Archiv der Kategorie 'Medien'

Piraterie am Parnassos: Bartels, der Abschreiber

Am 28.03.2015 hat der kritische Theoretiker und Blogger Felix Bartels im Kulturteil der Tageszeitung „Neues Deutschland“ einen Artikel zur Autorschaft in Zeiten des Internets veröffentlicht, den ich als in weiten Teilen von meinem fünf Jahre alten Text „Der Autor heute“ übernommen, also abgeschrieben einstufen muss. Bartels, der seit geraumer Zeit nachweislich Leser (und Kommentierender) meiner Webseite ist, übernimmt nicht nur haargenau das spezifische Thema (traditioneller Autor versus Web-Existenz), sondern auch nahezu jeden einzelnen Abschnitt meines Textes. Er hat diesen lediglich schlechter formuliert und verkürzt, also in ein plattes Feuilletonisten-Deutsch übersetzt, sowie um den Marxismus meines Originals erleichtert. Dem Textsinn nach handelt es sich um ein Plagiat, und zwar bis hinein in die Textstruktur, den inhaltlichen Aufbau und den Schluss, zu dem ich gekommen bin.

Ich gebe dafür im folgenden ein paar offensichtliche Beispiel-Passagen aus unseren beiden Artikeln:

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Ice-Bucket-Challenge für Sesselfurzer: Der Lobster Award

Ich weiß nicht, was das soll und woher es nun schon wieder kommt und warum, aber bei Rapoports rappelt’s und er stellt mir Fragen, als wäre der pensionierte Unhold Beckmann in ihn gefahren – und da antworten manchmal besser als ignorieren ist, komme ich seinem Wunsch in diesem Falle nach:

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Deutsches Gedenken

Identifikation als Selbst-Entschuldung

„Das gegen ihn gespritzte Gift verwandelt der Kapitalismus sogleich und laufend in Rauschgift und genießt dieses.“ (Bertolt Brecht im Jahre 1929)

Mit dem vorgestrigen 69. Jahrestag der von Stalin (die linken antikommunistischen Grüppchen, die diese Woche wieder fleißig plakatiert oder demonstriert haben, werden nicht gern daran erinnert, dass dieser es war, deshalb übernehm‘ ich das hiermit mal eben) und der Roten Armee bewerkstelligten Beendigung des Mordens im Konzentrationslager Auschwitz wurde wieder einer jener Tage begangen, an welchem die (links-)deutsche Rotte (die damals zu ihrem Großteil freilich problemlos mitgemordet hätte), sich Gratis-Empörung und moralische Unangreifbarkeit erpressen will, indem sie die Opfer des Nationalsozialismus für ihre niederträchtigen, falschen (und natürlich vor allem: anti-stalinistischen, anarchistischen) Interessen instrumentalisiert und mit den abgedroschensten Aufrufs-Sentenzen wie der daherkommen, nicht etwa die Gesellschaft, sondern die guten alten „Menschen“ seien dahingehend zu verändern, dass „ihr Denken und Handeln so einzurichten“ wäre, „dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe” – auch noch als von Hitler aufgezwungener neuer „kategorischer Imperativ“ (Adorno, Negative Dialektik, Ffm. 1966, S. 365) –, wo doch gerade diese elende Praxis ohnmächtiger, demonstrierender, an akuter lebenslanger Empöritis leidender Ich-loser Massenmedienaufmerksamkeits-Parasiten eben an der Errichtung der gegenteiligen gesellschaftlichen Grundlagen mitarbeitet, indem sie den immer noch latent faschistischen deutschen Mob mit ihren Demo-Parölchen in eben jenen Strukturen belassen, welche die Formierung zur aktiven Pogrom-Bande schon impliziert (was man z.B. anhand der diversen linken Ressentiments und Mord-Wünsche gegen im großen und ganzen völlig unschuldige und in Wahrheit nunmal eine für alle unverzichtbare Drecksarbeit zu wenigstens einem Rest von Zivilisationswahrung übernehmende, ständig für einen Grottenlohn ihr Leben riskierende, proletarische Staatsbeamtete aka. „Bullen“ (gern auch von allerlei angeblich achso marxistischen Sozialforschern und sonstigem Kritiker-Gesocks – also jenen Polizistenfeinden, die ein dermaßen geringes Abstraktionsvermögen besitzen, dass sie etwas wie eine Staatsmacht erst dann wahrnehmen, wenn sie in Form eines polizeilichen Knüppels vor ihren Hohlbirnen auftaucht – als „Staatsgewalt“ dämonisiert, wo doch jeder Fünftklässler schon weiß, dass in bürgerlichen Gesellschaften eine grundsätzliche Gewaltenteilung herrscht, in der die Polizei eben nur ein notwendiges und das mit Abstand harmloseste Glied ist) ersehen kann, die zur Zeit in Hamburg mit einigem medialen Klobürstenrevoltenberichterstattungsrotz ihre Kreise ziehen, mit freundlichster Unterstützung der alteingesessenen hansestädtischen Intellekt-Partisanen vom menschewistischen Pfuscher-Blatt „konkret“).

antifa_auschwitz_gedenken2014

Dieses Banner ist der adäquate Ausdruck deutscher („antifaschistischer“) Erinnerungspolitik im Jahre 2014: Man reklamiert im traditionell kolonialistischen Wahn das Gedenken an tote Juden für sich, während hingegen natürlich der einzige Schutz der noch lebenden Juden vor den deutschen Vernichtungsgelüsten, der israelische Staat, gleichzeitig abgelehnt, wo nicht gar bekämpft wird. War das deutsche Kollektiv als mordendes Volk noch nicht schlimm genug, so rehabilitiert es sich nun im Nachhinein einfach selbst – wie immer mit linker Schützenhilfe.

In der vernünftigen Haltung dessen, der dem „Ach, lass doch die armen dummen Kinder mal machen“– Zynismus eine konsequente Absage erteilt hat, ist also jenen anarchistisch-commünistischen Irren, die den Holocaust verharmlosen, indem sie meinen, man könne nach Auschwitz noch „den Opfern gedenken“, wo doch die Shoa gerade die Vernichtung auch der Möglichkeit des Gedenkens an einzelne Personen war, weil jede Individualität der Deportierten längst ausgelöscht und nur noch zu einer weiteren Kennziffer auf dem Riesenleichenberg degradiert wurde, und somit also auch denen, die mit traditioneller deutscher Gründlichkeit das jüdische BetroffenSEIN in Folge angewandter Geschichtsklitterung als verlogene BetroffenHEIT für SICH reklamieren und damit so tun, als wäre „das jüdische Schicksal“ von damals (das doch eben in Wahrheit der vernichtende und gesamtgesellschaftlich geplante, kalkulierte und durchgeführte Kulminationspunkt des deutschen Antisemitismus war) auch das deutsche von heute, hiermit nochmal mitzuteilen, dass IHR MÖCHTEGERN-OPFER NUR EIN EINZIGES RECHT HABT: NÄMLICH DAS, DIE FRESSE ZU HALTEN! Und zwar erst Recht, wenn ihre immer wieder geforderte Politik, nämlich die des antibolschewistischen Friedensgefasels, jegliche Möglichkeit von KZ-Befreiung (die ja ein zentrales Element des Stalinismus war) schon im Keim unmöglich gemacht hätte.

Die gesellschaftliche Gesamtverblödung bringt natürlich auch eine Verblödung der Verblödungsbekämpfung mit sich: Sich das himmlische Wolkenkukucksland wünschen, ohne je materialistische Kriterien gehabt zu haben, sich ein Land ohne Nazis ersehnen, ohne diese mit der Drohung durch Gulag und Kalaschnikow in Schach halten zu wollen, mit der „Solidarität“ mit Juden und ihren Befreiern kokettieren, ohne sich jemals die Hände schmutzig machen zu wollen – die Welt der Gesitteten und der Vernunft hat seit über 200 Jahren den Begriff der Politischen Romantik für solcherlei Bullshit. Es wäre jener wiederum sehr Recht, wenn sie in Bälde davon zu sprechen aufhören könnte, weil sich der Gegenstand dieses Begriffes erübrigt haben wird. Die Hoffnung darauf ist unberechtigt, also fast schon wieder selber romantisch; so muss die Bastion geschichtlicher Vernunft, der momentan unaufgeweckt vor sich hin dämmernde Weltkommunismus, seine Weise des Gedenkens fortführen und sich entsprechend zu bewaffnen wissen, in der weisen Voraussicht, dass man ihr bei der nächsten Welt-Schlacht weder helfen noch gedenken wird.

Kurze Zusammenfassung der obigen Sätze für Analphabeten: Leid der Ermordeten und Leistung der Sowjets für eigene Anarcho-Scheisse missbrauchen: nix gut. Klappe zu, nichtsnutziges Gelumpe!

Dieser Text ist eine stark gekürzte Version des Kapitels „Identifikation als Selbst-Entschuldung“ aus dem Buch „Weltgeist im Waffengang – Stalinistische Aufklärung Band I“, das voraussichtlich im Frühjahr 2093 im Meiner Verlag erscheinen wird.

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Geschmack versus Bildung

„Denn in der Kunst haben wir es mit keinem bloß angenehmen oder nützlichen Spielwerk, sondern mit der Befreiung des Geistes vom Gehalt und den Formen der Endlichkeit, mit der Präsenz und Versöhnung des Absoluten im Sinnlichen und Erscheinenden, mit einer Entfaltung der Wahrheit zu tun, die sich nicht als Naturgeschichte erschöpft, sondern in der Weltgeschichte offenbart, von der sie selbst die schönste Seite und den besten Lohn für die harte Arbeit im Wirklichen und die sauren Mühen der Erkenntnis ausmacht. Daher konnte unsere Betrachtung in keiner bloßen Kritik über Kunstwerke oder Anleitung, dergleichen zu produzieren, bestehen, sondern hatte kein anderes Ziel, als den Grundbegriff des Schönen und der Kunst durch alle Stadien hindurch, die er in seiner Realisation durchläuft, zu verfolgen und durch das Denken faßbar zu machen und zu bewähren.“ (Hegel, Ästhetik III)

Über Geschmack mag sich streiten, wer will. Idioten sind sie allesamt, wenn sie sich der somatischen Barbarei des bloß sinnlichen Schmeckens hingeben, dessen Maßstäbe lediglich der tagesaktuelle Abhub des Scheins herrschender Verhältnisse, also ein den Nützlichkeiten der herrschenden Klasse verpflichteter Gottesdienst ist. Im Geschmack kommt die reine Ideologie zu sich, wissenschaftlich dargelegt muss nichts mehr werden, da sich über ihn ja sowieso „nicht streiten“ lasse. Wer jedoch Kriterien hat, hat keinen Geschmack, sondern ein gebildetes Urteil, das rational und ästhetisch begründbar, belegbar und wissenschaftlich belastbar ist (ob man das dann auch tut, ist eine andere Frage – ich z.B. pfeife drauf in einer Welt des totalen Geschmacks). Unter den Gebildeten kann es also zu Urteilsverschiedenheiten kommen, nicht zu solchen des Geschmacks. Über gebildete, begründete, wissenschaftliche Urteile hingegen LÄSST sich streiten, auch wenn die falschen unter ihnen natürlich lediglich aus einem Mangel an ästhetischer Bildung hervorgerufen sind, und nicht aufgrund illusorischer „individueller Blickwinkel“ oder ähnlichem Pluralistenkäse. Beurteilungsverschiedenheiten über Leonardo, Lukian, Goethe, Beethoven, Shakespeare, Hitchcock, Groening und Luttinen sind solche zwischen Hirninhabern und Hirnnichtinhabern, und erst recht keine Frage von Geschmäckern. (mehr…)

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Zur Frankfurter Buchmesse 2011

Sieben bolschewistische Vorschläge zur Verbesserung der Literatur

„Ein Buch schreiben, das ist Mord.“ (Alfred Andersch)

„Lest die Prawda!“ (Josef Stalin)

1. -‎“Sie lesen gerne Bücher? Diese Woche GRATIS in Ihrer ZEIT: Ein 88 Seiten starkes Literaturmagazin mit den wichtigsten Neuvorstellungen im Herbst“, wirbt die ausgerechnet 88 Seiten dicke Literatur-SS von der drolligen altliberalen Senilenzeitung „Die Zeit“ im Faselbook.

Nein, niemand, der noch bei Trost ist, liest gerne Bücher. Lesen ist, wenn man es denn mit Ernst betreibt, eine notwendige, anstrengende Arbeit für alle Behirnten auf diesem Planeten, weil nur noch im Text Wahrheit zu finden ist, wenn im Alltags-Geblöke der Zwang zum Falschen und zur Lüge herrscht. Und ob der Text dabei in einer Zeitung, auf Plakaten, Papyrusrollen, iPads, in Holz geritzt, selbstausgedruckt und zusammengetackert, im Internet oder auf Klopapierrollen steht, ist völlig schnurz. Mit dieser großbourgeois-verblödenden Lesesessel- und Teestövchen-“Gutes Buch“-Romantik muss schonmal als allererstes Schluß sein, wenn man einen Begriff von Literatur bewahren will, der dem Geist nicht hohnspottet.

2. Das Sein bestimmt, ja – um hier endlich einmal diesen doof vereinfachten Marx-Satz dialektisch zu korrigieren – ERZEUGT vielmehr das Bewusstsein, es geht diesem voraus, prägt und formt es, worauf dieses wiederum selbst auf das Sein zurückwirken, es also durchaus, rückwirkend, auch „bestimmen“ kann. Ein richtiger Schriftsteller muss also, vor allem anderen, ein RICHTIGES SEIN haben. Ein RICHTIGES SEIN ist das GEGENTEIL von einem sogenannten GUTEN LEBEN®, denn ein gutes Leben ergibt nur schlecht abgehangenen kleinbürgerlichen Stumpfsinn in den Literaten-Denkröhren, ein richtiges Sein hingegen ergibt richtiges Bewusstsein, richtiges Bewusstsein ergibt richtige Literatur, richtige Literatur ergibt richtige Politik und richtige Politik ergibt irgendwann mal Kommunismus. Das ist gut, das hat man also zu wollen.

3. Wer das nicht will, darf seine Bücher weiterhin bei Matthes & Seitz, Hanser, Rogner & Bernhard, Hippiekack & Rummelpups und wie all diese Blödianverlage für feinziseliert-verkultürlichte Vollhornochsen heissen, drucken lassen, damit sie auch nur ja nicht gelesen werden, und wenn, dann nur von kompletten Vollidioten ihres ekelhaften Menschensschlags, bevorzugt solcher, die sich in neo-esoterisch-antisemitischen Dreckskaschemmen wie der Versand- und Ladenkette „Zweitausendeins“ ihre Mängelexemplare und noch viel zu überteuerten Ramsch-“Sachratgeber“ gegen George Bush, die USA im allgemeinen, die SED, Israel, DDR und überhaupt jedwede Vernunft, dafür aber pro-islamistisch, unterjubeln lassen, oder, auch kaum weniger schlimm, wie das leicht anstudierte Kundengesindel der Buchgroßlagerketten in Kategorien wie „Freche Frauen“, „Verschenken“, „Spannung“, „Unabhängige Verlage“oder „Erfahrungen“ stöbern.

4. Alle Bücher müssen, nach Einführung einer hoch angesetzten, progressiven Literatursteuer, so günstig wie möglich erhältlich sein, die Bibliotheksbestände werden um ein Vielfaches erweitert, neue Bibliotheken müssen eröffnet werden, auch das kleinste Dorf hat eine staatlich subventionierte Buchhandlung zu erhalten, alle Autoren aller Verlage bekommen ein Einheitsgehalt in Höhe des jeweiligen Brutto-Durchschnittseinkommens, wer von ihnen nach drei Jahren Autorentätigkeit kein Werk oder vielversprechende Ansätze zu einem solchen vorzuweisen hat, bekommt die Autorenlizenz entzogen und wird zu gemeinnütziger Arbeit in Stadtarchiven, Bibliotheken, Redaktionen etc. verpflichtet; alle Verleger werden enteignet und in Kohlebergwerke geschickt (die deutsche Verlagslandschaft mahnt: „Alle Atomkraftwerke abschalten, zurück zur Kohle!“), alle Verlage, die noch was taugen, werden verstaatlicht, der Rest verboten.

5. Martin Walser, Hans-Magnus Enzensberger, Daniel Kehlmann, Uwe Tellkamp und Günter Grass werden zum Wohle und zur Rehabilitation der internationalen Literatur umgehend erschossen.

6. Man kann heute als Autor schreiben, was man will, den Leser kümmerts null, der zieht weiterhin seinen Schwachsinn durch, ganz ungetrübt von allem Geschriebenen.
Es gibt keine Leser mehr, keine Lektoren, keine Literaturwissenschaftler, die ihren Namen verdienten. Es bleibt einem heute – als Autor, als Denkender also mithin – nur noch übrig, Zeugnis abzulegen vor sich und dem Weltgeist, also der Zukunft. Die Mitwelt ist zur schalen Ansammlung von “Rezipienten”, allenfalls mindestens genauso üblen Rezensenten, heruntergekommen; und wer nicht schreiben kann, der kann auch nicht lesen, daher all das Service-, Konsumentenberatungs- und Dienstleistungselend auf dem Buchmarkt. Ein nicht lesen könnendes Publikum braucht aber niemand, daher soll bitte auch der Markt wieder abgeschafft werden, so wie wir es ja in der DDR damals schon hervorragend umgesetzt hatten.

7. Die Abschaffung des Publikums durch Aufspaltung desselben in einzelne Szenen, Subkulturen und Genrefanclubs hatte die Abschaffung und Fragmentierung allgemeiner Öffentlichkeit zur Folge. Die postöffentliche Literatur ist keine mehr, kein Buch ist mehr gültig (von Klassik ganz zu schweigen), alle Texte nur noch ephemerer Krähwinkeldreck und überhaupt hat der gesamte Literaturbetrieb sowie das Festhalten an der Alphabetisierung heutzutage nur noch den Zweck, möglichst lückenlosen Antikommunismus unter Intellektuellen, Studenten, Wissenschaftlern, Romanschmökerern und anderen Opfern der Kulturproduktionsmonopole zu verbreiten. Die abermalige Diktatur des Proletariats wird natürlich auch diese Mißstände zu überwinden wissen. Es dürfte also klar sein, was zu tun ist.

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Der Autor heute II: Harlan Ellison zur ökonomischen Stellung des Autors

Harlan Ellison, einer der letzten (meinetwegen auch ersten, je nach Tageslaune) vernünftigen Menschen auf Erden, den hierzulande, wo senile, rechtsradikale Scheiße nuschelnde Ohrensessel-Lesedreck- und Einschlafhilfen-Hersteller wie Martin Walser und Günter Grass allen Ernstes als Autoren gelten, natürlich wieder mal keine Sau kennt, der aber in der gesitteten stalinistischen Gesellschaft (also meiner) nicht mehr vorgestellt werden muss, äußert sich – wahr, schön und präzise wie je – zur trostlosen Stellung des Autors (den er übrigens explizit vom „creative typing“-Amateur abgrenzt) im kapitalistischen Produktionsprozess:

Was Ellison hier während seiner knapp dreieinhalbminütigen Lehrstunde im Interviewgeben (und wie in nahezu allen anderen, sehr sehenswerten, grandiosen Beiträgen auf Youtube sowie natürlich in seinen Werken) an Wahrheit triggert, dürfte den anarchistischen Autorenrechte-Abschaffern („Copyleft“), also Literatur-Liquidierern natürlich ein großer Dorn im bescheidenen Hirne sein, an dem sie hoffentlich irgendwann mal endgültig verrecken werden, denn:

„Writing is the hardest work in the world. I have been a bricklayer and a truck driver, and I tell you – as if you haven‘t been told a million times already – that writing is harder. Lonelier. And nobler and more enriching.“ (Harlan Ellison)

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Warum Guttenberg bleiben kann, wo der Pfeffer wächst (also: in der Bundesregierung)

Offener Brief an den deutschen Pöbel

„Ich kenne mich sehr wenig aus mit diesen akademischen Usancen, denn ich habe ja noch nicht mal Abitur. Das Einzige, was ich sagen kann: Ich habe häufig abgeschrieben. Sonst wäre ich ja auch nicht bis zur mittleren Reife gekommen!”
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis

Die schale, ankotzende Pointe der ganzen Debatte um die volksmobkompatible Adels-Canaille Guttenberg ist der darin zum Vorschein kommende Doktortitel-Fetischismus, welcher – wie eh und je – jeden Zusammenhang von subjektiven Fähigkeiten und des als deren Objektivierung geltenden Titels leugnet: als gäbe es heute überhaupt einen wesentlichen Unterschied zwischen einem komplett abgeschriebenen Text und einer korrekt zitierten, genauso hirnlosen, in jahrelanger stumpf-debiler Quellen- und Zitate-Sammelei zusammengeklaubten, also akademisch „korrekten“ Arbeit. ES GIBT KEINEN SOLCHEN UNTERSCHIED – Doktortitel bekommen Leute, die sich der bürgerlichen Gesellschaft voll und ganz unterwerfen, sich den herrschenden Regeln verschreiben und also ihren Konformismus (als eine Art universeller, blinder „Loyalität“) beweisen, i.e.: das Gegenteil von selbständiger Wissenschaft betreiben. Überhaupt ist die vielgerühmte „Kompetenz“ oder die ebenso oft angeführte „Doktorwürde“ bloß das Produkt von durch Schleimerei erkauftem Ansehen, nichts weiter. In einer Gesellschaft, in der Wissenschaft allgemein durch „WissenschaftlichKEIT“, also den Anschein von geistiger Anstrengung, der Karikatur von wissenschaftlichem Tun ersetzt wurde, ist jede diesbezügliche Diskussion nur noch ein Hohn auf die wenigen übrig gebliebenen Behirnten. Es gibt keinen Qualitätssprung durch Titel. Titel sind bloße Schlüssel für Türen, die man dem Großteil des Pöbels verschlossen hält; dafür sind die langwierigen Dissertations- und Habilitationsphasen institutionalisiert: um Selektion zu betreiben, Selektion im Sinne der herrschenden Eliten, Selektion darüber, wer dieser Gesellschaft nützlich ist und wer nicht. Guttenberg hat seine Nützlichkeit schon lange zur Genüge bewiesen, kann also voll und ganz auf einen solchen Titel pfeifen – was er ja nun auch konsequenterweise tut.
 
Walter Benjamin, der noch von jenem altmodischen Schlage war, einen zumindest im Ansatz Hegel’schen Begriff von Wissenschaft verwirklichen zu wollen, durfte sich in der Weimarer Republik damals nicht habilitieren, weil seine eingereichte Habilitationsschrift über den „Ursprung des deutschen Trauerspiels“ zu viele eigenständige Gedanken, zuviel Theorie, zu wenig „zitierten“, also abgeschriebenen Blödsinn enthielt, zu „unorthodox“ war (heute hingegen parasitieren ganze Doktorandenstämme vom Inhalt allein dieser Schrift); bei Dissertationsverfahren ist sogar noch von einer weit nachdrücklicheren Verbrämung des Denkens auszugehen. Das sollte eigentlich alles über Titel und die sogenannte „Doktorwürde“ sagen: Sie ist die Würde der ideenlosen Idioten. Nirgendwo soviel wirres Geschwätz, soviel geistige Leere, so große Hirn-Ödnis und Denkfeindschaft wie beim Studententum und speziell den Doktoranwärtern in ihrer staatlichen Kampfbastion gegen den autonomen Geist, der Universität. Aber was soll mans ihnen vorwerfen, sie studieren nunmal, weil sie sonst nichts können; und natürlich kann auch ein Guttendepp nichts – er wäre sonst wohl kaum deutscher Minister.

Folglich ist er ganz zurecht immer noch da, wo er jetzt ist. Jeder Kommunist sollte begrüßen, dass die deutsche Bourgeoisie so offen zu ihren Verbrechen steht; es gibt keinen „besseren, glaubwürdigeren Verteidigungsminister“, weil es in bürgerlichen Staaten keine guten Minister geben KANN. Sie setzen die Interessen des Kapitals durch, und das tun sie gut, wie sie es tun – ob mit oder ohne Titeln. (Schrecklicher Verdacht: Sind Politiker etwa Lügner und Betrüger? Und werden sie etwa gerade deshalb vom Pöbel verehrt?) Einen Rücktritt zu fordern wäre also, wenn nicht bodenlose Dummheit, so doch pure Heuchelei, weil diese Forderung implizierte, dass durch den Rücktritt irgendeiner gut passenden Charaktermaske und dessen Austausch durch eine schlechter passende irgend etwas besser, gerechter, oder, ach herrje, „glaubwürdiger“ werden könnte.

Guttenberg zu verteidigen, seinen Verbleib in der Bundesregierung zu unterstützen, sollte also im Interesse eines jeden liegen, dem am Schaden der BRD und seiner Titel- und Würdenträger gelegen ist.

ordnungmusssein

Trotzdem wird momentan von allen möglichen (auch linken) Moral-Instrumentalisten Guttenbergs Rücktritt gefordert: Ordnung muss sein! – da sind sich Links- und Rechtsdeutschland, Bloggertum und SPD, Jutta Ditfurth und Arnulf Baring (letzte Woche gemeinsam bei Maischberger sitzend) einig; beiden ist es eine Herzensangelegenheit, die bürgerlich-akademische Ehre zu retten, weswegen der Freiherr doch bitte als Minister zurücktreten und irgendeinen Ex-CDU-Kassenwart den Rommel machen lassen möge, um dann drei Jahre später unbelastet und mit umso mehr „Glaubwürdigkeit“ CSU-Vorsitzender und daraufhin Bundeskanzler werden zu können. Na Prost.

prostguttenberg1
Schwerter zu Zapfhähnen: Pöbel, Guttenberg, Bierkrug

Eigenständigkeitserklärung:
Hiermit erkläre und versichere ich abstruserweise, dass ich den gesamten obigen Text vollkommen eigenständig und ohne Hilfe von Mami und Papi, mit korrekter Zitation und innerhalb von fünfzehn Minuten im volltrunkenen Zustand zusammengeschustert habe.

Mein Ehrenwort: Prof. Dr. Dr. Dr. Lyzis von und zu Welt

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1378: „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“ wird plötzlich computerspielkritisch

Die Phase der Auseinandersetzung der beiden politischen Weltblöcke, also der sozialistischen, friedensfördernden Staaten des Warschauer Vertrages („Ostblock“) auf der einen und des westlichen Imperialismus („NATO“) auf der anderen Seite war, wie eigentlich jedes Kind wissen müsste, keine friedliche Zeit – nicht umsonst nannte man sie „Kalter Krieg“. Es handelte sich also in der Zeit zwischen 1945 und 1990 um einen kriegerischen Zustand zwischen den Staaten mit erfolgreicher Revolution und denen der bürgerlichen Konterrevolution bzw. des Faschismus. Dieser kriegerische Zustand wurde hervorgerufen vom Gros des deutschen Volkes, das sich 1933 aus weltherrscherischen Ambitionen dazu entschied, einen gewissen, bis dato hauptsächlich durch deutschnationale Welt-Unterjochungs-Phantasien, engagiertestem Rassismus und Kampfschriften für die endgültige Durchsetzung eines bis dahin unbekannten Vernichtungs-Antisemitismus in der Öffentlichkeit hervorgetretenen Adolf Hitler zu ihrem Führer zu wählen. Nachdem dieser demokratisch gewählte deutsche Volksheld dann 12 Jahre Demokratie ausgeübt, also sein Volk dazu aufgemuntert hatte, das europäische Judentum nahezu restlos zu vernichten, alle noch nicht durch die vormals in der Weimarer Republik herrschende SPD ermordeten Kommunisten umzubringen, nahezu das gesamte Europa anzugreifen, zu besetzen, zu faschisieren und Deutschland „anzugliedern“, sowie nebenbei mal eben den 2. Weltkrieg vom Zaun zu brechen, entschlossen sich die langjährigen Opfer, die, in historischer Gestalt der Sowjetunion (sowie Israels), glücklicherweise diesen Krieg noch für sich entscheiden konnten, dieser Gefahr einer globalen Faschisten-Barbarei endgültig einen Riegel vorzuschieben, was dazu führte, dass der geschickte Kommunist Walter Ulbricht eine Grenzsicherung („Berliner Mauer“) installierte, die jene Gefahr so gut als möglich zu bannen in der Lage war.

Soweit die von niemandem ernsthaft bestreitbaren geschichtlichen Fakten.

Nun mögen die braven und traditionsbewussten Deutschen, also die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung dieses postfaschistischen Scheißstaats, eben einmal keine Opfer, da diese sie an ihre Dummheit, ihre Autoritäsfixierung, ihre Führersehnsucht, ihren Fremdenhass, ihre Kriegstreiberei, ihre Mordbrennerei und ihre restliche nationalistische Geschichte erinnern, welche eine Geschichte von rechtem Klassenkampf und Pogromen ist. Deshalb äußern die Deutschen sich heute vornehmlich „israelkritisch“ und DDR-, bzw. kommunistenfeindlich – sie wissen eben, wer ihr Feind ist: die von ihnen über Jahrzehnte hinweg Verfolgten.

Eine der in diesem flachen braunen Gewässer der Geschichtsklitterei neben der Nazitäter-Rehabilitierungsorganisation namens „Bund der Vertriebenen“ aktivsten „gemeinnützigen“ Verbände, die „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“, also die notorisch geschichtsvergessene bzw. -leugnende Zusammenrottung aus Altnazis, CDU-Opportunisten, Großkapitalisten, Menschewisten, Radikalkatholiken und sonstigen Faschisten und Arbeiterfeinden meldet sich nun mal wieder zu Wort: Es handele sich um einen Skandal; straight hirnlos to the max gehen sie hin und entdecken auf einmal, Breaking News: GEWALT IN COMPUTERSPIELEN! Das Spiel „1378“ stelle eine Verhöhnung irgendwelcher Opfer des Stalinismus (also der sozialistischen Politik der DDR) dar.

Na sowas.

Seit Jahrzehnten kann der geneigte Freund von geistloser, konzentrations- und feinmotorikfördernder, stress- und aggressionen-abbauender, entspannender, erbauender und seelenheilender virtueller Gewalt auf dem Bildschirm – wie z.B. schon bei so uralten Spielen wie des hauptsächlich in Russland und Kuba handelnden „Goldeneye 007″ – beispielsweise in die Rolle des britischen Geheimagenten, also: Söldners James Bond schlüpfen, wo es dann gilt, gegen sowjetische Soldaten, aber auch Zivilisten, also ebenfalls Angehörige von Opfergruppen, in die großzügigst realistisch inszenierte und animierte First-Person-Computerschlacht zu ziehen. („Wolfenstein 3D“, wo man gegen auch als solche eindeutig gekennzeichnete Nazi-Soldaten sowie Hitler persönlich kämpft, hat man hierzulande wohlweislich direkt mal indiziert und beschlagnahmt. Day of Defeat, ein Ego-Shooter, in der man als Nazi gegen Alliierte kämpfen kann, wurde hingegen nicht verboten.)

Bisher interessierte das alles ausser erzdeutschen „Jugendschützern“, dem rechtsradikalen Flügel der CSU und ihrer lächerlichen „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ keine Sau; nun aber, wo eben mal nicht in Vietnam, Irak, Afghanistan, Frankreich, Italien oder Russland im Interesse Deutschlands virtuell marodiert und getötet werden darf, melden sich die Antikommunisten zu Wort, und die „deutsche Öffentlichkeit“, die sich in drei Nachrichtenagenturen und ihrem arschkriecherischen volksverblödenden Medienprekariatstrottel-Anhang in Nachrichtenredaktionen erschöpft, schreit Zeter und Mordio.

1378screenshot
Screenshot aus dem Spiel „1378″. Quelle: dapd

Man kennt diese Heuchelei und Doppelmoral schon aus anderem Zusammenhang: Nicht etwa die real Angriffskriege bestreitende deutsche Bundeswehr, die burschenschaftlich organisierten Jugendverbände bürgerlicher Parteien, Schützenvereine, Kirchengemeinden, Sportvereine, Kindergärten und Schulen seien „jugendgefährdend“ (was immer das auch heißen mag), sondern Ballerspiele (oder, vor 200 Jahren, lange deutsche Tradition: Goethes „Werther“). Und nun soll also auch das virtuelle Abballern von Mitgliedern des deutschen Volksmobs plötzlich eine Gefahr für die Jugend, unmoralisch und vor allem „opferverhöhnend“ sein.

Opfer, das sind für jene deutschen Volldeppen, die sich da geschichtsrevisionistisch wie eh und je „Vereinigung der Opfer des Stalinismus“ schimpfen, in erster Linie die legitimen deutschnationalen Täter-Erben und Angehörige suizidaler Knalltüten, die ihre Selbstmordsehnsüchte an Selbstschussanlagen des antifaschistischen Schutzwalls der DDR auszuleben pflegten und zu doof dazu waren, einen Ausreiseantrag auszufüllen.

Sekundiert werden sie laut „dapd“-Meldung dabei vom derzeit übelsten Stamm deutscher Ideologen, nämlich irgendwelchen – namentlich natürlich nicht genannten – rechtschaffenden „Historikern“, also hauptberuflichen Geschichtsfälschern und – selbstverständlich – der „Bildzeitung“, die schon im September gegen das Spiel aufhetzte, weshalb seine Veröffentlichung, die ursprünglich für den 3. Oktober, pünktlich zum Festtag der Wiederherstellung der deutschen Reichseinheit geplant war, auf vorgestern verschoben wurde. Vereint verlangen diese Hüter deutschnational-bourgeoiser Moral in ihrem Anti-DDR-Wahn letztlich die Zensur, das Verbot, zumindest die offizielle Delegitimierung eines von vielen hundert Kriegsspielen, das aber längst nicht so brutal wie die meisten anderen dieser Art ist.

Wer eins und eins zusammenzählen kann, sieht sofort, welche historische Konstellation in dieser zensurbedürftigen Empörungswelle seine Wirkungsmacht durchsetzen möchte. Derzeit prüfe die Staatsanwaltschaft Karlsruhe, ob das Spiel „gewaltverherrlichend“ sei. Man kann nur hoffen, dass diese antikommunistische Scheißbande dabei ordentlich auf die Fresse fliegt – realistisch ist aber natürlich ein der Geschichtsschreibung der herrschenden Klasse Deutschlands gemäßes Urteil.

Achtung, liebe Kinder, Gewalt! (Erst ab 12!)

„Expertenstimmen“ zum Spiel:

„Entweder verhaften Sie den möglichen Flüchtling, nehmen Kontakt mit ihm auf, wechseln die Seite und versuchen gemeinsam zu flüchten oder Sie wählen die drastische Art: Sie erschießen den Flüchtling. Dafür werden Sie später allerdings im sogenannten „Mauerschützenprozess“ verurteilt.“ (Chip Online)

„Das Spiel vermittle zudem die Moral, dass Grenzsoldaten, die zu oft schießen, nicht gewinnen können.“ (Focus.de)

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