Tag-Archiv für 'trotzkismus'

Zur Verfilmung von Tellkamps „Turm“

Die von Christian Schwochow verbrochene MDR-Produktion des Tellkamp’schenTurms“, die Ende letzten Jahres im Ersten lief und nun auch ihre Opfer noch auf DVD heimsucht, ist selbst für die Verhältnisse einer zweiteiligen deutschen Feiertagsfernsehproduktion ein ganz und gar widerliches, plattes und geschichtsrevisionistisches Machwerk. Es wird hier nämlich zu der üblichen, kategorischen Anti-DDR-Hetze eine neuere hinzugefügt: die differenzierte Anti-DDR-Hetze, die gediegen empörend durchgequirlte Darstellung einer Bourgeois-Familie (Vater Richard Hoffmann (überzeugend bescheuert wie immer: Tatortleichenschänder Jan Josef Liefers): Arzt; Sohn Christian (Sebastian Urzendowsky): Soldat; Mutter Anne (Claudia Michelsen): engagiert) in den brutalen Mühlen des SED-Rechtsstaats. Der erste Teil baut die werkimmanente Barbarei, die auf der kalten, großen, bergehohen und scheinbar ewig brandenden Welle des gesamtgesellschaftlichen BRD-Antikommunismus surft, zunächst recht behutsam auf, bis es dann im Laufe des zweiten Teils zum Schluss hin immer ekelhafter wird: Falsche Ästhetik und falscher politischer Inhalt bedingen sich hier gegenseitig; der elende bourgeois-kirchliche Familienkitsch einer quasi im Osten ausgesetzten, tief im Herzen gesamtdeutschen Akademikersippe vermählt sich mit dem paramilitärischen Frondisten-Pathos zum endgültigen Vollhirnriss, der aus dem ganzen Film nichts anderes als einen – natürlich gebührenfinanzierten – Werbefilm für die Verherrlichung der völkisch-faschistoiden Anti-DDR-Demonstrationsverbrecher von 1989 macht. Michael Hanfeld hetzt derweil im FAZ-Feuilleton diesen typisch deutschen Filmmüll – Guido Knopp für anspruchsvolle Halbgebildete, denen der Roman dann aber auch wieder „zu dick“ ist – zum Kandidaten für den nächstjährigen deutschen Filmpreis hoch: selbst bürgerliche Ästhetizisten vergessen also jedwedes künstlerische Kriterium, solange der Quatsch zumindest inhaltlich ihrer Ideologie entspricht; Tellkamps Alter Ego, der treue, gerechte deutsche Einheits-Vorkämpfer und (Konter-)Revoluzzer Christian Hoffmann quält sich in diesem TV-Meisterwerk deutschideologischer Ressentimentbestätigung pubertär unterfickt, irrational soziopathisch, besessen antikommunistisch, lebensmüde, möchtegern-autistisch, individual-intellektualistisch und dann freilich auch noch vergewaltigend durch seinen erbärmlichen Schul- und Armee-Alltag, lernt wie der dämlichste Streber jeden Dreck, macht aber natürlich gleichzeitig pflichtbewusst – er ist ja schließlich letztlich doch nur ein komplett verwirrtes, unterwürfiges Provinzwürstchen – auch jeden achso schlimmen DDR-Folklore-Krempel mit, solange dieser mit der eigenen Borniertheit übereinstimmt und also antikommunistischer Bürgerberuhigungs-Galgenhumor ist: zwecks angestrebter Karriere als Arzt (wie der Vater, so der Sohn); natürlich nur, solange nicht die eigene Mutter oder der Nazikumpel vorm Kanonenrohr steht (da entdeckt er dann sein wiedervereinigtes Gewissen) und erschrickt vor seinem Vater, als er erfährt, dass dieser in jungen Jahren einmal mit dem MfS (durchweg bezeichnet als „Horch und Guck“ oder eben einfach bloß „DIE“) geliebäugelt hat, und all das bloß, um nachher, 20 Jahre später, im inzwischen gesamtverblödeten Großdeutschland schlechte Romane für Analphabeten schreiben zu dürfen. Na, da hat sich der „Freiheitskampf“ ja gelohnt. Armer Uwe, er kann einem schon leid tun – fehlt nur noch, dass er im Keller eines autonomen Punkschuppens namens Arschlochracket eine disjunktiv-discordische Electro-Rave-Rapper-Gruppe aufmacht und zum „Kiffen gegen den Sozialismus“ oder ähnlichem Trotzkistendreck aufruft, man ist ja im Hause Tellkamp/ Hoffmann schließlich emanzipativ.

Das erspart einem der Film aber dann doch, denn die Handlung ist in hahnebüchenem Ausmaß unlogisch und schwachsinnig genug, die Figuren genauso verblödet, wie es der westdeutsche Arztsohn in seiner Familie nunmal gewohnt ist, die bösen sind immer die SEDler oder Mfs-Mitarbeiter: Was würde ich dafür geben, auch nur EIN EINZIGES MAL einen Film zur besten Sendezeit im deutschen TV zu sehen, in welchem der von der Lohnarbeit geschundene Familienvater abends nach Hause kommt und die Macht des Kapitals, des Verfassungsschutzes, der Kirche, des BDI, und des CDU-Regimes beklagt, die ihn alle so sehr unterdrücken, verfolgen und seiner Freiheiten berauben. Aber nix da – stattdessen wird über 20 Jahre nach deren Exodus immer noch über die Vernunftherrschaft der SED abgejammert.

Besonders niederträchtig sind die zum Zwecke der verstärkten Propaganda hineinkolportierten Szenen, in denen die nunmal als nichts anderes denn faschistisch zu bezeichnende Schriftstellerin Judith Schevola auftaucht, welche „die Verbrechen des 2. Weltkrieges“ auch mal „differenziert“ beschreiben, also die deutschen Täter als Opfer darstellen möchte, was die Film-SED glücklicherweise verhindert, wodurch jene dann wiederum zur erbitterten Staatsfeindin wird – unterstützt vom evangelisch-opportunistischen Lektor Meno Rohde, der natürlich keine Vernunftgründe anführt, sondern sich in die Autorin verliebt – kennt man ja, immer wenn es zu politisch wird oder den Drehbuchschreibern nichts mehr einfällt, kommt der Verliebtheitskitsch ins Spiel. Und der senile Tatortkomissar-Darsteller-Opa und Linkspartei-Bundespräsidentenkandidatscanaille Peter Sodann nuschelt sich als Bezirkssekretär à la Modrow dann auch noch seinen impotenten Durchhaltebullshit in den Schnäuzer. Hört sich scheiße an? – Liegt am Film. Hätte es schlimmer kommen können? – Wohl kaum.

leuchtturm
„Der Turm“ zu Dresden (Abbildung ähnlich)

Als potentes Gegenmittel zu diesem deutschnationalistischen Dreck empfehle ich den hervorragenden, nun auch auf DVD und in den diversen Online-Filmstream-Portalen erhältlichen stalinistischen Film Looper von Rian Johnson: eine Ode an den historischen Materialismus mit einem herrlich abgefuckt-abgeplackten Bruce Willis. Einer der besten Filme der letzten Jahre.

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Kleine Sektologie der Linken


“An wirklichem, tatsächlichem oder theoretischem Bildungsstoff ist da absoluter Mangel. Statt dessen Versuche, die sozialistischen oberflächlich angeeigneten Gedanken in Einklang zu bringen mit den verschiedensten theoretischen Standpunkten, die die Herren von der Universität oder sonstwoher mitgebracht und von denen einer noch verworrener war als der andre, dank dem Verwesungsprozeß, in dem sich die Reste der deutschen Philosophie heute befinden. Statt die neue Wissenschaft vorerst selbst gründlich zu studieren, stutzte sich jeder sie vielmehr nach dem mitgebrachten Standpunkt zurecht, machte sich kurzerhand eine eigne Privatwissenschaft und trat gleich mit der Prätension auf, sie lehren zu wollen. Daher gibt es unter diesen Herren ungefähr soviel Standpunkte wie Köpfe; statt in irgend etwas Klarheit zu bringen, haben sie nur eine arge Konfusion angerichtet – glücklicherweise fast nur unter sich selbst. Solche Bildungselemente, deren erstes Prinzip ist, zu lehren, was sie nicht gelernt haben, kann die Partei gut entbehren.”

Zirkularbrief von Marx/Engels an Bebel, Liebknecht, Bracke u.a., 1879 (MEW 19, S.164f.).

Man kann sich den Linken heute nur noch mit den Mitteln der quasi-ornithologischen Kategorisierung nähern; der Weltgeist steht hinterm Baum und guckt durchs Fernglas, dadurch sieht er allerlei Sorten bunter Vögel durcheinander zwitschern. Eine dementsprechende, natürlich vollkommen „verkürzte“ (so bezeichnen die kritischen Kritiker ja immer alles, was zu deutlich an Wahrheit gemahnt), vorurteilsbehaftete und unsachliche, also absolut zutreffende Übersicht der umtriebigsten, lautesten und auffälligsten linken Sekten und ihres jeweiligen Unwesens lege ich hiermit allen Interessierten zum ausdrucken, übers Bett hängen, weiterverteilen und auswendiglernen vor. (mehr…)

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Was schreibt der Klassenfeind so?

Die Wahrheit, zum Beispiel.

Der altbekannte Streit der beiden großen Parteien commünistischer Volksverblödung, nämlich der Straßenkämpfer, also den Leuten der sogenannten AKTION auf der einen, und derjenigen, denen das bürgerliche Elend zu Kopf gestiegen ist, den sogenannten Theoretikern auf der anderen Seite, ist ein hinfälliger. In der momentanen historischen Lage ist er ohnehin unlösbar, verlieren werden ihn beide – gegen den Stalinismus, das ist sowieso schonmal klar. Es gibt nunmal tausend verschiedene antikapitalistische, sich kommunistisch wähnende Theorien (z.B. Wertkritik, Wertabspaltungskritik, Staatskritik, Geldkritik, Religionskritik, Kapitalkritik, Kritikkritik, antideutsche Ideologie- und Wertkritik, GSP-Kritik, Anarchogesabbel, Fetischkritik, Kritische Theorie, Kritische Leberwurst usw.), das Problem ist nicht, dass sie, wie die Aktionisten behaupten, zu intensiv und zu sehr zu Lasten der Praxis ausgeübt werden, sondern dass sie schlicht alle falsch sind. Die einzig richtige ist die des historischen und dialektischen Materialismus, also jene Theorie, deren letzter Unterschlupf der Stalinismus ist; die schlimmste und verheerendste war und ist der Trotzkismus in all seinen Schattierungen und seinen heutigen postmodern-kritizistisch-aufklärerischen Ausführungen (siehe Theorienaufzählung oben). Dieses Gefasel ist der barste Unsinn, das weiss sogar meist der bürgerliche Klassenfeind, und am erfreulichsten ist es, wenn die Erkenntnisse der stalinistischen Vernunft ihre Wahrheit durch diesen Klassenfeind, der vor allem auch noch einer sein will und nicht rumdruckst (und allein schon deshalb Lob und Anerkennung verdient) auch noch bestätigt werden. Dieses dem Kommunismus als Kontrollinstanz dienende Vorgehen, hier in Gestalt von Dirk Maxeiner und Michael Miersch, beweist die Existenz und Richtigkeit des Weltgeists: Jeder Satz in diesem Text ist richtig, die objektive Wahrheit wurde erkannt, der Unterschied zum Stalinismus ist lediglich einer der Frage, wer sich von uns später an oder neben dem Galgen befindet. Maxeiner und Miersch haben sich für oben, also die falsche Seite entschieden, das ist ihr gutes Recht, es herrscht schließlich Demokratie, Suizid ist jedem erlaubt. Natürlich sind sie Arschlöcher, aber nunmal keine, denen man vorwerfen kann, dass sie die Wahrheit ignorierten. Sie wollen das falsche, das schlechte, den Mob an der Macht und sich selbst als Untertanen, damit kann man leben – sollen sie ihres Elends Schmied sein. Und wer den derzeitigen Verwaltern der Bundesrepublik beim Sparkpakete schnüren und Ressentiments schüren publizistisch zu Diensten sein will, soll dies doch ruhig tun. Aber sie erzählen wenigstens keinen Mist, sie wissen, was Sache ist:

„In seinem letzen Lebensabschnitt schuf der alte Revolutionär [Trotzki] eine geistige Durchgangsstation, die einigen der klügsten Köpfe des 20. Jahrhunderts eine Weile Obdach bot. Sie wirkte wie ein Katalysator, der Intellektuellen die Abkehr vom Kommunismus erleichterte. Das hat der Prediger der „permanenten Revolution“ natürlich nicht bezweckt. Doch Stalin hat diese Wirkung wohl geahnt, ihn deshalb besonders unerbittlich verfolgt und alle Erinnerungen an ihn im Machtbereich der Sowjetunion tilgen lassen.“

Und weiter:

„Die Kritik des Exilanten Trotzki am Unterdrückungsapparat der Sowjetunion, ermöglichte es nachdenklichen Linken, darüber zu reden was falsch lief, ohne vor sich selbst als Verräter dazustehen. Zehntausende Ex-Kommunisten in aller Welt haben so eine trotzkistische Phase durchlaufen, bevor die meisten von ihnen Demokraten wurden.“

Chapeau.
Das sind doch gute, wahre, astrein der historischen Sittlichkeit gemäße Sätze.
Und wenn die heutzutage nunmal in Springers „Welt“ oder auf der „Achse des Guten“ stehen, dann zeigt das nur, wie debil und bewusstlos diese und ihr Publikum schon immer waren. Die Simpsons auf „Pro Sieben“, der Antitrotzkismus in der „Welt“, das ist doch ein erfreulicher Fortschritt.

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