Was ist eigentlich „Krise“?

„Wer nicht macht, was er will, ist ein Idiot.“

Wie sieht so `ne Krise aus, wie macht man `ne Krise, welche Zutaten braucht man dazu, Krise – Wie geht das?

Tja, das fragen sich die commünistischen Experten* momentan auch gerade wieder reihenweise in ihrem inoffiziellen öffentlichen Schaulaufen der allgemeinen Unbildung, merken dabei natürlich nicht, dass der bourgeoise Begriff der Krise inzwischen selbst schon Teil kapitalistischer Zurichtungs-Propaganda und ihres mit irren Flugblattsätzen und Antikrisengeschwätz herum wedelnden freiwilligen Billignutten-Anhangs ist, da sie den Zustand eines spezifischen Teils des herrschenden ökonomischen Gesamtsystems (und auf nichts anderes ist das Wort Krise eh und je gerichtet gewesen: Es geht um die periodisch wiederkehrenden Schwierigkeiten der herrschenden Klasse beim Loswerden von überflüssigen Waren und dem Eintreiben von Quellen zur Kapitalakkumulation, und nichts anderes; vermehrte Kündigung von Arbeitern, Lohnkürzungen, nationalistische Zusammenschweißungskampagnen etc. sind da lediglich logische Folgen; wenn heute irgendwo von „Krise“ die Rede ist, bezieht sich das mitnichten auf die Legitimität des ökonomischen Systems selbst, dessen Existenz nur in Gefahr ist, wenn der vernunftgeleitete Stalinismus kurzen Prozess mit ihm macht, was ja derzeit leider (und erst recht nicht in jenen Kreisen) der Fall ist, aber erklär‘ das mal den verhohlbirnten Vollidioten, die sich ihre Independent-Ressentiments in des deutschen Linksspießers Bildzeitung „Jungle World“ oder der örtlichen Anstalt zielgruppengerechter Verblödung, genannt Lesegruppe, anlesen und daraufhin in ihren Blogs oder Juze-Flugis vor lauter Schreck Krisenpipi machen), den des Monopolkapitalismus nämlich, zu einem allgemein-menschlichen Problem verdinglicht, welchem man auf irgendeine Weise zu BEGEGNEN habe, und sei es durch „Kritik“, welche ja immer der Knaller schlechthin ist, wenn man nix kann, nix kapiert, nix will: „Kritik ist immer nett, gibt’s günstig an jeder Ecke und tut niemandem weh. Kritik, was bist du nur für eine engelsgleiche Erlöserin aller von Analphabetismus, Hirnfäule, Stumpfsinn und alternativer Arschkriecherei Gegeißelten; Kritik, was wäre das linksradikale eingebildete Slacker-Studententum ohne ein wirkungsloses Hobby wie dich!“ (Karen Iossif Wissarionowitsch Eliot, „Ode an die Kritik“, 17. Vers).

Hässlich und blöd also wie eh und je, aber die zum einen nicht vorhandene Freude über den Jobverlust von Millionen und zum anderen das In-eins-setzen von Kapitalbelangen und Kritik-Konjunktur lässt nicht nur an der Aufrichtigkeit angeblich marxistischer Analyse zweifeln, sondern bringt letztlich natürlich weder Erkenntnisse, noch Ratschläge über eventuell einsetzbare kommunistische Kampfformen hervor und ist somit lediglich wieder mal eine weitere Gelegenheit fürs Politdiskussionsgesindel, sich, unselbständig, einfallslos und gedankenfeindlich wie sich diese Untoten nunmal aus Prinzip gerieren, vom publizistischen Abfall, den die bürgerliche Klasse für den linkssektiererischen Mob vom Tisch fallen lässt, insofern immerhin einigermaßen zu ernähren, als dass der aktuelle kapitalistische Vulkanausbruch mal wieder eine willkommene Gelegenheit für jene uninteressanten, an der Wirklichkeit ohnehin nicht interessierten und glücklicherweise auch von niemandem wirklich ernst genommenen Blogger ist, ihre jeweiligen Wahngebilde aka. „Theorien“ inklusive diese ummantelndes Gestotter dreisterweise als Diskussion zu deklarieren und als gehetzte Sau der eigenen Aufmerksamkeitsgülle durchs multimediale Dorf namens Blogosphäre zu treiben.

Den größten vom Aussterben bedrohten Vogel abgeschossen in Sachen Inkompetenz hat dabei diesmal Blogger Schildkröte (der leider das wunderbare, im Gegensatz zu ihm gut bepanzerte Tier gleichen Namens mit in seinen Dreck ziehen will, was diesem glücklicherweise schnurzegal sein kann, mir aber nicht), der mit all seinem Charme eines Adorno-lesenden Abiturienten mal wieder zum inzwischen cirka neunhundertmillionsten Mal mit ins allgemeine beleidigte Gejammer der Unfähigen über den „kapitalistische[n] Alltag, de[n] ganz normale[n] Zwang arbeiten zu gehen, die Inbeziehungsetzung der bürgerlichen Subjekte über den Tausch die jeden Tag stattfindet“ und sonstige Wahnphantasien einstimmt, welche seiner bescheidenen Meinung nach „Kritik verdient“ (sic!).

Man sieht sich als Opfer des globalen Arbeitslagers „Welt“, das der Kapitalismus darstelle, welcher wiederum nicht auf Personen rückführbar, sondern naturwüchsig über ebensolche gekommen sei, um diese zu seinem ewigen Sklaven zu machen, welcher dann aber immerhin zumindest teilweise so mutig ist, diese ganze Scheiße einer „Kritik“ zu unterziehen (die herrschenden Vertreter der Befürwortungs- und Rechtfertigungsagenturen der globalen Barbarei dürfte nämlich in ihren vollklimatisierten Büros das schiere Zittern erfassen, wenn sie nur das Wort Kritik hören, denken sich die Schildkröten).

Staat scheiße, Kapital schlimm, Kritik super.
Das sind zwar Erkenntnisse vom ungefähren Wert einer verschimmelten Bahamas-Ausgabe von 1994, finden aber trotzdem immer wieder Anklang bei Romantikern ähnlicher Enthirnungsstufe, die sich in ihrer Gemütlichkeit des Auswendigaufsagenkönnens von kaum Begriffenem so gut zu gefallen scheinen, dass sie es schon gar nicht mehr nötig haben, irgend eine Realität auch nur zur Kenntnis zu nehmen und also ihre Kritik-Gebetsmühle einfach bis zum Eintreten des endgültigen Hirntods wacker vor sich her murmeln.

Ich weiß nicht, von wie vielen Leuten der schildkröt’sche Blog letztlich gelesen oder gar ernst genommen wird, aber sollte auch nur ein einziger junger, interessierter potentieller Kommunist zufällig auf dieser Seite landen und daraufhin für sein Leben lang mit ebensolcher Dummheit geschlagen sein, melde ich hiermit die dereinstige justizielle Inverantwortungnahme des Herrn Schildkröte schon mal im Voraus an, schließlich soll niemand denken, er sei nicht informiert worden und käme gegenüber einem zukünftigen bolschewistischen Gericht einfach so davon mit seinem reaktionären Kritikdreck.

    *Das besondere aktuelle Highlight im Umgang der Hirnkrisenopfer mit der allgemeinen Krisenhetze: Ausgerechnet der dauerbekiffte Oberhippie Daniel Kulla meint, sich in all seiner ekelhaft ankumpelnden, alle möglichen Leute, die er nicht begreift (aber dafür ganz schön cool oder radikal oder verschwörerisch oder „interessant“ oder „quellenmäßig was hergebend“ findet) in seiner Debilität umarmen meinen müssenden, hinterfotzig-idiotischen linkssolidarischen Schleimerscheisse irrigerweise gerade mit dem bekennend leninistischen Schriftsteller, Journalisten, Feuilleton-Terroristen, Arschlochliquidierer und Ulbricht-, Stalin- & DDR-verteidigenden Heavy-Metal-Hegelianer Dietmar Dath gemein machen zu müssen, dessen nahezu gesamtes bisheriges journalistisches Schaffen darin bestand, gegen solche begriffslosen cocon-commünistischen Dämonen wie Kulla („immer diese ärgerlichen Anarchisten“ – Dath) zu Felde zu ziehen und sich bei diesen Zivilisierungsversuchen sogar der von ihnen konsumierten Underground-Theoriepornoheftchen wie „Phase 2″ und semi-illustrierten Männermagazinen wie „Spex“ bediente, um ihnen wenigstens etwas Vernunft einzuprügeln, was selbstverständlich, wie leider meistens, wenn man mit den Minderen Erbarmen zeigt, keinen Erfolg zu zeitigen wusste.
Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • Tumblr
  • Reddit
  • Add to favorites
  • PDF

7 Antworten auf “Was ist eigentlich „Krise“?”


  1. 1 xXaftershowXx 26. März 2009 um 13:50 Uhr

    GEIL!

  2. 2 Earendil 26. März 2009 um 19:01 Uhr

    12 Sätze, 103 Zeilen – wow. Diese ebenso eloquente wie wüste Polemik ist (mal wieder) in der Form so geil, dass der wie üblich schwachsinnige Inhalt kaum mehr stört. Danke!

  3. 3 show 27. März 2009 um 0:49 Uhr

    Ach, du bist doch genauso ohnmächtig wie alle anderen blogger-Trottel und Internet-Kommunisten.

  4. 4 Väterchen Administrator 27. März 2009 um 5:36 Uhr

    @Earendil:

    Wenn man „einfacher“ schreibt, wird es ja auch nicht kapiert. Der Dummkopf bleibt ja dumm, egal, ob der Text nun einfach oder schwer ist. Elaborierte Sprache kann prinzipiell nichts für die Unbehirntheit ihres Rezipienten, und wäre mein Text in (eigentlich viel schwererer, weil längst ausgeleierter, unscharfer) Alltagssprache verfasst, würde der geneigte Depp daraus ohnehin wieder nur seine eh schon vorhandenen Ressentiments heraus lesen.
    Wie man es also macht, ist es falsch: schreibt man einfach, kapierts zwar jeder, es fragt sich dabei nur, WAS kapiert wird. Schreibt man hingegen „schwierig“, kapieren es wenige, aber die kapieren es immerhin einigermaßen (hab ich schon am eigenen Leibe erlebt, unglaublich!).

    (Welche ekelhaften Ressentiments hinter der Phobie gegenüber langen Sätzen stehen, möchte ich ehrlich gesagt gar nicht wissen; von solchen impliziten Aufforderungen zur praktizierten Barbarei halte ich mich – schon in deinem Interesse – gleich ganz fern.)

    Die Form/Inhalt-Dichotomie, eine der vielen grausamen, gegenaufklärerischen, reaktionären Wahnvorstellungen der philologischen Moderne, die Du hier wieder bemühst, steht in krassem Kontrast zur Realität:

    Wenn der Gegner (in diesem Falle Du, Ohrendill), oder derjenige, der einen „kritisieren“ (s.o.) will, trotz all seiner Zwietracht mit dem Autor (in diesem Falle ich, Lyzis), immer wieder, weil auch er sich der Realität nunmal nicht so offensichtlich verweigern kann, zugeben muss, dass „DIE SPRACHE“ (i.e.: „Form“) eines Textes sehr ausgefeilt/“geil“/anspruchsvoll/eloquent etc. ist, dann gibt er damit zugleich zu, dass eigentlich der gesamte TEXT ausgefeilt und wahr ist. Ein Text nämlich, ebenso wie ein Gedanke, besteht aus nichts anderem als aus Sprache. Es gibt keinen gesonderten „Inhalt“, der sich von jener abziehen ließe; der Inhalt eines Textes IST die Sprache, die Sprache wiederum ist Ausdruck, also Verwirklichung des Gedankens.

    Sprache ist alles. Es gibt keine Wirklichkeit ausserhalb von Sprache.

    Die Sprache des Textes deutet schon auf eine Zukunft, in welcher sie allgemeiner Begriff werden kann; weniger befähigte Leute wie Du sehen darin zunächst nur den quasi-sinnlichen Schein von „geilen Pöbelsätzen“ oder ähnlichem.

    @show:

    Zum Vorwurf der Ohnmacht kommt bald ein eigener Blogeintrag.
    Stay tuned.

  5. 5 A 27. März 2009 um 19:37 Uhr

    „Wie man es also macht, ist es falsch“

    Armer Lyzis! Aber kann dir doch egal sein, wenn du die Dummen einfach erschießen kannst!

    „Sprache ist alles. Es gibt keine Wirklichkeit ausserhalb von Sprache.“

    Dafür wärst du aber zu anderen Zeiten erschossen worden.

  6. 6 Apple 29. Mai 2009 um 21:08 Uhr

    Yeah, cool story bro‘!

  7. 7 Opa Gehrke 11. August 2013 um 12:50 Uhr

    “Critics are men who watch a battle from the high place then come down and shoot the survivors.”

    Ernest Hemingway

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× neun = vierundfünzig