Archiv der Kategorie 'Die deutsche Ideologie'

Masken, unter denen nichts verborgen ist: Zum TV-Triell

„Publikum und begleitende Presse hingegen haben Schwierigkeiten, Personen und Rollen auseinanderzuhalten. Deshalb können sie sich nicht erklären, warum die eine Rolle erfolgreicher ist, die Maske also besser sitzt als die andere. Das lässt sie immer noch an den Mythos glauben, dem Volk sei an Authentizität gelegen. Nichts aber könnte ferner liegen: Wo Armin Laschet ein einziges mal in diesem Wahlkampf authentisch war, nämlich als er im falschen Moment lachte, hatte er die Wahl verloren.“

Hier erschienen.

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Drunterkommentierer – Der User als Patient

„Der Drunterkommentierer bringt es fertig, sich in der kosmischen Kälte und existenziellen Verlassenheit der sozialen Medien zu Hause zu fühlen. Fragt ihn im wirklichen Leben niemand nach seiner Meinung, darf er im Kommentarbereich des Netzes mal so richtig die Sau herauslassen.
Dass seine Beiträge nur von seinesgleichen, also anderen Kommentarspalten-Exegeten gelesen werden und seine Meinung in der Welt keinen Belang hat, stört ihn nicht weiter, sondern treibt ihn nur noch an, mit anderen Wahnsinnigen abermals Nebenschauplätze und Meta-Diskussionen zu eröffnen: Der Drunterkommentierer verkümmert zum Drunterkommentar-Drunterkommentierer.“

Hier erschienen.

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Rezensionen & Interview zum Hassbuch

1. Die FAZ-Rezension ist hier frei zugänglich.

2. Hier die ND-Rezension „Die Enteignung der Gefühle“.

3. Ein weiteres Interview zu Hass, Social Media, Trollen und Empörten auf Telepolis.

4. Ebenfalls auf Telepolis: Ein Auszug aus meinem Buch.

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Elend des Ironischen

Das ND bringt in seiner heutigen Wochenend-Ausgabe einen Artikel von mir zum Elend der Ironie:
Die Tyrannei des Unernsten – Der Ironiker ist der Wiederkäuer des Status quo

„Ironie ist die Unfähigkeit zum Austausch mit der Welt unterm Deckmantel der Kommunikation und ist deshalb in ihren primitivsten Formen einfach das Mahnmal von gelungener Selbstverblödung.“

zeroironie

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Interview zu „Hass von oben, Hass von unten“

Sandro Abbate hat mich u.a. befragt zum Unterschied von Hass und Ideologie, Hassverboten, den Zusammenhang von Hass und Kunst und ob Internetnutzung zu mehr Gewalt führt:

“Hass und Gewalt sind schon älter als das Internet”

„SPIEGEL: Herr Grohn, bis gestern schien die Welt noch ohne Hass…

GROHN: Mir nicht.“

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Antideutsche Ideologiekritik– die Avantgarde der deutschen Ideologie

Dass die ehemaligen Antideutschen und „Ideologiekritiker“ inzwischen so ziemlich alle am Rad drehen oder bereits komplett dem Irrsinn anheim gefallen sind, hat wohl vor allem damit zu tun, dass sie nahezu überflüssig geworden sind, weil sie ihre Funktion für die Linke verloren haben. Auch wenn sie von ihren Pendants – den moralisch engagierten, schon mit halbem Bein in der Türe des Linksliberalismus stehenden linken Kritikern – immer noch beachtet, also: als Gegner anerkannt, d.h. ernst genommen werden, benötigt die antideutsche Ideologiekritik keine Aufmerksamkeit mehr, schließlich hat sie ja auf ganzer Linie gesiegt. Sie hat sich im Grunde totgesiegt, indem sie – wie das bei idealistischen linken Bestrebungen innerhalb des Kapitalismus immer der Fall ist (siehe 68er, Grüne, K-Gruppen usw.) – die Avantgarde, also nützlichen Idioten abgegeben hat für
a) die inzwischen 24/7 in allen Medien herum mahnende Anti-Verschwörungsideologie-Schulmeisterei und
b) überhaupt die in Massenmedien zur Normalität gewordene Kritik an (linken, inländischen) Regierungskritikern und allen möglichen Demonstranten und Aktivisten. Wozu noch Zirkulare wie sans phrase, prodomo, Phase 2 und Bahamas, wenn tagesschau, heute journal und Bildzeitung das viel effektiver zustande bringen?
Die (post-)linke, antideutsche Ideologiekritik war immer gerichtet gegen Aktionismus, „Pseudoaktivität“ (Adorno), Volks-Aufbegehren, Massenproteste usw., also pro bloße Kritik. Es ging ihr ausserdem immer um die „rücksichtslose“ Denunziation „autoritärer Herrschaft“ (sic!). Diese Kritik ist mit vollem Erfolg angekommen in allen Polit-Shows, Nachrichten, Magazinen, Comedy- und Satire-Formaten, staatstragenden Blogs und sozialen Medien: keine 5 Sendeminuten vergehen mehr ohne den BRD-Imperialismus verharmlosende oder leugnende Propaganda gegen selbstverständlich immer bloß im Ausland ausgemachte „autoritäre Regierungen“ wie in Russland, China, Belarus usw.
Die unmarxistische ideologiekritik und das vulgäre, d.h. den BRD-Imperialismus ignorierende Antideutschtum hat jetzt also zusätzlich zu den linken Zeitungen eine Wirkungsstätte in den großen Medien. In den Redaktionen von Springers Welt und Bild sitzen inzwischen ganz selbstverständlich jene Adorniten, die über den ideologischen Umschlagplatz „Israelsolidarität“ heim ins Reich gefunden haben, aus dem sie natürlich objektiv nie ausgeschlossen waren in ihrem Grand Hotel Abgrund.
Begreift man aber die Stufe des in den 90ern in der BRD aufgekommenen Antideutschtums und ihrer geisteskranken Sorte Ideologiekritik dialektisch (also: richtig) als _notwendige_ Stufe, nämlich Antithese im dialektischen Prozess der Selbstfindungsveranstaltungen innerhalb linksradikaler und kommunistischer Kreise, so kann es die Praxis der Vernunft nicht sein, dieser Antithese wiederum bloß einseitig ablehnend zu begegnen, also selbst bloß Negation dieser Stufe zu betreiben, statt sie zu einer höheren Stufe, zur Synthese, aufzuheben, also ihren – meinetwegen auch verneinten Gehalt – in sich aufzunehmen und zumindest zu reflektieren. Es ist klar, dass das kaum wer tut, denn das hätte schließlich vorzeigbare und nützliche Ergebnisse und sowas kann eine Linke natürlich niemals wollen.
Es ist auch klar, dass die Ex-AntiDs/ Ideologiekritiker, weil sie ins Verlieren verliebt sind, ihren objektiven Erfolg so nicht stehen lassen können. So müssen sie sich ständig winden, alle paar Monate sich von einem absurden hottake zum nächsten, noch absurderen hottake schlängeln, um ihre lediglich auf die Kritik der Ideologie anderer Linker gerichtete Identität und damit: Ideologie aufrechterhalten zu können. Damit aber, mit dem nahezu zwanghaften Verteidigen der eigenen Identität und der eigenen Irrtümer gleichen sie den traditionellen Linken ja wiederum aufs Haar. Das ist es, was sie so verrückt macht und sie dazu bringt, immer wieder aufs neue Amok zu laufen.

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Hegel und die Doofen

Hegel eignet sich für so vieles gute, schöne und richtige: zum Beispiel dazu, um Idioten zu widerlegen oder die Kategorie der Wahrheit gegen die Meinungen des Diskursmülls ins Recht zu setzen und den Stümpern und Dilletanten zu zeigen, dass es verbindliche Maßstäbe gibt, mit denen die Welt vernünftig erkannt werden kann. Leider eignet sich Hegel gerade heute auch für vieles schlechte, unschöne, falsche: z.B. dazu, um tolle Hegel-Experten-Kenntnisse zur Schau zu stellen oder sich etwa auch noch mit den zu widerlegenden Feinden der Vernunft zum Plaudern in irgendwelchen Medien des Meinungswahns einzufinden. „Hegel to go“ darf deshalb gerne auch verstanden werden als eine Art Buch gewordener kleiner Gedenkstein gegen die Hegel-Interpretations-Industrie und gleichzeitig Nachweis ihrer Überflüssigkeit: dieses Büchlein zeigt, dass es tatsächlich nicht noch die siebzehnmillionste Hegel-Erläuterung braucht, sondern dass schon ein paar hundert Zitate reichen, um deutlich zu machen, dass man die Wahrheit – die selbstverständlich kein Ding im Besitz einer Person sein kann, sondern immer nur im Verhältnis zu bestimmen geht, und auf die Hegel lediglich hinweist – selbst zu ERFAHREN hat, um nicht nur ÜBER die hegelsche Philosophie, äußerlich angeeignet, plappern zu können, sondern sie anzuwenden weiß im Klassenkampf. (Das wäre dann „Verwirklichung“: praktisch gewordene Erkenntnis. Aber um etwas in die Welt setzen zu können, muss man es vorher in sich haben.) Schöne Exempel für das Gegenteil erbringen derweil jene, die dazu nicht imstande sind täglich, indem sie Hegel im Munde führen, weil sie ihn nicht im Schilde zu führen vermögen: also jene tragischen Existenzen, die deutsch schreiben könnten – oder zumindest wollen –, aber lieber journalistisch schreiben.
In dem Selbst-Erfahren-müssen der Wahrheit (durch reales Handeln), auf die Hegel hinweist, liegt die Pointe des Witzes, den der Budenzauber der Fachphilosophie und ihres Instrumentariums von Philologie und Jargon nicht verstehen kann: Hegel heute zu verstehen, bedeutet eben, sein eigenes Nichterfahrenes und Unbegriffenes zu verstehen. Deshalb ist es für die meisten so schwer, Hegel wirklich zu begreifen: die eigene Moral, die eigene Identität und andere Sicherheiten und Bestimmtheiten sind es, die einen daran hindern.
Für Hegel zeichnet sich das ungebildete, das noch nicht es selbst gewordene Bewusstsein dadurch aus, dass „das negative Wesen ihm ein äußerliches geblieben, seine Substanz […] von ihm nicht durch und durch angesteckt“ worden ist: „Indem nicht alle Erfüllungen seines natürlichen Bewußtseins wankend geworden, gehört es an sich noch bestimmtem Sein an; der eigne Sinn ist Eigensinn, eine Freiheit, welche noch innerhalb der Knechtschaft stehenbleibt.“ (PhG, Suhrkamp-Werkausgabe Band 3, S.155)
Es ist daher dem einen ein leichtes, und dem anderen so schwer, Hegels Philosophie zu begreifen: Auf bloßes Denkvermögen, will Hegel sagen, kommt es nicht an, sondern es geht um eine existenzielle Entscheidung: wer zu leben gewohnt ist in den Gefilden des Wirklichen, welche einzig die Wahrheit hervorzubringen imstande sind, und also „das negative Wesen“ durchdrungen hat, wird keine Schwierigkeiten beim Verständnis haben. Wer kein Knecht ist, dem wird Hegel kein Rätsel bleiben. (Deshalb auch konnten Marx, Engels und Lenin Hegel begreifen.)
In seinem Urteil über die Tatsachen MIT diesen Tatsachen übereinzustimmen, d.h.: zu sagen, was SACHE ist, also die Wahrheit über die Wirklichkeit ins Bewusstsein zu rücken, bedeutet, nicht zu heucheln. Wer aber schon das Urteil gefällt hat, bevor er mit der Wirklichkeit einer Sache in begriffliche Auseinandersetzung getreten ist, wer also moralische oder ideologische Werte auf die Tatsachen projiziert und diese seine subjektiven Werte als solche der Tatsachen selbst ausgibt, betätigt sich als Heuchler, weil er vorgibt, seine (moralischen, ideologischen) Werte seien bereits solche der schnöden Wirklichkeit, der elenden Verhältnisse. Wessen Geschäft die Heuchelei ist, kann also kein Hegelianer sein.
„Auch in unserer Zeit findet es mehr oder weniger statt, daß die Ehrfurcht vor dem Bestehenden nicht mehr vorhanden ist und daß der Mensch das Geltende als seinen Willen, als das von ihm Anerkannte haben will.“ (Hegel, Rechtsphilosophie §138, Zusatz)
Nur ist es heute sehr schwierig, vor allem Linken, die sich auf Kriegsfuß mit „dem Bestehenden“ befinden, begreiflich zu machen, dass das adäquate – d.h.: nicht-ideologische, nicht-moralische, also: objektive – Beschreiben dieses Bestehenden der erste und vor allem notwendige (wenn auch nicht hinreichende) Schritt dahin ist, die Tatsachen innerhalb des Bestehenden zu etwas besserem aufzuheben. Heutige Vulgär-Idealisten, linke zumal, die schon der Kategorie der Wirklichkeit – also des Bestehenden – als solcher feindlich gesinnt sind, denken, es ließen sich die Tatsachen ändern, indem man sich von einem eingebildeten Standpunkt außerhalb des „Bestehenden“ um sie herummogelt und jene dann, durch bloße Kraft des Gedankens, wegzaubert. Diese Leute sind aber, genauso wie alle anderen, TEIL dieses Bestehenden. Sie mögen das bedauern, aber auch sie existieren in dieser Welt. Sicher, es mag für die völlig in sich gekehrte Schöne Seele (heutige Bezeichnungen dafür sind etwa: „Intellektueller“, „Kritiker“ usw.) so scheinen, dass sie gar nicht Teil dieser einzig vorhandenen Realität des einzig vorhandenen Bestehenden ist (vgl. „Phase 2 – Zeitschrift gegen die Realität“), weil sie vielleicht glaubt, es gebe später im Himmel einmal Bonuspunkte für nicht vollzogene Handlungen, nicht gelebtes Leben, nicht gekämpfte Kämpfe usw. Aber letztlich leben auch sie in dieser Welt und müssen in dieser Welt handeln, wenn sie denn handeln wollen. Das wird ihnen dann schnell zuviel: entweder sie handeln nicht oder sie täuschen sich selbst über die Grundlagen dieses Handelns, romantisieren sich also die Wirklichkeit als eine zurecht, die nach ihren Maßstäben funktioniere und nicht nach objektiven. Im Auge solcher Betrachter ist dann jeder, der nicht seine vorgefassten moralischen, ideologischen Werte auf das Bestehende projiziert, jeder also, der nicht heuchelt – d.h. die bürgerlichen Verhältnisse schönlügt – schon Vulgärmaterialist oder reaktionär. Eine Linke, aber, die mit der Wirklichkeit auf Kriegsfuß steht, weil sie lieber bereits VOR deren Kenntnisnahme schonmal Werte predigt, an welche sich die Wirklichkeit gefälligst zu halten habe, kann niemals vernünftig sein. Das könnte sie von Hegel lernen, wenn sie ihn denn läse.

(Aus dem Vorwort zur chinesischen Ausgabe von Hegel to go)

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Zur Heruntergekommenheit des Satire-Begriffs

Früher behalf man sich des Mittels der Satire, um auf augenzwinkernde, unernste Weise auszudrücken, was man aber ernst meinte. Heute drückt man ernst aus, was man gar nicht so gemeint hat.
Die meisten Satirker wissen heute selber nicht mehr, warum sie überhaupt Satire machen und welche Funktion diese haben könnte außer der Verteidigung einer Rudel-Ehre mittels bloßer Schmunzeleien gegen irgendein Feindbild. Wenn aber der Humor zur Biederkeit der Ironie degeneriert ist, müssen wir jetzt den Ernst zum neuen Humor machen. Satire is over.
Auch wäre es an der Zeit, sich einmal damit abzufinden, dass diese Welt voll von satirischen Existenzen ist. Die Realität ist satirischer, als es Satire je sein könnte. So kann jeder Zeitungsartikel als Satire gelten, wenn sein Urheber nur noch ein satirisches Verhältnis zur Welt und sich selbst hat. Das Problem ist nicht der Satiremüll, sondern eine Gesellschaft, die satirische Existenzen hervorbringt. Die satirische Existenz, das ist der zeitgemäße Opportunismus. Wer heute linke „Satire“ macht, kann dann morgen schon Ernsthaftigkeits-Clown bei Springer sein.

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