Archiv der Kategorie 'Literatur'

Interview zu „Hass von oben, Hass von unten“

Sandro Abbate hat mich u.a. befragt zum Unterschied von Hass und Ideologie, Hassverboten, den Zusammenhang von Hass und Kunst und ob Internetnutzung zu mehr Gewalt führt:

“Hass und Gewalt sind schon älter als das Internet”

„SPIEGEL: Herr Grohn, bis gestern schien die Welt noch ohne Hass…

GROHN: Mir nicht.“

Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • Tumblr
  • Reddit
  • Add to favorites
  • PDF

Social Media Menschen

Goethe wäre wohl, zumindest wenn man Hacks („Unter den Medien schweigen die Musen“, 1989/90) in seinem Urteil folgte, einem Medium wie Facebook ziemlich gewogen gewesen: er hätte es betrachtet als eine Art Einrichtung zur Förderung von Talenten, also solcher Unfähiger, nach denen der Markt verlangt. Dieses Medium eignet sich hervorragend für die heutigen Gottlieb Hillers. Hier sind sie beiseite geschafft und damit an ihrem Platze, der Bubble. Diese können sie hier ein Leben lang als Öffentlichkeit missverstehen und müssen sich über nichts mehr wundern. Die Wirklichkeit brauchen sie so nur noch als Außenwelt wahrnehmen, die sich qua falscher Meinungen für ihren Verein der richtig Meinenden disqualifiziert hat. Hier ist es ihnen gestattet, ihren inneren Konflikt, den der Unfähigkeit zur Entscheidung zwischen Ernst und Spiel, als einen politischen auszugeben. Hier können sie immer am „Puls der Zeit“ sein, nur halt ca. 2-5 Jahre später als die Irren auf Twitter. Bei Facebook ist ihnen erlaubt, ihr Nichtkönnen den noch minderbemittelteren Social-Media-Soziopathen als Besserwisser-Geste zu verkaufen. Nur in einem solchen Umfeld kann der Philologe als Geistesmensch erscheinen, der Stubenhocker als Revolutionär, der Feuilletonist als Denker und der Satiriker als Marxist. Niemand ist anwesend, vor dem einem noch irgend etwas peinlich sein kann, denn Lächerlichkeit verbindet sie alle und der Vernünftige hält sich heraus aus dem Vorwürfe-Pingpong und den digitalen Fahnen-Wedeleien, die hier als Diskussionen gelten.
Natürlich handelt sich es bei Usern um Kunden, und zwar um solche von Medien-Großkonzernen, die ihrer Kunden-Unzufriedenheit mit der Ware „soziales Netzwerk“ und ihren angeschlossenen Produkten (miteinander konkurrierende Zeitgeist-Figuren, Zeitungsartikel, Images, Ideologien, Empörungsformen usw) freien Lauf lassen. Es tummeln sich hier also nahezu ausschließlich passive Bewusstseine, Konsumenten, die ihre Konsum-Erfahrungen (von z.B. Filmen, Büchern, Philosophien) ins Netz posten und damit automatisch gegen den Produzenten gestellt sind. Sicherlich produziert man selbst ja auch etwas, wenn auch bloß Abfall. Der Sprachmüllberg will gefüttert werden und man tut solche Dienste gern und unentgeltlich.
„Nicht wenige glauben, der H. M. [Medienmensch] vergieße in seiner Werkstatt blutigen Schweiß, und sein Leben sei aber angefüllt mit Prunk und Herrlichkeit. Es verhält sich umgekehrt. Müßiggänger ist der H. M. nur als Künstler. Als Künstler ist er faul und überproduktiv, er erzeugt der Menge nach viel und das nach eigenem arbeitsscheuen Dünken. Als Mensch hingegen hat er mächtig zu tun. Er lebt dann nämlich das Leben eines hauptamtlichen Adabei. Sein gesamtes Privatleben ist ein Berufsleben: ein Leben für die Berichterstattung.“ (Hacks)
Goethe, sagt Hacks, kannte noch keine Medien, in denen Leute wie Hiller ihre Wirkungsstätte hätten finden können. Hacks aber kannte – zu seinem Glück – noch keine „sozialen Medien“, in denen diese zur Gänze in ihrem Element sind. Diese neuen Hillers also flechten ganz emsig ihre Vogelnester in den Kommentarspalten, „flechtend ersann ich meine nächste Kolumne“. Schon bald werden wir nichts mehr von ihnen hören. Aber das ist uns egal, denn wir hatten ihre Namen schon vorher vergessen.

Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • Tumblr
  • Reddit
  • Add to favorites
  • PDF

Nachholtermine der Lesungen vom Frühjahr

Die momentane Lage erlaubt es, im kleinen Rahmen wieder Lesungen zu veranstalten, so dass es jetzt erstmal die für den Frühling geplanten zu „Kommunismus für Erwachsene“ nachgeholt werden.

Die ersten drei Termine stehen schon fest:

22.8. Stuttgart – Linkes Zentrum Lilo Hermann (Facebook)

12.9. München – EineWeltHaus (Facebook)

10.10. Mannheim – Ewwe Longt’s (Facebook)

Die Einhaltung der Corona Schutz-Auflagen ist bei allen Lesungen zu jeder Zeit gewährleistet, die Räume sind groß genug und die Anzahl der Besucher begrenzt.

herbst2

Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • Tumblr
  • Reddit
  • Add to favorites
  • PDF

Buchpremiere: „Hegel to go“

Am Sonntag, 2. August 2020 stelle ich im Ori in Berlin das von Dietmar Dath und mir herausgegebene Bändchen „Hegel to go“ vor, bei der ich ein Kapitel zu Hegel aus meinem später im Jahr erscheinenden neuen Buch lesen werde.

Die Lesung soll eine Unterstützung für das Ori sein, das wegen der Corona-Maßnahmen lange Zeit keine Einnahmen hatte und eure Hilfe gut gebrauchen kann. Gerne diskutiere ich im Anschluss mit dem gebotenen Abstand auch noch mit schönen Seelen, die nichts besseres zu tun haben über ihre ganz persönlichen Ansichten zur Realität, Drogen, Infektionskrankheiten, Rassismus, illegalen Raves, Dialektik, Moral, Facebook, Satire, Kommunismus oder diskordische Hirnschäden im Endstadium und gebe z.B. kontroverse Antworten zu brennenden Fragen der architektonischen Umgestaltung Berlins.

Die Veranstaltung bei Facebook: https://www.facebook.com/events/299508894578737/

In den nächsten Monaten werden dann auch die noch ausstehenden Lesungen zum Kommunismus-Buch nachgeholt.

hegelhegel

Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • Tumblr
  • Reddit
  • Add to favorites
  • PDF

Hegel to go

Umso schlimmer für die Wirklichkeit: das von Dietmar Dath und mir herausgegebene Zitate-Büchlein „Hegel to go – Vernünftige Zitate“ ist dieser Tage im Verlag Neues Leben erschienen und kostet 7€.

Das Buch kann normal über den Handel gekauft oder von mir signiert direkt hier bestellt werden, und im Wochenblatt „Der Freitag“ gibt es einen Vorabdruck.

Außerdem wird es am Sonntag, den 2. August im Berliner ORi eine Lesung zum Buch geben.

hegeltogo

Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • Tumblr
  • Reddit
  • Add to favorites
  • PDF

Lesungen: Termine Frühjahr 2019

Der erste Teil einer Reihe von Lesungen zu meinem Buch „Kommunismus für Erwachsene“ beginnt Ende Januar.

Die Termine im Einzelnen:

tour4

Links zu den Facebook-Veranstaltungen:

Berlin – Ori 24.01.

Hamburg – Lüttje Lüüd 08.02.

Dortmund – Taranta Babu 29.02.

Bonn – Alte VHS. 13.3. VERSCHOBEN!!

Rostock – Frieda 20.03.

Köln – tba.

Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • Tumblr
  • Reddit
  • Add to favorites
  • PDF

Buch: Kommunismus für Erwachsene

Mein Buch „Kommunismus für Erwachsene“ hat 272 Seiten, kostet 15€ und erscheint nächste Woche bei Das Neue Berlin in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe.

Es ist bereits jetzt auf der Verlagsseite, bei amazon und über jede Buchhandlung vorbestellbar und wird dann ab Freitag, 8. November ausgeliefert.

Ich biete außerdem hier eine direkte Bestelloption (15€ plus 3€ Versandkosten, Zahlung per Paypal) für alle an, die ein von mir signiertes Exemplar mit persönlicher Widmung und Promo-Buttons haben wollen.

kombuch

ÜBER DAS BUCH:
Once upon a time in der deutschen Linken: Kapitalismuskritik ist inzwischen allgegenwärtig und zugelassene Folklore – auf dem Campus wie in Talkshows. Mit den ursprünglichen Zielen von Marx und Engels hat sie allerdings nichts mehr zu tun. Denn irgendwann stellten sich Bewegungen und Einzelakteure, die einmal die kommunistische Revolution wollten, in den Dienst des Liberalismus und seiner, wie es heute heißt, „Narrative“, also Ideologie. Unter dem Vorwand, die kapitalistische Gesellschaft radikal zu kritisieren, sind Linke dazu übergegangen, die bürgerliche Ideologie zu festigen. Das geschieht u.a. mittels konsequenter Antidialektik. Das Buch kommt zu dem Schluss: Was sich heute als Emanzipation, undogmatischer Marxismus, antiautoritäre Linke oder Wert- und Ideologiekritik bezeichnet, hat zum Kommunismus kein Verhältnis mehr, das über naive Parolen und begriffsloses Herummäkeln an Nebensächlichkeiten hinausgeht.

Die erste Rezension hat der Genosse Robespierrismus geschrieben.

Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • Tumblr
  • Reddit
  • Add to favorites
  • PDF

Der Nobelpreis, Peter Handke & seine Kritiker

Man sollte, wenn man an irgendeiner Einsicht interessiert ist, die über die medialen Verkündigungen zum Nobelpreisträger und dessen Legitimität hinausgeht, Peter Handke nicht einfach als Literaten sehen, sondern muss ihn als Projektionsfläche auffassen, zu der er sich – sozusagen als Künstlerexistenz, als „öffentliche Figur“ – ja bereitwillig macht, als eine Instanz, die aus den Leuten ihre Ressentiments hervorlockt. (Und das ist es ja, worauf das gesellschaftliche System Literatur hinauswill: keine ernstzunehmenden Haltungen gar politischer Art aufzuzeigen, sondern Narren in einem Kindergarten vorzuführen, denen man, quasi als sozialarbeiterische Hilfestellung, staatlich betreutem Schreiben, dann irgendwelche Preise verleiht, um sie in ihrem jeweiligen Wahn zu bestätigen (also ruhigzustellen), damit auch bloß niemals irgendetwas von ihren Inhalten, sofern solche überhaupt noch vorhanden sein sollten, das Licht der wirklichen Welt erblickt).
Wenn also in den letzten Tagen über – also vor allem gegen – Handke, etwa bei Saša Stanišić oder taz-Schreibern die Rede war, dann waren das meistens Verlautbarungen aus dem gemütlichen (links-oder rechts-) liberalen Moralkitsch-Nest. Das eigene seelische oder moralische Unwohlsein (also die Verletzung der je subkjektiven bubble-Ethik) wurde in Worte gekleidet, statt zu einem Urteil in der Sache zu kommen, welches natürlich, soll es von Belang sein, Handke eben nicht als irgendeinen Akteur unter vielen anderen „Meinungsmenschen“ betrachten dürfte, sondern ihn als das sehen müsste, was er wirklich ist, wozu er sich als Mensch letztlich gemacht hat: ein Kunstwerk, einen Artisten im Medienzirkus.
Handkes Kritikern ist es völlig einerlei, was er wirklich gesagt hat, was seine tatsächliche Haltung ist, ob sie nach den Prinzipien von Provokation in demokratischen, also von der Bourgeosie und ihrem „Volkswillen“ zugerichteten Öffentlichkeiten funktioniert (kurze Erinnerung an Böhmermanns Erdogan-“Gedicht“, „Satire“-Geblödel usw.) – und das weiss Handke, und er wusste das schon in den 90ern. Seine Kritiker beachten nicht, was Handke geschrieben, gesagt und gewollt hat, es geht diesen bosnischen und anderen liberalen Nationalisten, die sich jetzt in linken Zeitungen völlig gehen lassen dürfen, darum, ihre eigene politische Agenda (Nato- und EU-Propaganda) zu befeuern, und da kommt ihnen die durchs Dorf getriebene Nobelpreis-Sau gerade recht: es wird da immer auf die Populärsten eingedroschen, um was von der allgemeinen Aufmerksamkeit abzubekommen. Das ist das Prinzip der öffentlichen Solidarität, wie man es seit geraumer Zeit (spätestens seit dem Fall der Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der Gemeinschaft staatlicher Sittlichkeit) kennt: Werbung in eigener Sache unterm Deckmantel staatsbürgerlichen Engagements.
Es sind das größtenteils Anhänger einer rot-grünen Politik, die damals Nato- Angriffskriege nicht bloß verteidigt, sondern selbst durchgeführt hat. (Die halbe politisch engagierte deutsche Schriftsteller Riege – von Sascha Lobo über Sophie Passmann bis Juli Zeh – ist ja bei der SPD.)
Und natürlich ist der Nobelpreis immer eine Würdigung des Mittelmaßes, also der literarischen Auswüchse der Mitte einer Gesellschaft, der Preis soll, jährlich aktualisiert, eine Art Platzhalter des idealen Gesamtliteraten darstellen, da muss schon immer auch eine ordentliche Portion Durchschnittlichkeit, also Bourgeoisie-verträgliches Provokationsgerumpel und Halbradikalität wie bei Handke vorhanden sein, damit ein Autor geehrt wird. Letztlich klopft sich da die liberale westliche Gesellschaft bloß selbst auf die Schulter, weshalb auch immer schön auf den entsprechenden Anteil an Frauen, Dissidenten, Afrikanern und Linken geachtet wird – Motto: „der Liberalismus tut für alle was, seht her, wir zeichnen Juden Frauen Unterdrückte Kommunistinnen aus, Aktion Sorgenkind international, Welthungerhilfe für den armen darbenden Poeten, Suizidprävention für Künstler“; Literaturpreise als Ruhigstellung des eigenen schlechten Gewissens usw.
Und natürlich ist sowas immer auch Ausdruck der Zustände einer jeweiligen Zeit: Obama hat ja im Ernst den Friedensnobelpreis bekommen und Winston Churchill den Literaturnobelpreis.
So kommt dann auch ein literarischer „Joker“, also ein Clown, ein Wilder, ein Anarchist wie Handke diesem Betrieb immer gelegener als z.B. ein aufrichtiger Klassiker. Man stelle sich vor, was los gewesen wäre, hätte man zu dessen Lebzeiten einem Peter Hacks die Öffentlichkeit und Achtung eines Nobelpreisträgers gegönnt.
Sowas ist dem liberalen Rechtsstaat dann auch wieder zuviel des guten. Die Bourgeoisie will ihre Literaten schon wütend und leidend und kritisch, chaotisch, wild und planlos geifernd, aber bitte nicht konsequent und kämpfend oder gar bolschewistisch.
Karl Eduard von Schnitzler sollte posthum Pulitzer-, Büchner- und Nobelpreis (Frieden und Literatur) bekommen. Dann wäre der ganze Quatsch ernst zu nehmen. Bis dahin ist es nur möglich, diesen Zirkus aus Preisverleihern und Kritikern als Ausdruck eines inoffiziellen postmodernen Performance-Kollektivs zu verstehen, dem mal wieder ganz provokativ zumute ist und eben Befindlichkeiten aus der Öffentlichkeit in die Öffentlichkeit rotzt.

Share:
  • Facebook
  • Twitter
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • RSS
  • Tumblr
  • Reddit
  • Add to favorites
  • PDF