Antideutsche Ideologiekritik– die Avantgarde der deutschen Ideologie

Dass die ehemaligen Antideutschen und „Ideologiekritiker“ inzwischen so ziemlich alle am Rad drehen oder bereits komplett dem Irrsinn anheim gefallen sind, hat wohl vor allem damit zu tun, dass sie nahezu überflüssig geworden sind, weil sie ihre Funktion für die Linke verloren haben. Auch wenn sie von ihren Pendants – den moralisch engagierten, schon mit halbem Bein in der Türe des Linksliberalismus stehenden linken Kritikern – immer noch beachtet, also: als Gegner anerkannt, d.h. ernst genommen werden, benötigt die antideutsche Ideologiekritik keine Aufmerksamkeit mehr, schließlich hat sie ja auf ganzer Linie gesiegt. Sie hat sich im Grunde totgesiegt, indem sie – wie das bei idealistischen linken Bestrebungen innerhalb des Kapitalismus immer der Fall ist (siehe 68er, Grüne, K-Gruppen usw.) – die Avantgarde, also nützlichen Idioten abgegeben hat für
a) die inzwischen 24/7 in allen Medien herum mahnende Anti-Verschwörungsideologie-Schulmeisterei und
b) überhaupt die in Massenmedien zur Normalität gewordene Kritik an (linken, inländischen) Regierungskritikern und allen möglichen Demonstranten und Aktivisten. Wozu noch Zirkulare wie sans phrase, prodomo, Phase 2 und Bahamas, wenn tagesschau, heute journal und Bildzeitung das viel effektiver zustande bringen?
Die (post-)linke, antideutsche Ideologiekritik war immer gerichtet gegen Aktionismus, „Pseudoaktivität“ (Adorno), Volks-Aufbegehren, Massenproteste usw., also pro bloße Kritik. Es ging ihr ausserdem immer um die „rücksichtslose“ Denunziation „autoritärer Herrschaft“ (sic!). Diese Kritik ist mit vollem Erfolg angekommen in allen Polit-Shows, Nachrichten, Magazinen, Comedy- und Satire-Formaten, staatstragenden Blogs und sozialen Medien: keine 5 Sendeminuten vergehen mehr ohne den BRD-Imperialismus verharmlosende oder leugnende Propaganda gegen selbstverständlich immer bloß im Ausland ausgemachte „autoritäre Regierungen“ wie in Russland, China, Belarus usw.
Die unmarxistische ideologiekritik und das vulgäre, d.h. den BRD-Imperialismus ignorierende Antideutschtum hat jetzt also zusätzlich zu den linken Zeitungen eine Wirkungsstätte in den großen Medien. In den Redaktionen von Springers Welt und Bild sitzen inzwischen ganz selbstverständlich jene Adorniten, die über den ideologischen Umschlagplatz „Israelsolidarität“ heim ins Reich gefunden haben, aus dem sie natürlich objektiv nie ausgeschlossen waren in ihrem Grand Hotel Abgrund.
Begreift man aber die Stufe des in den 90ern in der BRD aufgekommenen Antideutschtums und ihrer geisteskranken Sorte Ideologiekritik dialektisch (also: richtig) als _notwendige_ Stufe, nämlich Antithese im dialektischen Prozess der Selbstfindungsveranstaltungen innerhalb linksradikaler und kommunistischer Kreise, so kann es die Praxis der Vernunft nicht sein, dieser Antithese wiederum bloß einseitig ablehnend zu begegnen, also selbst bloß Negation dieser Stufe zu betreiben, statt sie zu einer höheren Stufe, zur Synthese, aufzuheben, also ihren – meinetwegen auch verneinten Gehalt – in sich aufzunehmen und zumindest zu reflektieren. Es ist klar, dass das kaum wer tut, denn das hätte schließlich vorzeigbare und nützliche Ergebnisse und sowas kann eine Linke natürlich niemals wollen.
Es ist auch klar, dass die Ex-AntiDs/ Ideologiekritiker, weil sie ins Verlieren verliebt sind, ihren objektiven Erfolg so nicht stehen lassen können. So müssen sie sich ständig winden, alle paar Monate sich von einem absurden hottake zum nächsten, noch absurderen hottake schlängeln, um ihre lediglich auf die Kritik der Ideologie anderer Linker gerichtete Identität und damit: Ideologie aufrechterhalten zu können. Damit aber, mit dem nahezu zwanghaften Verteidigen der eigenen Identität und der eigenen Irrtümer gleichen sie den traditionellen Linken ja wiederum aufs Haar. Das ist es, was sie so verrückt macht und sie dazu bringt, immer wieder aufs neue Amok zu laufen.

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