Tag-Archiv für 'dietmar-dath'

Notwendige Bestimmungen zu einem richtigen Begriff des Stalinismus

Schutzschrift für die vernünftigen Anhänger des Stalinismus

Teil I: Anmerkungen zur Wahrheit, Weisheit, Wichtigkeit und Würde des Stalinismus

„Es gibt in der Geschichte drei streitende Parteien. Die Partei der Piraten, die einfach Bösewichte und Asoziale sind. Die Partei der Pflanzer, die, frühe Kapitalisten, ihre Verbrechen unter dem Mantel der Ehrbarkeit begehen. Die Partei der Indianer. Die Indianer sind gut. Aber sie sind gut auf abstrakte Weise; sie sind so tugendhaft, daß jeder sieht, sie werden bald aussterben. Und es gibt Polly, mit deren Verhalten ich versuche, richtiges Verhalten zu zeigen. Dieses Mädchen hat nicht nur Absichten, die zu billigen sind; sie versteht auch, ihre Absichten in der Welt zu verwirklichen.“

(Peter Hacks, „Über Polly“)

“Mein Freund Peter, zum Beispiel, fucking Sloterdijk, ich mag ihn sehr, aber natürlich muss er in den Gulag. Aber er wird ein bisschen besser gestellt dort, vielleicht kann er Koch werden.”

(Slavoj Žižek)

„Aber die Antiautoritarier fordern, daß der autoritäre politische Staat auf einen Schlag abgeschafft werde, bevor noch die sozialen Bedingungen vernichtet sind, die ihn haben entstehen lassen. Sie fordern, daß der erste Akt der sozialen Revolution die Abschaffung der Autorität sei. Haben diese Herren nie eine Revolution gesehen? Eine Revolution ist gewiß das autoritärste Ding, das es gibt; sie ist der Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung dem anderen Teil seinen Willen vermittels Gewehren, Bajonetten und Kanonen, also mit denkbar autoritärsten Mitteln aufzwingt; und die siegreiche Partei muß, wenn sie nicht umsonst gekämpft haben will, dieser Herrschaft Dauer verleihen durch den Schrecken, den ihre Waffen den Reaktionären einflößen.“

(Friedrich Engels, „Von der Autorität“)

1.

-Warum trägst du eigentlich dieses dumme Stalinistenkostüm?

-Warum trägst DU dieses dumme Menschenkostüm?

2.

Man ist Stalinist, weil man als einer der wenigen übrig gebliebenen, noch nicht zu Tode verfolgten, ermordeten, zensierten Kommunisten spätestens seit der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts aus der Geschichte zu lernen gewusst hat. Stalinismus, das ist die im Dienste der Vernunft und Gerechtigkeit stehende Abwesenheit der Freiheit für Andersdenkende – soviel hat sich seit Rosa Luxemburgs bekanntem und inzwischen von der bürgerlichen Politik bis hin zu Helmut Kohl zustimmend zitiertem Postulat herausgestellt.

3.

Stalinisten sind Kommunisten, die, wie schon bei Marx und Engels (z.B. im Manifest der Kommunistischen Partei) erklärt und gefordert, einen gewaltsamen Umsturz der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse, also den endgültigen Sturz des Kapitalismus anstreben, die proletarische Revolution als ausweglos und u.a. deshalb vernünftig ansehen, sowie diese nicht nur erörtern oder gutheissen, sondern auch theoretisch und praktisch erarbeiten. Im Gegensatz zu „linken Kritikern“ oder Commünisten haben sie sich von etwaigen pubertären Illusionen über Politik und Volk verabschiedet und ziehen daraus die Konsequenzen.

4.

Mit der Bezeichnung „Stalinist“ verhält es sich ähnlich wie mit dem Wort „Schwuler“, das von der Mehrheit zunächst als Schimpfwort etabliert wurde: Man bezeichnet sich als Kommunist, der es mit dem Kommunismus ernst meint, statt sich Marx-revidierend der „offenen Gesellschaft“ einzugliedern, irgendwann einfach selbst als ein solcher, weil man keine Probleme damit hat, beim Kommunisten- (bzw. Homosexuellen-) hassenden und -verfolgenden Pöbel als ein solcher zu gelten.

Dass eine solche Selbstbezeichnung richtig ist (Homer Simpson zu einem schwulen Freund von Bart zum Begriff „Schwuler“: „Ich finde es eine Frechheit, dass Sie dieses Wort benutzen. Das ist unser Wort, um uns über euch lustig zu machen, das brauchen wir! Ich will nicht nur dieses Wort zurück haben, sondern auch meinen Sohn!“) zeigen jene Reaktionen auf sie, die mit Negativ-Verniedlichungsformen wie „Schwuli“ oder „Stalino“ arbeiten, um damit noch mal allen zeigen zu können, wie lächerlich diese Figuren doch eigentlich seien (obwohl man sie zuvor noch als „brutale Mauermörder“ bzw. „Kinderficker“ dämonisierte), die so dreist sind, und sich dem antistalinistischen (resp. schwulenfeindlichen) Konsens nicht unterwerfen.

Alle Kommunisten (die sich noch mit K schreiben) sind Stalinisten – und waren es schon immer. Wer wirklicher Kommunist ist, ist gleichzeitig auch Stalinist, alles andere ist Unsinn, Idealismus, Blödheit. Die Bezeichnung Stalinist – erst recht, wenn sie von Renegaten, Diversanten, Wertkritikern, Commünisten und anderen Neonazis kommt – ist also als ein Kompliment zu nehmen.

5.

Nachdem Kommunisten über Jahrhunderte aufs schärfte verfolgt, verhetzt, zensiert, schikaniert und getötet wurden, reicht es nun. Die Zensur der Schriften von Marx und Engels, die Niederschlagung der sozialistischen Republik durch die SPD, das blutige Zusammenschießen der Pariser und diverser anderer Räterepubliken durch den bürgerlichen Staat, die Deportation Lenins und Stalins ins Gulag durch die russischen Zaristen, die Vernichtung von Millionen europäischen Kommunisten durch den Faschismus, das Verbot der KPD durch die Postfaschisten der CDU, der konsequente, lückenlose Antikommunismus der BRD inklusive Berufsverboten und Haftstrafen für Kommunisten und schließlich die Zerstörung der sozialistischen DDR sowie der retrospektiven Verfälschung ihrer Geschichte durch das BRD-Bürgertum, die Million ermordeter indonesischer Kommunisten nach dem Militärputsch von 1966, das zigfache und weltweite Eingreifen der kapitalistischen Geheimdienste BND und CIA gegen kommunistische Organisationen und sozialistische Regierungen sowie viele weitere antikommunistische Schweinereien, das alles bestärkt den Stalinismus in seiner konsequenten Säuberungspraxis und politischen Folgerichtigkeit: Der Stalinismus ist das kommunistische Eingedenken der zwangsläufigen bürgerlichen Reaktion, mit welcher immer und überall nahezu naturnotwendig zu rechnen ist. Je stärker diese, desto stalinistischer der Kommunist. Man macht sich als Stalinist keine Illusionen, man weiß eben, dass Revolutionen nicht gerne gesehen sind bei jenen, denen sie zwangsläufig schaden, also den von der Geschichte Abgehängten; wer sich gegen die Überführung des privat angeeigneten Besitzes an Grundstücken, Immobilien, Kapital und Produktionsmitteln zurück in gesamtgesellschaftliche Kontrolle („Enteignungen“) zur Wehr setzt, sich der Verwirklichung der marxistischen Vernunft nicht fügen möchte und stattdessen lieber seine unrechtmäßigen Privilegien verteidigt, kriegt eins aufs Maul und, wenn das nicht genügt, einen Kopfschuss – das wurde in Paris 1789 von der heute herrschenden Bourgeoisie auch nicht anders gehandhabt. Der Stalinismus sagt das ganz frei heraus; er zwingt, inhaftiert, verletzt oder tötet niemanden, der der kommunistischen Sache positiv oder neutral gegenübersteht, aber wer die Revolution abermals bekämpft, muss nun damit rechnen, dass diese – notfalls auch mit dem Einsatz von Gewalt – vom Stalinismus gegen ihn durchgesetzt wird.

6.

Dem Mythos eines angeblichen „stalinistischen Massenmordes“ ist aufs entschiedenste entgegenzutreten: Jeder einzelne, sicherlich bedauernswerte, aber in der großen Mehrheit der Fälle unvermeidbare Tote unter Stalin hat zig anderen Menschen das Leben gerettet. Ich zumindest werde mich hüten, in jene zynischen und menschenverachtenden Überlegungen einzustimmen, die erörtern, wie denn eine Welt ohne stalinistischer Justiz und Roter Armee ausgesehen, man also Nazis und bürgerlichem Imperialismus ungehindert die Menschheit überlassen hätte – jeder weiss ja in Wahrheit, dass das letztlich Milliarden von unschuldigen Toten, riesiges globales Elend und ungeheuerliche Unterjochung der gesamten Menschheit zur Folge gehabt hätte. Danke, genug gekotzt.

7.

Der Stalinismus ist also nichts anderes als ein verteidigungsfähiger absolutistischer Sozialismus, mithin die historische Notwendigkeit auf dem Wege zum Kommunismus. Sein ebenso notwendiger Sowjetstaat ist dabei die einzige Garantie seiner Existenz und schon deshalb uneingeschränkt zu begrüßen und zu erkämpfen. Medium dieser Erkämpfung und Durchsetzung kann nichts anderes sein als die Bolschewistische Partei. Ablehner von organisierten Proletariern und Kommunisten, Parteifeinde aus Prinzip also, sind von daher auch als Gegner zu betrachten und dementsprechend zu bekämpfen. Die generelle Ablehnung von kommunistischer Organisation ist als anarchistische Kinderkacke, als romantische Naivität höchsten Schwachsinnsgrades auszumachen und entsprechend zu vernichten; überhaupt ist das Anti-Partei-Gefasel heute die schlimmste und hartnäckigste Ideologie – dass sie ausgerechnet von den angeblichen „Ideologiekritikern“, also Adorniten und sonstigem liberalistischen Professorengeschmeiss ausgeht, ist dabei die historische Ironie. Wer allen Ernstes meint, auch nur im Ansatz irgendwas von den Klassikern des Kommunismus Antizipiertes Wirklichkeit werden lassen zu können, ohne dabei auf die Form der Partei zurückgreifen zu müssen, möge sich doch bitte schleunigst eine Einweisung holen oder direkt erschießen.

8.

Kommunisten, die sich des Stalinschen Prinzips der unbedingten Verteidigung des erreichten Stands des Sozialismus bedienten, haben nicht nur noch nie einen Krieg begonnen, sondern vor allem: auch noch keinen einzigen ihnen aufgezwungenen Krieg verloren. Von der Niederschlagung der Zaristen und Anarchisten in den Zeiten des postrevolutionären russischen Bürgerkriegs über den Sieg über die Nazis im Zweiten Weltkrieg und der erfolgreichen Bekämpfung konterrevolutionärer Aufstände in Ungarn 1956 bis hin zum kubanischen Sieg beim Angriff auf die Schweinebucht sowie des gewonnenen Vietnamkriegs zieht sich eine Linie des militärischen Erfolges des Stalinismus durch die Welt, der zeigt, dass die kommunistische Vernunft nicht nur den Frieden anstrebt und verteidigt, sondern auch wehrfähig ist, wenn sie denn zum Kriege gezwungen werden sollte. Nach dem sukzessiven Niedergang des Sozialismus in der Post-Stalin-Ära, mündend im offen antikommunistischen Schwachsinn des Gorbatschowismus, in der diese stalinistischen Vernunftprinzipien zurückgedrängt wurden und letztlich unangewandt blieben, war es offenbar geworden, dass der Sozialismus nur noch durch brutalste Freiheits- und Friedenshetze („Wandel durch Annäherung“ – Willy Brandt) der kapitalistischen Staaten, allen voran der BRD, traktiert zu werden hat, um ihn zu besiegen. Der bürgerliche Frieden hat sich als Krieg erwiesen – als Krieg gegen Kommunismus, Vernunft und wirklichen, globalen Frieden. Dieser bürgerliche Frieden ist für den Stalinismus als Feind auszumachen, nicht der Krieg, den wir natürlich eh immer gewinnen, weshalb es nicht nur ein Fehler, sondern ein Verbrechen an der Menschheit war, in der DDR 1989 der Konterrevolution nachzugeben, anstatt den SED-Staat durch Waffeneinsatz gegen den frondierenden Pöbel zu verteidigen.

9.

Bevor er abermals an der Macht sein wird, weiß der Stalinismus: Öffentliche Aussagen sind immer auch als Nebelbomben für den Gegner zu begreifen. Er weiß sich entsprechend sprachlich auf Grundlage des hegel’schen Begriffsapparats zu artikulieren, so dass weder dem Kommunismus schadende antistalinistische Commünisten, noch ebenso antistalinistische bürgerliche Antikommunisten, diese beiden großen Fraktionen der herrschenden Unbildung und deren nachdrücklicher Propaganda, ihn verstehen, geschweige denn effektiv bekämpfen können. Wenn irgendwer meint, den Stalinisten durch Sprachspielerei oder Argumenttrainings-Sessions schwächen oder ganz liquidieren zu können, hat er sich geschnitten. Zurecht interessiert keine Sau das dämliche studentische oder sonstwie kleinbürgerliche degenerierte „Kritik-“Geschwafel, „Aufklärungs“-Gejammer oder „Dekonstruktions“-Geblödel, das sich durch die heutige mediale Gosse luscht, und der Stalinismus hat beileibe nicht die Absicht, diesen Dreck in irgendeiner „konstruktiven“ Weise auch noch zu bereichern. Im Gegenteil: Eure Scheisse, die ihr so unter Politik versteht, wird euch mit Sicherheit nicht auch noch vom Weltgeist hinterhergetragen werden. Der Stalinismus bestimmt das Niveau der begrifflichen Auseinandersetzung, nicht der romantische Voluntarismus irgendwelcher autonomer Canaillen, die sich erdreisten, ihre Unbildung zur Norm zu erheben und allen anderen aufzuzwingen.

10.

„Pluralismus belebt die Meinungsbildung“, sagt der bürgerliche Freund des demokratischen Relativismus und des pluralistischen, wissenschafts- und bildungsfeindlichen Meinungs-Stumpfsinns. Absolutismus belebt die Wahrheitsbildung, weiß der Stalinist, der das Grauen der Meinung und somit das diese befördernde Elend des Pluralismus als den größten Klotz am Bein des Fortschritts erkannt hat. Wo Meinung notwendig nur noch Reflex der falschen Verhältnisse und also höchstens zufällig einmal richtig sein kann, muss Pluralismus von Seiten der bolschewistischen Vernunft durch Bildung, die natürlich zunächst nur mittels autoritärer Verodnung durchsetzbar ist, ersetzt werden.

11.

„Offene Kirche“ (Flugblatt eine katholischen Gemeinde), geschlossener Stalinismus: Der Stalinist macht sich das dem theoretischen Hauptwerk voranstehende Motto des stalinistischen Autors Peter Hacks zu eigen, das da lautet: »Des Verfassers Reflexionen sind im schlichten Stil und verständlich gehalten. Dennoch fehlt es ihnen an dem Vermögen zu überzeugen. Der Verfasser ist zu allen Überlegungen fähig, außer zu langwierigen. Er kommt zu Ergebnissen oft auf verwickelte Weise, aber mitteilenswert erscheint ihm allein das Ergebnis. Was er sich vorher gedacht hat, meint er, läßt sich mitdenken. Er liebt – vielleicht zu sehr – Beweise, aber er haßt es, die Prämissen zu beweisen. Das heißt, daß der Verfasser Leser voraussetzt, die ohnehin zu den gleichen Ansichten gelangt sind wie er, oder die doch im Begriff sind, dorthin zu gelangen. Aber für wen anders schreibt man? Glaubt da noch wer an die Macht der Argumente?«

Da das Mitdenken bei den minderbehirnten Interessierten ohnehin nie von Erfolg gekrönt ist, muss der Stalinismus also auch über das vorher Gedachte, das nunmal SELBSTverständliche, keine Rechenschaft ablegen. Er kann diese Selbstverständlichkeiten in großzügig behandelten Einzelfällen genauer ausbreiten, ja hier und da sogar einmal in die bürgerliche Diskussionsform des Argumentierens verfallen, aber das sollte Ausnahme bleiben, da es wichtigeres gibt, als den Dummen auch noch die Gründe ihrer Dummheit genauestens darzulegen. „Überzeugen ist unproduktiv.“ (Walter Benjamin) In aller Regel argumentiert und kritisiert der Stalinist nicht, sondern trifft Bestimmungen, kämpft und setzt durch.

12.

Bevor die Leute machen, was sie wollen, sag ich ihnen lieber was zu tun ist. Dieses stalinistische Vernunftprinzip hat auch in Zukunft zu gelten. „Kritische Vernunft“ hingegen ist korrumpierte Vernunft, eine durch moralisierenden Romantizismus paralysierte Pseudo-Vernunft, ebenso wie die „Kritische Theorie“ eine korrumpierte, also keine wahre Theorie mehr ist, weil sie den kritizistischen Gestus kultiviert, statt objektive Theorie, also Wissenschaft zu betreiben. Das Gejammere Horkheimers und Adornos gegen die sogenannte „instrumentelle Vernunft“ rührt aus der simplen Tatsache, dass sie keinen wirklichen, sondern bloß einen idealistischen Begriff von Vernunft hatten; die wirkliche, nicht-kritizistische Vernunft beinhaltete den instrumentellen Aspekt selbstverständlich schon immer und richtigerweise – schließlich muss Vernunft ja auch ANGEWANDT und nicht bloß diskutiert werden.

13.

Die größte als Kritik vertuschte Angst der commünistischen „Paradies-auf-Erden-und-zwar-sofort“-Woller, der Weltrevolutionsgläubigen, verdinglichten Antidialektiker der „Revolte von unten“ und ähnlichem vergammelten Kritizistenkäse: dass der (historische) Stalinismus ja gar nicht wirklich kommunistisch oder auch nur sozialistisch war, weil er die Falschen, nämlich unter anderem auch sogenannte Genossen an die Wand stellte. Dass es gerade wichtig ist, sich als Bolschewist dieses Linksabweichlerpacks zu entledigen, will natürlich in deren Breihirne nicht hinein, schließlich können sie ziemlich sicher sein, dass es sie selbst erwischt hätte – zurecht. Gerade die Säuberung der eigenen Reihen ist ein notwendiger Bestandteil kommunistischer Politik, sofern diese auch weiterhin erfolgreich sein will. Mit Trotzkisten und Anarchisten ist nunmal sogar deren Selbstbekundung zufolge kein Staat zu machen, deshalb fliegen sie raus. Die pure Unkenntnis von geschichtlichen Verläufen kann weder als Ausrede für die Abweichler, noch als Schuld des Stalinismus gelten. Wer das Leid und den Tod von Millionen riskiert, darf gerne selber abtreten.

14.

Als dialektischer und historischer Materialist begreift der Stalinist die Mittel zur Verwirklichung der kommunistischen Vernunft als ebenso dialektisch und historisch verfasste: Seine Haltung zur Anwendung kontrollierter Gewalt und durchdachten Zwangs ist eine ebensolche. Das altbewährte bürgerliche und absolutistische Mittel zur Erreichung stabiler gesellschaftlicher Verhältnisse, der ZWANG DURCH GEWÖHNUNG, ist so zum elementaren Teil stalinistischer Politik zu erheben. Die Erfolge der Erziehungseinrichtungen in der DDR waren dahingehend ein guter erster Schritt, der gezeigt hat: Man gewöhnt sich an alles, sogar ans Richtige.

15.

Das internationale Durchsetzungsorgan von revolutionsvorbereitenden Maßnahmen ist die schon heute existierende Stalin-Riege der (zur Zeit noch antizipierten) Kommunistischen Partei: Klein an Mitgliedern, aber gesellschaftlich schon heute einflussreich, ist diese mafiös organisierte, unkorrumpierbare, im Kleinen wie im Großen wirkende Assoziation keine Subkultur, keine Partei, kein Club, kein Lifestyle, keine Sekte, keine Religion und auch kein barrierefreies interdisziplinäres Diskussionsplenum, und nur deshalb noch Untergrund, weil es der kommunistischen Sache gegenüber dienlicher ist, für die Arbeit an ihr möglichst wenig Zugeständnisse an die bürgerliche Öffentlichkeit zu machen. Die Stalin-Riege kultiviert nichts, sie revolutioniert. Im Gegensatz zu stupiden Zusammenrottungen wie Antifa, autonomer Demo-Mob, Arbeitskreise, Teach-In-Verdummungsvereine oder Projektgruppen ist sie weder an äußerlichen Merkmalen noch sonstigen kulturellen Vorlieben oder Einheitsfront-Geblödel ihrer Mitglieder zu erkennen, aber sie ist unter euch und registriert, merkt und notiert – wie das Vorbild Stasi – alles. (Das sei hier vor allem all jenen Arschlöchern gesagt, die immer wieder eine angebliche „Ohnmacht“ der Stalinisten, die doch lediglich die Projektion ihrer eigenen ist, herbei fantasieren. Dass ihr nichts merkt, dafür können wir nichts – und wir machen es euch natürlich nicht auch noch freiwillig einfach; eine evidente Ohnmacht ist ein lediglich kurzzeitiges Problem, in ihr lässt es sich ausserdem ausgezeichnet überwintern und in Ruhe arbeiten.) Die Stalin-Riege ist klein, aber fein; ihre Mitglieder arbeiten diszipliniert und in den verschiedensten Zusammenhängen, Redaktionen, Theatern, Parteien, Verlagen, Institutionen; sie alle nutzen konsequent und unerbittlich die Dummheit und Feigheit der Kollegen, Bekannten, Vorgesetzten usw. aus, statt über deren Macht zu jammern, und sie alle nehmen die Möglichkeit wahr, die Gegner persönlich anzugreifen und zu vernichten, statt nur „Theorien zu kritisieren“: Dietmar Dath zum Beispiel unterwandert seit über 20 Jahren erfolgreich neben 17 Verlagen, dem Web 2.0 und zwei Dutzend linken Zeitschriften auch die bürgerliche Hacksologie, die FAZ sowie die Science-Fiction- und die Popkritik-Szene; der von diversen postmodernen und Demokratie-affirmierenden Schwachsinnigkeiten zu Vernunft und Sittlichkeit, also zum Stalinismus gekommene Slavoj Žižek verkündet weltweit in auflagenstarken Tageszeitungen, in Psychoanalyse-Readern, Hitchcock-Exegesen und zur Prime-Time im US-TV Abschusslisten für die Zeit nach der erfolgreichen stalinistischen Revolution; Hans Heinz Holz schreibt seit fast einem Jahrhundert eine cirka sechstausendbändige stalinistische Philosophiegeschichte; von Matt Groening, Harlan Ellison, David Fincher, Brian Molko, Fidel Castro, Matthias Oehme, Werner Büttner, Lukas Moodysson, André Müller sen. (um mal nur ein paar Namen zu nennen) sowie einer Vielzahl von unbekannteren, vorerst noch namenlosen Mitgliedern der internationalen Stalin-Riege und den immer noch (nach-)wirkenden Klassikern des Stalinismus wie Brecht, Lenin, Goethe, Ulbricht, Einstein, Schernikau usw. ganz zu schweigen. Vor allem das anonyme oder pseudonyme Pöbeln im Web 2.0 ist als eine der wichtigen Säulen der Stalin-Riege nicht gering zu schätzen: Wo viele Gegner einander aufgrund ihrer Position im Betrieb kaum oder nur noch „sachlich“ (also: gar nicht) angreifen dürfen, weil sie ansonsten mit der üblichen antikommunistischen Zensur und Verurteilung durch die bürgerliche Klasse zu rechnen haben, ist eine anonyme, kompromisslose und vollkommen unabhängige Stalinorgel-Phalanx im Internet umso wichtiger.

16.

Die erbärmliche Opportunisten-Taktik derjenigen Linken, die sich dann später umso mehr auf Ironie oder Satire rausreden, wo sie zuvor umso apodiktischer und großmäuliger etwas als ihren vollsten Ernst verkündet haben, macht sich der Stalinist nicht zu eigen. Überhaupt vermeidet er es, sich entlang einer Begriffsskala zu äußern, deren Endpunkte „Satire“ und „authentische deutsche Seriosität“ darstellen. Selbst aber, wenn vom Gegner endlich kapiert wird, dass man es, mit ihm zu sprechen, „ernst meint“, sich also seines Zieles, seiner Funktion und seiner mittelfristigen Wirkung bewusst den objektiven Verhältnissen des jeweiligen Gegenstandes unpolemisch und ohne persönliche Eitelkeiten nähert und sie begrifflich erfasst, gefällt jener sich dann in der Verniedlichung oder sonstigem Lächerlichmachen eben dieses Ernstes: „Ach, er meint es nur ernst, wenn es wenigstens Satire wäre“, äußert sich das bürgerliche Ressentiment, welches den Ernst als solchen auf bloßes irreales Pathos runterbricht und bekämpft, und dabei denjenigen, der es mit in der bürgerlichen Öffentlichkeit nicht-approbierten Haltungen wie der stalinistischen hält, schlicht zum Irren abstempelt. Auch hier wird man noch sehen, wer zum Schluss lacht.

17.

Die als notwendig erkannte Brachialität des Stalinismus ist letztlich eine Maßnahme des Mitgefühls mit allen: „Über die Menschheit lässt sich nicht anders als mit Mitleid sprechen.“ (Peter Hacks) Der Stalinist hat kein „MenschenBILD“, sondern einen BEGRIFF vom Menschen, also auch eine objektiv-materialistische, nunmal begrifflich durchdrungene Auffassung und Konzeption der Menschheit. Seine Mittel zur Erforschung der Entwicklungsmöglichkeiten und -fähigkeiten der Menschheit sind die Geschichtswissenschaft, der marxistische Materialismus und die philosophische Anthropologie; – mitnichten die romantische Vorstellung irgendeines „zutiefst humanen Kerns“ im Menschen oder sonstigen Psychologenquatschs, der qua Weltrevolution nur noch hervorzuzaubern sei. Wo ohnehin Zwang herrscht, weil zunächst nur gezwungen werden kann, wo sich fortschrittliche Entwicklung durchsetzen soll, zieht der Stalinismus den Zwang zum Richtigen dem Zwang zum Falschen schlicht vor; der Vorwurf einer „autoritären“ Politik, die immer wieder von allen möglichen sentimentalen links-emanzipativen Besoffenheitsbekundern kommt, läuft also mithin ins Leere. Den Stalinisten interessiert keine „Kritik der Macht“, ihn interessiert die Erlangung der Macht.

18.

Zuerst existierten Dummheit, Zwang zur Kapitalreproduktion und erzwungene bürgerliche Vergesellschaftung der Individuen, die zur Selbstverständlichkeit erhoben wurden, erst danach kam der Stalinismus. Nicht dieser ist die Ursache von Gewalt, Stumpfheit, Elend, sondern jene. Das sollten die Feinde des Stalinismus immer bedenken, wenn sie anfangen, ihr stupides Gerotze gegen ihn anzustimmen. Der Stalinismus ist für sich genommen friedlich, er lehnt den Krieg ab und bekämpft den Kapitalismus sowie den daraus resultierenden Faschismus konsequent – dass er nicht zimperlich ist, wenn er in dieser Existenz angegriffen wird, sollte ihm also nicht zum Vorwurf machen, wer noch ernstgenommen werden will. Der Stalinismus ist jene Therapie, für deren Krankheit er gehalten wird.

19.

Was Stalin alles so angeblich gesagt oder getan hat, ist mir dabei als Stalinist heute ziemlich egal – lasst mich doch mit eurem deutschvölkischen Anti-Stalin- und Massenmörder-Gestammel in Ruhe. Ich verteidige meinen Stalinismus wenn notwendig auch weiterhin gegen Stalins vereinzelte, aber unbedeutende Fehler, irregeleitete DKPler oder sonstige Vertreter eines positivistisch-historisierenden, personifizierenden und fetischisierenden Stalinismus-Verständnisses (zu denen übrigens auch etliche Idioten gehören, die sich in ihrer antiimperialistisch-jugendlichen Erbärmlichkeit selber hier und da mal als „Stalinisten“ bezeichnen, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, was damit in Wahrheit gemeint sein könnte ausser des Schwenkens von roten Fahnen in ostdeutschen Innenstädten, des Sammelns von Lenin-Knibbelbildern, Antizionismus und der Unterstützung islamistischer Terror-Regime). Der Stalinismus ist, wie der Einsichtige heute weiss, eine Sache der Zukunft, keine der Vergangenheit oder der Tradition, sondern lebendige Geschichte – und man begreift ihn also, wenn man ihn denn überhaupt begreift, als die notwendige FORM zukünftiger Auseinandersetzungen der Kommunisten im Klassenkampf; mit den (damals selbstverständlich ebenso notwendigen, inzwischen historischen) INHALTEN möge man doch den gegenwärtigen Stalinismus bitte nicht identifizieren. Stalinismus, das meint nichts anderes als: sozialistischer Absolutismus; Vorrang der Wissenschaft, der Vernunft und des Marxismus gegenüber Tradition, Religion, Mythos und Hirnknechtschaft; Diktatur des Proletariats; konsequenter Antifaschismus; Aufbau des Sozialismus; Verteidigung des Erreichten gegen Reaktionäre, Konterrevolutionäre, Idealisten und Anarchisten. Das sind heute und in Zukunft seine vorrangigen INHALTE, die Form ist dementsprechend.

20.

-Die Herrschaft der kommunistischen Vernunft muss eben bedeuten, dass die Dummen nichts mehr zu sagen haben.

-Und wer legt fest, wer die Dummen sind?

-Die kommunistische Vernunft.

21.

Grundsätzlich ist natürlich davon auszugehen, dass der weitere Verlauf der Geschichte der Revolutionen sich wohl leider auch nicht anders ausnehmen wird, als z.B. zu Zeiten Stalins oder Lenins. Die Reaktion wird sich festigen und mit allen Mitteln (und sei es mal wieder Faschismus) ihren Scheiß verteidigen, mit soviel Unterdrückung und soviel Leuten, Bomben, Propaganda, Paranoia, polizeilichen Hundertschaften, Antikommunismus und Kriegen wie nur irgend möglich. Das Kapital wird wieder zum Gegenschlag ausholen, und das wird keine Tupperparty, sondern eine Sauerei ersten Grades. Davon kann, ja sollte man als geschichtsbewusster, ernsthafter Kommunist realistischerweise ausgehen und sich deshalb diesen Realismus durchaus auch in seiner Selbstbezeichnung anmerken lassen: Je brutaler die bürgerliche Klasse, desto vehementer und rigoroser aka. stalinistischer wird sich der Kommunismus zu verhalten haben.

22.

Niemand, aber wirklich niemand, nichtmal der am engagiertesten agitierende Kommunist, würde doch ernsthaft auf die Idee kommen, einen U-Bahn-Fahrer, einen Polizisten, einen CSU-Politiker, einen Gemüsehändler oder einen Automobilfabrikanten vorzuwerfen, er sei kein richtiger Kommunist oder er kritisiere den Kapitalismus nicht „richtig“, beziehungsweise „nur verkürzt“, weil das nämlich weder deren Job ist, noch deren subjektivem (wenn auch objektivem) Interesse entspricht, sowas überhaupt nur in Erwägung zu ziehen. Nun gehen aber alle möglichen (Post-)Linken, Commünisten, Kapitalismuskritiker, Marxlesekreisler und sonstigen sektiererischen Idealisten ernsthaft ins Autonome Zentrum oder in andere Bruchbuden, in denen der sozialdemokratische Mob sich seines objektiven Elends erfreut, und werfen ausgerechnet denen eben jenes vor; man fragt sich schon, wer ihnen ins Hirn geschissen hat, dass sie einfach nicht erkennen können, dass es nunmal des deutschen Linken Job ist, an irgendwelchen Symptomen des Systems schlecht herumzuwerkeln, dass dies NOTWENDIG so ist und es nicht durch einen ebenso idealistischen Agitationsblödsinn abzustellen ist.

Der Stalinist hingegen hat das erkannt und trägt dem Rechnung. Es ist einfach Unsinn, Volksaufklärung innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zu betreiben (sie wird dabei automatisch immer zur völkischen Gegenaufklärung), denn deshalb will der Stalinist ja den wie auch immer defizitären Realsozialismus so schnell und so undemokratisch wie möglich herbeischaffen: weil eine Aufklärung, die nicht nur ihren Namen verdient, sondern vor allem auch Wirkung entfalten könnte, erst dann möglich ist.

Teil II – „Gulag als Chance“ folgt in Kürze.

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Was ist eigentlich „Krise“?

„Wer nicht macht, was er will, ist ein Idiot.“

Wie sieht so `ne Krise aus, wie macht man `ne Krise, welche Zutaten braucht man dazu, Krise – Wie geht das?

Tja, das fragen sich die commünistischen Experten* momentan auch gerade wieder reihenweise in ihrem inoffiziellen öffentlichen Schaulaufen der allgemeinen Unbildung, merken dabei natürlich nicht, dass der bourgeoise Begriff der Krise inzwischen selbst schon Teil kapitalistischer Zurichtungs-Propaganda und ihres mit irren Flugblattsätzen und Antikrisengeschwätz herum wedelnden freiwilligen Billignutten-Anhangs ist, da sie den Zustand eines spezifischen Teils des herrschenden ökonomischen Gesamtsystems (und auf nichts anderes ist das Wort Krise eh und je gerichtet gewesen: Es geht um die periodisch wiederkehrenden Schwierigkeiten der herrschenden Klasse beim Loswerden von überflüssigen Waren und dem Eintreiben von Quellen zur Kapitalakkumulation, und nichts anderes; vermehrte Kündigung von Arbeitern, Lohnkürzungen, nationalistische Zusammenschweißungskampagnen etc. sind da lediglich logische Folgen; wenn heute irgendwo von „Krise“ die Rede ist, bezieht sich das mitnichten auf die Legitimität des ökonomischen Systems selbst, dessen Existenz nur in Gefahr ist, wenn der vernunftgeleitete Stalinismus kurzen Prozess mit ihm macht, was ja derzeit leider (und erst recht nicht in jenen Kreisen) der Fall ist, aber erklär‘ das mal den verhohlbirnten Vollidioten, die sich ihre Independent-Ressentiments in des deutschen Linksspießers Bildzeitung „Jungle World“ oder der örtlichen Anstalt zielgruppengerechter Verblödung, genannt Lesegruppe, anlesen und daraufhin in ihren Blogs oder Juze-Flugis vor lauter Schreck Krisenpipi machen), den des Monopolkapitalismus nämlich, zu einem allgemein-menschlichen Problem verdinglicht, welchem man auf irgendeine Weise zu BEGEGNEN habe, und sei es durch „Kritik“, welche ja immer der Knaller schlechthin ist, wenn man nix kann, nix kapiert, nix will: „Kritik ist immer nett, gibt’s günstig an jeder Ecke und tut niemandem weh. Kritik, was bist du nur für eine engelsgleiche Erlöserin aller von Analphabetismus, Hirnfäule, Stumpfsinn und alternativer Arschkriecherei Gegeißelten; Kritik, was wäre das linksradikale eingebildete Slacker-Studententum ohne ein wirkungsloses Hobby wie dich!“ (Karen Iossif Wissarionowitsch Eliot, „Ode an die Kritik“, 17. Vers).

Hässlich und blöd also wie eh und je, aber die zum einen nicht vorhandene Freude über den Jobverlust von Millionen und zum anderen das In-eins-setzen von Kapitalbelangen und Kritik-Konjunktur lässt nicht nur an der Aufrichtigkeit angeblich marxistischer Analyse zweifeln, sondern bringt letztlich natürlich weder Erkenntnisse, noch Ratschläge über eventuell einsetzbare kommunistische Kampfformen hervor und ist somit lediglich wieder mal eine weitere Gelegenheit fürs Politdiskussionsgesindel, sich, unselbständig, einfallslos und gedankenfeindlich wie sich diese Untoten nunmal aus Prinzip gerieren, vom publizistischen Abfall, den die bürgerliche Klasse für den linkssektiererischen Mob vom Tisch fallen lässt, insofern immerhin einigermaßen zu ernähren, als dass der aktuelle kapitalistische Vulkanausbruch mal wieder eine willkommene Gelegenheit für jene uninteressanten, an der Wirklichkeit ohnehin nicht interessierten und glücklicherweise auch von niemandem wirklich ernst genommenen Blogger ist, ihre jeweiligen Wahngebilde aka. „Theorien“ inklusive diese ummantelndes Gestotter dreisterweise als Diskussion zu deklarieren und als gehetzte Sau der eigenen Aufmerksamkeitsgülle durchs multimediale Dorf namens Blogosphäre zu treiben.

Den größten vom Aussterben bedrohten Vogel abgeschossen in Sachen Inkompetenz hat dabei diesmal Blogger Schildkröte (der leider das wunderbare, im Gegensatz zu ihm gut bepanzerte Tier gleichen Namens mit in seinen Dreck ziehen will, was diesem glücklicherweise schnurzegal sein kann, mir aber nicht), der mit all seinem Charme eines Adorno-lesenden Abiturienten mal wieder zum inzwischen cirka neunhundertmillionsten Mal mit ins allgemeine beleidigte Gejammer der Unfähigen über den „kapitalistische[n] Alltag, de[n] ganz normale[n] Zwang arbeiten zu gehen, die Inbeziehungsetzung der bürgerlichen Subjekte über den Tausch die jeden Tag stattfindet“ und sonstige Wahnphantasien einstimmt, welche seiner bescheidenen Meinung nach „Kritik verdient“ (sic!).

Man sieht sich als Opfer des globalen Arbeitslagers „Welt“, das der Kapitalismus darstelle, welcher wiederum nicht auf Personen rückführbar, sondern naturwüchsig über ebensolche gekommen sei, um diese zu seinem ewigen Sklaven zu machen, welcher dann aber immerhin zumindest teilweise so mutig ist, diese ganze Scheiße einer „Kritik“ zu unterziehen (die herrschenden Vertreter der Befürwortungs- und Rechtfertigungsagenturen der globalen Barbarei dürfte nämlich in ihren vollklimatisierten Büros das schiere Zittern erfassen, wenn sie nur das Wort Kritik hören, denken sich die Schildkröten).

Staat scheiße, Kapital schlimm, Kritik super.
Das sind zwar Erkenntnisse vom ungefähren Wert einer verschimmelten Bahamas-Ausgabe von 1994, finden aber trotzdem immer wieder Anklang bei Romantikern ähnlicher Enthirnungsstufe, die sich in ihrer Gemütlichkeit des Auswendigaufsagenkönnens von kaum Begriffenem so gut zu gefallen scheinen, dass sie es schon gar nicht mehr nötig haben, irgend eine Realität auch nur zur Kenntnis zu nehmen und also ihre Kritik-Gebetsmühle einfach bis zum Eintreten des endgültigen Hirntods wacker vor sich her murmeln.

Ich weiß nicht, von wie vielen Leuten der schildkröt’sche Blog letztlich gelesen oder gar ernst genommen wird, aber sollte auch nur ein einziger junger, interessierter potentieller Kommunist zufällig auf dieser Seite landen und daraufhin für sein Leben lang mit ebensolcher Dummheit geschlagen sein, melde ich hiermit die dereinstige justizielle Inverantwortungnahme des Herrn Schildkröte schon mal im Voraus an, schließlich soll niemand denken, er sei nicht informiert worden und käme gegenüber einem zukünftigen bolschewistischen Gericht einfach so davon mit seinem reaktionären Kritikdreck.

    *Das besondere aktuelle Highlight im Umgang der Hirnkrisenopfer mit der allgemeinen Krisenhetze: Ausgerechnet der dauerbekiffte Oberhippie Daniel Kulla meint, sich in all seiner ekelhaft ankumpelnden, alle möglichen Leute, die er nicht begreift (aber dafür ganz schön cool oder radikal oder verschwörerisch oder „interessant“ oder „quellenmäßig was hergebend“ findet) in seiner Debilität umarmen meinen müssenden, hinterfotzig-idiotischen linkssolidarischen Schleimerscheisse irrigerweise gerade mit dem bekennend leninistischen Schriftsteller, Journalisten, Feuilleton-Terroristen, Arschlochliquidierer und Ulbricht-, Stalin- & DDR-verteidigenden Heavy-Metal-Hegelianer Dietmar Dath gemein machen zu müssen, dessen nahezu gesamtes bisheriges journalistisches Schaffen darin bestand, gegen solche begriffslosen cocon-commünistischen Dämonen wie Kulla („immer diese ärgerlichen Anarchisten“ – Dath) zu Felde zu ziehen und sich bei diesen Zivilisierungsversuchen sogar der von ihnen konsumierten Underground-Theoriepornoheftchen wie „Phase 2″ und semi-illustrierten Männermagazinen wie „Spex“ bediente, um ihnen wenigstens etwas Vernunft einzuprügeln, was selbstverständlich, wie leider meistens, wenn man mit den Minderen Erbarmen zeigt, keinen Erfolg zu zeitigen wusste.
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