Tag-Archiv für 'brd'

Sternstunden des BRD-Linksradikalismus (I)

„So groß ist der Glauben des Marxisten an Marx, dass er gewöhnlich davon Abstand nimmt, ihn zu lesen.“ (Dávila)

gsp trotzki greatmoment

(hier das Original von greatmomentsinleftism.blogspot.de )

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Warum Guttenberg bleiben kann, wo der Pfeffer wächst (also: in der Bundesregierung)

Offener Brief an den deutschen Pöbel

„Ich kenne mich sehr wenig aus mit diesen akademischen Usancen, denn ich habe ja noch nicht mal Abitur. Das Einzige, was ich sagen kann: Ich habe häufig abgeschrieben. Sonst wäre ich ja auch nicht bis zur mittleren Reife gekommen!”
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis

Die schale, ankotzende Pointe der ganzen Debatte um die volksmobkompatible Adels-Canaille Guttenberg ist der darin zum Vorschein kommende Doktortitel-Fetischismus, welcher – wie eh und je – jeden Zusammenhang von subjektiven Fähigkeiten und des als deren Objektivierung geltenden Titels leugnet: als gäbe es heute überhaupt einen wesentlichen Unterschied zwischen einem komplett abgeschriebenen Text und einer korrekt zitierten, genauso hirnlosen, in jahrelanger stumpf-debiler Quellen- und Zitate-Sammelei zusammengeklaubten, also akademisch „korrekten“ Arbeit. ES GIBT KEINEN SOLCHEN UNTERSCHIED – Doktortitel bekommen Leute, die sich der bürgerlichen Gesellschaft voll und ganz unterwerfen, sich den herrschenden Regeln verschreiben und also ihren Konformismus (als eine Art universeller, blinder „Loyalität“) beweisen, i.e.: das Gegenteil von selbständiger Wissenschaft betreiben. Überhaupt ist die vielgerühmte „Kompetenz“ oder die ebenso oft angeführte „Doktorwürde“ bloß das Produkt von durch Schleimerei erkauftem Ansehen, nichts weiter. In einer Gesellschaft, in der Wissenschaft allgemein durch „WissenschaftlichKEIT“, also den Anschein von geistiger Anstrengung, der Karikatur von wissenschaftlichem Tun ersetzt wurde, ist jede diesbezügliche Diskussion nur noch ein Hohn auf die wenigen übrig gebliebenen Behirnten. Es gibt keinen Qualitätssprung durch Titel. Titel sind bloße Schlüssel für Türen, die man dem Großteil des Pöbels verschlossen hält; dafür sind die langwierigen Dissertations- und Habilitationsphasen institutionalisiert: um Selektion zu betreiben, Selektion im Sinne der herrschenden Eliten, Selektion darüber, wer dieser Gesellschaft nützlich ist und wer nicht. Guttenberg hat seine Nützlichkeit schon lange zur Genüge bewiesen, kann also voll und ganz auf einen solchen Titel pfeifen – was er ja nun auch konsequenterweise tut.
 
Walter Benjamin, der noch von jenem altmodischen Schlage war, einen zumindest im Ansatz Hegel’schen Begriff von Wissenschaft verwirklichen zu wollen, durfte sich in der Weimarer Republik damals nicht habilitieren, weil seine eingereichte Habilitationsschrift über den „Ursprung des deutschen Trauerspiels“ zu viele eigenständige Gedanken, zuviel Theorie, zu wenig „zitierten“, also abgeschriebenen Blödsinn enthielt, zu „unorthodox“ war (heute hingegen parasitieren ganze Doktorandenstämme vom Inhalt allein dieser Schrift); bei Dissertationsverfahren ist sogar noch von einer weit nachdrücklicheren Verbrämung des Denkens auszugehen. Das sollte eigentlich alles über Titel und die sogenannte „Doktorwürde“ sagen: Sie ist die Würde der ideenlosen Idioten. Nirgendwo soviel wirres Geschwätz, soviel geistige Leere, so große Hirn-Ödnis und Denkfeindschaft wie beim Studententum und speziell den Doktoranwärtern in ihrer staatlichen Kampfbastion gegen den autonomen Geist, der Universität. Aber was soll mans ihnen vorwerfen, sie studieren nunmal, weil sie sonst nichts können; und natürlich kann auch ein Guttendepp nichts – er wäre sonst wohl kaum deutscher Minister.

Folglich ist er ganz zurecht immer noch da, wo er jetzt ist. Jeder Kommunist sollte begrüßen, dass die deutsche Bourgeoisie so offen zu ihren Verbrechen steht; es gibt keinen „besseren, glaubwürdigeren Verteidigungsminister“, weil es in bürgerlichen Staaten keine guten Minister geben KANN. Sie setzen die Interessen des Kapitals durch, und das tun sie gut, wie sie es tun – ob mit oder ohne Titeln. (Schrecklicher Verdacht: Sind Politiker etwa Lügner und Betrüger? Und werden sie etwa gerade deshalb vom Pöbel verehrt?) Einen Rücktritt zu fordern wäre also, wenn nicht bodenlose Dummheit, so doch pure Heuchelei, weil diese Forderung implizierte, dass durch den Rücktritt irgendeiner gut passenden Charaktermaske und dessen Austausch durch eine schlechter passende irgend etwas besser, gerechter, oder, ach herrje, „glaubwürdiger“ werden könnte.

Guttenberg zu verteidigen, seinen Verbleib in der Bundesregierung zu unterstützen, sollte also im Interesse eines jeden liegen, dem am Schaden der BRD und seiner Titel- und Würdenträger gelegen ist.

ordnungmusssein

Trotzdem wird momentan von allen möglichen (auch linken) Moral-Instrumentalisten Guttenbergs Rücktritt gefordert: Ordnung muss sein! – da sind sich Links- und Rechtsdeutschland, Bloggertum und SPD, Jutta Ditfurth und Arnulf Baring (letzte Woche gemeinsam bei Maischberger sitzend) einig; beiden ist es eine Herzensangelegenheit, die bürgerlich-akademische Ehre zu retten, weswegen der Freiherr doch bitte als Minister zurücktreten und irgendeinen Ex-CDU-Kassenwart den Rommel machen lassen möge, um dann drei Jahre später unbelastet und mit umso mehr „Glaubwürdigkeit“ CSU-Vorsitzender und daraufhin Bundeskanzler werden zu können. Na Prost.

prostguttenberg1
Schwerter zu Zapfhähnen: Pöbel, Guttenberg, Bierkrug

Eigenständigkeitserklärung:
Hiermit erkläre und versichere ich abstruserweise, dass ich den gesamten obigen Text vollkommen eigenständig und ohne Hilfe von Mami und Papi, mit korrekter Zitation und innerhalb von fünfzehn Minuten im volltrunkenen Zustand zusammengeschustert habe.

Mein Ehrenwort: Prof. Dr. Dr. Dr. Lyzis von und zu Welt

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Die Korrekturen

Die Zeit, in der man heute gezwungen ist, zu leben, und die natürlich in Wahrheit nichts mit Zeit zu tun hat, sondern eine politisch bewusst bestimmte und durchgesetzte Gesellschaftsform ist, die sich des Kostüms einer geschichtlichen Natürlichkeit bedient, ist ja geprägt, sekundiert, konstruiert und begleitet von einer Verfälschung jeglicher Darstellung und Beschreibung ihrer selbst. Ohne einer solchen ideologischen Vernebelungsmaschinerie hätten es die herrschenden Arschlöcher definitiv viel schwerer, ihren Laden am Laufen zu halten und die Entwicklung hin zum Kommunismus zu verhindern. In diesem Monat feiert die global organisierte Konterrevolution (also alle) ein besonderes Jubiläum, und die Presse, die Nachrichtenagenturen und überhaupt der gesamte mediale Verblödungsapparat des Kapitals konzentriert sich dabei auf eine noch brutalere Realitätsverfälschung als ohnehin schon.

Die Hässlichen haben die Definitionsmacht über Schönheit, die Dummen haben die Begriffsbestimmungshegemonie über Klugheit, die Analphabeten haben die Definitionsgewalt über Literatur, und die Reaktion, also der institutionalisierte Rückschritt, bestimmt, was Fortschritt zu bedeuten hat; an diesem elenden Umstand liegt es, dass heute gar keine Antikommunisten mehr an der Macht sein müssen, um die Menschen gegen Sittlichkeit und Wahrheit aufzuhetzen; es reicht, wenn den Leuten jegliche Kriterien zur adäquaten Realitätserfassung aus dem Bewusstsein getrieben werden – in diesem gesamtgesellschaftlichen Zustand völliger Verblödung stellt sich dann der Antikommunismus, mithin der der Mächtigen, von alleine ein.

Der hirnvernichtungsindustrielle Großlieferant für Begriffe stutzende Nachrichtentexte, die Agentur AFP, berichtete gestern dementsprechend realitätsverachtend (naive Soziologen bezeichnen so etwas verblödeterweise leider immer noch als „Positivismus“) über das vom Springer-Verlag initiierte offizielle Treffen der drei Vorsitzenden der Wiedervereinigungsmafia, die korrigierte Fassung gibt es nun für alle an einer einigermaßen gesitteten Restöffentlichkeit Interessierten exklusiv bei LYZI‘S WELT:

Kohl, Bush senior und Gorbatschow würdigen deutsche Einheit (politisch korrigierte Version)

Zwei Jahrzehnte nach der DDR-Annexion durch die Bourgeoisie der postfaschistischen BRD haben Helmut Kohl, George Bush senior und Michail Gorbatschow die deutsche Einheit als Glücksmoment der Geschichte gewürdigt. Der Altkanzler, der frühere US-Präsident und der sowjetische Ex-Staatschef trafen sich das erste Mal seit Jahren bei einer Veranstaltung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin. Kohl sagte, er sei „stolz“, dass die Deutschen die Einheit „gemeinsam, mutig und friedlich“ erreicht hätten. Die Millionen (Todes-)Opfer seines aggressiv nationalistischen Kolonisierungsprogramms und der daraus notwendig und vorhersehbar erfolgten Kriege, Konflikte und völkisch-nationalistischen Entrechtungs- und Rebarbarisierungs-Kampagnen in Osteuropa, Asien, Jugoslawien, dem nahen Osten und dem Rest der Welt, sowie die zu Millionen um Vermögen, Lebensglück, Arbeit, Gesundheit, Selbstbestimmung, Rentenanspruch und Würde gebrachten Bürger der ehemaligen Ostblockstaaten erwähnte er dabei nicht. Bundespräsident Horst Köhler dankte den drei Politikern für ihre Verdienste gegen die Humanität.

Der korrupte Altkanzler würdigte im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Leistung der beiden anderen großen Massenmörder der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Bush senior und Gorbatschow, die in der damaligen Zeit „die wichtigsten Partner“ der Bundesrepublik gewesen seien. Der von den Folgen seines schweren Sturzes vor knapp zwei Jahren gezeichnete Kohl sagte, er sei „sehr froh und dankbar“, überhaupt bei der Feierstunde im Berliner Friedrichstadtpalast anwesend sein zu können.

Bush erinnerte daran, dass die Ereignisse des Herbstes 1989 zuerst in den „Herzen und Gedanken“ jener Menschen in Bewegung gesetzt worden seien, die hinter dem Eisernen Vorhang so lange ihrer „Gott gegebenen Rechte“ vorenthalten worden seien.

Gorbatschow erinnerte an die Verdienste der vorangegangenen Generationen um die Vollendung der Hitler’schen Pläne eines großdeutschen Europas. „Das ist ja nicht vom Himmel gefallen“, sagte der frühere sowjetische Staatschef. Zuvor hatte Köhler in einer Rede Kohl, Bush senior und Gorbatschow „im Namen der Deutschen und – ich bin sicher – auch im Namen aller Völker Europas“ gedankt. Die drei früheren Politiker hätten mit ihrer „Staatskunst“ für „Millionen Menschen Türen und Tore aufgestoßen“. „Die Afrikaner hingegen“, so Köhler, „müssen natürlich auch weiterhin draußen bleiben. Menschenrechte gelten eben nunmal nur für Deutsche, Sieg Heil!“

Am Abend setzten die Wegbereiter der deutschen Einheit die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls bei einem Empfang beim rechtsradikalen Axel-Springer-Verlag fort. Auf Einladung der „Bild“-Zeitung trafen der Altkanzler, der ehemalige US-Präsident und der frühere sowjetische Staatschef im Springer-Verlagsgebäude in Berlin ein. Neben den „Vätern der Einheit“ waren zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und sonstiger allgemeiner Bewusstseinsleichenfickerei erschienen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und viele andere Vertreter der großdeutschen Bourgeoisie, die die DDR seit nun inzwischen 20 Jahren besetzt hält, nahmen an dem Empfang ebenso teil wie Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (beide CDU).

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