Deutsches Gedenken

Identifikation als Selbst-Entschuldung

„Das gegen ihn gespritzte Gift verwandelt der Kapitalismus sogleich und laufend in Rauschgift und genießt dieses.“ (Bertolt Brecht im Jahre 1929)

Mit dem vorgestrigen 69. Jahrestag der von Stalin (die linken antikommunistischen Grüppchen, die diese Woche wieder fleißig plakatiert oder demonstriert haben, werden nicht gern daran erinnert, dass dieser es war, deshalb übernehm‘ ich das hiermit mal eben) und der Roten Armee bewerkstelligten Beendigung des Mordens im Konzentrationslager Auschwitz wurde wieder einer jener Tage begangen, an welchem die (links-)deutsche Rotte (die damals zu ihrem Großteil freilich problemlos mitgemordet hätte), sich Gratis-Empörung und moralische Unangreifbarkeit erpressen will, indem sie die Opfer des Nationalsozialismus für ihre niederträchtigen, falschen (und natürlich vor allem: anti-stalinistischen, anarchistischen) Interessen instrumentalisiert und mit den abgedroschensten Aufrufs-Sentenzen wie der daherkommen, nicht etwa die Gesellschaft, sondern die guten alten „Menschen“ seien dahingehend zu verändern, dass „ihr Denken und Handeln so einzurichten“ wäre, „dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe” – auch noch als von Hitler aufgezwungener neuer „kategorischer Imperativ“ (Adorno, Negative Dialektik, Ffm. 1966, S. 365) –, wo doch gerade diese elende Praxis ohnmächtiger, demonstrierender, an akuter lebenslanger Empöritis leidender Ich-loser Massenmedienaufmerksamkeits-Parasiten eben an der Errichtung der gegenteiligen gesellschaftlichen Grundlagen mitarbeitet, indem sie den immer noch latent faschistischen deutschen Mob mit ihren Demo-Parölchen in eben jenen Strukturen belassen, welche die Formierung zur aktiven Pogrom-Bande schon impliziert (was man z.B. anhand der diversen linken Ressentiments und Mord-Wünsche gegen im großen und ganzen völlig unschuldige und in Wahrheit nunmal eine für alle unverzichtbare Drecksarbeit zu wenigstens einem Rest von Zivilisationswahrung übernehmende, ständig für einen Grottenlohn ihr Leben riskierende, proletarische Staatsbeamtete aka. „Bullen“ (gern auch von allerlei angeblich achso marxistischen Sozialforschern und sonstigem Kritiker-Gesocks – also jenen Polizistenfeinden, die ein dermaßen geringes Abstraktionsvermögen besitzen, dass sie etwas wie eine Staatsmacht erst dann wahrnehmen, wenn sie in Form eines polizeilichen Knüppels vor ihren Hohlbirnen auftaucht – als „Staatsgewalt“ dämonisiert, wo doch jeder Fünftklässler schon weiß, dass in bürgerlichen Gesellschaften eine grundsätzliche Gewaltenteilung herrscht, in der die Polizei eben nur ein notwendiges und das mit Abstand harmloseste Glied ist) ersehen kann, die zur Zeit in Hamburg mit einigem medialen Klobürstenrevoltenberichterstattungsrotz ihre Kreise ziehen, mit freundlichster Unterstützung der alteingesessenen hansestädtischen Intellekt-Partisanen vom menschewistischen Pfuscher-Blatt „konkret“).

antifa_auschwitz_gedenken2014

Dieser Banner ist der adäquate Ausdruck deutscher („antifaschistischer“) Erinnerungspolitik im Jahre 2014: Man reklamiert im traditionell kolonialistischen Wahn das Gedenken an tote Juden für sich, während hingegen natürlich der einzige Schutz der noch lebenden Juden vor den deutschen Vernichtungsgelüsten, der israelische Staat, gleichzeitig abgelehnt, wo nicht gar bekämpft wird. War das deutsche Kollektiv als mordendes Volk noch nicht schlimm genug, so rehabilitiert es sich nun im Nachhinein einfach selbst – wie immer mit linker Schützenhilfe.

In der vernünftigen Haltung dessen, der dem „Ach, lass doch die armen dummen Kinder mal machen“– Zynismus eine konsequente Absage erteilt hat, ist also jenen anarchistisch-commünistischen Irren, die den Holocaust verharmlosen, indem sie meinen, man könne nach Auschwitz noch „den Opfern gedenken“, wo doch die Shoa gerade die Vernichtung auch der Möglichkeit des Gedenkens an einzelne Personen war, weil jede Individualität der Deportierten längst ausgelöscht und nur noch zu einer weiteren Kennziffer auf dem Riesenleichenberg degradiert wurde, und somit also auch denen, die mit traditioneller deutscher Gründlichkeit das jüdische BetroffenSEIN in Folge angewandter Geschichtsklitterung als verlogene BetroffenHEIT für SICH reklamieren und damit so tun, als wäre „das jüdische Schicksal“ von damals (das doch eben in Wahrheit der vernichtende und gesamtgesellschaftlich geplante, kalkulierte und durchgeführte Kulminationspunkt des deutschen Antisemitismus war) auch das deutsche von heute, hiermit nochmal mitzuteilen, dass IHR MÖCHTEGERN-OPFER NUR EIN EINZIGES RECHT HABT: NÄMLICH DAS, DIE FRESSE ZU HALTEN! Und zwar erst Recht, wenn ihre immer wieder geforderte Politik, nämlich die des antibolschewistischen Friedensgefasels, jegliche Möglichkeit von KZ-Befreiung (die ja ein zentrales Element des Stalinismus war) schon im Keim unmöglich gemacht hätte.

Die gesellschaftliche Gesamtverblödung bringt natürlich auch eine Verblödung der Verblödungsbekämpfung mit sich: Sich das himmlische Wolkenkukucksland wünschen, ohne je materialistische Kriterien gehabt zu haben, sich ein Land ohne Nazis ersehnen, ohne diese mit der Drohung durch Gulag und Kalaschnikow in Schach halten zu wollen, mit der „Solidarität“ mit Juden und ihren Befreiern kokettieren, ohne sich jemals die Hände schmutzig machen zu wollen – die Welt der Gesitteten und der Vernunft hat seit über 200 Jahren den Begriff der Politischen Romantik für solcherlei Bullshit. Es wäre jener wiederum sehr Recht, wenn sie in Bälde davon zu sprechen aufhören könnte, weil sich der Gegenstand dieses Begriffes erübrigt haben wird. Die Hoffnung darauf ist unberechtigt, also fast schon wieder selber romantisch; so muss die Bastion geschichtlicher Vernunft, der momentan unaufgeweckt vor sich hin dämmernde Weltkommunismus, seine Weise des Gedenkens fortführen und sich entsprechend zu bewaffnen wissen, in der weisen Voraussicht, dass man ihr bei der nächsten Welt-Schlacht weder helfen noch gedenken wird.

Kurze Zusammenfassung der obigen Sätze für Analphabeten: Leid der Ermordeten und Leistung der Sowjets für eigene Anarcho-Scheisse missbrauchen: nix gut. Klappe zu, nichtsnutziges Gelumpe!

Dieser Text ist eine stark gekürzte Version des Kapitels „Identifikation als Selbst-Entschuldung“ aus dem Buch „Weltgeist im Waffengang – Stalinistische Aufklärung Band I“, das voraussichtlich im Frühjahr 2093 im Meiner Verlag erscheinen wird.

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6 Antworten auf “Deutsches Gedenken”


  1. 1 Antifa 11. Februar 2014 um 15:31 Uhr

    Nur motzen aber selber nichts machen! Das sind mir die Richtigen!

  2. 2 Väterchen Administrator 11. Februar 2014 um 20:51 Uhr

    Nichts machen, ja. Kann man so stehen lassen.
    Schiene mir nämlich – selbst, wenn es so wäre – immer noch besser, als bei eurem großdeutschen Volksmobserweckungskitsch mitzutun.

  3. 3 Steffan Martens 12. Februar 2014 um 22:51 Uhr

    „Die guten alten ‚Menschen‘ seien dahingehend zu verändern, dass ‚ihr Denken und Handeln so einzurichten‘ wäre, ‚dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe‘ – auch noch als von Hitler aufgezwungener neuer ‚kategorischer Imperativ‘.“

    Aha. Das also wollen Sie nicht. War klar. Wenn sie lesen könnten, wüssten Sie freilich, dass der kategorische Imperativ Adornos nichts zu tun hat mit dem, was Sie ihm unterschieben. Ihr ganzes begriffliches Elend manifestiert sich darin, dass Sie meinen, nach dem Nationalsozialismus noch die gute, alte „Gesellschaft“ herbeibemühen zu können und von „gesamtgesellschaftlich geplantem“ Massenmord daherzufaseln, wobei Ihnen diese contradicto in Adjecto noch nicht mal auffällt, was daran liegt, dass Sie selbst jederzeit bereit wären, mitzumorden, um das, was Sie Kommunismus nennen, durchzusetzen.

    Die „Möglichkeit von KZ-Befreiung“ als zentrales Element des Stalinismus zu postulieren, ist freilich nicht weniger bitter. Auschwitz war kein Konzentrationslager, sondern ein Vernichtungslager. Stalin hatte kein Interesse daran, die Ermordung der Juden zu stoppen, ansonsten hätte er die Gleise nach Auschwitz bombardieren lassen; hätte Hitler die Sowjetunion nicht angegriffen, wären alle Juden Europas vernichtet worden, insofern könnten Sie auch gleich der Wehrmacht für die Befreiung von Auschwitz danken. Das ein zentrales Element des Stalinismus die Möglichkeit der KZ-Befreiung war, stimmt insofern, als er in die eigenen KZ hinein abertausende Kommunisten und gute, alte Menschen sperren und darin zwangsarbeiten ließ, die sich hätten befreien können.

    Was sie so alles in das Transparent hineinprojizieren, ist schon irre, nur wäre es zynisch, Sie deshalb auszulachen.

    „Die gesellschaftliche Gesamtverblödung bringt natürlich auch eine Verblödung der Verblödungsbekämpfung mit sich.“ Trefflicher ist Ihr Text wohl nicht beschreibbar.

  4. 4 Väterchen Administrator 14. Februar 2014 um 3:15 Uhr

    Wenn sich das Kritizisten-Elend auch noch mit Analphabetismus und Polemik anreichert, kommen Gruselgestalten wie Steffan Martens dabei rum:

    „Aha. Das also wollen Sie nicht.“

    In der Tat, Herr Martens, ich kann das nicht leugnen, ich möchte tatsächlich nicht in den Jahrtausende währenden Chor jener dummdreisten Idealisten (zu denen auch Adorno letztlich gehörte) einstimmen, die noch meinen, man könne „den Menschen®“, abstrahiert von seinen Produktionsverhältnissen, verändern, ohne dabei die gesellschaftliche Machtfrage, also mithin: die Frage nach den Besitzverhältnissen zu stellen. Man nennt diese meine Haltung auch: Kommunismus. Ihre hingegen: „Kritische Theorie“; „Sozialaphilosophie“, „Neue Linke Hippiekacke“.

    War klar.

    So spricht es immer aus dem Ressentiment.

    Wenn sie lesen könnten, wüssten Sie freilich, dass der kategorische Imperativ Adornos nichts zu tun hat mit dem, was Sie ihm unterschieben.

    Erstens schiebe ich Adorno gar nichts unter, sondern zitierte ihn lediglich. Für all den Bullshit, den seine heutigen Anhänger so treiben, also die ganze Rechtfertigungs-Arbeit solcher Heideggereien Adornos, kann ja ich nun nichts.

    Und ja, in der Tat, ich will nicht, dass man im naiv-religiösen, messianistischen Glauben à la Adorno auf „DIE MENSCHEN“ vertraut, sondern – autoritär und stalinistisch natürlich – die Gesellschaft so einrichtet, dass nicht nur nicht Auschwitz, sondern auch allemöglichen anderen Schweinereien, die lange vor Auschwitz immer schon gesellschaftliche REGEL waren und im Massenmord der Nazis nur einen ihrer – mal ausnahmweise nicht verschwiegenen – Höhepunkte fand. Das völlige Ignorieren dieser historischen Regel, dieser Brutalität als eben tatsächlich nicht nur gesellschaftliche, sondern menschliche Normalität bringt Idioten wie Sie dann auch dazu, von „Mord“ zu sprechen, wo Kommunisten sich lediglich (gegen Mörder und sonstige Verbrecher) zur Wehr setzen: “ …dass Sie selbst jederzeit bereit wären, mitzumorden, um das, was Sie Kommunismus nennen, durchzusetzen.“ Dämlichste Parteigängerei der Totalitarismus-Doktrin ist das, nichts weiter (also eben: „Kritik“).

    Ihr ganzes begriffliches Elend manifestiert sich darin, dass Sie meinen, nach dem Nationalsozialismus noch die gute, alte „Gesellschaft“ herbeibemühen zu können …

    Die muss man nicht „herbeibemühen“, die ist schon da. Denn auch der Faschismus hat seine Produktionsverhältnisse, ist demzufolge also auch eine Gesellschaft, und zwar eine direkt aus dem Schoße des deutschen Imperialismus geborene, zum Zwecke der verstärkten Monopolisierung von Akkumulationszentralen des nationalen Kapitals durchgepeitschte. Aber das passt hervorragend zum Rest Ihrer kritisch-theoretischen Ideologie: dass der Nationalsozialismus quasi eine Art ausserirdischer, gesellschaftspsychotischer Sonderfall und mit klassischen Kriterien nicht mehr begrifflich zu erfassen sei, danach keine Gedichte mehr schreibbar, alle Kultur nur noch Müll etc. seien. Wir haben da oft drüber gelacht, schon in den 90ern, beim soziologischen Schwachsinn eines Joachim Bruhn und anderen verlorenen Seelen der Niedertracht („anti“-)deutscher Ausnahme-Hubereien. Köstlichste Bankrotterklärungen des „kritischen Geistes“ waren das schon immer, Glückwunsch.

    “ Das ein zentrales Element des Stalinismus die Möglichkeit der KZ-Befreiung war, stimmt insofern, als er in die eigenen KZ hinein abertausende Kommunisten und gute, alte Menschen sperren und darin zwangsarbeiten ließ, die sich hätten befreien können.“

    Dass Sie mir vorwerfen, ich träfe keinen Unterschied zwischen KZ und Vernichtungslager ist schon grotesk: Als hätte es bei den Nazis Lager gegeben, in denen NICHT vernichtet wurde. Die russischen Gulags hingegen waren Gefängnisse, in denen Inhaftierte nunmal u.a. zur Arbeit angehalten waren, DIESE haben mit Konzentrationslagern nichts gemein, sondern sind ebenso – grausamer, aber eben nunmal bisweilen noch notwendiger, damals in jedem Lande üblicher Regelfall. Dass Sie natürlich die ganzen Mörder, Nazis, Anarchisten und sonstigen Verbrecher lieber frei rumlaufen lassen wollen, ist schon klar. Jedwede ordnungsschaffende Maßnahmen durch die Weltvernunft können Sie dann ja wieder als (jüdisch-)bolschewistischen Massenmord den Kommunisten unterschieben, so macht man es sich besonders einfach und gemütlich, gerade immer gegen die hetzen zu können, die die Scheiße beenden wollen.

    Die „Möglichkeit von KZ-Befreiung“ als zentrales Element des Stalinismus zu postulieren, ist freilich nicht weniger bitter. (…) Stalin hatte kein Interesse daran, die Ermordung der Juden zu stoppen…

    Herr Martens, ich bitte Sie, die Bestimmung dessen, was denn nun Elemente des Stalinismus sind, und was nicht, doch bitte uns Stalinisten zu überlassen. Wir Materialisten „denken vom Ende her“, wie es immer so blöd über Hegel und Marx heisst, uns sind Intentionen und Gründe ziemlich wurscht, sofern das Richtige bei rumkommt: Und das ist es nunmal; Stalin hat die Nazi-Barbarei beendet, das kann selbst ein kritischer Geschichtsfälscher wie Sie nicht leugnen, der lieber, erzdeutsch und sandkastenpsychoanalytisch, die „wahren“, also natürlich bösen, wenn nicht gar antisemitischen Motive Stalins erGRÜNDEn will, statt zu sehen, was Wirklichkeit ist.

    Was sie so alles in das Transparent hineinprojizieren, ist schon irre, nur wäre es zynisch, Sie deshalb auszulachen.

    In das Transparent wurde nichts „hineinprojiziert“, es wurde lediglich als ein Symptom der postfaschistischen deutschen Ideologie aufgenommen und als solches kurz und korrekt beschrieben. Es geht um den Rattenschwanz, der daran hängt, nicht um irgendeinen Scheissbanner, der übrigens nochmals Bände spricht, was den Wunsch der Deutschen anbelangt, endlich von (der historischen Verantwortung für) Auschwitz befreit zu werden; „69 Jahre Befreiung VON Auschwitz“ steht da doppeldeutig-analphabetisch, nicht etwa: „Befreiung DES KZs Auschwitz“. Q.e.d.

    „Die gesellschaftliche Gesamtverblödung bringt natürlich auch eine Verblödung der Verblödungsbekämpfung mit sich.“ Trefflicher ist Ihr Text wohl nicht beschreibbar.

    „Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.“ (Freud)

  5. 5 Alter Nihilist 14. Februar 2014 um 15:00 Uhr

    Das Dau kennt keine Romantik.

  6. 6 Xia 02. Juni 2014 um 11:08 Uhr

    „Aha. Das also wollen Sie nicht.“

    Weil speziell das nicht mehr passieren darf? Sich darauf zu versteifen, dass eine Gesellschaft so eingerichtet sein muss, dass sowas mit ausgerechnet den Juden nicht passiert ist ziemlich inkonsequent. Und das meine ich ohne antisemitischen Subtext. Scheuklappen nennt man das bei Pferden.

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