücksmoment der Geschichte gewürdigt. Der Altkanzler, der frühere US-Präsident und der sowjetische Ex-Staatschef trafen sich das erste Mal seit Jahren bei einer Veranstaltung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Kohl sagte, er sei „stolz“, dass die Deutschen die Einheit „gemeinsam, mutig und friedlich“ erreicht hätten. Die Millionen (Todes-)Opfer seines aggressiv nationalistischen Kolonisierungsprogramms und der daraus notwendig und vorhersehbar erfolgten Kriege, Konflikte und völkisch-nationalistischen Entrechtungs- und Rebarbarisierungs-Kampagnen in Osteuropa, Asien, Jugoslawien, dem nahen Osten und dem Rest der Welt, sowie die zu Millionen um Vermögen, Lebensglück, Arbeit, Gesundheit, Selbstbestimmung, Rentenanspruch und Würde gebrachten Bürger der ehemaligen Ostblockstaaten erwähnte er dabei nicht. Bundespräsident Horst Köhler dankte den drei Politikern für ihre Verdienste gegen die Humanität.

Der korrupte Altkanzler würdigte im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Leistung der beiden anderen großen Massenmörder der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Bush senior und Gorbatschow, die in der damaligen Zeit „die wichtigsten Partner“ der Bundesrepublik gewesen seien. Der von den Folgen seines schweren Sturzes vor knapp zwei Jahren gezeichnete Kohl sagte, er sei „sehr froh und dankbar“, überhaupt bei der Feierstunde im Berliner Friedrichstadtpalast anwesend sein zu können.

Bush erinnerte daran, dass die Ereignisse des Herbstes 1989 zuerst in den „Herzen und Gedanken“ jener Menschen in Bewegung gesetzt worden seien, die hinter dem Eisernen Vorhang so lange ihrer „Gott gegebenen Rechte“ vorenthalten worden seien.

Gorbatschow erinnerte an die Verdienste der vorangegangenen Generationen um die Vollendung der Hitler’schen Pläne eines großdeutschen Europas. „Das ist ja nicht vom Himmel gefallen“, sagte der frühere sowjetische Staatschef. Zuvor hatte Köhler in einer Rede Kohl, Bush senior und Gorbatschow „im Namen der Deutschen und – ich bin sicher – auch im Namen aller Völker Europas“ gedankt. Die drei früheren Politiker hätten mit ihrer „Staatskunst“ für „Millionen Menschen Türen und Tore aufgestoßen“. „Die Afrikaner hingegen“, so Köhler, „müssen natürlich auch weiterhin draußen bleiben. Menschenrechte gelten eben nunmal nur für Deutsche, Sieg Heil!“

Am Abend setzten die Wegbereiter der deutschen Einheit die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls bei einem Empfang beim rechtsradikalen Axel-Springer-Verlag fort. Auf Einladung der „Bild“-Zeitung trafen der Altkanzler, der ehemalige US-Präsident und der frühere sowjetische Staatschef im Springer-Verlagsgebäude in Berlin ein. Neben den „Vätern der Einheit“ waren zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und sonstiger allgemeiner Bewusstseinsleichenfickerei erschienen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und viele andere Vertreter der großdeutschen Bourgeoisie, die die DDR seit nun inzwischen 20 Jahren besetzt hält, nahmen an dem Empfang ebenso teil wie Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (beide CDU).

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