Zur Heruntergekommenheit des Satire-Begriffs

Früher behalf man sich des Mittels der Satire, um auf augenzwinkernde, unernste Weise auszudrücken, was man aber ernst meinte. Heute drückt man ernst aus, was man gar nicht so gemeint hat.
Die meisten Satirker wissen heute selber nicht mehr, warum sie überhaupt Satire machen und welche Funktion diese haben könnte außer der Verteidigung einer Rudel-Ehre mittels bloßer Schmunzeleien gegen irgendein Feindbild. Wenn aber der Humor zur Biederkeit der Ironie degeneriert ist, müssen wir jetzt den Ernst zum neuen Humor machen. Satire is over.
Auch wäre es an der Zeit, sich einmal damit abzufinden, dass diese Welt voll von satirischen Existenzen ist. Die Realität ist satirischer, als es Satire je sein könnte. So kann jeder Zeitungsartikel als Satire gelten, wenn sein Urheber nur noch ein satirisches Verhältnis zur Welt und sich selbst hat. Das Problem ist nicht der Satiremüll, sondern eine Gesellschaft, die satirische Existenzen hervorbringt. Die satirische Existenz, das ist der zeitgemäße Opportunismus. Wer heute linke „Satire“ macht, kann dann morgen schon Ernsthaftigkeits-Clown bei Springer sein.

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