Tag-Archiv für 'konterrevolution'

Antideutsche Ideologiekritik– die Avantgarde der deutschen Ideologie

Dass die ehemaligen Antideutschen und „Ideologiekritiker“ inzwischen so ziemlich alle am Rad drehen oder bereits komplett dem Irrsinn anheim gefallen sind, hat wohl vor allem damit zu tun, dass sie nahezu überflüssig geworden sind, weil sie ihre Funktion für die Linke verloren haben. Auch wenn sie von ihren Pendants – den moralisch engagierten, schon mit halbem Bein in der Türe des Linksliberalismus stehenden linken Kritikern – immer noch beachtet, also: als Gegner anerkannt, d.h. ernst genommen werden, benötigt die antideutsche Ideologiekritik keine Aufmerksamkeit mehr, schließlich hat sie ja auf ganzer Linie gesiegt. Sie hat sich im Grunde totgesiegt, indem sie – wie das bei idealistischen linken Bestrebungen innerhalb des Kapitalismus immer der Fall ist (siehe 68er, Grüne, K-Gruppen usw.) – die Avantgarde, also nützlichen Idioten abgegeben hat für
a) die inzwischen 24/7 in allen Medien herum mahnende Anti-Verschwörungsideologie-Schulmeisterei und
b) überhaupt die in Massenmedien zur Normalität gewordene Kritik an (linken, inländischen) Regierungskritikern und allen möglichen Demonstranten und Aktivisten. Wozu noch Zirkulare wie sans phrase, prodomo, Phase 2 und Bahamas, wenn tagesschau, heute journal und Bildzeitung das viel effektiver zustande bringen?
Die (post-)linke, antideutsche Ideologiekritik war immer gerichtet gegen Aktionismus, „Pseudoaktivität“ (Adorno), Volks-Aufbegehren, Massenproteste usw., also pro bloße Kritik. Es ging ihr ausserdem immer um die „rücksichtslose“ Denunziation „autoritärer Herrschaft“ (sic!). Diese Kritik ist mit vollem Erfolg angekommen in allen Polit-Shows, Nachrichten, Magazinen, Comedy- und Satire-Formaten, staatstragenden Blogs und sozialen Medien: keine 5 Sendeminuten vergehen mehr ohne den BRD-Imperialismus verharmlosende oder leugnende Propaganda gegen selbstverständlich immer bloß im Ausland ausgemachte „autoritäre Regierungen“ wie in Russland, China, Belarus usw.
Die unmarxistische ideologiekritik und das vulgäre, d.h. den BRD-Imperialismus ignorierende Antideutschtum hat jetzt also zusätzlich zu den linken Zeitungen eine Wirkungsstätte in den großen Medien. In den Redaktionen von Springers Welt und Bild sitzen inzwischen ganz selbstverständlich jene Adorniten, die über den ideologischen Umschlagplatz „Israelsolidarität“ heim ins Reich gefunden haben, aus dem sie natürlich objektiv nie ausgeschlossen waren in ihrem Grand Hotel Abgrund.
Begreift man aber die Stufe des in den 90ern in der BRD aufgekommenen Antideutschtums und ihrer geisteskranken Sorte Ideologiekritik dialektisch (also: richtig) als _notwendige_ Stufe, nämlich Antithese im dialektischen Prozess der Selbstfindungsveranstaltungen innerhalb linksradikaler und kommunistischer Kreise, so kann es die Praxis der Vernunft nicht sein, dieser Antithese wiederum bloß einseitig ablehnend zu begegnen, also selbst bloß Negation dieser Stufe zu betreiben, statt sie zu einer höheren Stufe, zur Synthese, aufzuheben, also ihren – meinetwegen auch verneinten Gehalt – in sich aufzunehmen und zumindest zu reflektieren. Es ist klar, dass das kaum wer tut, denn das hätte schließlich vorzeigbare und nützliche Ergebnisse und sowas kann eine Linke natürlich niemals wollen.
Es ist auch klar, dass die Ex-AntiDs/ Ideologiekritiker, weil sie ins Verlieren verliebt sind, ihren objektiven Erfolg so nicht stehen lassen können. So müssen sie sich ständig winden, alle paar Monate sich von einem absurden hottake zum nächsten, noch absurderen hottake schlängeln, um ihre lediglich auf die Kritik der Ideologie anderer Linker gerichtete Identität und damit: Ideologie aufrechterhalten zu können. Damit aber, mit dem nahezu zwanghaften Verteidigen der eigenen Identität und der eigenen Irrtümer gleichen sie den traditionellen Linken ja wiederum aufs Haar. Das ist es, was sie so verrückt macht und sie dazu bringt, immer wieder aufs neue Amok zu laufen.

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Bildzeitung vs. Drosten

Dass Christian Drosten, wenn es nach Springer geht, der neue Christian Wulff wird, zeigt dass es inzwischen die allseits Beliebten, die Volks-Zugewandten, die Konformisten sind, die der Zorn des bürgerlichen Hetz-Apparats trifft. Die Tendenz ist, dass Springer heute nicht mehr gegen RAF-Terroristen oder linskradikale Studenten zu Felde zieht, sondern gegen die biederen Onkel von nebenan, gegen Leute, die brav und gesetzestreu, vielleicht etwas ungeschickt ihren Job machen und ansonsten keiner Fliege was zuleide tun können.

Was eines von vielen Exempeln abgibt dafür, wie doof und unnötig Anpassung doch ist: Wenn es nach der Bildzeitung (und mir ihr großer Teile dieses – ihres – Landes) geht, ist eh jeder, der was anderes als der Spingerkonzern will, ein gefährlicher autoritärer Stalinist, der die Menschheit unter Planwirtschaft versklaven will. Es lohnt sich also letztlich überhaupt nicht, nett zu sein, und sich NICHT völlig der Wahrheit zu widmen, die ja eben stalinistische Planwirtschaft lautet. Denn was Nettsein bedeutet, bestimmt das Presse-Monopolkapital: Nett ist, wer den Kapitalismus lobt oder zumindest nicht allzu hart angeht. Nett, ist wer vorgibt, sich um die Alten, die Kranken, die Kinder zu sorgen. Nett ist, wer will, was alle wollen – Friede, Freude, Gesundheit, Eierkuchen –, ohne eine Macht hinter sich zu haben, die das auch erkämpfen und realisieren könnte. Nett ist, wer sich nur mit anderen Netten umgibt. Nett ist der naive Glaube an irgendwelche Ammenmärchen, nett sind also auch leider die Linken geworden. Weil die ständige Gereiztheit, eine stets aufgeschreckte Grundnervosität und damit die Bereitschaft zur Empörung, die das Leben in bürgerlichen Gesellschaften hervorbringt für jene, die die Erziehungs- und Reichtumsverteilungs-Verlierer sind, bloß noch Modi wie Altruismus, Mitleid, rigiden Moralismus usw. übrig lässt, mit denen sich Ohnmacht und Knechtschaft heute rationalisieren.

Diese emotionale und moralische Überspanntheit vor allem bei Linken, bringt das Bedürfnis nach Schonung mit sich und also das nach Nettigkeit: wer selber nur nett sein kann, will damit in Wahrheit dem Streit aus dem Weg gehen, er will andere dazu bringen, sich auf sein Feld, das der Nettigkeit herunter zu bequemen. Auf diesem Felde kann er, der Diplomat, geschützt durch die Bollwerke der Moral und der Geisteskrankheit namens „gesunder Menschenverstand“ immer als Sieger hervorgehen, ohne selbst was riskieren zu müssen.
So macht Not Feige aus ihnen allen: Es spiegeln sich also in der eingeforderten Nettigkeit nur die materiellen Verhältnisse, die Ohnmacht und die ökonmische Abhängigkeit der Leute.
Die Linken haben sich zurückgezogen in ihre safe spaces, in ihre autonomen bubbles, Flausch-communities, ihre sorgsam abgesteckten Nettigkeits-Zonen (und jene postlinken jammerlappigen Provokations-Hampelmänner vom Schlage der Ideologiekritiker willfahren diesem Bedürfnis bloß, indem sie ihre eigene geschlossene Anstalts-Moral kultivieren, die zur Kommunikation nicht mehr fähig ist). Wenn ein Linker heute z.B. mal aus Versehen die völlig selbstverständliche und vernünftige Aussage macht, dass Kapitalisten nach der Revolution natürlich ins Gulag gehören, wird sich wenige Stunden später sofort (wie im Fall von Bernd Riexinger) bei Springer, FDP, BDI und CDU entschuldigt.

So werden in der großen Öffentlichkeit die Positionen von Radikalität, Tabubrecherei und intellektueller Randale frei für andere, die Rechten. Peter Sloterdijk etwa macht heute in der Tat nichts anderes als damals die 68er: Provozieren. Sie hauen auf den Putz, denn sie wissen, dass heute die einzige effektive Werbung für egal was die Provokation, das Spielen mit Tabus, das Reinscheissen von hot takes in den Diskurs ist.
Klar erkannt hat das auch der rechte Boulevard, der sich im Vergleich zu all den netten (also: antiautoritären, „kritischen“, d.h. verängstigten) Linken nun wunderbar als Rebellion und Machtkritik gerieren kann. Die das Böse beobachtende Klasse ist selbst zur bösen, also Politik treibenden geworden. Kurz: Julian Reichelt, das ist das Downgrade von Charles Manson. Der Typ will die Welt brennen sehen, doch leider hat es bei ihm nicht zum Rebellen, zum Sektenführer oder Serienmörder gereicht, sondern nur zum ordinären, aber lauten Kapitalknecht, dessen reaktionärer Eifer wie Rebellentum ausschaut – zumindest im Vergleich zu in universitären Diskussionszirkeln „assozierten“, also handzahmen Sozialkritikern, die weder die Regierung, noch irgendwelche Regierungs-Virologen angreifen wollen oder können.

Reichelt, Roepcke und einige bei der Bildzeitung untergekommenen Adorniten sehen sich auch selber als Kritiker des Konformismus, als Ideologiekritiker, als Rebellen gegen den „Zeitgeist“. Reichelt und Roepcke haben in der Parallelwelt Twitter kaum mehr Follower als irgendweche anonymen linken Accounts und können sich in dieser „Subkultur“ dann zurecht als Minderheit geben, die ihre Schweinereien unterm Mantel des Kampfs gegen eine übermächtige linke Unvernunft der ähnliche Schimären durchziehen können. So gehen sie aber durch die gesamte Welt: mit dem Bewusstsein des Mundtotgemachten, mit dem Seelenzustand des zu Unrecht Verfolgten, des in der Minderheit befindlichen Aufklärers.

All diese rechten Arschlöcher sie sind strukturell Linke geworden. So leben sie hin.

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Thüringen vom Ende her

Der hegelschen Philosophie heute die Geltung zu erweisen, die sie verdient, heisst z.B. ihr so betiteltes „Denken vom Ende her“ – also: das objektive Denken der Logik der Dinge selbst – auf gegenwärtige Phänomene anzuwenden. Das mag natürlich auch unter den Linken niemand gerne tun, denn es widerspricht den meisten momentan herrschenden Formen von Moral. Aber wenn nun erzählt wird, dass die ganze Thüringen-Chose von CDU, FDP und AfD – also den drei aggressivsten Interessenvertretungen bürgerlicher Macht – nach hinten los gegangen sei und letztendlich nichts gebracht, ja den Parteien und ihrer Demokratie sogar geschadet hätte, ist darauf hinzuweisen, dass, wenn man denn einmal die ideologischen Fitnessübungen von linken Szenen und Liberalen beiseite lässt, eben vom Ende her gedacht, das Gegenteil der Fall ist: Dass die FDP sich erst von Faschisten unterstützen lässt, dann diese Unterstützung willkommen heisst und einige der Granden der Partei draufhin sogar zunächst mal gratulieren, sendet ein klares Signal ans Bürgertum, also: die von der FDP am vehementesten vertretene besitzende Klasse: „Wir sind bereit. Wir könnten, wenn wir wollten. Auf uns ist Verlass. Lieber Faschismus und das Fortbestehen unserer Eigentumsprivilegien, als auch nur das kleinste bisschen Sozialdemokratie und eventueller Verlust von Besitz.“ Man sollte dieses Signal, wenn es (etwa wegen der tags darauf geschehenen lautstarken Zurückruderei) auch nicht von allen so laut vernommen wurde, nicht unterschätzen. Und man sollte auch nicht unterschätzen, wie davon die CDU (die ja für die die rechte „Integration in die Mitte“, also: die Mäßigung des Faschismus zuständig ist) und – sowieso – die AfD (die für die Integration der Konservativen in den Faschismus zuständig ist) auf längere Sicht – vom Ende her gedacht – profitieren könnten: denn es ist ja damit eine realistische Option für eine bürgerlich-faschistische Zusammenarbeit und damit auch für eine reale Verwirklichung des AfD-Programms durchaus gegeben.

„Vom Ende her gedacht“, dialektisch, ist auch das ebenso sehr nützliche Herumlavieren von FDP und CDU (selbst wenn wohl kein zurechnungsfähiger Mensch glaubt, dass bei denen irgendein konkreter Mensch zu solchem Denken imstande ist), das eben KEINE konsequente Absage an die AfD enthält, aber für gutwillige nichtfaschistische Liberale immerhin die Möglichkeit enthält, an den Mythos zu glauben, die bürgerlichen Parteien könnten sich unter Bedingungen liberaler Herrschaft NICHT auch zu konsequent bürgerlichen, also: faschistischen Parteien mausern.
Es geht bei all dem Geplänkel abseits des Landesparlaments natürlich wie immer vor allem auch darum, welche Klasse den offeneren, von der Öffentlichkeit stärker unterstützten Klassenkampf führen darf: die besitzende und zudem im Osten Deutschlands seit 1990 wieder herrschende und damit auch entsprechend (nicht nur mit Faschisten) gut ausgestattete bourgeoise, oder eben die seit 1990 nur noch in fast vollständig kampfunfähig gemachter, verbürgerlichter Form der PdL vorhandenen, nichtbesitzende, produzierende Klasse. Wo die bürgerliche Klasse einen sich unbürgerlich gebenden bürgerlichen Bürgerschreck namens Höcke hat, der zumindest etwas wollen und eventuell auch umsetzen könnte, was zwar dem Kapital nützlich, aber Teilen der liberalen Öfffentlichkeit zuwider sein würde – das schon macht seine Attraktivität beim rechten Pöbel aus – hat die andere Klasse keinen Ulbricht mehr, der nicht nur irgendwas wollen, sondern auch umsetzen könnte, was dem deutschen Kapital und seinen Medienkonzernen nicht passt. Das Mahnmal dieser Unfähigkeit heisst Ramelow. Das Mahnmal wiederum für die schiere Notwendigkeit der unbedingten Bekämpfung von Konterrevolutionen in sozialistischen Staaten heisst AfD.

Unabhängig also davon, wie das Theater im Thüringischen Landtag nun im einzelnen weitergeht, scheint es, als stünde ein Gewinner auf längere Sicht schonmal fest: die bürgerliche Demokratie (also: die völkische Barbarei). Aber die Frage beim Vom-Ende-her-denken ist natürlich immer, wo und wann denn das wirkliche Ende überhaupt stattfindet. Wir Kommunisten denken vom wahren Ende her. Und das hat ja, wie man inzwischen weiß, doch wohl immer einiges mit dem Aufkreuzen der Roten Armee zu tun. Die Bourgeoisie sollte sich also nicht zu früh freuen; kann sein, das Ende ist letztlich IHR Ende.

(Der Text ist entnommen aus meinem neuen Buch: „Mit Demokraten reden. Ein Leitgefasel“. Erscheint 1812 in der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung Tübingen, Preis: 16 Groschen.)

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Free Deniz & your mind won‘t follow

Der nun in der Bundesrepublik allseits von braven Bürgern, also von Jutta Ditfurth bis Erika Steinbach, vom Bahamas-Schreiber bis zur Bildzeitung, vom Antideutschen Autonomen Zentrum Neukölln bis zu Angela Merkel wegen seiner Inhaftierung bedauerte Deniz Yücel hat sich übrigens zu Zeiten seiner Tätigkeiten als Jungle-World- und taz-Redakteur mit diversen barbarischen Artikeln wie z.B. einer ressentimentgeladenen Hetzschrift gegen die DDR hervorgetan, um dann in Springers „Welt“ zur Lobeshymne auf den grünen Hartz4-Befürworter Volker Beck anzustimmen. Kein Wunder, dass der Springer-Konzern weiss, was er an diesem seiner Knechte hat, und sich daher nun genauso nachdrücklich mit ihm solidarisch erklärt, wie die Canaillen aus der (anti)deutschen Anarcho-Szene: Im Fall Yücel kennt man keine politischen Richtungen oder Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche, die mit einem Deutschen (erst Recht einem deutschen Journalisten, denn wen jucken schon die paarhundert seit Jahren unschuldig inhaftierten Leute, die keine Journalisten sind) jederzeit solidarisch zu sein haben, egal was dieser so treibt.

(Der Inhalt der klassischen Massenmedien ist von Journalisten produziert und in nicht geringem Umfang vermittelt er deshalb eine Weltsicht, die vor allem auf das Wohl & die Rechtfertigung des eigenen Berufsstands konzentriert ist. Die Medien im Kapitalismus sind gleichzeitig der grösste Lobbyverband der journalistisch Tätigen, ein Werbeunternehmen in eigener Sache, dem die eigentlichen Gegenstände der Berichterstattung oftmals nur noch zur Dekoration dienen, das zeigt die nun seit Tagen anhaltende mediale Hysterie um den Untersuchungshäftling Yücel.)

Wenn Gremliza die taz als „Kinder-FAZ“ betitelt hat, schwang dabei immer etwas von der Erkenntnis mit, dass all die kleineren, linksliberadikalen Jugendblätter unterm Monopol der bürgerlichen Ideologie natürlich nur als Ausbildungs- also: Zurichtungs-Stätten für die Arbeit bei „richtigen Zeitungen“, also denen von Springer, fungieren. Der Jungjournalist wird dabei langsam aber stetig an den angeblich nunmal alternativlosen Zeitungsmacher-Alltag herangeführt, bis er sich dort zuhause fühlt und die ungeschriebenen Gesetze verinnerlicht hat; etwaige Radikalität wird damit in verfassunsgsfreundliche Bahnen gelenkt, der Autor zum Journalisten heruntergezähmt, die bürgerliche Medienherrschaft stabilisiert, die rechtsradikale Springerhetze legitimiert.

Immerhin hat Yücel nun für alle ersichtlich die Probe auf dieses Exempel gemacht, und dafür sollte man ihm dankbar sein, auch wenn er in einem sozialistischen Rechtsstaat sicherlich ebenso inhaftiert würde – dann aber mit korrekter Anklage: konterrevolutionäre Umtriebe.

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Bunter statt brauner Nationalismus: „PEGIDA“ und ihre Kritiker

Viel wurde in den letzten Monaten in den bundesdeutschen, freien, überhaupt nicht lügenden, sondern ihre Ideologie mit bestem Wissen und Gewissen verbreitenden Medien über „PEGIDA“ einerseits und den Krieg im Osten der Ukraine andererseits gefaselt. Unbemerkt blieb dabei die Wesensgleichheit der deutschen Demonstranten und der Maidan-Proteste, mit denen vor einem Jahr die Konflikte in der Ukraine begonnen wurden.
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Ice-Bucket-Challenge für Sesselfurzer: Der Lobster Award

Ich weiß nicht, was das soll und woher es nun schon wieder kommt und warum, aber bei Rapoports rappelt’s und er stellt mir Fragen, als wäre der pensionierte Unhold Beckmann in ihn gefahren – und da antworten manchmal besser als ignorieren ist, komme ich seinem Wunsch in diesem Falle nach:

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Zur Verfilmung von Tellkamps „Turm“

Die von Christian Schwochow verbrochene MDR-Produktion des Tellkamp’schenTurms“, die Ende letzten Jahres im Ersten lief und nun auch ihre Opfer noch auf DVD heimsucht, ist selbst für die Verhältnisse einer zweiteiligen deutschen Feiertagsfernsehproduktion ein ganz und gar widerliches, plattes und geschichtsrevisionistisches Machwerk. Es wird hier nämlich zu der üblichen, kategorischen Anti-DDR-Hetze eine neuere hinzugefügt: die differenzierte Anti-DDR-Hetze, die gediegen empörend durchgequirlte Darstellung einer Bourgeois-Familie (Vater Richard Hoffmann (überzeugend bescheuert wie immer: Tatortleichenschänder Jan Josef Liefers): Arzt; Sohn Christian (Sebastian Urzendowsky): Soldat; Mutter Anne (Claudia Michelsen): engagiert) in den brutalen Mühlen des SED-Rechtsstaats. Der erste Teil baut die werkimmanente Barbarei, die auf der kalten, großen, bergehohen und scheinbar ewig brandenden Welle des gesamtgesellschaftlichen BRD-Antikommunismus surft, zunächst recht behutsam auf, bis es dann im Laufe des zweiten Teils zum Schluss hin immer ekelhafter wird: Falsche Ästhetik und falscher politischer Inhalt bedingen sich hier gegenseitig; der elende bourgeois-kirchliche Familienkitsch einer quasi im Osten ausgesetzten, tief im Herzen gesamtdeutschen Akademikersippe vermählt sich mit dem paramilitärischen Frondisten-Pathos zum endgültigen Vollhirnriss, der aus dem ganzen Film nichts anderes als einen – natürlich gebührenfinanzierten – Werbefilm für die Verherrlichung der völkisch-faschistoiden Anti-DDR-Demonstrationsverbrecher von 1989 macht. Michael Hanfeld hetzt derweil im FAZ-Feuilleton diesen typisch deutschen Filmmüll – Guido Knopp für anspruchsvolle Halbgebildete, denen der Roman dann aber auch wieder „zu dick“ ist – zum Kandidaten für den nächstjährigen deutschen Filmpreis hoch: selbst bürgerliche Ästhetizisten vergessen also jedwedes künstlerische Kriterium, solange der Quatsch zumindest inhaltlich ihrer Ideologie entspricht; Tellkamps Alter Ego, der treue, gerechte deutsche Einheits-Vorkämpfer und (Konter-)Revoluzzer Christian Hoffmann quält sich in diesem TV-Meisterwerk deutschideologischer Ressentimentbestätigung pubertär unterfickt, irrational soziopathisch, besessen antikommunistisch, lebensmüde, möchtegern-autistisch, individual-intellektualistisch und dann freilich auch noch vergewaltigend durch seinen erbärmlichen Schul- und Armee-Alltag, lernt wie der dämlichste Streber jeden Dreck, macht aber natürlich gleichzeitig pflichtbewusst – er ist ja schließlich letztlich doch nur ein komplett verwirrtes, unterwürfiges Provinzwürstchen – auch jeden achso schlimmen DDR-Folklore-Krempel mit, solange dieser mit der eigenen Borniertheit übereinstimmt und also antikommunistischer Bürgerberuhigungs-Galgenhumor ist: zwecks angestrebter Karriere als Arzt (wie der Vater, so der Sohn); natürlich nur, solange nicht die eigene Mutter oder der Nazikumpel vorm Kanonenrohr steht (da entdeckt er dann sein wiedervereinigtes Gewissen) und erschrickt vor seinem Vater, als er erfährt, dass dieser in jungen Jahren einmal mit dem MfS (durchweg bezeichnet als „Horch und Guck“ oder eben einfach bloß „DIE“) geliebäugelt hat, und all das bloß, um nachher, 20 Jahre später, im inzwischen gesamtverblödeten Großdeutschland schlechte Romane für Analphabeten schreiben zu dürfen. Na, da hat sich der „Freiheitskampf“ ja gelohnt. Armer Uwe, er kann einem schon leid tun – fehlt nur noch, dass er im Keller eines autonomen Punkschuppens namens Arschlochracket eine disjunktiv-discordische Electro-Rave-Rapper-Gruppe aufmacht und zum „Kiffen gegen den Sozialismus“ oder ähnlichem Trotzkistendreck aufruft, man ist ja im Hause Tellkamp/ Hoffmann schließlich emanzipativ.

Das erspart einem der Film aber dann doch, denn die Handlung ist in hahnebüchenem Ausmaß unlogisch und schwachsinnig genug, die Figuren genauso verblödet, wie es der westdeutsche Arztsohn in seiner Familie nunmal gewohnt ist, die bösen sind immer die SEDler oder Mfs-Mitarbeiter: Was würde ich dafür geben, auch nur EIN EINZIGES MAL einen Film zur besten Sendezeit im deutschen TV zu sehen, in welchem der von der Lohnarbeit geschundene Familienvater abends nach Hause kommt und die Macht des Kapitals, des Verfassungsschutzes, der Kirche, des BDI, und des CDU-Regimes beklagt, die ihn alle so sehr unterdrücken, verfolgen und seiner Freiheiten berauben. Aber nix da – stattdessen wird über 20 Jahre nach deren Exodus immer noch über die Vernunftherrschaft der SED abgejammert.

Besonders niederträchtig sind die zum Zwecke der verstärkten Propaganda hineinkolportierten Szenen, in denen die nunmal als nichts anderes denn faschistisch zu bezeichnende Schriftstellerin Judith Schevola auftaucht, welche „die Verbrechen des 2. Weltkrieges“ auch mal „differenziert“ beschreiben, also die deutschen Täter als Opfer darstellen möchte, was die Film-SED glücklicherweise verhindert, wodurch jene dann wiederum zur erbitterten Staatsfeindin wird – unterstützt vom evangelisch-opportunistischen Lektor Meno Rohde, der natürlich keine Vernunftgründe anführt, sondern sich in die Autorin verliebt – kennt man ja, immer wenn es zu politisch wird oder den Drehbuchschreibern nichts mehr einfällt, kommt der Verliebtheitskitsch ins Spiel. Und der senile Tatortkomissar-Darsteller-Opa und Linkspartei-Bundespräsidentenkandidatscanaille Peter Sodann nuschelt sich als Bezirkssekretär à la Modrow dann auch noch seinen impotenten Durchhaltebullshit in den Schnäuzer. Hört sich scheiße an? – Liegt am Film. Hätte es schlimmer kommen können? – Wohl kaum.

leuchtturm
„Der Turm“ zu Dresden (Abbildung ähnlich)

Als potentes Gegenmittel zu diesem deutschnationalistischen Dreck empfehle ich den hervorragenden, nun auch auf DVD und in den diversen Online-Filmstream-Portalen erhältlichen stalinistischen Film Looper von Rian Johnson: eine Ode an den historischen Materialismus mit einem herrlich abgefuckt-abgeplackten Bruce Willis. Einer der besten Filme der letzten Jahre.

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Referenzen reloaded

Auch weiterhin Programm: Stalinismus ohne Augenzwinkern

Ist dieser Lyzis wirklich so schlimm und grauenvoll? Ja, ist er – da ist sich das Volk einig. Es hat zwar nichts von ihm gelesen, geschweige denn begriffen, aber das Urteil ist eindeutig: schuldig, egal in welcher Anklage.
Er wird auch weiterhin alles dafür tun, diesem Urteil gerecht zu werden. (mehr…)

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