Der Autor heute II: Harlan Ellison zur ökonomischen Stellung des Autors

Harlan Ellison, einer der letzten (meinetwegen auch ersten, je nach Tageslaune) vernünftigen Menschen auf Erden, den hierzulande, wo senile, rechtsradikale Scheiße nuschelnde Ohrensessel-Lesedreck- und Einschlafhilfen-Hersteller wie Martin Walser und Günter Grass allen Ernstes als Autoren gelten, natürlich wieder mal keine Sau kennt, der aber in der gesitteten stalinistischen Gesellschaft (also meiner) nicht mehr vorgestellt werden muss, äußert sich – wahr, schön und präzise wie je – zur trostlosen Stellung des Autors (den er übrigens explizit vom „creative typing“-Amateur abgrenzt) im kapitalistischen Produktionsprozess:

Was Ellison hier während seiner knapp dreieinhalbminütigen Lehrstunde im Interviewgeben (und wie in nahezu allen anderen, sehr sehenswerten, grandiosen Beiträgen auf Youtube sowie natürlich in seinen Werken) an Wahrheit triggert, dürfte den anarchistischen Autorenrechte-Abschaffern („Copyleft“), also Literatur-Liquidierern natürlich ein großer Dorn im bescheidenen Hirne sein, an dem sie hoffentlich irgendwann mal endgültig verrecken werden, denn:

„Writing is the hardest work in the world. I have been a bricklayer and a truck driver, and I tell you – as if you haven‘t been told a million times already – that writing is harder. Lonelier. And nobler and more enriching.“ (Harlan Ellison)

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5 Antworten auf “Der Autor heute II: Harlan Ellison zur ökonomischen Stellung des Autors”


  1. 1 Victor 31. Juli 2011 um 12:21 Uhr

    »Gemessen am Anblick heutiger Autoren, die gar nichts wollen, ist es eine Herzenslust, einen Schriftsteller am Werk zu sehen, der Geld verdienen will. Ein Kontoauszug ist nicht das schlechteste Lehrbuch der Dramaturgie. Wer nur an seine Börse denkt, vergißt doch wenigsten eines nicht: das Publikum.« (Peter Hacks)

    Wenn nur der Markt Allgemeinheit schafft, ist nur ein erfolgreicher Autor ein guter. Zeigt Markterfolg doch an, dass ein Werk ein allgemeines geistiges Bedürfnis befriedigt, nützlich ist.
    Der Idealismus der herumbastelnden Schreiberlinge ist unerträglich.
    Noch schlimmer ist es nur in der bildenden Kunst. Das liegt wohl an dem Geist der Bohème, dem Unwillen also, die eigene Stellung als Produzenten, Arbeiter also, anzuerkennen. Da schreibe ich auch mal zu, vielen Dank für die Anregung.

  2. 2 Genosse Grenzschützer 13. August 2011 um 10:43 Uhr

    Kleines OT:

    Ein schönen Jahrestag der Grenzsicherung wünsche ich euch!
    http://img109.imageshack.us/img109/6641/50jahreantifaschistisch.png

  3. 3 Curlee 20. August 2011 um 12:05 Uhr

    Victor, unerträglich würde ich es nicht nennen, sondern schlichtweg hässlich. Sie und Peter Hacks vergessen, beim Nichtvergessen des Publikums, dass, wie es Hegel noch einem Herrn Reinhold als Eigentümlichkeit, Vernunft und Wissenschaft zu Eigentümlichkeiten zu erklären, denunzieren konnte, heute jene genau das geworden sind. Das allgemeine geistige Bedürfnis, das der erfolgreiche Autor befriedigt, ist das zur Geistlosigkeit.
    Die Allgemeinheit des Wertes und die des Geistes sind unversöhnbar geworden, obwohl sie identisch sind.

  4. 4 Victor 26. August 2011 um 21:45 Uhr

    War ja klar, dass das jemand missverstehen muss. Nur weil erfolgreiche Autoren teilweise billige Mittel nutzten um erfolgreich zu werden, heisst das noch lange nicht, dass es notwendig ist, geistloses zu produzieren um erfolgreich zu sein.

    Selbst wenn es mehr als eine Allgemeinheit gäbe und diese Allgemeinheiten identisch wären: warum sind sie dann unversöhnbar geworden? Kulturindustrie?
    Es ist doch vielmehr so, dass es heute, wie fast immer in der Geschichte, gute und schlechte Kunst, fortschrittliche Produkte wie Kitsch, gibt.

    Ich habe den Verdacht, dass Sie selbst Ihre Eigentümlichkeit mit Vernunft verwechseln und dann feststellen, dass Vernunft ja nur Eigentümlichkeit ist. Wie dann solche Selbsterkenntnis überhaupt ohne Vernunft gehen soll, wäre rätselhaft. Oder hat die Vernunft die Menschheit verlassen um es sich in Ihrem Hirn bequem einzurichten, als richtige Vernunft im falschen Ganzen etwa? Falls dem so ist können Sie mich ja dialektisch aufklären.

  5. 5 DWR 13. September 2011 um 21:55 Uhr

    Ob erfolgreich oder nicht, gut verdienend oder nicht – das hat mit dem Thema doch nur wenig zu tun. Entscheidend ist doch zuerst einmal die Erkenntnis, dass wir in arschkriecherischen Zeiten leben, in denen die historische Richtigkeit, Geld überhaupt erst zu VERLANGEN, manchem Hirnwurm schon wie Revolution vokommt. Denn was ist die Tendenz dieser konkurrenzgebeutelten Ära auf dem Gipfel von Ressourcenkonzentration und Verknappung? Der durch tausend Helfershelfer der Verblödung weitergegebene Wille, UMSONST ZU SEIN! Ja, ich will umsonst sein, betet der kniende Praktikant seinem DAX-Konzern-Vertretungshansel vor. Ich will umsonst sein – oder noch besser: ich leg noch was drauf für meinen Beitrag zum System, sagen die FÜR Studiengebühren demonstrierenden Halbaffen. Bloß keinen Stunk! Bloß keinen Streit! Bloß keinen Streik! Kompromisslaune, Schulternstreicheln, Dialog. Es ist zum Kotzen! Und wisst ihr, was die sittliche Metastase dieser Massen-Servilität ist? Die Höflichkeit. Mit prinzipieller Unhöflichkeit, welche die Widersprüche der Gesellschaft noch in der Straßenbahn konkret macht, fängt das richtige Bewusstsein an. Hail Satan!

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