Referenzen

Anderleuts Kommentare über einen selbst aufzubereiten und zur Schau zu stellen, hat prinzipiell etwas von dieser Klappentext-Referenzen-Ekelhaftigkeit, die jeder vernünftige Mensch zurecht verachtet, weil sie bloße Reklame ist, aber so tut, als seien die für diese bezahlten Lobpreiser der eigenen Scheiße unabhängige Gütesiegel-Vergeber. Auf jedem zweiten Roman eines US-Schriftstellers prangt inzwischen schon auf dem Cover eine fette Empfehlung von Stephen King persönlich, die feststellt, wie genial und großartig der betreffende Autor sei; das wird natürlich schnell lächerlich, denn von Leuten, die prinzipiell alles super finden, will kein vernünftiger Mensch gelobt werden. Im Falle dieses Blogs jedoch ist es genau umgekehrt: Ich kenne und mag all diese Leute nicht, die sich in den letzten knapp zwei Jahren bemüßigt gefühlt haben, ihren stumpfen, irrelevanten Senf zu mir abzugeben – zudem soll die Sammlung der Kommentare von meinungsbesitzenden Idioten, Argumentierlehrlingen und Sittlichkeitsverpestern keine Empfehlung sein, sondern ein entzückendes Panorama der Zustände des gegenwärtigen deutschlinken Bewusstseins und der stupidesten Stämme von Bloginteressierten aller Klassen und Richtungen liefern. Wenn sie schon nichts kapieren, so nutzt man sie wenigstens zu Bespaßungszwecken.

Auch eine solche Anthologie des Hirnausflusses gelangweilter Gaffer und Geiferer hat natürlich die Anmutung einer stolzen Präsentation der Jagdtrophäen erfolgreichen „Getrolles“ – Trolle aber, gemeinsam mit den sogenannten Fakes die Juden des Internets, gibt es nicht. Hieß es früher noch „Kauft nicht beim Juden“, grunzen dieselben debilen Faschisten heute siebentausend mal pro Tag in sämtlichen Internetforen und Blogs die Phrase „Don‘t feed the troll“; die Funktion ist in beiden Fällen dieselbe: das Nichtpassende, Inkommensurable, Unbegriffene, Heimatlose, Nomadische, Unauthentische (nichts anderes heisst „Fake“), Künstliche, Wurzellose, Volksferne, Undeutsche soll qua Verniedlichung oder direkter Vernichtung als abgeschmackt, albern, überflüssig entwertet werden. Trolle und Fakes (vgl. auch sogenannte „Offtopic“-Beiträge, wobei immer ausgerechnet jene Kretins, die der „Themen“-Ideologie zum Opfer gefallen sind, bestimmen, was off- und ontopic zu sein haben) werden deshalb, wo nicht direkt vom zuständigen Administrator-Blockwart gelöscht, zumindest der Regressivität des Volkszorns preisgegeben.

Trolle sind deshalb weit höher zu bewerten als jener niederste Abschaum bürgerlicher Engagement-Barbarei – die notorische Landplage namens Blogger –, denn Trolle produzieren Reaktionen, die es sonst nicht gegeben hätte, betreiben also objektiv eine Form von Sozialwissenschaft und erzeugen zudem noch Zwietracht, also Klassenkampf (bei welchem sich dann auch zeigt, dass die wahren Trolle in Wirklichkeit jene sind, die es sich unterm Dach der ordnungsgemäßen „Seriosität“, die nur eine weitere Formel für nachdrücklich ausgeübtes Unrecht darstellt, bequem gemacht haben – die Seriösen sind es, die mit ihrer Verteidigung elender Verhältnisse letztlich die vernünftige Sache immer wieder untergraben, Leute verarschen, Wahrheit vereiteln, Dinge nicht ernst nehmen usw.).

Der Troll erinnert den Mob an seine eigene Dummheit, das darf nicht sein, deswegen muss er weg, oder besser noch: „raus“, so wie in Deutschland grundsätzlich immer alles, am besten „sofort“, RAUS muss: „Ausländer raus!“ (Nazis), „Nazis raus!“ (Antifa), „Bundeswehr raus aus Afghanistan!“ (Die Linke), „Die Linke raus aus den Parlamenten!“ (CDU), kulminierend im Ausverkaufsspruch Nummer eins des deutschen Einzelhandels „Alles muss raus!“

In Wahrheit muss natürlich nichts raus, im Gegenteil, alles muss rein, und zwar am besten direkt hier in den Blog, dem progressiven Ansinnen nachkommend, immer wieder jene Idioten vorzuführen, die ihre degenerierte Begriffsgrütze weiterhin gnadenlos unters Volk scheißen:

„In der Sicht von L[yzis] W[elt] (und mancher prosowjetischen linken Strömung) ist jegliche Kritik an der Politik der Bolschewiki, wie sie jeweils gerade war, und das war ja auch nicht gerade linear, so sagen wir mal von der Zeit vor den April-Thesen bis zum Sieg Stalins, immer per definitionem „konter“revolutionär, denn es gilt ja umgekehrt, daß die Partei immer Recht hatte. Ist doch ganz einfach, oder?“

Neoprene, anarchistischer GSP-Blogger

„wobei lyzis wahrscheinlich eher ein troll ist, der mit seinem stalinismus leute ärgern möchte. oder er ist wirklich verrückt.“

Bigmouth, Blogger und Psychiater

„Dieser Blog beinhaltet mit Abstand den größten politischen Schwachsinn dem ich in meinem jungen Leben bisher begegnet bin. Aber was will man auch erwarten bei einem Blog, bei dem sich der Verantwortliche selbst als „Väterchen Administrator“ betitelt. Ihr tut mir Leid, wirklich, aus tiefstem Herzen.“

„Luemel“, ein User des „Gulli-Boards“

„du bist echt ne geile mischung aus heterosexistischem asipunk und spiessigen politphilosophenbeamtentum.“

N.N.

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14 Antworten auf “Referenzen”


  1. 1 Stanislaw Hirschfeld 11. August 2010 um 11:42 Uhr

    Perlen vor die Säue, bloß andersrum. Wie nennt man das denn am besten? Stinkbomben in den Palast der Sowjets?

  2. 2 Väterchen Administrator 11. August 2010 um 11:53 Uhr

    Och naja, Stinkbomben halte ich für übertrieben.
    Sie spucken an die Außenwände; manch einer versucht sich im Pissen, vergisst aber den Gegenwind.

  3. 3 Troll Nr.1 11. August 2010 um 19:16 Uhr

    Kurz: Bloggen ist Reklame; reklamiert wird Individualität. Da durchs Bloggen die Anonymität (der wirklichen Individualität) nicht beseitigt wird (auch wo Klarnamen sind: siehe Kullas „was du nicht alles über mich weißt“!) ist Bloggen sogar reine Reklame, also ohne Anspruch auf Gebrauchswert (siehe Irrsinn der GSP-Blogger)der dargestellten Individualität und zwar: als solcher! Reine Reklame ist Versprechen ohne Inhalt, ständiges Ver-sprechen.

    Der Troll ist eine Figur, die das Blog-Prinzip klar darstellt: reine, sinnlose, endlose Schwatzsucht. Dennoch braucht das Bloggen irgendwelche Anlässe, um zu erscheinen: Sonst wäre es nicht einemal reiner Schein, sondern nichts. Insofern ist das Trollen das wirkliche Tun eines jeden Bloggers, das als das wirkliche Nichts (an Individualität) nicht anerkannt werden darf, damit überhaupt geschwätzt werden kann. Das Trollen ist die Substanz als Subjekt der Blogosphäre. Und es erscheint nur durch seine beständige Selbstnegation als etwas anderes.

    Beliebig anderes! Aber in dieser Beliebigkeit spiegelt sich die der individueller Wunsch universeller Warenverfügbarkeit und die universelle Verfügbarkeit des Individuums als Ware. Und daher ist Bloggen wirklich nichts anderes als reine Reklame.

    Schluß: Der „Troll“ ist der Nihilist der Reklame, der „Blogger“ seine Aufhebung. Beides sollte zerschlagen werden!

  4. 4 Samuel von Reiflingen 14. August 2010 um 10:07 Uhr

    Wenn Sie weiter ihren Narzismus publizieren, anstelle sich an Ihre Ankündigungen zu halten, werden Sie gewiß noch öfter solche Unbilden wie am Ende des 2. Absatzes verzapfen und in die Welt hinaus schreiben, dass alles rein muß.

  5. 5 Väterchen Administrator 14. August 2010 um 13:49 Uhr

    Weil inzwischen vom „Autor“ Herrn Adelsnazi von Reiflingen gelöscht, leider nur noch im Googlecache zu finden:

    http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:lG13cNbsC5cJ:curlee.blogsport.de/+curlee+blogsport&cd=4&hl=de&ct=clnk&gl=de

    Made my day.

  6. 6 Stanislaw Hirschfeld 14. August 2010 um 15:00 Uhr

    „Wer Ein­schluss er­zeu­gen will, muss das Nich­ti­den­ti­sche not­wen­dig um sein Recht brin­gen, wäh­rend der, der aus­schließt, dies nicht not­wen­dig tut.“

    Delirium deluxe!

  7. 7 Väterchen Administrator 14. August 2010 um 15:11 Uhr

    Im Adorno-Auswendiglernen kriegt er von mir eine drei minus. Ich würde ihm ja anbieten, mein Lektorat zu übernehmen (immer ein guter Job für Nullen, die nichts können, außer Tippfehler auszuspähen), aber selbst da hapert es bei ihm ja.

  8. 8 Samuel von Reiflingen 14. August 2010 um 15:56 Uhr

    Ich glaube, sie haben meinen Text nicht gelesen, sonst wüssten Sie, dass ich Ihnen nichts lektorieren werde. Auch wenn ich weiß, dass ihrer etliche in Ihrem Text vorkommen, reicht mir der eine Fehler, weil ich nur zeigen will, dass Sie falsch sind. Meine Antwort ist im übrigen online. Dass sie sich nach ihr immerhin entscheiden, meinen Kommentar zu veröffentlichen, zeigt ja nichts weiter, als dass sie verstanden hatten, dass ich Ihre Schande zu publizieren beabsichtigte.

  9. 9 Stanislaw Hirschfeld 14. August 2010 um 17:49 Uhr

    „He, Sie da, heben Sie gefälligst den Zigarettenstummel wieder auf!“

  10. 10 Väterchen Administrator 14. August 2010 um 20:20 Uhr

    „Ich glaube, sie haben meinen Text nicht gelesen,…“

    Stimmt! Sie können nicht schreiben, ich lese Ihren Dreck dafür nicht. Deal?

    „…sonst wüssten Sie, dass ich Ihnen nichts lektorieren werde.“

    Eben dies schrieb ich ja. Wäre ja noch schöner, nem Analphabeten das Lektorat anzubieten.

    „…reicht mir der eine Fehler…“

    Genau, Ihr angeborener Hirnfehler.

    „Dass sie sich nach ihr immerhin entscheiden, meinen Kommentar zu veröffentlichen, zeigt ja nichts weiter, als dass sie verstanden hatten, dass ich Ihre Schande zu publizieren beabsichtigte.“

    Pillepallebubukackabla.

    „Gegen das Bündnis der Kriegstreiber von Linkspartei und Hamas! Sexualität mit Israel!“

    Und ab.

  11. 11 Väterchen Administrator 14. August 2010 um 20:36 Uhr

    Eines der vielen Highlights des Texts übrigens:

    „Im Gegensatz zu Lyzi, der Linkspartei, der Antifa, den Nazis, ist es der CDU – ​unfreiwillig -​ um den Ausschluss von Antisemiten aus dem Parlament zu schaffen…“

    Gegen das Bündnis der Kriegslyzis von Lyzipartei und Ba-Hamas! Solidarität mit Martin Hohmann (CDU, MdB a.D.) und Jürgen Möllemann (FDP, MdB a.D. †)!

    Antideutsche Bloggerspacken fordern:

    DAS DEUTSCHE PARLAMENT REINHALTEN!
    KEINE TOLERANZ MIT ANTISEMITEN (außer sie sind in der CDU)!
    FÜR DEN COMMÜNISMUS!
    GEGEN ALLES (vor allem Denken)!
    JETZT!!

  12. 12 Väterchen Administrator 25. August 2010 um 12:27 Uhr

    Einige weitere antideutsche CDU-Kämpfer gegen Antisemitismus in deutschen Parlamenten:

    http://www.youtube.com/watch?v=Hrhdrr3VqzE

    Und nicht zu vergessen natürlich: Dr. Norbert Blüm. Wie lange war der im Bundestag/ Bundesminister? 88 Jahre?

    http://www.youtube.com/watch?v=d1yRac-SM4M

  13. 13 Stanislaw Hirschfeld 28. August 2010 um 17:38 Uhr

    Der häufig geäußerte Vorwurf, in der DDR sei ja alles so grau und langweilig gewesen (stimmt natürlich nicht), meint eigentlich: Dort gab’s nicht überall Werbung, mit der jede Wand zugekleistert wurde. Den Zombies fehlte dadurch natürlich was, und das spricht eindeutig für die DDR. Der Troll als Typus wiederum ist so verhasst, weil er die (klein)bürgerlichen Umgangsformen (Netiquette – zum Kotzen) konsequent mißachtet und so die virtuelle Friedhofsruhe stört. Der frühe Schlingensief war „in echt“, als wäre das Internet nur geträumt, so einer, bevor er integriert wurde. Man denke an „Das Deutsche Kettensägenmassaker“ oder „100 Jahre Adolf Hitler“. Diese Filme wirken immerhin bis heute dergestalt, daß die Unflexiblen unter den geifernden Konservativen seinen Tod begrüßen und damit offenbaren, wie tief sie getroffen wurden.

  1. 1 Ein Stalinist « Curlee Pingback am 14. August 2010 um 12:16 Uhr

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