Tag-Archiv für 'dogma'

Lob der Spießigkeit

Wie sich der Begriff des Spießers im Laufe der letzten paar Jahrhunderte doch gewandelt hat: Einst galt er als Beleidigung gegen den hirnlosen Bürgermob, heute wird er von EBEN DIESEM gegen uns DDR-verteidigende kommunistische Kämpfer für die Wahrheit als expropriierte Denunziationsvokabel gebraucht. Die DDR sei langweilig und Scheiße gewesen, weil sie „ein Spießerstaat“ gewesen sei, berotzte mich erst letztens wieder eine dieser drogensüchtigen verblödeten Lohnschreiber-Journalistencanaillen, die sich ansonsten regelmäßig darin gefallen, das hirntote Zombiedrecknest BRD als aufregend und weltoffen darzustellen, in einer Hass-Fanmail.

Spießigkeit, Verklemmtheit, Verschnarchtheit, all die von Gegenwarts-, Internet-, und Popliteraturdeppen in ihrem Einsatz für den allgemeinen Zwang zur sozialen „Lockerheit“ so gern gehassten Eigenschaften: Welche Wohltat sind sie für den Geist, für den Fortschritt, für die marxistische Wissenschaft und den Kommunismus. Das angebliche, von der konterrevolutionären Arschlochpropaganda skandierte Grau-in-Grau des Realsozialismus, dessen alltäglich daherkommende Gediegenheit und Unauffälligkeit: wie wichtig ist es für uns Kommunisten, denn es „verwischt unsere Spuren“, ganz so, wie es der kluge Genosse Brecht schon forderte. Wie überhaupt der gesamte Sozialismus spießig sein muss, um sich durchzusetzen, sich zu halten und zu behaupten gegen die Unspießigkeit und Lockerheit, also: Hirn- und Konsequenzlosigkeit der hedonistischen Deppendekadenz des weltweiten imperialistischen Kinderfresserregimes, das sich sein stetig reproduziertes gesellschaftliches Grauen mit den Fassaden von Undergroundkunst, Technoclubs und Galeriemalerei-Nazimüll versucht schönzuschmücken, während die ganz alltägliche Folter des Irrsinns, das Regiertwerden durch Demokraten aka die Tyrannei des Mobs, den ja die hippielinken Commünistenspinner sogar noch verschärfen wollen in ihrem rigorosen, menschenverachtenden Herrschaftsabschaffungswahn, einfach weiterläuft.

Die Sicherheit, das Strebertum und die Disziplin, die die wichtigsten Eigenschaften sind, wenn man überhaupt irgendwas auf die Reihe kriegen will, sind die erstrangigen Tugenden des Spießers: wie wertvoll sind sie für den kompetenten Kommunismus; so nötig wie nichts anderes. Und am Wichtigsten natürlich: DER DOGMATISMUS! Nichts sinnvoller, nichts wirkungsvoller, nichts besser als ein vom marxistischen Dogma durchdrungener Kommunist, der sich durch keinerlei „freiheitlich-demokratische“ (also: antikommunistische) Fakten- oder Quellenfälschungsscheiße beeinträchtigen lässt in seinem richtigen Wissen um die Richtigkeit und Würde der Wahrheit. Nichts dümmeres, nichts verblödeteres als „undogmatische Linke“, diesem unsäglich behämmerten Mode-Ausdruck für „Trotzkistischer Deppenverein“.

Meine Güte; wie gut es doch war, dass Erich Honecker, dieser liebenswürdige, verdiente Mann des Friedens und der Sittlichkeit gegen den großdeutsch-bourgeoisen Nazidreck kein neoavantgardistischer, pappenfressender, pogender Minimaltechno-Grafikdesign-Wursthaar-Punk-Volldepp war, sondern ein verklemmter, also reflektierter saarländischer Spießer; wie klug und wahr noch seine letzten Worte vorm Politbüro des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei der Deutschen Demokratischen Republik im Herbst 1989 waren, als er dem Frondeur Egon Krenz nach dessen Mitteilung, man wähle ihn nun mal eben ab, nur lakonisch und mit der klaren Durchsicht des gewissenhaften Spießers entgegnete: „Durch meine Absetzung löst ihr kein Problem. Heute bin ich dran, morgen ihr“, während das verblödete Genossenpack in seiner antispießerischen Ideologie des reformerisch-demokratischen „Öffnungsprozesses“ und wie der ganze konterrevolutionäre Scheissdreck damals so genannt wurde, nur dumm aus der Wäsche guckte und keine Ahnung hatte, was er damit meinte. (Krenz, nach Jahren der Gefängnisfolter im Knast des Klassenfeindes, kapiert es bis heute nicht: „Wir wollten es nicht wahrhaben, aber letztlich kam es so, wie Honecker es prophezeite.“)

Die unbedingte Spießigkeit als primäre Haltung wieder zu entdecken und zu affirmieren, ist eine der gegenwärtigen Hauptaufgaben des geschichtsbewussten, entschlossenen Bolschewismus. Kader oder Untergang, es hilft ja nichts. Ohne Spießigkeit sind wir vollends unrettbar verloren im enthirnenden Matsch der antispießigen, also kleinbürgerlich-liberal-libertären Beliebigkeitssoße.

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