Tag-Archiv für 'stumpfsinn'

Linke Blogger und ihre stolze Arbeit am Sprachmüllberg

Zur Blogbarbarei. Teil I: Sprache

Bei Leuten, die noch alle Tassen im Schrank haben, ist es ja hinlänglich bekannt, dass das Internet, speziell das Weblog, Medien der Romantik sind: Wer bloggt, ist Idealist, Volksfreund, Demokrat, Aufklärer und Stürmer & Dränger gegen alles, was seiner bescheidenen und irrelevanten Meinung nach falsch oder Unrecht sei. Der Blogger ist das noch verblödetere, kindischere, konformistischere Update des Flugblätter- beschmierenden und -verteilenden 68er-Trottels.

Auffallend beim bauchlinken Bloggertum (also letztlich bei 99% aller linken Blogger), ist dabei konsequenterweise vor allem seine immer wieder auf dem Goldtablett präsentierte Sprachfeindlichkeit:

Wenn ein Stadionblogger namens rdps sich beispielsweise schon angesichts meines sprachlich noch recht verständlich und poppig ausgefallenen Beitrags zur „Linken Literaturmesse“ in Nürnberg zu solchem reaktionären Dreck hinreissen lässt, wie diesem hier:

„Das nenn ich mal einen wirklich langen Satz. Nicht, dass das unbedingt zum Verständnis des Inhalts, der zu vermitteln versucht wird, entscheiden beiträgt, aber immerhin kann man sich selbst und vor allem anderen damit durchaus beweisen, dass man zumindest der Interpunktion fähig ist, was ja erwiesenermaßen auch nicht unbedingt zu den leichteren Geschäften der deutschen Grammatikm gehört und ganz nebenbei schafft man es eventuell auch, dass die geneigten Leser_innen bei der Hälfte so verwirrt sind, dass sie nicht in der Lage sind inhaltliche Kritik anzubringen, woraufhin man in die Lage versetzt wird, diese gekonnt zu bepöbeln und daraus trotzdem als Gewinner hervorzugehen“(*),

dann kommt darin nicht bloß wieder einmal ein unverschämter Affront des Pöbels gegen die Sittlichkeit und Richtigkeit der von Hegel über Marx bis hin zu Wittgenstein bewiesenen Tatsache zum Vorschein, dass es kein nicht-sprachliches Bewusstsein gibt, dass Sprache nichts anderes als „praktisches Bewusstsein“ (Marx) ist und dass „die Grenzen der Sprache die Grenzen unserer Welt“ (Wittgenstein) seien, sondern dann formiert sich diese anarchistische bestimmungs- und begriffs-feindliche, also unter anderem dreist antiintellektuelle Sprachmatschverteidigungsbarbarei vor allem zu einer bei Romantikern sowohl rechter als auch linker Gestalt schon immer sehr beliebten Zelebrierung der Offenbarung jener traurig-erbärmlichen Dämlichkeiten, bei welchen sich der bewusstlose, des Sprach- und Begriffs-Verständnisses nahezu vollkommen unfähige und dieses Elend reproduzierende Mob erdreistet, sich über den elaborierten Geist zu erheben und seine eigene Unbildung den mutmaßlich meist noch verblödeteren, passiven Mitlesern dieses ganzen Affenzirkus‘ als rebellische Kritik an bösen Stalinisten unterjubelt.

Ein in seiner Widerlichkeit wie kaum etwas zweites zu verachtender Gestus: Der, der die Sprache beherrscht und sich um zivilisatorische Mindeststandards in der Sphäre des Geschriebenen bemüht, ist der Verdächtige, der zu Diffamierende, mithin: der Volksfeind.
Weil er die Sprache des zum Mob herunter regierten Dreckspacks namens Volk oder die sich davon nur leicht absetzende unbelehrbar linksidealistische Klippschulsatzrhetorik jener Marx verfälschenden Nachplapper-Arschlochsippe bloggender „Gegenstandpunkt“-Anhänger nicht zu sprechen gewillt ist, wird er nicht ernst genommen; passt er sich hingegen jener Sphäre zumindest formal an, indem er die entsprechenden Arschlöcher als die Arschlöcher, als welche sie sich objektiv und anhaltend gebären, bepöbelt, heisst es, das niveaulose neostalinistische Rumgeprolle sei gefälligst einzustellen, man habe sich am Diktat des Diskussions- und Argumentations-Sumpfs zu beteiligen, um überhaupt wenigstens ansatzweise ernst genommen zu werden.

Diese Sorte Sprachkritik ist natürlich nichts anderes als eine Formel für das ignorant-dreiste „Versteh ich nicht, will ich auch gar nicht verstehen, und darauf bin ich auch stolz!“, also düsterste reaktionäre Hippiescheisse, die einem irrsinnigerweise meistens da begegnet, wo sich angeblich intellektuelle, wissenschaftliche oder akademische Neo-Eliten zu ihrem gemütlichen Plauderründchen versammelt haben und wo ein Angriff aufs Wahrheitsdefinitionsmonopol also nicht erwünscht ist, und zudem natürlich eine Haltung, welcher sich jene annehmen, die nunmal durch unglückliche Zufälle und ohne auch nur den Hauch einer Ahnung oder gar Fachqualifikation aufweisen zu können, in „der Szene“ gelandet sind, um sich ihre mickrigen Autoritätspositionen innerhalb von subversiven Ohnmachtszusammenhängen qua Beschwörung von einfacher Sprache, also begrifflicher Unklarheit zu sichern. (Man stelle sich vor, was geschähe, wenn plötzlich durch Maßnahmen sozialistischer Vernunft diese Leute dazu gezwungen wären, keine Scheisse mehr, sondern nur noch qualifizierte, sprachlich und begrifflich gebildete Beiträge abzuliefern, weil ein gesellschaftliches Verlangen danach produziert würde: Es wäre einfach kein Publikum, kein Interesse und somit auch keine Relevanz mehr vorhanden für ihr unsittliches hirnloses Ausbreiten alternativer Ressentiments, welches sich bis dato so gern als „linke Kritik“ bezeichnen konnte, ohne dass irgendwem auffiel, um welchen Wahnsinn es sich da handelt. Man muss ja ständig im Hinterkopf behalten, dass diejenigen, die da so vor sich her „argumentieren“ und die selbsternannte Avantgarde einer zukünftigen, aufgeklärten Gesellschaftsform sein wollen, allesamt bedroht sind von einer gesamtgesellschaftlichen Anhebung des Denk- und Sprach-Niveaus.)

Das Einfordern kompakter, für jeden Deppen leicht verständlicher, einfach strukturierter und womöglich sogar Neologismen- und Fremdwörter-freien Sätze (und damit natürlich auch: Gedanken) ist letztlich nichts anderes als die schlecht mit Nettigkeitskleister ummantelte, dreiste Forderung der verblödetsten Stämme der halb-akademischen Semi-Hirnhandwerker, man möge doch bitte bloß das schreiben, was der denkfaule Heuchler ohnehin schon immer gedacht und gewusst hat. Man will auf Seiten dieser bequemen Typen, in deren Gemütlichkeit und Schluffigkeit die engagierte Barbarei nur auf ihren endgültigen Ausbruch lauert, in Wahrheit nicht mit Neuem, Ungewusstem und also logischerweise auch sprachlich distinguiert Daherkommendem belästigt werden. Die geforderte Berücksichtigung des Verlangens nach „verständlicher Sprache“ war eben schon immer nichts anderes als die verdeckte Forderung nach vor allem inhaltlichem Konformismus, also: Eingliederung in den falschen, irren, unwissenschaftlichen Arschlochkonsens begriffsloser Vollidioten. (Das vielzitierte einfache Volk hingegen ist sowohl solcher Sprache als auch ihm fremden Gedanken oft viel aufgeschlossener und fragt schlicht und einfach nach, wenn es etwas nicht versteht, erkennt also die Autorität des sich um Differenzierung und Bestimmung Bemühenden an.)

Dies werden die Berufs-Blogvolkssportler und die linken Vertreter des schreibenden Canaillentums natürlich niemals lernen, denn dafür sind nicht da. Ihr Job innerhalb des akurat eingehaltenen Plans kapitalistischer Arbeitsteilung ist die Verschrebergärtnerung der nach idealistischer Aufklärung lechzenden Bewusstseins-Barracken zum Zwecke der vollständigen Verblödung aller. Denn: Romantische (also: kaputte) Formen wie das ernsthaft betriebene Weblog bringen nahezu zwangsläufig romantischen, kaputten Inhalt hervor und umgekehrt.

Man muss sich ja ernsthaft fragen, wie diese Spinner denn gedenken, komplizierte Sachverhalte und Begrifflichkeiten anders auszudrücken als mit „komplizierter“ Sprache. Wahrscheinlich meinen sie in ihrer ewigen Unbehirntheit, man solle sie malen, erfühlen, tanzen, sticken, was weiss ich. Das Problem ist nur:
Es gibt viele Begriffe, und noch mehr Wörter. Nicht alle Wörter sind auch Begriffe, denn manche sind nur Begriffsabfall (also das, was der landläufige Blogger gern als „Diskurs“ bezeichnet) aber jeder Begriff erscheint auf der Realitätsebene des entäußerten Bewusstseinsinhalts, also der Sprache, ausschließlich in Form eines Wortes. Die sprachliche Unschärfe jedoch, mit der manch ein Wort heute einen Begriff nur noch wiederzugeben vermag, ist im Sinne einer exakteren Bestimmung der Phänomene und einer genaueren Ausrichtung wissenschaftlicher Arbeit vehement zu bekämpfen. Im Gegensatz zur Ansicht der Fremdwortfeinde und sonstiger Gegner von begrifflicher Klarheit und gedanklicher Maßstäbe, die immer wieder „barrierefreie“, d.h. ungenaue, im Vorhinein ideologisch verfälschte, unwissenschaftliche, dem Begriff nicht gerecht werdende Sprache fordern, ist es dem stalinistischen, also dem an Revolution und der Herrschaft der sozialistischen Vernunft interessierten Kommunisten umso wichtiger, die in allen möglichen Sprachen schon vorhandenen und neu gebildeten sowie noch neu zu bildenden begriffsschärfenden Sprachelemente in ihrer Exaktheit und Richtigkeit zu nutzen und in größeren gesellschaftlichen Umlauf zu bringen. Diese Begriffs- und Spracharbeit ist heute als eine der wichtigsten Tätigkeiten zur Ermöglichung einer Basis, welche den Sozialismus zu erwirken erlaubt, gar nicht hoch genug einzuordnen. Das Unwesen der vorgeblich marxistischen Blog- und Undergroundjournaillen-Barbarei ist mit seinem Elendsgejammer als einer der Hauptgegner auszumachen und entsprechend zu denunzieren und zu vernichten, denn der stetig wachsende Sprachmüllberg zieht letztlich auch den Kommunismus in den bewusstlosen Dreck – was seine wenigen intellektuellen Vertreter zu verhindern wissen müssen. Zur Arbeit des Marxisten an der Verhinderung begrifflichen Elends kommt also auch noch die der Sprachsperrmüllabfuhr.

Ein erster Schritt in Richtung sprachlichem Umweltschutz könnte also sein, endlich mal diesem elenden Demokratendiskussionsblödsinn Lebewohl zu sagen. Denn dass Leute, die zu oft mit Demokraten und deren falscher Sprache diskutieren, irgendwann selber Demokraten mit falscher Sprache und falschen Begriffen werden (wenn sie es nicht eh schon immer waren), das ist sicherlich eine der vielen Lehren, die man ziehen kann, wenn man sich die Emanzipationsscheisse diverser Schreiber und Blogger und ihre Auswirkungen mal etwas genauer vorgenommen hat.

To be continued.

    (*) Die Weisheiten des rdps:

    „Das nenn ich mal einen wirklich langen Satz. Nicht, dass das unbedingt zum Verständnis des Inhalts, der zu vermitteln versucht wird, entscheiden beiträgt…“

    Merke:
    1. Lange Sätze sind pfui und fast so böse wie Stalin, Lenin und Mao zusammen.
    2. Verständlichkeit als Fetisch: Die eigene Hirnlosigkeit, Faulheit, Reflexionsverweigerung wird als Norm gesetzt. Wer sich an diese nicht hält, ist Volksfeind.
    3. „Inhalt“ ist eine eigenständige Größe, welche bloß „vermittelt“ werden muss, natürlich mittels „Form“, die wiederum mit jenem nichts zu tun hat und nur von aussen auf diesen aufgestülpt wird. Dass eine spezifische, bewusst gewählte Form selber schon ein erheblicher Beitrag zum so genannten, immer wieder irrigerweise von dieser abgekapselten Inhalt ist – Form/Inhalt-Dichotomie reproduzierende Deppen wie rdps interessierts kein Stück.

    „…dass die geneigten Leser_innen bei der Hälfte so verwirrt sind, dass sie nicht in der Lage sind inhaltliche Kritik anzubringen“

    Merke:
    1. „Verwirrung“ ist unter allen Umständen zu vermeiden. Der deutsche alternative Schrebergartentextleser will seine Blogs einfach, klar, sich selbst und sein falsches Bewusstsein bestätigend, sonst tickt er aus und schreibt dreiste Kommentare.
    2. „Inhaltliche Kritik“: Noch lustiger als die gute alte Verständlichkeit. Ein Klassiker des Diskussions-Trotteltums seit Jahrhunderten. Jeder Text soll gefälligst so geschrieben sein, dass eine solche Kritik sofort jeder Idiot ohne weiteres anbringen kann. Am besten nur noch in Dialekt oder Umgangssprache schreiben, ohne Fremdwörter und anderen Sprachjuden, damit bald jeder Text so sagenhaft verblödet und grausam ist, wie die von rdps, Daniel Kulla, Stefan Ripplinger, Stefan Grigat, Manfred Dahlmann, Hannah Arendt, Martin Heidegger, Roger Behrens, Jörg Pilawa, Matthias Matussek, Alex Feuerherdt, Karl Held, Walter Kempowski, Rainer Kunze, Heinz-Rudolf Kunze, Egotronic, Günther Anders, Lars Quadfasel, Robert Kurz, Herbert Marcuse, Andreas Hartmann, Klaus Theweleit und den andern Figuren des sprachverwirrten deutschen Kasperletheaters es jetzt schon sind. Weil, wichtig: Letztlich sagen doch eh alle dasselbe, sprechen dieselbe Sprache, ziehen am selben Strang! Man soll mal gefälligst nicht so tun, als hätte jemand, der auf seine Sprache und Wortwahl achtet, was anderes zu sagen oder ein anderes Interesse, als jede sonstige dahergelaufene Canaille, die sich schreibend durch ihr Leben pfuscht.
    (Ich baue ein Haus, das von unten bis oben stabil und bewohnbar ist, rdps regt sich drüber auf und wirft mir vor, dass es keine zerbröckelnde, unbewohnbare Hütte ist.)

    „…woraufhin man in die Lage versetzt wird, diese gekonnt zu bepöbeln und daraus trotzdem als Gewinner hervorzugehen“

    Merke:
    1. „Gekonntes Bepöbeln“: Können ist eh immer das schlimmste für die Nichtskönner, das ist klar. Diese Könnerei ist schon echt ein Riesen-Dorn im Auge der Romantik. Unverschämt.
    2. „Gewinner“ ist natürlich auch übelst. Als Loser mag man die irgendwie so gar nicht. Die können halt einfach nicht aufhören zu gewinnen. Schlimm!

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Der Satz des Jahres:

„in der realität, also außerhalb linker zusammenhänge…“(Blogger Kotzboy)

Danke für diesen herrlichen Satz, der all jenes Elend, das manch ein linkes Zusammenhangsmitglied für sein Leben hält, so wunderbar auf den Punkt bringt, indem er unbewusst ausplaudert: Realität (auch gerne genommen: „Das Bestehende“), das ist böse, schlimm, unrein, daran macht man sich als Wahrer Linker® nicht schmutzig. Realität, das ist sowieso nicht die Wirklichkeit, die Wirklichkeit ist das abstrakte Dagegensein in heruntergekommenen besetzten Drecksbuden, Studentenwohnheimen und ohnmächtigen Podiumsdiskussionszirkeln mit immer denselben paar dutzend lächerlichen Elendsgestalten.

Realität, die muss man schlicht Scheisse finden, weswegen es mit der „Phase 2 – Zeitschrift gegen die Realität“ sogar ein Zirkular für die Sekte der Realitätsgegner gibt, die sich bisweilen dreisterweise immer noch „Kommunisten“ nennen und wo die einzelnen als Theorien verkleideten Phantasmagorien in wunderhübsche Artikelchen verpackt miteinander in Austausch kommen dürfen (ganz fernab jeglicher Realität natürlich). Massenpsychose als Erkenntnisbasis: soweit ist Gesellschaftsanalyse bis heute herunter gekommen. „Die“ Realität muss „abgeschafft“ werden, drunter tun sies nicht.

In hundert Jahren, wenn wir alle tot sind und im commünistischen Himmel ewiger, vollkommen gleichberechtigter, postheteronormativer, emanzipierter Glückseligkeit 17 mal täglich Adorno, Bakunin, Bernstein, Biermann, Butler, Derrida, Foucault und Trotzki huldigen, wird man seinen Kindern von „damals“ beginnend mit der Floskel „Früher, als wir noch in dieser schrecklichen Realität leben mussten…“ Geschichten zu erzählen beginnen. In Gedanken natürlich nur. Im Traum. Im Tod. Denn der ist das tatsächliche, im Leben logischerweise niemals erreichte große Ideal jener Realitätsphobiker von heute, die damit den alten romantischen Mythos wieder restaurieren, welcher da „Sehnsucht nach dem Tode“ geheissen hat. Diesmal aber nicht offen als konterrevolutionäre Fronde, wie noch bei Novalis, sondern getarnt als aufklärerische Bestrebung zur Schaffung einer „besseren Welt“ und ähnlichem Irrsinn. In der Realität, da haben sich ohnehin immer nur die ganz bösen Buben versucht, die Lebendigen mithin, das ist sicher nichts für die linksdeutschen Zombies ohne Sinn, Verstand, Talent oder Interesse. Diese brutalen bürgerlichen Tugenden einer schier unerträglichen „Leistungsgesellschaft“ (wenn der Stumpfsinn, das Nichtsgetue und die Langeweile heute Leistung sein sollen, will ich nicht wissen, was diese unbehirnten Spinner als nicht-leistungsorientiert betrachten) finden ausserhalb der linken Traumwelt statt, in der Realität eben.

Was bin ich froh, in dieser zu leben.

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„Raven gegen Deutschland“ (Egotronic)

Demnächst wohl auch noch:

Schlafen gegen Deutschland
Essen gegen Deutschland
Aufs Klo gehen gegen Deutschland
Ficken gegen Deutschland
Arbeiten für, äh: gegen Deutschland
Spazierengehen gegen Deutschland
und Deutschsein gegen Deutschland, oder was?

Ihr könnt mich echt mal, ihr Spinner.

Wenn ich rave, moshe, dive, tanze, esse, knutsche, lese, schlafe, schreibe, saufe oder mich sonstwie meines Lebens erfreue, dann mache ich das ausschliesslich für mich und mein Lebensglück. Dabei geht mir Deutschland sowas von am Arsch vorbei, das glaubt ihr nationalistischen AntiD-Deppen gar nicht.
Ich tue diesem Scheissland doch nicht auch noch den Gefallen, meine Freizeitaktivitäten gegen es zur richten.

Ich arbeite schon genug gegen Deutschland, Egotronic und sonstige schlechte Kunst, da muss ich mir von euch Losern garantiert nicht sagen lassen, wogegen mein Gerave nun gut sein soll oder nicht!

Egotronic: Dummsein gegen (aber eigentlich letzlich doch wieder bloß: für) Deutschland.

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Linke Verlage in Deutschland: Ein hypermediokres Spektakel angewandten Stumpfsinns

„Menschen, die Produktionsinstrumente haben, können materielle Güter erzeugen, aber die gleichen Menschen, die wohl eine Sprache haben, aber keine Produktionsinstrumente, können keine materiellen Güter erzeugen. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass, wenn die Sprache materielle Güter erzeugen könnte, die Schwätzer die reichsten Menschen in der Welt sein würden.“ (Josef Stalin)

Wozu braucht der Kommunismus eigentlich deutsche Linke?
Das ist eine Frage, auf die nie jemand eine Antwort wird geben können; schlicht, weil es darauf keine gibt. Es existiert nämlich nichts nutzloseres in der Welt als jenes hierzulande so überproportional ansässige, emsig revoltierende und moralisierende Korrektheitsüberwachungskollektiv, das mit seinen aktionistischen Kurzschlüssen und solidarischen Enthirnungsveranstaltungen den Globus so fortschreitend verwursthaart und welchem der Weltgeist einmal das Attribut „links“ verlieh, weil das Gerücht umging, dieser Verein wolle den Status quo zugunsten einer gerechteren Einrichtung der Gesellschaft bekämpfen.

Vor kurzem fand nämlich in Nürnberg wieder einmal der Parteitag der wanderpredigenden Schriftgläubigen, auch als „Linke Literaturmesse“ („VERKAUFSMESSE VERANSTALTET VON METROPROLETAN – ARCHIV & BIBLIOTHEK UND GOSTENHOFER LITERATUR- UND KULTURVEREIN LIBRESSO EINTRITT FREI BUCHVORSTELLUNGEN LESUNGEN DISKUSSIONEN GEGEN DEN KAPITALISTISCHEN MAINSTREAM“ – Werbeslogan vom letzten Jahr) bekannt, statt. Dass sich der dort anwesende niedere Mob nicht mit den ohnehin schon zwei Mal pro Jahr unnützerweise begangenen bürgerlichen Literaturmessen in Frankfurt und Leipzig zufrieden geben kann, ist seiner Luschigkeit, seinem Idealismus, also: seiner Angst vor der großen weiten Welt der realen Wirkung und verlässlichen Ernsthaftigkeit, sowie seinem seit Jahrzehnten unausrottbaren Hang zu ausgiebig zelebriertem Sektentum zwecks Ankurbelung des Verlagsumsatzes geschuldet. So findet sich dann in Nürnberg, der Heimatstadt der Krise, alljährlich ein Gruselkabinett linksdeutscher Ressentimentverbreitung zum gemeinsamen Seilschafts-Optimierungs-Arschgekrieche zwischen Gegenstandpunkt, Neues Deutschland, junge Welt, alte Welt, Unrast, PapyRossa, konkret-Literaturverlag, sowie haufenweise sonstigem anarchosyndikalistischen oder trotzkistischen hirnamputierten Dummschwätzertums zusammen. Wie immer, wenn linke Idealisten ihr Camp aufbauen, darf dabei aber natürlich auch – man will schließlich selbst in der abgelegensten Provinz noch Weltläufigkeit, Offenheit und Toleranz beweisen – der unangenehme Splitter in der Haut der geballten roten Faust nicht fehlen, so dass sich auch in diesem Jahr wieder die antideutsche Anstalt für Kindergartenbroschürensammelbände und sonstigen para-wertkritischen Irrsinn, der ça ira-Verlag* – natürlich vollkommen uneigennützig und lediglich um emphatische, altruistische Aufklärung der nach antideutschen Parolen nur so darbenden, orientierungslos daher seiernden Altlinken bemüht – gnädigst dazu bereit erklärte, jenem düster-albernen Laienschauspiel beizuwohnen, in welchem der Kunde und Zuschauer gleichzeitig auch mitspielender Akteur ist, indem er haufenweise schlecht gedrucktes, ekelhaft gesetztes, und noch schlechter geklebtes, beziehungsweise eventuell sogar gebundenes, aber auf jeden Fall übelst ediertes, also letztlich: mies verlegtes Altpapier mit Titeln wie z.B. „Die antideutsche Ideologie: Vom Antifaschismus zum Krisenimperialismus: Kritik des neuesten linksdeutschen Sektenwesens in seinen theoretischen Propheten“ des notorischen Vollidioten Robert Kurz, „Argumentationstraining gegen Stammtischparolen“ (kein Witz, das gibts wirklich) des Volkshochschul-Althippies Klaus-Peter Hufer oder „Trotzki – Held, Humanist, Heilsbringer“ von Wolf-Heiner Bernstein zu indiskutabel dreisten Preisen kaufen kann, um dann seinerseits selbigen ideologischen Schund wiederum das ganze folgende Jahr über in seiner jeweiligen Dorflesegruppe oder im von ebensolchen Spinnern gelesenen Blog zum schlechtesten zu geben, indem er halb- oder gar nicht verstandene Versatzstücke dieser erbärmlichen Scheisse anderen „irgendwie, ey“-linken Trotteln zur Bewertung, Prüfung und Absegnung vorstellen darf („Aufklärung“ nennt der hilflose Depp sowas dann üblicherweise), um damit den freiwilligen Dienst des werbetreibenden Haustürvertreters für eigentlich unabsetzbaren Verlagsmüll auszuführen, selbstverständlich unterm Banner der „kritischen Verbreitung subversiver Theoreme“ (die jeweiligen Autoren und Verlagseigner, meist auch nur unerheblich besser informiert und kaum erwachsener als ihr ergebenes Jungvolk lesewilliger und angeblich achso kritischer Untertanen, lacht sich derweil im Verlagspolitbüro wahrscheinlich schlapp über diese freiwillige Horde namenloser Wasserträger, die man aber ansonsten natürlich ohnehin, spätestens nach der gelungenen Revolution für „die gute Sache“ (ein Phase-2-Abonnent) verheizt hätte, wie man es mit Idioten halt schon immer gemacht hat – darin, immerhin, sind selbst die antideutschen Praxisverweigerer ganze autoritäre Bewegungslinke geblieben: Der Führer spricht, schreibt, verlegt und kommandiert, die tumbe Masse hat zu folgen).

Das waren die letzten Jahre.
Nun dachten sich die führenden Schweinepriester des Messe-Kommitees in diesem Jahr, angeheizt von angeblicher (im Umgang mit der Bahamas geht man bei deutschen Linken so vor, wie im Umgang mit Stalin: keinen Text von ihm gelesen, aber einfach mal per se Scheisse finden, nach dem Motto: die Gerüchte des ungebildeten kolportierenden Nullenpacks werden schon stimmen) SS-Verharmlosung und schlimmem Anti-Antirassismus (den die betreffenden Antirassisten immer nur als Rassismus entziffern können, weil sie den Unterschied zwischen einer Kritik an ihnen und der Affirmation des von ihnen bekämpften Gegenstands nicht begreifen) im antideutschen Sektenzirkular Bahamas, welches zum Unglück für den ça ira-Verlag auf dessen Stand auslag, dass man mal wieder „einen Trennungsstrich“ ziehen müsse, „die Türe hinter irgendwem zumachen“ und sich „nicht mehr mit „diesen“ an einen Tisch setzen“ wolle. Man kennt diese links-undergroundigen Stumpfsinnsfloskeln zum Zwecke der schlecht praktizierten Verdeckung narzisstischer Gekränktheit und des Willens zur Konkurrenzausschaltung (die linke Subszene ist nicht sehr groß und ihre Mitglieder, also: Opfer, zählen meist zum recht armen Völkchen des Studententums oder der arbeitslosen Reservearmee; jeder Bucherlös, welcher der einen Szene-Verblödungsanstalt zukommt, fehlt der anderen in der Kasse) zur Genüge: Eine reaktionäre Gruppe wird aus einer noch größeren reaktionären Gruppe ausgeschlossen – das ist das übliche Gebaren unter konkurrierenden Rackets. Statt dies aber abnickend und nicht weiter beeindruckt zur Kenntnis zu nehmen, wie es der gesittete Mensch bei allen Vorgängen solch lumpenintellektueller Willensbekundungsexzesse zu tun pflegt, delirieren die jeweiligen Anstaltsvertreter nun durch die Gosse der ungedruckten Medien, als sei man mal wieder kurz vorm nächsten Holocaust.
Dabei geben sich die beiden großen Hauptparteien keine Blöße: eine agiert dümmer als die andere, wobei lediglich auffällt, dass bei diesem inoffiziellen Wettbewerb freischaffender Legastheniker die antideutschen Deppen in der Regel ein paar Rechtschreibfehler weniger machen, während die Mitglieder der linksdeutschen Mafia hingegen eine größere Meute von Unterstützern zu mobilisieren in der Lage sind.

Das spezifische Elend jenes in den letzten Jahren von Demagogen jeglicher Bewusstseins-Degenerationsstufe zur Proklamation irgendeiner nicht näher benennbaren „Distinktion“ (wer keine Inhalte hat, die den Unterschied ausmachen könnten, muss sich halt um formal-theatralische Absetzung von seines gleichen bemühen, um überhaupt noch als eigenständig wahrgenommen zu werden) mühsam aufgebauten Pseudo-Gegensatzes „Antideutsch – Linksdeutsch“ oder meinetwegen auch „Zionisten – Antiimperialisten“ ist jedoch ein in den jeweiligen bewusstlosen Zirkeln nahezu vollkommen unbemerkt gebliebenes, nämlich: eines der wieder einmal nicht verstandenen notwendigen dialektischen Verfasstheit jenes Positionen-Spielchens. Die anti-antideutschen Menschewisten vertreten nämlich auch nur die andere Seite einer Medaille, dessen antideutsche Vorderseite ihre szene-internen Kritiker von isf, ça ira, Bahamas usw. für sich reklamieren.

Der Kommunismus, der bei Marx einmal als eine dialektisch bewegte, zwar objektiv notwendige, aber subjektiv zu schaffende, lebendige und auf gewissen zeitintensiven Entwicklungsgesetzen beruhende, also in nicht unbedingt sehr naher Zukunft sich zu entwickeln habende, und vermittels einer länger andauernden, durchaus auch noch von Klassenauseinandersetzungen geprägten Phase des sich bisweilen auch noch auf Strukturen althergebrachter Staatspolitik stützenden Übergangsperiode namens Sozialismus durchzusetzende vernünftige Gesellschaftsordnung (Ordnung, nicht Unordnung!) begriffen war, diesen Kommunismus brechen heute nahezu alle in seinem Namen agierenden, agitierenden, diskutierenden, argumentierenden und delirierenden Distinktions-Spekulanten, ob linksdeutscher oder „linkskommunistischer“ (respektive: antideutscher) Provenienz, auf einen unscharfen Utopie-Matsch ekelhaftester antiautoritärer Sorte herunter, welcher durch ohnmächtiges Herumkritisieren, schlecht geschriebene Bücher und stumpfsinnige Demonstrationen (ob nun mit Pace- oder Israelflaggen) gleichsam über Nacht über die Menschheit zu bringen sei, ohne dabei auch nur einer Fliege etwas zuleide zu tun. Moralisierender Commünisten-Kitsch ist, unterschiedlich designt, sowohl bei der einen, als auch bei der anderen Anstalt die Regel.

Beide kultivieren letztlich einen stumpfen, nur schlecht übertünchten Hass auf irgendwelche diffusen, kaum begriffenen Zwänge zu einer Kommunismus-Subkultur, bei deren Anblick nicht nur Marx das schiere Zittern in die Knochen gefahren wäre. Bei beiden findet sich zudem ein- und dasselbe ideologische Wahrnehmungsmuster: ein jeweils stupidester Positivismus, welcher von Belesenheit (der dämlichsten Form von Bescheidwisserei) und psychologisierender Sozialforschung, statt von auch und besonders an Hegel geschulter dialektisch-materialistischer Logik als erkenntnistheoretischer Basis ausgeht. Der Unterschied zwischen Linksdeutschland und antideutscher Linkstumspflege ist lediglich ein kosmetischer: während sich die einen (wenn auch immer weniger) den antideutschen Rechtspopulismus der Bahamas noch als Avantgarde einer sinn- weil wirkungslosen Israelsolidarität unterjubeln lassen, vertritt die restliche Linke nur eine weitere Ebene innerhalb ein- und desselben Schwachsinns-Zusammenhangs, in welchem verschreckte Kleinbürger ihre Angst zu Politik umlügen und sich in regelmäßigen Abständen zu Szene-übergreifenden Showdowns zusammenrotten, in welchen dann, wie in diesem Jahr bei der Linken Buchmesse, die jeweils neuesten Kostüme samt Theorie-Lichtschwertern präsentiert und ausgeprobt werden.

Die Jury entschied nun, dass das ça ira-Kostüm den momentanen geschmacklichen Präferenzen der Szene zuwider läuft und ließ sie deshalb aus dem Wettbewerb ausscheiden.

Solange politische Theorie und eine grundlegende Übereinstimmung von Interessen auch weiterhin nicht durch in erster Linie intelligible, sondern soziale Strukturen, also zwanghaft cliquisierte Ohnmachtsverwaltungsgemeinschaften hergestellt werden, wird sich an solcher Scheisse auch in Zukunft nichts ändern; das Ergebnis wird mitnichten Kommunismus sein.

Wer sich aus dieser Gosse nicht nachdrücklich immer wieder heraus hält, den kann man eigentlich sofort auf den Müll schmeissen, da er bloß noch einer von vielen Verkehrsknotenpunkten der sich allgemein durchsetzenden Barbarei ist und in Zukunft für jedwede kommunistische Bestrebung überflüssig sein wird. Man wird weder jenen, noch der marxistischen Sache gerecht, wenn man diesen Idioten auch weiterhin nur ihren eigenen, immer wieder neu aufgekochten und in Stummeltexte verfrachteten Bewusstseinsstand vorlegt, statt ihnen das zuzumuten, was sie in großer Menge den Schritt zum reaktionären Bürger zurück vollziehen und sie schon in der Schule hat schaudern lassen: ernsthafte Wissenschaft.

_______________
* Das ist jener höchst seriöse Verlag, welcher sich, genauso wie der konkret-Verlag, nicht zu schade war, die Schriften des senilen Demokratie-Idealisten, Deutschnationalisten und beherzten Antikommunisten Johannes Agnoli zu verlegen, weshalb die linksdeutschen Canaillen, die sich mit diesem Blödsinn schon immer gut identifizieren konnten, nach dem Ausschluss auch gar nicht vehement genug betonen konnten, dass ça ira zwar voll nazi ey, Agnoli aber auf jeden Fall immer schon einer von ihnen gewesen sei, was, um im antideutschen Milieu keine Missverständnisse oder gar Freude aufkommen zu lassen, dessen Witwe ohnehin schon des öfteren zu betonen pflegte.

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