Tag-Archiv für 'trotzki'

Was schreibt der Klassenfeind so?

Die Wahrheit, zum Beispiel.

Der altbekannte Streit der beiden großen Parteien commünistischer Volksverblödung, nämlich der Straßenkämpfer, also den Leuten der sogenannten AKTION auf der einen, und derjenigen, denen das bürgerliche Elend zu Kopf gestiegen ist, den sogenannten Theoretikern auf der anderen Seite, ist ein hinfälliger. In der momentanen historischen Lage ist er ohnehin unlösbar, verlieren werden ihn beide – gegen den Stalinismus, das ist sowieso schonmal klar. Es gibt nunmal tausend verschiedene antikapitalistische, sich kommunistisch wähnende Theorien (z.B. Wertkritik, Wertabspaltungskritik, Staatskritik, Geldkritik, Religionskritik, Kapitalkritik, Kritikkritik, antideutsche Ideologie- und Wertkritik, GSP-Kritik, Anarchogesabbel, Fetischkritik, Kritische Theorie, Kritische Leberwurst usw.), das Problem ist nicht, dass sie, wie die Aktionisten behaupten, zu intensiv und zu sehr zu Lasten der Praxis ausgeübt werden, sondern dass sie schlicht alle falsch sind. Die einzig richtige ist die des historischen und dialektischen Materialismus, also jene Theorie, deren letzter Unterschlupf der Stalinismus ist; die schlimmste und verheerendste war und ist der Trotzkismus in all seinen Schattierungen und seinen heutigen postmodern-kritizistisch-aufklärerischen Ausführungen (siehe Theorienaufzählung oben). Dieses Gefasel ist der barste Unsinn, das weiss sogar meist der bürgerliche Klassenfeind, und am erfreulichsten ist es, wenn die Erkenntnisse der stalinistischen Vernunft ihre Wahrheit durch diesen Klassenfeind, der vor allem auch noch einer sein will und nicht rumdruckst (und allein schon deshalb Lob und Anerkennung verdient) auch noch bestätigt werden. Dieses dem Kommunismus als Kontrollinstanz dienende Vorgehen, hier in Gestalt von Dirk Maxeiner und Michael Miersch, beweist die Existenz und Richtigkeit des Weltgeists: Jeder Satz in diesem Text ist richtig, die objektive Wahrheit wurde erkannt, der Unterschied zum Stalinismus ist lediglich einer der Frage, wer sich von uns später an oder neben dem Galgen befindet. Maxeiner und Miersch haben sich für oben, also die falsche Seite entschieden, das ist ihr gutes Recht, es herrscht schließlich Demokratie, Suizid ist jedem erlaubt. Natürlich sind sie Arschlöcher, aber nunmal keine, denen man vorwerfen kann, dass sie die Wahrheit ignorierten. Sie wollen das falsche, das schlechte, den Mob an der Macht und sich selbst als Untertanen, damit kann man leben – sollen sie ihres Elends Schmied sein. Und wer den derzeitigen Verwaltern der Bundesrepublik beim Sparkpakete schnüren und Ressentiments schüren publizistisch zu Diensten sein will, soll dies doch ruhig tun. Aber sie erzählen wenigstens keinen Mist, sie wissen, was Sache ist:

„In seinem letzen Lebensabschnitt schuf der alte Revolutionär [Trotzki] eine geistige Durchgangsstation, die einigen der klügsten Köpfe des 20. Jahrhunderts eine Weile Obdach bot. Sie wirkte wie ein Katalysator, der Intellektuellen die Abkehr vom Kommunismus erleichterte. Das hat der Prediger der „permanenten Revolution“ natürlich nicht bezweckt. Doch Stalin hat diese Wirkung wohl geahnt, ihn deshalb besonders unerbittlich verfolgt und alle Erinnerungen an ihn im Machtbereich der Sowjetunion tilgen lassen.“

Und weiter:

„Die Kritik des Exilanten Trotzki am Unterdrückungsapparat der Sowjetunion, ermöglichte es nachdenklichen Linken, darüber zu reden was falsch lief, ohne vor sich selbst als Verräter dazustehen. Zehntausende Ex-Kommunisten in aller Welt haben so eine trotzkistische Phase durchlaufen, bevor die meisten von ihnen Demokraten wurden.“

Chapeau.
Das sind doch gute, wahre, astrein der historischen Sittlichkeit gemäße Sätze.
Und wenn die heutzutage nunmal in Springers „Welt“ oder auf der „Achse des Guten“ stehen, dann zeigt das nur, wie debil und bewusstlos diese und ihr Publikum schon immer waren. Die Simpsons auf „Pro Sieben“, der Antitrotzkismus in der „Welt“, das ist doch ein erfreulicher Fortschritt.

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Der Satz des Jahres:

„in der realität, also außerhalb linker zusammenhänge…“(Blogger Kotzboy)

Danke für diesen herrlichen Satz, der all jenes Elend, das manch ein linkes Zusammenhangsmitglied für sein Leben hält, so wunderbar auf den Punkt bringt, indem er unbewusst ausplaudert: Realität (auch gerne genommen: „Das Bestehende“), das ist böse, schlimm, unrein, daran macht man sich als Wahrer Linker® nicht schmutzig. Realität, das ist sowieso nicht die Wirklichkeit, die Wirklichkeit ist das abstrakte Dagegensein in heruntergekommenen besetzten Drecksbuden, Studentenwohnheimen und ohnmächtigen Podiumsdiskussionszirkeln mit immer denselben paar dutzend lächerlichen Elendsgestalten.

Realität, die muss man schlicht Scheisse finden, weswegen es mit der „Phase 2 – Zeitschrift gegen die Realität“ sogar ein Zirkular für die Sekte der Realitätsgegner gibt, die sich bisweilen dreisterweise immer noch „Kommunisten“ nennen und wo die einzelnen als Theorien verkleideten Phantasmagorien in wunderhübsche Artikelchen verpackt miteinander in Austausch kommen dürfen (ganz fernab jeglicher Realität natürlich). Massenpsychose als Erkenntnisbasis: soweit ist Gesellschaftsanalyse bis heute herunter gekommen. „Die“ Realität muss „abgeschafft“ werden, drunter tun sies nicht.

In hundert Jahren, wenn wir alle tot sind und im commünistischen Himmel ewiger, vollkommen gleichberechtigter, postheteronormativer, emanzipierter Glückseligkeit 17 mal täglich Adorno, Bakunin, Bernstein, Biermann, Butler, Derrida, Foucault und Trotzki huldigen, wird man seinen Kindern von „damals“ beginnend mit der Floskel „Früher, als wir noch in dieser schrecklichen Realität leben mussten…“ Geschichten zu erzählen beginnen. In Gedanken natürlich nur. Im Traum. Im Tod. Denn der ist das tatsächliche, im Leben logischerweise niemals erreichte große Ideal jener Realitätsphobiker von heute, die damit den alten romantischen Mythos wieder restaurieren, welcher da „Sehnsucht nach dem Tode“ geheissen hat. Diesmal aber nicht offen als konterrevolutionäre Fronde, wie noch bei Novalis, sondern getarnt als aufklärerische Bestrebung zur Schaffung einer „besseren Welt“ und ähnlichem Irrsinn. In der Realität, da haben sich ohnehin immer nur die ganz bösen Buben versucht, die Lebendigen mithin, das ist sicher nichts für die linksdeutschen Zombies ohne Sinn, Verstand, Talent oder Interesse. Diese brutalen bürgerlichen Tugenden einer schier unerträglichen „Leistungsgesellschaft“ (wenn der Stumpfsinn, das Nichtsgetue und die Langeweile heute Leistung sein sollen, will ich nicht wissen, was diese unbehirnten Spinner als nicht-leistungsorientiert betrachten) finden ausserhalb der linken Traumwelt statt, in der Realität eben.

Was bin ich froh, in dieser zu leben.

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