Tag-Archiv für 'blogger'

Bürgerliche AfD-Kritik

Wenige Tage vor der Bundestagswahl geraten die naiven Vorzeige-Demokraten und Marktwirtschafts -Romantiker Deutschlands, die sich so gemütlich in den bürgerlichen Medien und deren Internet-Minizweigstellen eingenistet haben, mal wieder pflichtgemäß in Aufregung: Von völliger intellektueller Zerrüttung zeugende Rechenspiele werden angestellt (Niggemeier), eine Satirepartei als Helfershelfer der AfD ausgemacht (Martin Kaul/taz, ebenfalls Niggemeier), der deutsche Postfaschismus verharmlost (Böhmermann), Nichtwähler als 5. Kolonne des Faschismus gebrandmarkt (alle anderen) und allgemein so getan, als hätte es in den etablierten Parteien in den letzten Jahren nie Faschisten gegeben – Martin Hohmann, Jürgen Möllemann, Thilo Sarrazin und dutzende andere geflissentlich ignorierend.

Das Problem soll laut der nun wieder an jeder Ecke mahnenden AfD-Kritiker plötztlich nicht mehr sein, dass ca. 10% der Deutschen veritable Neonazis in den Bundestag wählen, sondern eine Partei, die dem sonst doch so hoch gefeierten demokratischen Wählerwillen lediglich Ausdruck verleiht und bloßes Symptom einer durch und durch rassistischen und sich in ihrer strukturellen Vollverblödung gefallenden Gesellschaft, ihrer Medien-“Eliten“, ihres bürgerlichen Staates und seiner kapitalistischen Wirtschaft ist, in der doch Faschismus, global betrachtet, bisher eher die Regel als die Ausnahme war. Mittendrin die bürgerlichen Linken, die sich bisher im Schönlügen des deutschen Normalbürgers und in Geraune gegen Rechtsradikale hervorgetan haben, ohne darauf zu kommen, das beide miteinander zu tun haben könnte.

Es ist die parlamentarische Demokratie westlichen Zuschnitts, die ansonsten als höchstes Gut und Hort der gelungenen Aufklärung hochgehalten wird, die das Faschistenpack hervorbringt, ja geradezu zielgerichtet produziert – und es ist das Grundgesetz der BRD, das die entsprechenden Parteien erlaubt. Deshalb mögen all die engagierten Demokraten doch bitte mal ihr Maul halten, wenn sich nun die braune Fratze aus dem Sumpf der bourgeoisen Klassenherrschaft hervortut, sie aber seit Jahren „den Wähler“ als solchen nicht antasten mögen, weil er für sie das edle, unschuldige Wesen, das es zu respektieren, höchstens zu domestizieren gelte, bleiben soll, so wie die Kapitalknechte in den Medien prinzipiell weder das deutsche Volk beleidigen und somit in seinem Irrsinn stören wollen, da es ihnen schließlich als fruchtbarer Boden für ihren rund um die Uhr abgesonderten ideologischen Sperrmüll dient, noch die Verfasstheit des bundesrepublikanischen Staats für kritikwürdig erachten, auf den sie sich jederzeit treu berufen, solange er ihnen und ihren niederträchtigen Interessen zu Diensten ist.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich in deutschen Journalistenkreisen jene einfache Erkenntnis rumspricht, sie seit der Brecht’schen Sentenz vom fruchtbaren Schoß für jeden denkenden Menschen selbstverständlich sein sollte: Man kann nicht gleichzeitig Verteidiger der bürgerlichen Demokratie und Faschistenbekämpfer sein.

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Piraterie am Parnassos: Bartels, der Abschreiber

Am 28.03.2015 hat der kritische Theoretiker und Blogger Felix Bartels im Kulturteil der Tageszeitung „Neues Deutschland“ einen Artikel zur Autorschaft in Zeiten des Internets veröffentlicht, den ich als in weiten Teilen von meinem fünf Jahre alten Text „Der Autor heute“ übernommen, also abgeschrieben einstufen muss. Bartels, der seit geraumer Zeit nachweislich Leser (und Kommentierender) meiner Webseite ist, übernimmt nicht nur haargenau das spezifische Thema (traditioneller Autor versus Web-Existenz), sondern auch nahezu jeden einzelnen Abschnitt meines Textes. Er hat diesen lediglich schlechter formuliert und verkürzt, also in ein plattes Feuilletonisten-Deutsch übersetzt, sowie um den Marxismus meines Originals erleichtert. Dem Textsinn nach handelt es sich um ein Plagiat, und zwar bis hinein in die Textstruktur, den inhaltlichen Aufbau und den Schluss, zu dem ich gekommen bin.

Ich gebe dafür im folgenden ein paar offensichtliche Beispiel-Passagen aus unseren beiden Artikeln:

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Referenzen reloaded

Auch weiterhin Programm: Stalinismus ohne Augenzwinkern

Ist dieser Lyzis wirklich so schlimm und grauenvoll? Ja, ist er – da ist sich das Volk einig. Es hat zwar nichts von ihm gelesen, geschweige denn begriffen, aber das Urteil ist eindeutig: schuldig, egal in welcher Anklage.
Er wird auch weiterhin alles dafür tun, diesem Urteil gerecht zu werden. (mehr…)

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Blogger Ofenschlot – Dumm wie Brot

Der brave Blogger Ofenschlot: Alle zwei Tage ein neuer, ernster, engagierter „Beitrag“ aka. Blogpost, der zum bestehenden Denk- und Sprachmüllberg seinen Teil hinzuschüttet, immer wieder ein weiterer Untext des Grauens, zu 90% eh bloßes kontingentes Zitat, der Rest umso kontigentere, umso falschere Szene- und Kulturarbeiter-Banalitäten, die sowieso schon zigmal woanders (und besser) gesagt wurden, es will einfach nicht aufhören. Berichterstatterischer Dreck, den man in jedem Tageszeitungsfeuilletonkommentar hundert mal die Woche überall lesen kann, aber hier natürlich mit dem heissen Scheisstheoretikerkauderwelschgepimmel aus der Unibibliothek nebenan garniert; damit natürlich immer die möglichst größte Menge an Minderheitenmainstream-Parasiten anlockend mit seiner relativistischen Beobachtungs- und Investigativ-Journalistenschweinerei. Dem Journalismus setzt er ein Ehrenmal, indem er ihn noch in die Unweihen eines Blogs runterhebt mit seinem journalösen Bloggeblöke.

Man kennt das alles aus linker Journaille und Universität: Ein Theoretiker, der in seinem ganzen Leben zwei oder drei Gedanken hatte, beschäftigt an den Hochschulen ganze Institute, ganze Forscherherden über Jahrzehnte hinweg (vgl.: die Einspeisung Walter Benjamins in den Betrieb): Schafft Arbeitsplätze, werdet Denker! Bei diesem Ausschlachtungs-Pandämonium will Ofenschlot natürlich nicht aussen stehen – und empfiehlt sich in seinem Scheitern den anderen Gescheiterten, die ihr Scheitern zum Erfolg umzulügen im Stande sind, weil man es ihnen gestattet, weil sie nämlich mit ihrer kritischen Dummheit nicht nur den Betrieb nicht weiter stören, sondern sogar dessen Funktionieren weiter garantieren. Es klappt hervorragend, die Leser kommen in Scharen, um sich ihre commünistischen Ressentiments bestätigen zu lassen, Gratulation.

„Eigene Thesen“ natürlich auch mal hier und da beigemengt, zu Weihnachten und Ostern wird halt auch bei Ofenschlots mal der Hirnofen angeschmissen, aber gerade in der Degradierung des eh schwächlichen eigenen Hirnprodukts zu bloßen „Thesen“ kommt dabei eben das Gegenteil von Theorie, von Forschung, letztlich: keine eigene Leistung, bloße Denk-Asche bei herum. Aber Leistung, so reden sich diese Idioten ja andauernd raus (und ein), gilt ja eh nicht, ist altbacken, „überholt“, „unkritisch“, geniegläuberisch, bürgerlich, faschistoid, wie alles andere, wozu sie nichts beizutragen haben, auch nichts herstellen können aus Unfähigkeit: Wert, Staat, Geld, Kapital, Macht. Deren Wert-, Staat-, Geld-, Kapital- und Herrschaftslosigkeit will man als vernünftiger Mensch natürlich nicht erleben müssen, dann doch lieber die heutige Scheisse. – Es gibt eine Fortschrittlichkeit des bürgerlichen Ressentiments, welche jene angebliche dieser „revolutionären Linken“ bei weitem übertrifft.

Ebenso „Fundstücke“ und „aufgegebene Projekte“, als sei nicht schon sein ganzes Leben ein aufgegebenes Projekt; noch das Selbstverständlichste mit Erklärungskleister vollschmieren, so dass es jeder, also gar keiner mehr kapiert, das tausendfach erwähnte zum 1001. Male hinrotzen, diesmal aber im Gestus von „Heureka, welch edle neue Weisheit!“; alles schön seminarisch korrekt durchinterpretieren (also nachplappern), einfach mal Hegel oder Mao lesen ist nicht drin, es muss schon „Chotjewitz über Machiavelli aus der Perspektive Althussers gelesen“ sein; Bordiga durch eine Brille von Fielmann rückwärts und spiegelverkehrt unter LSD gelesen; Pannekoek mit Bernstein und Gramsci dekonstruiert und rätekommunistisch in den Arsch gefickt; Lenin widerlegt beim Kaffeeklatsch mit Christian Enzensberger; überhaupt alle schlechten linken deutschen Literaten versammeln; noch den Tod eines Menschen für die eigene Blogtagebuchscheisse verwursten; Prosa des Lebens #88; individualcommünistische Sklavenaufstände kommen sehen; zu jedem Dreck noch mehr Dreck labern; Müll zitieren, dass es nur so kracht; das ist Ofenschlot at its worst; – jedes Zitat ist der Sarg eines Gedankens, das, was nicht geklärt und begriffen werden konnte, wird einfach runterzitiert, der Geist gleich mit beerdigt, Zitatefälschen klappt auch immer besser von Jahr zu Jahr, fertig ist die Megascheisse. Ofenschlot, der Blog-Gremliza für die ganz Doofen, der Sportkommentator seines eigenen politischen Elends. Einer jener rechtstrotzkistisch-idealistischen Idioten, die meinen, sie könnten noch was ausrichten, wenn sie nur engagiert genug schreiben und zum globalen Narodnikismus aufrufen, statt nüchtern die Welt zu sehen, wie sie ist und die Wahrheit über sie gottverdammt nochmal einfach hinzuschreiben.

Wann ist der Ofen endlich aus? Gerade im Winter scheint geheizt werden zu müssen, es ist keine Vernunft in Sicht in jenen Kreisen.

Ich will meinem blanken Hass, den ich auf solche sich selbst zu „Figuren“ herunterkochenden Vollspaten wie Ofenschlot hege, gar nicht auf irgend eine Weise den Anstrich von Wissenschaftlichkeit oder Rationalität geben (wer weiss, was Wissenschaft seit je her ist, weiss natürlich auch, dass diese zur Hauptsache ohnehin von Hass angetrieben ist und aus Hass besteht, dem man nachträglich Rationalität hinzudichtet, aber darauf kommt es hier nicht an); hier bedarf es keiner argumentativen oder sonstiger vertrottelten Rechtfertigung – im Schneehagel hegelnd kegelt es sich gleich beheglicher –, die Barbarei ist so offenbar, dass ein kleiner Wink genügt.

Was soll der praktizierende Geist menschlicher Restvernunft gegen solche Luschen tun? Ernsthaft hingehen und den Denkdreck dort in seinem ganzen Umfang „auseinandernehmen“, wie einem hier und da von gutmütigen Idealisten empfohlen wird? Ihnen die Ehre zukommen lassen, sie ihren schwachsinnigen Spielregeln gemäß zu „kritisieren“? Womöglich in allen Einzelheiten jeden Satz seiner logischen Falschheit überführen, obwohl das schon bei so ziemlich allen anderen Unansprechbaren nichts als weitere Stupidität hervorgerufen hat? Es hilft nur noch konsequent rücksichtsloser, teuflischst praktizierter Hass, soviel hat man inzwischen gelernt, niemals mehr Idioten belehren, denn Hass macht klug, Kritik aber verblödet; man darf weder nach links noch nach rechts dabei schauen, die Liquidation ist erforderlich, aber sie will nicht Wirklichkeit werden. Jene menschliche Restvernunft hat – im Gegensatz zu früheren Epochen – keine Mittel mehr dazu in den Händen; weder welche der Zensur, noch welche des Militärs, des Politbüros oder schlicht des Standgerichts, um die Ofenschlots dieser Welt ein für alle mal zum Schweigen zu bringen. So kann sie nur noch hassen und hoffen, dass die Scheisse irgendwann in ihrer eigenen Scheisshaftigkeit ersäuft, wenn man noch ein wenig dabei nachhilft, die entsprechenden Canaillen tiefer in die Scheisse zu reiten.

Und worauf ich dabei meinen Hass richte, ist mir eigentlich auch relativ egal – heute muss eben ein Untergangssymptom wie Ofenschlot als Steigbügelhalter des produktiven, vernünftigen kommunistischen Hasses herhalten, morgen ist es irgend ein anderes armes hirnloses Schwein, das nichts zu sagen hat und deshalb auch sehr bald sang- und klanglos untergehen und verschwinden wird – es gibt dergleichen ja leider wie Sand am Meer. Wichtig ist dabei lediglich, dass der Zwang zu Lüge und Stumpfsinn, den diese Idioten mit ihrer überall ausgekotzten „kritischen Haltung“ verbreiten, delegitimiert und zum Schweigen gebracht wird, und seien die Mittel dazu noch so primitiv. Überhaupt ist Hass ja allgemein völlig unterschätzt als elaboriertes Erkenntnisinstrument; von den Adorniten z.B. wird präziser, zielgerichteter, aufklärender Hass ja immer noch verwechselt mit bloßer unreflektierter „Wut“.

Hassen aber muss, wer sich vom Mitleid fernhalten will. Ich möchte ablassen vom Mitleiden, das natürlich in Wahrheit ein Fürleiden ist, da es das objektiv vorhandene, aber vom entsprechenden Opfer nicht mehr erfahrbare Leid ausdrückt. Leidet ein Ofenschlot? Ich fürchte: nein.

Frohe Weihnachten.

Nachbemerkung für die Blogsport-Verwaltung: Im obigen Eintrag wird weder mit den Vorwürfen des Rassismus, des Antisemitismus, des Neoliberalismus, des Antiimperialismus, der Islamophobie, noch des Antikommunismus operiert. Überhaupt enthält er keine als „Argumente“ bekannten stumpfsinnigen Diskussionsborniertheiten, sondern äußert seine Wahrheit folgerichtig implizit. Der Text ist also nicht „politisch“ zu nehmen, sondern – wie immer, wenn irgendwo was wahres steht – einfach als Dichtung abzutun. (Und ja, eine Person muss sich weder rassistisch, antisemitisch, neoliberal, antiimperialistisch, islamophob, noch antikommunistisch äußern und kann dabei trotzdem EIN DEPP sein. Wer hätte das gedacht? Ihr natürlich nicht.)

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Referenzen

Anderleuts Kommentare über einen selbst aufzubereiten und zur Schau zu stellen, hat prinzipiell etwas von dieser Klappentext-Referenzen-Ekelhaftigkeit, die jeder vernünftige Mensch zurecht verachtet, weil sie bloße Reklame ist, aber so tut, als seien die für diese bezahlten Lobpreiser der eigenen Scheiße unabhängige Gütesiegel-Vergeber. Auf jedem zweiten Roman eines US-Schriftstellers prangt inzwischen schon auf dem Cover eine fette Empfehlung von Stephen King persönlich, die feststellt, wie genial und großartig der betreffende Autor sei; das wird natürlich schnell lächerlich, denn von Leuten, die prinzipiell alles super finden, will kein vernünftiger Mensch gelobt werden. Im Falle dieses Blogs jedoch ist es genau umgekehrt: Ich kenne und mag all diese Leute nicht, die sich in den letzten knapp zwei Jahren bemüßigt gefühlt haben, ihren stumpfen, irrelevanten Senf zu mir abzugeben – zudem soll die Sammlung der Kommentare von meinungsbesitzenden Idioten, Argumentierlehrlingen und Sittlichkeitsverpestern keine Empfehlung sein, sondern ein entzückendes Panorama der Zustände des gegenwärtigen deutschlinken Bewusstseins und der stupidesten Stämme von Bloginteressierten aller Klassen und Richtungen liefern. Wenn sie schon nichts kapieren, so nutzt man sie wenigstens zu Bespaßungszwecken.

Auch eine solche Anthologie des Hirnausflusses gelangweilter Gaffer und Geiferer hat natürlich die Anmutung einer stolzen Präsentation der Jagdtrophäen erfolgreichen „Getrolles“ – Trolle aber, gemeinsam mit den sogenannten Fakes die Juden des Internets, gibt es nicht. Hieß es früher noch „Kauft nicht beim Juden“, grunzen dieselben debilen Faschisten heute siebentausend mal pro Tag in sämtlichen Internetforen und Blogs die Phrase „Don‘t feed the troll“; die Funktion ist in beiden Fällen dieselbe: das Nichtpassende, Inkommensurable, Unbegriffene, Heimatlose, Nomadische, Unauthentische (nichts anderes heisst „Fake“), Künstliche, Wurzellose, Volksferne, Undeutsche soll qua Verniedlichung oder direkter Vernichtung als abgeschmackt, albern, überflüssig entwertet werden. Trolle und Fakes (vgl. auch sogenannte „Offtopic“-Beiträge, wobei immer ausgerechnet jene Kretins, die der „Themen“-Ideologie zum Opfer gefallen sind, bestimmen, was off- und ontopic zu sein haben) werden deshalb, wo nicht direkt vom zuständigen Administrator-Blockwart gelöscht, zumindest der Regressivität des Volkszorns preisgegeben.

Trolle sind deshalb weit höher zu bewerten als jener niederste Abschaum bürgerlicher Engagement-Barbarei – die notorische Landplage namens Blogger –, denn Trolle produzieren Reaktionen, die es sonst nicht gegeben hätte, betreiben also objektiv eine Form von Sozialwissenschaft und erzeugen zudem noch Zwietracht, also Klassenkampf (bei welchem sich dann auch zeigt, dass die wahren Trolle in Wirklichkeit jene sind, die es sich unterm Dach der ordnungsgemäßen „Seriosität“, die nur eine weitere Formel für nachdrücklich ausgeübtes Unrecht darstellt, bequem gemacht haben – die Seriösen sind es, die mit ihrer Verteidigung elender Verhältnisse letztlich die vernünftige Sache immer wieder untergraben, Leute verarschen, Wahrheit vereiteln, Dinge nicht ernst nehmen usw.).

Der Troll erinnert den Mob an seine eigene Dummheit, das darf nicht sein, deswegen muss er weg, oder besser noch: „raus“, so wie in Deutschland grundsätzlich immer alles, am besten „sofort“, RAUS muss: „Ausländer raus!“ (Nazis), „Nazis raus!“ (Antifa), „Bundeswehr raus aus Afghanistan!“ (Die Linke), „Die Linke raus aus den Parlamenten!“ (CDU), kulminierend im Ausverkaufsspruch Nummer eins des deutschen Einzelhandels „Alles muss raus!“

In Wahrheit muss natürlich nichts raus, im Gegenteil, alles muss rein, und zwar am besten direkt hier in den Blog, dem progressiven Ansinnen nachkommend, immer wieder jene Idioten vorzuführen, die ihre degenerierte Begriffsgrütze weiterhin gnadenlos unters Volk scheißen:

„In der Sicht von L[yzis] W[elt] (und mancher prosowjetischen linken Strömung) ist jegliche Kritik an der Politik der Bolschewiki, wie sie jeweils gerade war, und das war ja auch nicht gerade linear, so sagen wir mal von der Zeit vor den April-Thesen bis zum Sieg Stalins, immer per definitionem „konter“revolutionär, denn es gilt ja umgekehrt, daß die Partei immer Recht hatte. Ist doch ganz einfach, oder?“

Neoprene, anarchistischer GSP-Blogger

„wobei lyzis wahrscheinlich eher ein troll ist, der mit seinem stalinismus leute ärgern möchte. oder er ist wirklich verrückt.“

Bigmouth, Blogger und Psychiater

„Dieser Blog beinhaltet mit Abstand den größten politischen Schwachsinn dem ich in meinem jungen Leben bisher begegnet bin. Aber was will man auch erwarten bei einem Blog, bei dem sich der Verantwortliche selbst als „Väterchen Administrator“ betitelt. Ihr tut mir Leid, wirklich, aus tiefstem Herzen.“

„Luemel“, ein User des „Gulli-Boards“

„du bist echt ne geile mischung aus heterosexistischem asipunk und spiessigen politphilosophenbeamtentum.“

N.N.

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Der Autor heute

Teil I: Die Bekämpfung und Entmündigung des Autors durch Cut-up-Punks und Blogger

„Der freie Mensch ist nicht neidisch, sondern anerkennt das gern, was groß und erhaben ist, und freut sich, daß es ist.“ (Hegel)

1.

Wurde der Autor früher, bevor er durch Agenten von Subjektvernichtungsorganisationen wie den Poststrukturalisten zu „Tode“ (Roland Barthes)1 geschrieben wurde, zumindest noch von einigen wenigen klugen Leuten als PRODUZENT, also schaffendes Subjekt gesetzt und begriffen, welches allein schon aufgrund dieses Umstands zur produzierenden, also proletarischen Klasse zu zählen sei, ist er heute stattdessen endgültig durch lediglich distributive, verwaltende, konsumierende Funktionen einnehmende „Beitragsschreiber“, durch nicht-produzierende, kleinbürgerliche Vermittler und Dirigenten schon vorhandener Materialien und bloße halbbewusste, mit Ressentimentpopel zusammengeklebte und aneinandergematschte Verfestigung von Infrastruktur-Erweiterungen, also durch Fotos weitergebende und Tagebuchmüll-Blogger, -Twitterer und Internetpampe aufbackende sonstige digitale Nuscheler und Schrift-Freiräuber („Cut-up“) ersetzt worden. Cut-up, der Aktionismus des passiven Bewusstseins, die Domäne bürgerlicher Kunstbeobachter und Diskurs-Verwaltungsbeamter, die Tätigkeit der „zufälligen Existenz“ (Hegel), die ihre Zufälligkeit auch noch zur Kunst erheben will in der Projektion ihrer allgemeinen Planlosigkeit aufs Material, strebt einen Autor an, der nicht mehr schreibt, sondern den Müll, der eh überall herum liegt, kopiert, also die Scheiße verdoppelt und die Tätigkeit des Kapitalisten nachahmt – seine objektive Funktion im gesellschaftlichen Produktionsprozess ist die Ausbeutung des produzierenden Autors.

Ende der Sechziger Jahre fiel es armen commünistischen Irren nämlich plötzlich ein, auf künstlerische Maßstäbe lieber ganz zu verzichten und als neues Ideal des Autors den Drogendealer und Scientologen William S. Burroughs hoch zu hetzen, schließlich musste der wissenschaftliche Marxismus und sein projektives Endprodukt, der Kommunismus, nicht nur auf sozialer, wissenschaftlicher und politischer, sondern auch auf literarischer Ebene effizient bekämpft werden – da kam der „bewusstseinserweiternde“, also Hirnmasse auflösende Stumpfsinn der Beatniks gerade recht (zur Not, wenn man das Pack mit den Folgen ihres Tuns konfrontierte, gab es immer noch die Sowjetunion, der man jegliche Probleme bei der Umsetzung des Kommunismus in die Schuhe schieben konnte). Der bewusst gebildeten Künstlichkeit des Werks wurde die bewusstlose, reaktionäre Authentizität einer geistlosen, scheinweltverhafteten, imaginierten Unmittelbarkeit und Echtzeitlichkeit der zusammengewürfelten Momente einer Werklosigkeit entgegengesetzt. So war die commünistische Schnipsel-Ästhetik geboren und es dauerte kaum 20 Jahre, bis sie sich zur endgültigen Totalität entfaltet an jeder Ecke finden ließ – die Kritiker (also: Opfer) des Kapitalismus boten ihr den fruchtbaren Boden. Dieser Zustand hält nicht nur bis heute an, er wird nahezu auf alle publizistischen Bereiche ausgeweitet; kaum ein Blogger, der heute nicht stolz ist auf seinen Analphabetismus.

Jahrhundertelang exzerpierten Leser Textstellen in ihre Kladden, heute wird die Veröffentlichung solcher Exzerpt- und Zitatsammlungen als neue, ja als einzig maßgebliche Gattung hochgejubelt, gerade so als läse außer der postmodernen Autoren-Karikatur („Texter“) niemand Zeitung, als sehe sonst niemand Fernsehen, als sei der ganze ge-cut-upte Kram den Interessierten nicht eh schon längst bekannt und als könnten sie die sagenhafte Verknüpfungsarbeit zum Zwecke der exorbitanten Bewusstseinserweiterung nicht selber leisten. Wenn nun also der bemittleidenswerte Stefan Ripplinger, einer der strebsamsten Repräsentanten der postmodernen Anti-Kunst-Phalanx stolzer Hirnloser faselt:

„Schreiben ist Kombinatorik. Der Schreibende kombiniert Buchstaben, Wörter, Sätze, Texte miteinander. Er montiert fertige Stücke zu einem Ganzen“,2

dann beschreibt er hier den Autor nicht nur ungefähr so positivistisch wie der Satz „Die Hure empfängt Männer und entlässt sie wieder“ die Tätigkeitsbezeichnung einer Prostituierten bestimmt, sondern ignoriert vor allem die Tatsache, dass die Hauptaufgabe des Autors immer das Denken, das Produzieren von Ideen und Konstellationen, die Reflexion, und nicht das bloße Schreiben, Texten oder gar Kombinieren von vorgefundenem, quasi naturwüchsigem Schriftmaterial war.

Das bloße Am-Schreibtisch-sitzen-und-texten, auf welches gerade auch bei den grundsätzlichen Kritikern des Konzepts Autorschaft die Autorentätigkeit immer reduziert wird, nimmt beim klassischen Autor höchstens 20 Prozent seiner Zeit ein. Den Großteil des Tages verbringt er mit dem Beobachten, Denken, Lesen, Begreifen, Entwerfen; hier und da macht er sich nebenbei und zwischendurch ein paar Notizen, ordnet Phänomene in seinen geistigen Kategorien- und Begriffs-Apparat ein, sortiert Aufzeichnungen und Zettel unter Stichwörtern (z.B. mit der Zettelkasten-Methode), führt ein Leben, das sich dem Irrsinn des bürgerlichen Verwaltungs-Sisyphosismus und den schlimmsten Niederungen der Lohnarbeit weitestgehend zu entziehen weiß; – die Praxis des Autors ist zum überwiegenden Teil eine geistige (was, nebenbei bemerkt, die Hauptursache für den Umstand ist, dass man an deutschen Universitäten und Hochschulen so gut wie keine klassischen Autoren findet), nämlich die seines Lebensprojektes, der Verwirklichung der Realität in Begriffe. Die Texterei, die Büroarbeit, das Lohnsklaven-Elend eines Betriebs-Angestellten, als das die autorschaftsfeindlichen postmodernen Spinner den Autor gerne sähen, ist heute dem Journalisten überlassen, der dafür vom kapitalistischen Betrieb ja auch hinlänglich belohnt und allmählich dessen Mitglied, also das Gegenteil eines Autors wird. Einen solchen himmelhoch jauchzend elenden Scheiß mit der Tätigkeit des wirklichen Autors zu verwechseln ist natürlich dumm, aber es ist wohl vor allem auch die Böswilligkeit des allseitig in seinen Ambitionen und an seinen eigenen Idealen Gescheiterten, des trotz krassester Anpassungsleistung kaum Arrivierten, welche Leute wie Ripplinger (ich will ihn hier nur – ganz in seinem Sinne – als paradigmatisches Symptom verstanden wissen, er ist ja repräsentativ für die „Szene“) dazu treibt, ihren Neid auf die unabhängigen Geister zu verkleiden, indem sie sie TOTAL und ALLESAMT eingemeinden möchten in ihre hirnlose Hölle der Gebrauchstexte fabrizierenden Vollzeit-Arschlöcher. Lohnschreiberei und Autor-Existenz aber schließen sich aus; jene schadet dem Autorenwesen so, wie der Commünist dem Kommunismus schadet.

Ripplinger weiter über „den Schreibenden“:

„Er zitiert fremdes Material, denn das Alphabet gehört ihm nicht, [wem, by the way, wenn nicht dem Autor, gehört denn das Alphabet? Dieser Satz ist so logisch wie: „Der Autofahrer fährt mit fremdem Material, denn das Auto gehört ihm nicht.“ Anmerkung von mir, L.W.] die Wörter hat er nicht geprägt, die Sprichwörter und Sprachbilder nicht ersonnen, all die Bücher nicht geschrieben. ‚All minds quote.‘ Wer schreibt, wiederholt, spricht in Zitaten. [Absatz] Der Verfasser einer Zitatmontage hat also nicht, wie manche meinen, als Autor abgedankt, sondern er ist überhaupt der Einzige, der die Autorfunktion mit allen Konsequenzen anerkennt. Er behauptet nicht, Kaninchen aus dem Hut zaubern zu können. Er behauptet im Gegenteil, dass das Kaninchen schon vor seiner Revue auf der Welt war. Wir [das Krankenschwester-Wir, immer wieder gern genommen bei Idioten, die ihren Schwachsinn ständig auch gleich der restlichen Welt unterjubeln wollen, Anm. L.W.] sollten nicht so voreilig sein zu behaupten, es sei durchaus dasselbe. [Absatz] Schreiben ist so gesehen immer Abschreiben.“3

Ripplinger, so gesehen, geht in sich, findet nichts und will dann diesen Zustand auf den Rest der Menschheit übertragen, Motto: „Ich bin unfähig, also kann es keine Fähigen geben, Genieglaube abschaffen, ab jetzt bitte auch alle anderen nur noch Scheiße fabrizieren, klappt doch eh schon prima in der Jungle World zum Beispiel!“ Welch bequemes Leben wenn man doof ist.

Das Interessante, weil Wesentliche an den derzeitig grassiernden Pest-Teilen jener regressiven Großbewegung, die das Prinzip der Autorschaft – auch noch unterm Mantel der Avantgarde – als solche sowieso schon immer komplett für „überholt“, tot, überflüssig, prätentiös oder sonstwie falsch hielten, ist ja einfach, dass sie die Speerspitze der Kunstlosigkeit darstellen: Weil sie keine eigene Kunst herzustellen in der Lage sind, können sie, wo eine solche einmal vorliegt, auch keine Kunst, also Autorschaft, Genie usw. mehr erkennen; sie denken in ihrer konsumierenden, passiven, indifferenten Literaturzitatesammler-Existenz eben tatsächlich, dass jeder andere genauso dämlich und einfallslos ist wie sie selbst, ahnen gar nicht, dass sich Kunst, Talent, Autorschaft nunmal durch ganz andere Dinge als bloß durch das reine Ausdenken, Erfinden, Aufschreiben, „Kombinieren“ von Sätzen, sondern das sinnvolle Anordnen von Begriffen und Kategorien innerhalb eines zusammenhängenden geistigen Gebildes, eines klassisch autonomen Kunstwerks, das sich selber wieder auf einen größeren (Werk-) Zusammenhang bezieht, das Dramatisieren von Texten, Textfragmenten, Gedanken, Sätzen, Zusammenhängen, Meinungen, Personen usw. im Roman, im Essay, in der wissenschaftlichen Untersuchung, im Theaterstück usw. auszeichnen (und sich von jeher ausgezeichnet haben). Autorentätigkeit bedeutet ja gerade das (durch Fabel) Zusammenführen, das KOMPONIEREN von Gedanken, Positionen, Gegenständen, Figuren, und eben nicht das bloße HERSTELLEN solcher. Der klassische Autor „verwendet den Stoff“ (Susan Sontag) nicht, er erzeugt ihn zu großen Teilen erst. Nur weil sich der Produktions- und Autoren- (also auch: Wissenschafts- und Marxismus-) Feind nicht vorstellen kann, dass die Kunst keineswegs am Ende ist, heisst das eben noch lange nicht, dass es sich real auch so verhält; im Gegenteil, sie ist ja gerade erst einmal am Anfang, und wird sich von daher erst recht nicht von Luschen wie Ripplinger und sonstigen aufständischen Autorschaftsgegnern etwas sagen oder gar auf den Friedhof der Geschichte vergraben lassen. Auch die Kunde von der Existenz des Begriffs Neologismus, überhaupt von sprachlicher Fortentwicklung und Neu-Erfindung von Sprachen scheint bei Ripplinger und den anderen marodierenden Antiautoritären (und was ist das Schreiben anderes als autoritäres Verhalten par excellence) noch nicht angeklopft zu haben – was Sprache überhaupt ist, davon haben sie keinen Schimmer, sonst würden sie weder so schreiben, wie sie schreiben, noch das schreiben, was sie schreiben, noch ihren verkorksten Hirnplunder über Sprache, Text und Autor im allgemeinen unters Volk kotzen. Man hat es also hier mal wieder mit den drei großen Bollwerken bürgerlicher Demokratie gegen marxistische Vernunft und für die Abschaffung der Kunst zu tun: (Kunst-)Freiheit4, Antiautorität, Unbildung. Die Entkernung des Subjekts auf gesellschaftlicher Ebene geht mit der Autorfeindschaft auf literarischer einher.

„Cut-up“, „Remixen“, „Collage“: Dass sie Literatur behandeln als sei sie Pop-Musik oder Fotografie, offenbart ja schon alles über die Geistlosigkeit der Zustände, die jene Szene ausmachen. Leute, die keine ästhetischen Kriterien besitzen, überhaupt die reich bevölkerte Gemeinschaft derer, die das Elend jenes Bewusstseins teilen, welches sich durch Kriterienlosigkeit nahezu definiert, pfeifen nunmal auch auf Ästhetik, weil sie nämlich auch inhaltlich nichts aufzubieten hätten, was der angemessenen ästhetischen Darstellung würdig wäre. Kunst kommt eben von Können (die Existenz solcher Antiautoren wie William S. Burroughs, Rolf Dieter Brinkmann, Uwe Nettelbeck, Susan Sontag, Jean Genet, Robert Anton Wilson etc. ist dafür ja gerade der auf Papier manifestierte Beweis5, zumindest der Beweis dafür, dass Nichtkönnen immer Nichtkunst zur Folge hat – es verhält sich mit den Nichtskönnern ähnlich wie mit modernen Politikern: das Volk wird gar nicht mehr verarscht, sondern man gibt die Schweinerei einfach zu, ist sogar stolz auf Unfähigkeit und Dummheit UND IST GERADE DESHALB BELIEBT); keine Ahnung, was die Nichtskönner immer zur Kunst treibt und sie sich auch noch erdreisten lässt, ihr Vorschriften zu machen; wahrscheinlich ist es der prinzipielle Gestus des Kritischen, der humanoiden Spürhund-Idiotie, der ästhetische Trotzkismus also, wie man ihn schon von Adorniten, 68ern, Frauenbewegung usw. kennt, vermengt mit der letztlich nur somatischen, vorbewussten Aufnahme des bloßen auratischen Abglanzes des „sinnlichen Scheinens der Idee“, als welche Hegel das Kunstschöne gültig definierte . (Der Anarchismus hatte ohnehin noch nie eine Ästhetik – man erinnere sich nur an Godard, Camus, die Sex Pistols, Family Guy und vor allem deren Fans.) Langweilig, verblödend und dämlich wären sie schon zur Genüge, wenn sie nur monomanisch ihren Mist durchzögen, aber dass diese Kunst-Lumpensammler auch noch allen anderen ihre „Theorie“ aufdrücken, das muss nun wirklich nicht auch noch sein; der Provinzkrämer mag bemitleidenswert, armselig und für seine Verhältnisse sogar erfolgreich sein, aber wenn er dem Großkonzern Nachhilfe im Handelswesen geben will, wird es doch langsam grotesk.

Der Cut-upper (und was ist das ordinäre Weblog anderes als ein erbärmlich langes Cut-up), der Bilder-, Texte- und Aufrufe-Weiterverbreiter – und natürlich erst recht der jenen Stuß wiederum verbreitende Journalismus – sieht die Welt der Kunst nur als einen unzusammenhängenden Brei, als etwas Begriffsloses, weil er keinen Begriff von ihr bilden kann oder will, und hat deshalb auch keinerlei Schwierigkeit damit, munter durch die Gegend zu cut-uppen, zitieren, faseln, bloggen. Bei ihm liegt der traditionsreiche romantische Irrtum vor, den eigenen, durch grundlegende Armseligkeit hervorgerufenen Entäußerungsdrang mit dem Informationsbedürfnis der restlichen Welt zu verwechseln (denn erst im Kommunismus werden logischerweise beide endgültig in eins gehen UND BIS DAHIN HAT MAN ENTWEDER DIE FRESSE ZU HALTEN (Hirnlose) oder zu ARBEITEN (Einsichtige)). Man hat es hier in der Regel zu tun mit Design- oder Kulturwissenschaftsstudenten, die sich „in ihrer Freizeit“ auch noch für „Marxismus“ und „Kapitalismuskritik“ interessieren, weshalb sie mit ihrer Scheiße andauernd die anderen armen Schweine im linken Zentrum belästigen und dazu natürlich noch ein Blog betreiben, damit alle Welt auch sofort weiß, wenn sie wieder ein neues Heinrich-, Adorno- oder Butler-Kapitel fertig gelesen haben, so wie sich der Großkapitalist nebenbei auch noch für „Kunst“ interessiert oder womöglich selber Hobby-Maler ist, weil er ein paar Gemälde im Büro hängen hat und zweimal im Jahr ins Museum geht. Die Klassik nannte das noch Dilletantismus, heute, in der total und global fleischgewordenen deutschen Romantik, gehört es „in der Szene“ zum guten Ton.

In ihren Texten beziehen sie sich formal auf den Kommunismus, bezeichnen sich bisweilen sogar als dessen Anhänger; was die eigene Stellung im Produktionsprozess und die Haltung zu geistiger Produktivität, die Ergebnisse der eigenen Bemühungen anbelangt, praktizieren sie jedoch das genaue Gegenteil: Bürgerliche, antikommunistische (oder dem Kommunismus zumindest nichts nützende) Überzeugungs-, Aufklärungs- und Agitations-Aktivität, also die in Text gefasste Nicht-Arbeit, die begriffslose Nachlese oder die kontrollierende Kritiker-Haltung (der Kritiker ist ja nahezu das Paradebeispiel des unproduktiv-reaktionären Arschlochtums, letztlich ist er das zombieeske Gegenstück zum Autor), also alles explizit nichtproduzierendes, den Status Quo lediglich reproduzierendes Tun, das Werkeln am bloßen Gegebenen. Ihr REALER Klassenstandpunkt ist also ein falscher, nichtproletarischer, bürgerlicher; einer der dem vorgeblichen widerspricht, ja entgegengesetzt ist, einer, der der Kapitalreproduktion, nicht dem Sozialismus verpflichtet ist. Ein Texter, Nicht-Autor kann also kein Kommunist sein; er mag für den Kommunismus Propaganda treiben (die Parolenhaftigkeit von Propaganda-Flugblättern war schon immer der ärgste Feind des selbständigen Gedankens und des Fortschritts), so wie ein Werbeagentur-Angestellter für ein Fernsehgerät Reklame macht – den Fernseher aber hat er selber weder hergestellt, noch konzipiert. Der bloße Material-Sammler, -Verwurster und -Publizierende ist der Blinddarm des Produktionsprozesses und entwicklungsgeschichtlich ungefähr auf dem Stand einer Biene; er übernimmt zudem auch noch freiwillig die schändliche Drecksarbeit des dümmsten Standes der Gesellschaft, nämlich des Journalisten, dessen Job ja schon von je her die bloße ohnmächtige, chaotische, entkontextualisierende Ansammelei und Verbreitung von rein Zufälligem war. Die Tätigkeit des klassischen Autors hingegen war schon immer das Gegenteil, nämlich die bewusste, Ordnung stiftende, Sinn erzeugende Komposition, die Vermählung des bloßen Materials mit dem darüber erhabenen Gedanken. Klassische Autoren wie Goethe und Heine haben also auch im Sinne des Kommunismus Großes und zum Fortschritt der Menschheit Nützliches geleistet – vor allem weit mehr, als all die vergessenen namenlosen sozialrevolutionären Agitatoren, Gutmeiner und „Aufklärer“, die zur selben Zeit nichts anderes taten als mit ihrem wiedergekäuten Mumpitz vollgeschmierte Flyer zu verteilen und kritische Diskussionsgruppen zu leiten.

2.

Das prinzipielle Elend der modernen Form des Autorendaseins ist ja, neben all den hyperlinkübersäten Dreckstexten von bewusstlosen Arschlöchern, die man im Netz überall so lesen muss, vor allem die Tatsache, dass der Autor (der produzierende, also klassische natürlich, nicht der seine Konsum-Erfahrungen schildernde – oder, wenn er beispielsweise ein Bahamas-Schreiber ist, aus seinem Zettelkasten Adorno-Paragraphen leicht umformulierende oder direkt abschreibende, postmoderne, tote), um wenigstens von ein paar armen Irren gelesen zu werden, andauernd auch mit deren hirnloser Scheiße konfrontiert wird: das Blogroll-, Referer-. und Follower-Unwesen, die Kommentarfunktion, die oft nicht vermeidbare Bezugnahme auf die einen anpissenden Canaillen etc.: Ignoriert man die Deppen, wird man wiederum von den Deppen ignoriert, und somit – da die Deppen aufgrund ihres Mangels an wirklichen Fähigkeiten ja innerhalb der kapitalistischen Arbeitsteilung für die Verbreitung, Multiplikation und Popularisierung von Material zuständig sind, das sie selber nicht begriffen haben – auch vom Rest der Öffentlichkeit. Der im Aussterben begriffene traditionelle Autor weiß schon, warum er sich mit dem Pack, das sich „Leser“ oder „Fans“ schimpft, nicht abgibt; Verlag, Lektor, Agent, Redakteur waren nicht nur wunderbare Zensurinstanzen, die die Veröffentlichung von wirklich guten Werken meist zuverlässig vereitelt und das heutzutage alles durchseuchende orientierungslose Bloggerschwätz verhindert haben, indem sie wiederum das Schriftstellergeschwafel direkt auf von niemandem gelesene Buchseiten drucken ließen, sondern vor allem prima Bollwerke gegen das Scheißgesindel selbsternannter Anhänger, die bislang jedem auch noch so selbstsicheren Autor die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben. (Anmerkung für die Hirnlosen: Ich hoffe, der Satz war unverständlich, menschenverachtend, lang und inhaltslos genug. Ansonsten bitte wie gehabt ins Meckerformular unten reinblöken, danke.) Vor einem Autor unter Verlags- und Apparats-Schutz hatte man wenigstens einen Rest von Achtung (man belästigte ihn höchstens auf Lesungen), der Internet-Autor kann sich vor bescheuertem Fan- oder Kritiker- (strukturell eh dasselbe) Gejaule kaum noch retten; selbst Verlage sind ja heute nur noch schlecht gemachte Kollektivblogs mit gedrucktem Ausschiss.6

Ein Künstler (erst recht ein Autor) aber, der mit dem Publikum spricht, ist keiner mehr, weil er sich mit seiner Bereitschaft, dem bösartigen Gesindel entgegenzukommen, selber schon zum Diskussionszombie, zum netten Typen von nebenan, zu „einem von ihnen“ macht (die Diskussionsbereitschaft der commünistischen Communications-Canaillen zum Beispiel ist in den allermeisten Fällen ohnehin nur die Weigerung, seinen eigenen Verstand zu benutzen – wo ein solcher aber nicht existiert, sind natürlich auch Diskussionen unnötig). Und einer, der nicht selber produziert, sondern nur sammelt und schnippselt, ist ohnehin irrrelevant, weil nur derjenige auch wirklich sammeln und konsumieren kann, der das Gesammelte und Konsumierte auch in der Lage ist PRODUKTIV zu verarbeiten, also in ein neues zu verwandeln. Goethe, die Inkarnation des klassischen Autors (der bisweilen Jahre, sogar Jahrzehnte an einem Werk schrieb, sich also Zeit ließ, statt jeden ephemeren, unzusammenhängenden Gedanken sofort auf irgendeine Weise ins stumpfsinnige Nichts der Öffentlichkeit zu verramschen und seine Aufgabe auch nicht bloß darin sah, auf volkstümliche Weise ohnehin schon bekannte Banalitäten in Kunsthandwerk zu übersetzen, sondern sich nunmal auch der (Natur-)Wissenschaft, Ästhetik, Philosophie konzentriert und engagiert widmete) dazu an Frédéric Jacob Soret, 1832:

„Was bin ich selbst? Und was habe ich getan? Ich habe all das gesammelt, nutzbar gemacht, was ich genommen, beobachtet habe. Meine Werke sind genährt durch Tausende von verschiedenen Einzelwesen, von Dummköpfen und von Weisen, von geistreichen Menschen und von Narren. Die Kindheit, die Reifezeit und das Alter, sie alle haben mir ihre Gedanken, ihre Fähigkeiten, ihre Seinsweise angeboten, ich habe oft die Ernte eingebracht, für die andere gesät hatten. Mein Werk ist das eines Kollektivwesens, und es trägt den Namen Goethe.“7

3.

Wenn ich diese Blogtickermeldungen des hirngefickten Plauderpacks schon lese: „Ich werde in der nächsten Zeit wieder vermehrt bloggen“ (große Ankündigung auf vierzehn Blogs, bei Facebook und über Twitter, BREAKING NEWS!) und dergleichen mehr; ja worauf hat die Welt mehr gewartet, als dass irgendein namenloser unbeachteter Spinner von der humanistisch-undogmatisch-kritisch-anarchistischen offenen automomen selbstverwalteten autarken genderqueeren selbstorganisierten veganen kollektiv arbeitenden und lebenden toleranten kämpferischen pazifistischen kriegskritischen antikapitalistischen solidarischen Gruppe für Ameisenstaatskritik aus Göttingen nun endlich wieder vermehrt gecopypastete Aufrufe für komplett nutz- und wirkungslose linkscommünistische Piss- und Pöbeldemos und sonstiges Pop-Konzert-Diskussions- und Agitationsgewichse (in diesem Falle wirklich Gewichse: der Agitator ist ja vom Wesen her Masturbierender, er lässt prinzipiell keinen Verkehr mit anderen zu, höchstens mit den zu erziehenden Gummipuppen aka. „Massen“) in seinen vor Legasthenie und Irrelevanz nur so strotzenden Scheißblog über sein nichtiges Drecksleben rotzt. Man dachte ja als Mitglied des gebildeten Standes realitätszugewandter hegelianischer Stalinisten zunächst wirklich, dass mit den durch das selige, würdige und weise Ministerium für Staatssicherheit8 der Deutschen Demokratischen Republik vernünftigerweise eingefädelten Bekämpfung und Liquidierung der RAF-Bande und dem sonstigen antiautoritär-bundesrepublikanischen Trotzkistengeschmeiß zumindest die schlimmsten links-antikommunistischen Hornochsen vom Erdboden verschwunden seien, aber Pustekuchen!, kaum gibt es das Internet, fängt die Scheiße wieder von vorne an, und vor allem so schlimm wie nie zuvor.

Der Autor produzierte Kunst, Wahrheit, Wissenschaft; der Blogger produziert im besten Fall Meinungen, also Stuss.
Mehr Sehnsucht nach Mielke war selten.

(Fortsetzung folgt.)

Nachbemerkung: Immer, wenn man etwas verteidigt, sei es das militärische Vorgehen Israels, die Politik der SED, Kunst, Autorität, oder, wie hier, den Autor, kommen ja alle möglichen Kommunikations-Canaillen rechter oder linker Dachschadenkategorie aus ihren Löchern herausgetorkelt, um mal wieder AUS PRINZIP dagegen zu sein und um zu skandieren, wie menschenverachtend, doof, reaktionär o.ä. eine solche Verteidigung doch sei. Die Kommentarspalte ist offen, aber die Ordnungs-, Setzungs- und Bestimmungs-Feinde haben die Fresse zu halten. Eure „Argumente“ sind bekannt, sie interessieren den Weltgeist einen Kehricht, weil sie vollkommen irrelevant sind; ihnen wird hier kein Forum geboten, damit das klar ist.

  1. Die Theorie des „Tods des Autors“ ist auch nur eine primitive Form der schon seit Ewigkeiten bestehenden Erkenntnis, dass ein Text durchaus auch andere Interpretationen zulässt, als die vom Autor intendierte – Hegel nannte sowas schlicht Objektivität. [zurück]
  2. Stefan Ripplinger, Return to Sender. Uwe Nettelbecks Zitatmontagen, in: Kultur & Gespenster Nr.7, Herbst 2008, S. 74) [zurück]
  3. ebd. [zurück]
  4. Es ist ja eine lange Tradition der Kunst-Unverständigen, sich für die Abschaffung der Kunst qua „Kunstfreiheit“ einzusetzen. Im Milieu der Gegenwartsliteratur haben sie es ja auch fast geschafft, Gratulation! [zurück]
  5. Abgesehen von der Form (erst „offene Form“, dann geschlossene Anstalt, kennt man ja) ist deren Quatsch auch THEMATISCH ein einziger Dreck: „Entfremdung“, Antiamerikanismus, Pazifistenhetze, Drogensumpf, Hippiekauderwelsch, TV-Spielshows – langweiliger und dümmer geht es nicht. Rauschgift, Romantik, Diskontinuität, Trübsal, Fragment, Fabellosigkeit und Hirnriss: das sind die Ideale des postmodernen Texters, Bloggers, Cut-Up-Punks (statt Bewusstheit, Klarheit, Klassik, Können, Konzentration, Reichtum, Zusammenhang und Sinn, wie noch beim klassischen Autor). Der postmoderne Texteverwurster ist wie der commünistische Kritiker (weswegen beide meist ja auch in Personalunion auftreten): Er ist mal hier dagegen und mal dort unzufrieden, mal hier verzweifelt und mal dort empört – einen Standpunkt, gar einen Plan hat er nicht. [zurück]
  6. Jetzt ist auch noch der Suhrkamp-Verlag aus seinem Frankfurter Elfenbeinturm nach Berlin „umgezogen“, wo auch diese letzte Bastion des verlegerischen Klassenkampfs (von unten wie von oben gleichzeitig, Pluralismus eben – der Suhrkamp-Verlag hat ja nun wirklich JEDEN veröffentlicht) in den nächsten Jahren wohl kontinuierlich von den dort ansässigen Web-2.0-Canaillen, Loboianern und sonstigen Aphoristikern des allgemeinen Elends unterwandert werden wird. [zurück]
  7. Wolfgang Herwig (Hg.), Goethes Gespräche. Eine Sammlung zeitgenössischer Berichte aus seinem Umgang, auf Grund der Ausgabe u. des Nachlasses v. Flodoard Freiherrn von Biedermann, 5 Bde., Bd. 1-3.2: Zürich u. Stuttgart, Bd. 4 u. 5: Zürich u. München 1965-1987; hier Bd. 3.2, S. 839, Nr. 6954. Zitiert nach: http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/goethe/birus_wiederbegegnung.pdf, Seite 6, Fußnote 5. [zurück]
  8. Nur, dass es bei Biermann nicht kurzen Prozess gemacht hat, und zwar schon viel viel früher, ist unverzeihlich – ansonsten beste sozialistische Arbeit, kaum ein Mord mehr als notwendig. [zurück]
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Das Elend des GegenStandpunkt I: Interessiertes Weglassen bei „Ofenschlot“

Das Weglassen als Zensur, eine alte und beliebte Methode vor allem derjenigen, die sich über kommunistische Zensur erbösen, während sie hingegen selber schon in nahezu randalierender Weise zensierend, beschneidend, selektierend und ignorierend durch die Welt stolpern, hat kürzlich auch der relativistische Zitate-Blogger Ofenschlot für sich entdeckt – natürlich vollkommen im Interesse des antikommunistischen Diskussionsvereins GegenStandPunkt.

In seinem Blogeintrag vom 30. Juni 2009 zu Peter Hacks‘ Urteil über die GegenStandPunkt-Vorläufer-Organisation MG und deren Zentralorgan MSZ (siehe auch: die von begriffsloser Verwirrung nur so strotzenden „Beiträge“ und „Kommentare“ (es ist eigentlich nur Grütze, daher die Anführungszeichen) der GSP-Gläubigen, z.B. bei mpunkt und neoprene) unterschlägt er deshalb natürlich gleich mal den wichtigsten Satz Hacksens gegen den GSP-Oberguru und Berufsidealisten Karl Held, welcher da lautet:

„Wieso nennt dieser antikommunistische Linke die Kommunisten antikommunistische Linke? Das finde ich frech.“

(Peter Hacks, Verehrter Kollege, Berlin 2006, S. 291)

Auf die Antwort zu dieser Frage wartet der Weltgeist, nicht zuletzt meine Wenigkeit, übrigens bis heute. Ich denke allerdings nicht, dass ausgerechnet einer der bloggenden GSP-Bots dazu eine adäquate Antwort zu liefern imstande ist, weswegen diese Frage wohl auch für dieses Jahrhundert offen bleibt.

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Linke Blogger und ihre stolze Arbeit am Sprachmüllberg

Zur Blogbarbarei. Teil I: Sprache

Bei Leuten, die noch alle Tassen im Schrank haben, ist es ja hinlänglich bekannt, dass das Internet, speziell das Weblog, Medien der Romantik sind: Wer bloggt, ist Idealist, Volksfreund, Demokrat, Aufklärer und Stürmer & Dränger gegen alles, was seiner bescheidenen und irrelevanten Meinung nach falsch oder Unrecht sei. Der Blogger ist das noch verblödetere, kindischere, konformistischere Update des Flugblätter- beschmierenden und -verteilenden 68er-Trottels.

Auffallend beim bauchlinken Bloggertum (also letztlich bei 99% aller linken Blogger), ist dabei konsequenterweise vor allem seine immer wieder auf dem Goldtablett präsentierte Sprachfeindlichkeit:

Wenn ein Stadionblogger namens rdps sich beispielsweise schon angesichts meines sprachlich noch recht verständlich und poppig ausgefallenen Beitrags zur „Linken Literaturmesse“ in Nürnberg zu solchem reaktionären Dreck hinreissen lässt, wie diesem hier:

„Das nenn ich mal einen wirklich langen Satz. Nicht, dass das unbedingt zum Verständnis des Inhalts, der zu vermitteln versucht wird, entscheiden beiträgt, aber immerhin kann man sich selbst und vor allem anderen damit durchaus beweisen, dass man zumindest der Interpunktion fähig ist, was ja erwiesenermaßen auch nicht unbedingt zu den leichteren Geschäften der deutschen Grammatikm gehört und ganz nebenbei schafft man es eventuell auch, dass die geneigten Leser_innen bei der Hälfte so verwirrt sind, dass sie nicht in der Lage sind inhaltliche Kritik anzubringen, woraufhin man in die Lage versetzt wird, diese gekonnt zu bepöbeln und daraus trotzdem als Gewinner hervorzugehen“(*),

dann kommt darin nicht bloß wieder einmal ein unverschämter Affront des Pöbels gegen die Sittlichkeit und Richtigkeit der von Hegel über Marx bis hin zu Wittgenstein bewiesenen Tatsache zum Vorschein, dass es kein nicht-sprachliches Bewusstsein gibt, dass Sprache nichts anderes als „praktisches Bewusstsein“ (Marx) ist und dass „die Grenzen der Sprache die Grenzen unserer Welt“ (Wittgenstein) seien, sondern dann formiert sich diese anarchistische bestimmungs- und begriffs-feindliche, also unter anderem dreist antiintellektuelle Sprachmatschverteidigungsbarbarei vor allem zu einer bei Romantikern sowohl rechter als auch linker Gestalt schon immer sehr beliebten Zelebrierung der Offenbarung jener traurig-erbärmlichen Dämlichkeiten, bei welchen sich der bewusstlose, des Sprach- und Begriffs-Verständnisses nahezu vollkommen unfähige und dieses Elend reproduzierende Mob erdreistet, sich über den elaborierten Geist zu erheben und seine eigene Unbildung den mutmaßlich meist noch verblödeteren, passiven Mitlesern dieses ganzen Affenzirkus‘ als rebellische Kritik an bösen Stalinisten unterjubelt.

Ein in seiner Widerlichkeit wie kaum etwas zweites zu verachtender Gestus: Der, der die Sprache beherrscht und sich um zivilisatorische Mindeststandards in der Sphäre des Geschriebenen bemüht, ist der Verdächtige, der zu Diffamierende, mithin: der Volksfeind.
Weil er die Sprache des zum Mob herunter regierten Dreckspacks namens Volk oder die sich davon nur leicht absetzende unbelehrbar linksidealistische Klippschulsatzrhetorik jener Marx verfälschenden Nachplapper-Arschlochsippe bloggender „Gegenstandpunkt“-Anhänger nicht zu sprechen gewillt ist, wird er nicht ernst genommen; passt er sich hingegen jener Sphäre zumindest formal an, indem er die entsprechenden Arschlöcher als die Arschlöcher, als welche sie sich objektiv und anhaltend gebären, bepöbelt, heisst es, das niveaulose neostalinistische Rumgeprolle sei gefälligst einzustellen, man habe sich am Diktat des Diskussions- und Argumentations-Sumpfs zu beteiligen, um überhaupt wenigstens ansatzweise ernst genommen zu werden.

Diese Sorte Sprachkritik ist natürlich nichts anderes als eine Formel für das ignorant-dreiste „Versteh ich nicht, will ich auch gar nicht verstehen, und darauf bin ich auch stolz!“, also düsterste reaktionäre Hippiescheisse, die einem irrsinnigerweise meistens da begegnet, wo sich angeblich intellektuelle, wissenschaftliche oder akademische Neo-Eliten zu ihrem gemütlichen Plauderründchen versammelt haben und wo ein Angriff aufs Wahrheitsdefinitionsmonopol also nicht erwünscht ist, und zudem natürlich eine Haltung, welcher sich jene annehmen, die nunmal durch unglückliche Zufälle und ohne auch nur den Hauch einer Ahnung oder gar Fachqualifikation aufweisen zu können, in „der Szene“ gelandet sind, um sich ihre mickrigen Autoritätspositionen innerhalb von subversiven Ohnmachtszusammenhängen qua Beschwörung von einfacher Sprache, also begrifflicher Unklarheit zu sichern. (Man stelle sich vor, was geschähe, wenn plötzlich durch Maßnahmen sozialistischer Vernunft diese Leute dazu gezwungen wären, keine Scheisse mehr, sondern nur noch qualifizierte, sprachlich und begrifflich gebildete Beiträge abzuliefern, weil ein gesellschaftliches Verlangen danach produziert würde: Es wäre einfach kein Publikum, kein Interesse und somit auch keine Relevanz mehr vorhanden für ihr unsittliches hirnloses Ausbreiten alternativer Ressentiments, welches sich bis dato so gern als „linke Kritik“ bezeichnen konnte, ohne dass irgendwem auffiel, um welchen Wahnsinn es sich da handelt. Man muss ja ständig im Hinterkopf behalten, dass diejenigen, die da so vor sich her „argumentieren“ und die selbsternannte Avantgarde einer zukünftigen, aufgeklärten Gesellschaftsform sein wollen, allesamt bedroht sind von einer gesamtgesellschaftlichen Anhebung des Denk- und Sprach-Niveaus.)

Das Einfordern kompakter, für jeden Deppen leicht verständlicher, einfach strukturierter und womöglich sogar Neologismen- und Fremdwörter-freien Sätze (und damit natürlich auch: Gedanken) ist letztlich nichts anderes als die schlecht mit Nettigkeitskleister ummantelte, dreiste Forderung der verblödetsten Stämme der halb-akademischen Semi-Hirnhandwerker, man möge doch bitte bloß das schreiben, was der denkfaule Heuchler ohnehin schon immer gedacht und gewusst hat. Man will auf Seiten dieser bequemen Typen, in deren Gemütlichkeit und Schluffigkeit die engagierte Barbarei nur auf ihren endgültigen Ausbruch lauert, in Wahrheit nicht mit Neuem, Ungewusstem und also logischerweise auch sprachlich distinguiert Daherkommendem belästigt werden. Die geforderte Berücksichtigung des Verlangens nach „verständlicher Sprache“ war eben schon immer nichts anderes als die verdeckte Forderung nach vor allem inhaltlichem Konformismus, also: Eingliederung in den falschen, irren, unwissenschaftlichen Arschlochkonsens begriffsloser Vollidioten. (Das vielzitierte einfache Volk hingegen ist sowohl solcher Sprache als auch ihm fremden Gedanken oft viel aufgeschlossener und fragt schlicht und einfach nach, wenn es etwas nicht versteht, erkennt also die Autorität des sich um Differenzierung und Bestimmung Bemühenden an.)

Dies werden die Berufs-Blogvolkssportler und die linken Vertreter des schreibenden Canaillentums natürlich niemals lernen, denn dafür sind nicht da. Ihr Job innerhalb des akurat eingehaltenen Plans kapitalistischer Arbeitsteilung ist die Verschrebergärtnerung der nach idealistischer Aufklärung lechzenden Bewusstseins-Barracken zum Zwecke der vollständigen Verblödung aller. Denn: Romantische (also: kaputte) Formen wie das ernsthaft betriebene Weblog bringen nahezu zwangsläufig romantischen, kaputten Inhalt hervor und umgekehrt.

Man muss sich ja ernsthaft fragen, wie diese Spinner denn gedenken, komplizierte Sachverhalte und Begrifflichkeiten anders auszudrücken als mit „komplizierter“ Sprache. Wahrscheinlich meinen sie in ihrer ewigen Unbehirntheit, man solle sie malen, erfühlen, tanzen, sticken, was weiss ich. Das Problem ist nur:
Es gibt viele Begriffe, und noch mehr Wörter. Nicht alle Wörter sind auch Begriffe, denn manche sind nur Begriffsabfall (also das, was der landläufige Blogger gern als „Diskurs“ bezeichnet) aber jeder Begriff erscheint auf der Realitätsebene des entäußerten Bewusstseinsinhalts, also der Sprache, ausschließlich in Form eines Wortes. Die sprachliche Unschärfe jedoch, mit der manch ein Wort heute einen Begriff nur noch wiederzugeben vermag, ist im Sinne einer exakteren Bestimmung der Phänomene und einer genaueren Ausrichtung wissenschaftlicher Arbeit vehement zu bekämpfen. Im Gegensatz zur Ansicht der Fremdwortfeinde und sonstiger Gegner von begrifflicher Klarheit und gedanklicher Maßstäbe, die immer wieder „barrierefreie“, d.h. ungenaue, im Vorhinein ideologisch verfälschte, unwissenschaftliche, dem Begriff nicht gerecht werdende Sprache fordern, ist es dem stalinistischen, also dem an Revolution und der Herrschaft der sozialistischen Vernunft interessierten Kommunisten umso wichtiger, die in allen möglichen Sprachen schon vorhandenen und neu gebildeten sowie noch neu zu bildenden begriffsschärfenden Sprachelemente in ihrer Exaktheit und Richtigkeit zu nutzen und in größeren gesellschaftlichen Umlauf zu bringen. Diese Begriffs- und Spracharbeit ist heute als eine der wichtigsten Tätigkeiten zur Ermöglichung einer Basis, welche den Sozialismus zu erwirken erlaubt, gar nicht hoch genug einzuordnen. Das Unwesen der vorgeblich marxistischen Blog- und Undergroundjournaillen-Barbarei ist mit seinem Elendsgejammer als einer der Hauptgegner auszumachen und entsprechend zu denunzieren und zu vernichten, denn der stetig wachsende Sprachmüllberg zieht letztlich auch den Kommunismus in den bewusstlosen Dreck – was seine wenigen intellektuellen Vertreter zu verhindern wissen müssen. Zur Arbeit des Marxisten an der Verhinderung begrifflichen Elends kommt also auch noch die der Sprachsperrmüllabfuhr.

Ein erster Schritt in Richtung sprachlichem Umweltschutz könnte also sein, endlich mal diesem elenden Demokratendiskussionsblödsinn Lebewohl zu sagen. Denn dass Leute, die zu oft mit Demokraten und deren falscher Sprache diskutieren, irgendwann selber Demokraten mit falscher Sprache und falschen Begriffen werden (wenn sie es nicht eh schon immer waren), das ist sicherlich eine der vielen Lehren, die man ziehen kann, wenn man sich die Emanzipationsscheisse diverser Schreiber und Blogger und ihre Auswirkungen mal etwas genauer vorgenommen hat.

To be continued.

    (*) Die Weisheiten des rdps:

    „Das nenn ich mal einen wirklich langen Satz. Nicht, dass das unbedingt zum Verständnis des Inhalts, der zu vermitteln versucht wird, entscheiden beiträgt…“

    Merke:
    1. Lange Sätze sind pfui und fast so böse wie Stalin, Lenin und Mao zusammen.
    2. Verständlichkeit als Fetisch: Die eigene Hirnlosigkeit, Faulheit, Reflexionsverweigerung wird als Norm gesetzt. Wer sich an diese nicht hält, ist Volksfeind.
    3. „Inhalt“ ist eine eigenständige Größe, welche bloß „vermittelt“ werden muss, natürlich mittels „Form“, die wiederum mit jenem nichts zu tun hat und nur von aussen auf diesen aufgestülpt wird. Dass eine spezifische, bewusst gewählte Form selber schon ein erheblicher Beitrag zum so genannten, immer wieder irrigerweise von dieser abgekapselten Inhalt ist – Form/Inhalt-Dichotomie reproduzierende Deppen wie rdps interessierts kein Stück.

    „…dass die geneigten Leser_innen bei der Hälfte so verwirrt sind, dass sie nicht in der Lage sind inhaltliche Kritik anzubringen“

    Merke:
    1. „Verwirrung“ ist unter allen Umständen zu vermeiden. Der deutsche alternative Schrebergartentextleser will seine Blogs einfach, klar, sich selbst und sein falsches Bewusstsein bestätigend, sonst tickt er aus und schreibt dreiste Kommentare.
    2. „Inhaltliche Kritik“: Noch lustiger als die gute alte Verständlichkeit. Ein Klassiker des Diskussions-Trotteltums seit Jahrhunderten. Jeder Text soll gefälligst so geschrieben sein, dass eine solche Kritik sofort jeder Idiot ohne weiteres anbringen kann. Am besten nur noch in Dialekt oder Umgangssprache schreiben, ohne Fremdwörter und anderen Sprachjuden, damit bald jeder Text so sagenhaft verblödet und grausam ist, wie die von rdps, Daniel Kulla, Stefan Ripplinger, Stefan Grigat, Manfred Dahlmann, Hannah Arendt, Martin Heidegger, Roger Behrens, Jörg Pilawa, Matthias Matussek, Alex Feuerherdt, Karl Held, Walter Kempowski, Rainer Kunze, Heinz-Rudolf Kunze, Egotronic, Günther Anders, Lars Quadfasel, Robert Kurz, Herbert Marcuse, Andreas Hartmann, Klaus Theweleit und den andern Figuren des sprachverwirrten deutschen Kasperletheaters es jetzt schon sind. Weil, wichtig: Letztlich sagen doch eh alle dasselbe, sprechen dieselbe Sprache, ziehen am selben Strang! Man soll mal gefälligst nicht so tun, als hätte jemand, der auf seine Sprache und Wortwahl achtet, was anderes zu sagen oder ein anderes Interesse, als jede sonstige dahergelaufene Canaille, die sich schreibend durch ihr Leben pfuscht.
    (Ich baue ein Haus, das von unten bis oben stabil und bewohnbar ist, rdps regt sich drüber auf und wirft mir vor, dass es keine zerbröckelnde, unbewohnbare Hütte ist.)

    „…woraufhin man in die Lage versetzt wird, diese gekonnt zu bepöbeln und daraus trotzdem als Gewinner hervorzugehen“

    Merke:
    1. „Gekonntes Bepöbeln“: Können ist eh immer das schlimmste für die Nichtskönner, das ist klar. Diese Könnerei ist schon echt ein Riesen-Dorn im Auge der Romantik. Unverschämt.
    2. „Gewinner“ ist natürlich auch übelst. Als Loser mag man die irgendwie so gar nicht. Die können halt einfach nicht aufhören zu gewinnen. Schlimm!

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