Zur Frankfurter Buchmesse 2011

Sieben bolschewistische Vorschläge zur Verbesserung der Literatur

„Ein Buch schreiben, das ist Mord.“ (Alfred Andersch)

„Lest die Prawda!“ (Josef Stalin)

1. -‎“Sie lesen gerne Bücher? Diese Woche GRATIS in Ihrer ZEIT: Ein 88 Seiten starkes Literaturmagazin mit den wichtigsten Neuvorstellungen im Herbst“, wirbt die ausgerechnet 88 Seiten dicke Literatur-SS von der drolligen altliberalen Senilenzeitung „Die Zeit“ im Faselbook.

Nein, niemand, der noch bei Trost ist, liest gerne Bücher. Lesen ist, wenn man es denn mit Ernst betreibt, eine notwendige, anstrengende Arbeit für alle Behirnten auf diesem Planeten, weil nur noch im Text Wahrheit zu finden ist, wenn im Alltags-Geblöke der Zwang zum Falschen und zur Lüge herrscht. Und ob der Text dabei in einer Zeitung, auf Plakaten, Papyrusrollen, iPads, in Holz geritzt, selbstausgedruckt und zusammengetackert, im Internet oder auf Klopapierrollen steht, ist völlig schnurz. Mit dieser großbourgeois-verblödenden Lesesessel- und Teestövchen-“Gutes Buch“-Romantik muss schonmal als allererstes Schluß sein, wenn man einen Begriff von Literatur bewahren will, der dem Geist nicht hohnspottet.

2. Das Sein bestimmt, ja – um hier endlich einmal diesen doof vereinfachten Marx-Satz dialektisch zu korrigieren – ERZEUGT vielmehr das Bewusstsein, es geht diesem voraus, prägt und formt es, worauf dieses wiederum selbst auf das Sein zurückwirken, es also durchaus, rückwirkend, auch „bestimmen“ kann. Ein richtiger Schriftsteller muss also, vor allem anderen, ein RICHTIGES SEIN haben. Ein RICHTIGES SEIN ist das GEGENTEIL von einem sogenannten GUTEN LEBEN®, denn ein gutes Leben ergibt nur schlecht abgehangenen kleinbürgerlichen Stumpfsinn in den Literaten-Denkröhren, ein richtiges Sein hingegen ergibt richtiges Bewusstsein, richtiges Bewusstsein ergibt richtige Literatur, richtige Literatur ergibt richtige Politik und richtige Politik ergibt irgendwann mal Kommunismus. Das ist gut, das hat man also zu wollen.

3. Wer das nicht will, darf seine Bücher weiterhin bei Matthes & Seitz, Hanser, Rogner & Bernhard, Hippiekack & Rummelpups und wie all diese Blödianverlage für feinziseliert-verkultürlichte Vollhornochsen heissen, drucken lassen, damit sie auch nur ja nicht gelesen werden, und wenn, dann nur von kompletten Vollidioten ihres ekelhaften Menschensschlags, bevorzugt solcher, die sich in neo-esoterisch-antisemitischen Dreckskaschemmen wie der Versand- und Ladenkette „Zweitausendeins“ ihre Mängelexemplare und noch viel zu überteuerten Ramsch-“Sachratgeber“ gegen George Bush, die USA im allgemeinen, die SED, Israel, DDR und überhaupt jedwede Vernunft, dafür aber pro-islamistisch, unterjubeln lassen, oder, auch kaum weniger schlimm, wie das leicht anstudierte Kundengesindel der Buchgroßlagerketten in Kategorien wie „Freche Frauen“, „Verschenken“, „Spannung“, „Unabhängige Verlage“oder „Erfahrungen“ stöbern.

4. Alle Bücher müssen, nach Einführung einer hoch angesetzten, progressiven Literatursteuer, so günstig wie möglich erhältlich sein, die Bibliotheksbestände werden um ein Vielfaches erweitert, neue Bibliotheken müssen eröffnet werden, auch das kleinste Dorf hat eine staatlich subventionierte Buchhandlung zu erhalten, alle Autoren aller Verlage bekommen ein Einheitsgehalt in Höhe des jeweiligen Brutto-Durchschnittseinkommens, wer von ihnen nach drei Jahren Autorentätigkeit kein Werk oder vielversprechende Ansätze zu einem solchen vorzuweisen hat, bekommt die Autorenlizenz entzogen und wird zu gemeinnütziger Arbeit in Stadtarchiven, Bibliotheken, Redaktionen etc. verpflichtet; alle Verleger werden enteignet und in Kohlebergwerke geschickt (die deutsche Verlagslandschaft mahnt: „Alle Atomkraftwerke abschalten, zurück zur Kohle!“), alle Verlage, die noch was taugen, werden verstaatlicht, der Rest verboten.

5. Martin Walser, Hans-Magnus Enzensberger, Daniel Kehlmann, Uwe Tellkamp und Günter Grass werden zum Wohle und zur Rehabilitation der internationalen Literatur umgehend erschossen.

6. Man kann heute als Autor schreiben, was man will, den Leser kümmerts null, der zieht weiterhin seinen Schwachsinn durch, ganz ungetrübt von allem Geschriebenen.
Es gibt keine Leser mehr, keine Lektoren, keine Literaturwissenschaftler, die ihren Namen verdienten. Es bleibt einem heute – als Autor, als Denkender also mithin – nur noch übrig, Zeugnis abzulegen vor sich und dem Weltgeist, also der Zukunft. Die Mitwelt ist zur schalen Ansammlung von “Rezipienten”, allenfalls mindestens genauso üblen Rezensenten, heruntergekommen; und wer nicht schreiben kann, der kann auch nicht lesen, daher all das Service-, Konsumentenberatungs- und Dienstleistungselend auf dem Buchmarkt. Ein nicht lesen könnendes Publikum braucht aber niemand, daher soll bitte auch der Markt wieder abgeschafft werden, so wie wir es ja in der DDR damals schon hervorragend umgesetzt hatten.

7. Die Abschaffung des Publikums durch Aufspaltung desselben in einzelne Szenen, Subkulturen und Genrefanclubs hatte die Abschaffung und Fragmentierung allgemeiner Öffentlichkeit zur Folge. Die postöffentliche Literatur ist keine mehr, kein Buch ist mehr gültig (von Klassik ganz zu schweigen), alle Texte nur noch ephemerer Krähwinkeldreck und überhaupt hat der gesamte Literaturbetrieb sowie das Festhalten an der Alphabetisierung heutzutage nur noch den Zweck, möglichst lückenlosen Antikommunismus unter Intellektuellen, Studenten, Wissenschaftlern, Romanschmökerern und anderen Opfern der Kulturproduktionsmonopole zu verbreiten. Die abermalige Diktatur des Proletariats wird natürlich auch diese Mißstände zu überwinden wissen. Es dürfte also klar sein, was zu tun ist.

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19 Antworten auf “Zur Frankfurter Buchmesse 2011”


  1. 1 Fräulein Schauprozess 12. Oktober 2011 um 16:21 Uhr

    Ich weiß schon wer zu erst zur eintausenmaligen Korrekturlesung der Stalinwerke gezwungen wird!
    -> http://www.theorie.org/

  2. 2 Väterchen Administrator 12. Oktober 2011 um 16:59 Uhr

    Naja, erstens sind die theorie.nörgler nicht in der Lage, was zu korrigieren, die würdens höchstens verfälschen. Und zweitens: Bei den Stalinwerken gibt’s nichts mehr zu korrigieren, darin stimmt alles!

  3. 3 2 13. Oktober 2011 um 1:26 Uhr

    „eintausenmal“? Übergebe ich mich bei 2 Minuten zu lange auf ihrem verkackten blog, sie Barbar. Was suchen Sie hier? Gehen Sie wieder Edgar Wasser hören, oder noch besser: zum rhizom, sich über Hagen Rether austauschen.
    Im besten Fall sind Sie jetzt beleidigt und posten noch zehn Stalin-Portraits, was immernoch „eintausenmal“ besser ist als auch nur einen weiteren Satz von Ihnen lesen zu müssen.

  4. 4 Sahra O'Hara 13. Oktober 2011 um 21:15 Uhr

    Hiermit beantrage ich, die Erschießungsliste um die Namen Peter Handke, Martin Mosebach, Rainald Goetz, Durs Grünbein, Schleter Poterdijk sowie 324 weitere Phrasenschinder zu ergänzen.
    Erschießungslisten – das haben wir aus der Geschichte gelernt – sind niemals zu lang.

  5. 5 ocwingate 27. Oktober 2011 um 12:36 Uhr

    Es ist tatsächlich ein Jammer wie die Alphabetisierung aus Idioten solche macht, die nun instand gesetzt sind ihre dummen Ansichten zu verbreiten. Ein Elend auch das Internet und die sogenannten Sozialen Netzwerke als Katalysator dieser allgemein beförderten Dummheit. Die Literatur ist bloß ein Residuum früherer Formen der Verdummung, die Digitalisierung und die mit ihr einhergehenden Formen literarischer Kommunikation dagegen beschleunigen das gegebene Dilemma der Alphabetisierung. Heute sind die Literaten bloß die Spitze des Eisbergs, die sogenannte ‚Schwarmintelligenz‘ des Internets ist die endgültige Demokratisierung der aktiven Verdummung.

  6. 6 Victor 12. November 2011 um 2:40 Uhr

    Wenn man sich ein wenig für Geschichte interessiert weiss man,
    dass Erfindungen wie Schrift oder auch Buchdruck mit beweglichen Lettern Möglichkeiten eröffnet haben, die von klugen und weniger klugen Menschen genutzt wurden. Das gleiche gilt für neue Formen und Vertriebswege von Literatur. Kitsch, Romantik und formalistischer Müll wird eh schon massenhaft verlegt, da ändert sich also nichts. Es wird aber möglich sein, Werke zu lesen die durch größere Buchvernichtungsaktionen (1933, 1990) oder allgemeine Ignoranz rar geworden sind.
    Da kann sich jeder zukunftsfreudige Kulturbolschewist doch nur freuen.
    Und auch antideutsche Elitenintellektuelle wie ocwingate brauchen nicht mehr umständlich Nietzsche und Heidegger paraphrasieren sondern können mit copy&paste viel Zeit sparen.

  7. 7 RedStarRising 19. November 2011 um 0:41 Uhr

    Wir brauchen gar nicht schlechte Bücher, oder „Literatur“, zu vernichten. Wir würden einen Großteil der Menschheits ausrotten, wir müssen nur nach freier und begleitender Literatur unterscheiden. Wo Goethe für jeden ersichtlich sein muss, kann Kleist nur in Beihilfe erklärt werden. So einfach ist das. Ich bin auch für Literaturkurse bei der Werkarbeit, theoretisch eine Weiterentwicklung des DDR-Kunstverständnis.

  8. 8 Übrigens 31. März 2012 um 17:42 Uhr

    …es ist schon auffällig: Ofenschlots Schreibe wird inkohärent regelmäßig ab dem dritten Absatz. Da er es aber nicht sein lassen kann – welcher Rat wäre ihm zu geben?

  9. 9 Väterchen Administrator 31. März 2012 um 17:51 Uhr

    Mein Rat an Ofenschlot: Selbstsäuberung. „Sei autonom, häng dich selbst auf, bevor wir es später machen müssen!“

    Aber stattdessen wird er wohl auch weiterhin lieber hirnlose antistalinistische Scheißtexte schreiben, die dann wunderbar als Grundlage für NPD-Landtagsreden herhalten können.

  10. 10 maxlrainer 31. März 2012 um 23:35 Uhr

    Der Mühe der Listenerstellung brauchen wir uns übrigens nicht zu unterziehen, sie drängeln sich selber, ob in punkto Literatur, s. Preise sonder Zahl, oder anderem – aktuell http://www.friedenskooperative.de/themen/iranerkg.htm („z.Zt. 1793 Personen“).

  11. 11 Alter Nihilist 04. Oktober 2012 um 13:39 Uhr

    Zu § 5.

    http://www.zeit.de/2012/40/Fernsehen-Der-Turm-Uwe-Tellkamp

    Martin Walser kenne ich nicht. Nur Robert.

    Gruss!

  12. 12 Zach Gafliaklianiakisberg 26. Oktober 2012 um 13:00 Uhr

    Das deutsche Feuilleton wundert sich: die Kehlmann-Verfilmung in 3D ist langweilig.

    „Vor allem liegt diesem Film ein auf den ersten Blick todsicherer Stoff zugrunde.“ (Thomas E. Schmidt, Schimpansenpraktikant bei ZEIT-Online)

    Was ist noch schlimmer als die beschissene Kritik der Scheiße? Naturgemäß die noch braunere Erwiderung. Und so blubbert es aus der Kommentarkloake:

    „Das erinnert mich an „Goethe“ von Philipp Stölzl, welcher damals auch vom Zeitungs-Feuilleton zerpflückt wurde. Als ich mich Jahre später an den Film traute, war ich von einem wunderbaren Stück Kino überrascht – und das, obwohl ich mit deutschem Film so meine Schwierigkeiten habe.“ (Uxmal, Untermensch aus Überzeugung)

    Es überrascht nicht, dass dem kleinbürgerlich-anarchistisch verlotterten Ex-Bildungsbürger nur noch pseudoanekdotische Hanswurstiaden schmecken. Hier das Patentrezept: man nehme ein oder zwei deutsche(!) Geistesgrößen, möglichst tot und gut abgehangen. Am besten ist es, wenn sie so klassisch sind, dass ihre Werke gar nicht mehr neu aufgelegt werden müssen. Es gibt keine Dramaturgie; die drei besten Szenen sind: die Szene in der gefressen und gesoffen wird, die Sexszene und die mit der Scheiße.

    Beispiel: Biopic über Jean Paul.

    Schlechte Szenen:

    1. Jean Paul, wie er vom französischen terreur erfährt und sich freut.
    2. Jean Paul, wie er unter verblödeten und überflüssigen Zeitgenossen leidet.
    3. Jean Paul, wie er diese verarscht und dabei an den terreur denkt.

    Gute Szenen:

    1. Jean Paul, wie er Bier trinkt.
    2. Jean Paul, wie er laut furzt und dabei das Gesicht komisch verzieht.
    3. Jean Paul, wie er seine Frau anschreit sie solle doch nicht so einen Krach beim Putzen machen.

    Nicht die Filmförderung vergessen!

  13. 13 earendil 26. Oktober 2012 um 18:56 Uhr

    Untermensch aus Überzeugung

    Verdammt, wieder nicht aufgepasst! Dass Nazis immer in ihren Jargon zurückfallen müssen, wenn sie Kommunist zu spielen versuchen…

  14. 14 Väterchen Administrator 26. Oktober 2012 um 22:21 Uhr

    „Dass Nazis immer in ihren Jargon zurückfallen müssen, wenn sie Kommunist zu spielen versuchen…“

    Erlebt Katholikenkirchenverteidiger earendil schließlich tagtäglich am eigenen Leibe, sowas.

  15. 15 earendil 30. Oktober 2012 um 14:14 Uhr

    Mehr als so ein billiges to quoque fällt dir dazu nicht ein? Warst auch schon mal origineller.

  16. 16 Väterchen Administrator 30. Oktober 2012 um 22:55 Uhr

    Ach, earendil, halt dein dummes Maul. Du verblödeter Vollhorst hast eh keine Antwort, sondern nur noch eins in die Fresse verdient.

  17. 17 Opa Gehrke 31. Oktober 2012 um 9:00 Uhr

    Genau Lyzi, immer mitten ins Fressbrett rein, der ollen Trotzkistenmemme. Wann und wo gehts den los mit der Aktion?

  18. 18 earendil 31. Oktober 2012 um 9:59 Uhr

    Was im Vergleich zu dem sonst bei dir üblichen Erschießen oder Aufhängen ja noch milde ist. Bin ich also beruhigt.

  19. 19 freshundumbenannt 24. April 2014 um 12:55 Uhr

    Die Genossinnen und Genossen in der Karibik sind fleißig dabei, den Büchermarkt abzuschaffen.
    http://cubaheute.wordpress.com/2014/04/23/kubanische-wissenschaft-auf-dem-vormarsch/

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